Gittersee
Stadtteil der Landeshauptstadt Dresden, Sachsen, Deutschland
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Gittersee ist ein Stadtteil der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Er bildet zusammen mit Coschütz den statistischen Stadtteil Coschütz/Gittersee im Stadtbezirk Plauen. Bekannt ist Gittersee vor allem durch den Abbau uranerzhaltiger Steinkohlen der dort stattfand.
Gittersee Stadtteil der Landeshauptstadt Dresden | |
|---|---|
| Koordinaten: | 51° 1′ N, 13° 41′ O |
| Höhe: | 175–285 m ü. NN |
| Eingemeindung: | 1. Juli 1945 |
| Postleitzahl: | 01189 |
| Vorwahl: | 0351 |
Lage der Gemarkung Gittersee in Dresden | |
Lage
Gittersee liegt südlich der Dresdner Innenstadt am Stadtrand. Es liegt zwischen 175 und 285 m NN östlich des Plauenschen Grunds, einem Kerbtal der Weißeritz. Nördlich von Gittersee schließen sich Coschütz und östlich der Stadtteil Cunnersdorf an. Südlich schließt sich der Stadtteil Großburgk und westlich Birkigt an.
Geschichte

Die Namensherkunft von Gittersee ist unbekannt. Im Jahr 1350 als Geterssin erstmalig erwähnt, wird es 1445 Gittirßin genannt und ab 1590 Gittersee.
Bis 1370 war Gittersee im Besitz der Familie von Miltitz. und gehörte zum Distrikt Dresden. Ab 1378 gehörte es zum Amt Dresden. Neben der üblichen Ackerbaunutzung fand in Gittersee auch der Obstbau am Nordhang der Dresdner Elbtalweitung günstige Bedingungen.
Im Jahr 1828 begann in Gittersee der Steinkohlenbergbau mit dem im gleichen Jahr an der Karlsruher Straße geteuften Meiselschacht. 1831 begann an der Karl Stein Straße die Teufe des Emmaschachtes und 1836 die Teufe des Moritzschachtes. Die drei Schächte gehörten dem 1836 gegründeten Gitterseer Steinkohlenbauverein. Mit der Windbergbahn erhielt Gittersee 1857 den Zugang zum Sächsischen Eisenbahnnetz. Mit dem Konkurs des Gitterseer Steinkohlenbauvereins endete 1859 der Steinkohlenbergbau in der Gemeinde Gittersee.
Ab 1856 gehörte Gittersee zum Gerichtsamt Döhlen. 1839 wurde die kommunale Selbstverwaltung eingeführt, dafür baute die Gemeinde 1890 das bis 1945 genutzte Rathaus an der Karlsruher Straße.
Mit der im Jahr 1896 erfolgten Eingemeindung der Gemeinde Neucoschütz nach Potschappel kam der Betriebsteil der König-Friedrich-August-Hütte der sich südlich der Tharandter Straße befand zur Gemeinde Gittersee. Mit der Eingemeindung nach Dresden am 1. Juli 1945 nach Dresden, kam das Gelände an die Gemeinde Dölzschen.
Ab 1950 teufte der VEB Steinkohlenwerk Freital am Bahnhof Dresden-Gittersee eine neue Doppelschachtanlage. Zwischen 1952 und 1955 übernahm die Wismut AG/SDAG die Schächte. Ab 1956 wurde der Abbau von Steinkohle aufgenommen. Nach Erschöpfung der Vorräte wurde der Abbau zum 31. Dezember 1967 eingestellt. Danach wurde das Bergwerk bis Ende 1989 durch die SDAG Wismut als Bergbaubetrieb „Willi Agatz“ zur Förderung von uranerzhaltigen Steinkohlen weiterbetrieben. Um Arbeitsplätze zu schaffen, sollte auf dem Betriebsgelände und den sich nördlich anschließenden Feldern ein Reinstsiliumwerk errichtet werden. Die Planungen begannen 1987. Im November 1989 wurde der Bau gestoppt. Die Investruine dient heute Dr. Quendt GmbH & Co.KG als Produktionsstandort. Das Gelände gehört zum Gewerbegebiet Coschütz/Gittersee. Das Gelände des Bergbaubetriebes wurde renaturiert.
Ein herausragendes Gebäude ist der um 1890 gebaute Gasthof zu Gittersee, Konzert- und Ball-Etablissement. Zwischen 1925 und 1932 hatten die Orla-Lichtspiele im Ballsaal ihr Domizil. Ab 1945 trat im Gasthof von Gittersee die Volksoper Dresden (ab 1949 Landesoper Sachsen) auf, die 1950 nach Radebeul umzog und aus der in den 1950er-Jahren durch Fusion mit dem Landesschauspiel die Landesbühnen Sachsen wurden. Der Gasthof firmierte später unter dem Namen HO-Gaststätte "Friedenswacht". Der Ballsaal diente nur noch als Lagerraum. Zu den wechselnden Nutzern gehörte auch das Gorbitzer DEFA-Studio für Trickfilme das hier ein Tonstudio unterhielt.
Gegenüber der Einmündung der Herman-Michel-Straße in die Karlsruher Straße wurde 1887 die Rehbockschänke errichtet. Neben der Gastwirtschaft gab es auch einen Ballsaal und eine Kegelbahn. 1936 wurde der Ballsaal zum Filmtheater "Capitol" umgebaut. Von 1950 bis 1990 war es als Filmtheater "Glück Auf" in Betrieb. Nach Leerstand und Verfall wurde der Komplex 2006 abgerissen.
Im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Veränderungen spielte Gittersee eine erhebliche Rolle mit dem vorgesehenen Aufbau des Reinstsiliziumwerk Gittersee und den bis dahin in der DDR ungekannten und zunächst spontanen Bürgerprotesten, deren Protagonisten schließlich über mehrere Zwischenschritte einen großen Teil des Kerns der Gruppe der 20 bildeten.
Persönlichkeiten
- Wilhelm Lachnit (1899–1962), Maler
- Max Lachnit (1900–1972), Architekt und Bildhauer
Sehenswürdigkeiten

Seit 1988 befindet sich in dem Gebäude des Bahnhofs Gittersee das Museum zur Geschichte der Windbergbahn. Der noch existierende Streckenabschnitt der Windbergbahn von Freital-Ost nach Gittersee wurde Ende 2008 vom Sächsischen Museumseisenbahn Verein Windbergbahn e. V. gepachtet, der auf der Strecke Sonderzüge betreibt und nach ihrer Sanierung einen Museumsbetrieb durchführen will. Auf dem ehemaligen Streckenabschnitt ab Gittersee wurde ein Wanderweg angelegt, der der Trasse über Kleinnaundorf nach Bannewitz und Possendorf folgt.
Rezeption
Die Autorin Charlotte Gneuß gab ihrem Debüt-Roman aus dem Jahr 2023 den Titel Gittersee.[1]
Siehe auch
Weblinks
- Gittersee ( vom 5. Februar 2023 im Internet Archive) in dresdner-stadtteile.de
- Gittersee im Stadtwiki Dresden
- Gittersee im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
