Gladys Roberts
englisch-britische Suffragette
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Fanny Gladys Roberts (* 1887/1888 in Bradford, West Riding of Yorkshire; † 1975 in Oxfordshire) war eine englisch-britische Suffragette.



Leben
Roberts wurde in Bradford geboren. Sie absolvierte einen Schreibmaschinenkurs und arbeitete als Anwaltsgehilfin (solicitor’s clerk).[1][2]
Roberts trat 1907 der Women’s Social and Political Union (WSPU) bei und wurde Sekretärin des Bradford‑Zweiges.[1] Sie beschriftete auf der Straße aufgestellte Schiefertafeln mit Karikaturen und Reimversen, nachdem die Stadt Bradford das Beschriften der Gehwege mit Kreide zur Ankündigung von Versammlungen untersagt hatte. Im Sommer 1909 unterstützte sie Helen Kirkpatrick Watts in Nottingham und wohnte dort in der Carlton Street 6. Dieselbe Adresse wurde auch von Ellen Crocker genutzt.
Am 26. Juni 1909 wurde sie wegen Steinwerfens verhaftet, als sie Teil einer Deputation an König Eduard VII. war, und zu einem Monat Haft in der second division (Haftbedingungen für Straftäterinnen anstatt der für politische Gefangene) verurteilt.[3] Sie wurde noch zwei weitere Male verhaftet.[4]
Roberts ist in der Volkszählung von 1911 nicht nachweisbar und könnte sich daher im Rahmen des Zensusboykotts der Suffragetten von 1911 der Erfassung entzogen haben. Bis Mitte 1911 lebte Roberts in Nottingham und war Sekretärin des dortigen WSPU‑Zweiges.[1]
Anfang März 1912 beteiligte sich Roberts zusammen mit über 100 anderen Frauen an einer Protestaktion der WSPU in Form von Einschlagen von Schaufenstern im Zentrum Londons. Die Frauen verbargen große Steine und Hämmer unter ihren Röcken und zerstörten in einer koordinierten Aktion Schaufenster in der Regent Street, der Oxford Street und in der Umgebung. Roberts wurde wegen Fenstereinschlagens am Postamt King’s Road verhaftet und erschien vor dem Bow Street Magistrates’ Court. Eine Kaution wurde ihr verweigert.[5] Sie wurde zu drei Monaten Haft mit Zwangsarbeit im Holloway Prison verurteilt.[1][4][6]
Während ihrer Inhaftierung schrieb Roberts an Helen Kirkpatrick Watts, dass sie gemeinsam mit Louisa Garrett Anderson, Emmeline Pankhurst und Ethel Smyth inhaftiert sei.[5] Sie trat außerdem gemeinsam mit einer Suffragette namens Florence Cook für fünf Tage und sechs Stunden in den Hungerstreik.[7][8] Roberts führte ein Stenografie‑Tagebuch, in dem sie ihre Erfahrungen dokumentierte,[9] und hielt fest, dass Briefe von Gefangenen bei Entlassung aus dem Gefängnis hinausgeschmuggelt wurden.[10] Während einer ihrer Haftzeiten war Roberts nach eigenem Bekunden „hoch erfreut“, in ihrem Blechmesser eine eingekratzte Inschrift zu Ehren Christabel Pankhursts zu entdecken, die von einer früheren inhaftierten Suffragette stammte.[2]
Roberts wurde von der WSPU-Führung mit der sogenannten „Hungerstreik-Medaille“ For Valour und mit der „Holloway-Brosche“ ausgezeichnet.[11][12]
Roberts war eine von 68 Frauen, die ihre Unterschrift oder Initialen auf das von den Gefangenen in Holloway im März 1912 bestickte sogenannte „Suffragetten-Taschentuch“ setzten.[13]
Roberts starb 1975 in Oxfordshire.[1]