Gleimenhain

Stadtteil von Kirtorf From Wikipedia, the free encyclopedia

Gleimenhain ist ein Stadtteil von Kirtorf im Norden des mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Schnelle Fakten Stadt Kirtorf ...
Gleimenhain
Stadt Kirtorf
Koordinaten: 50° 49′ N,  7′ O
Höhe: 384 m ü. NHN
Fläche: 4,96 km²[1]
Einwohner: 193[2]
Bevölkerungsdichte: 39 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36320
Vorwahl: 06692
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Ortsgeschichte

Mittelalter

Gleimenhain wurde als Gliminhain 1279 urkundlich erwähnt.[3] Zu dieser Zeit war der Ort fuldisches Lehen der Grafen von Ziegenhain. 1278 wurde der Ort von Graf Ludwig II. an das Kloster Haina verschenkt (Beleg fehlt).

Die ältesten bekannten Erwähnungen betreffen die ortsadligen Ritter von „Glimenhagen“: Der Ritter Ditmar (Thetmarius) bezeugte am 13. Juni 1262 die Übertragung des Patronatsrechts der „in superiori Grincenbach“ an die Kirche in Cappel.[4] Im gleichen Jahr bezeugte der selbige Ritter Ditmar am 24. September, dass eine Leibeigene durch Graf Ludwig II. von Ziegenhain verkauft wurde.[5]

1293 wurde ein Vertreter der Herren von Gleimenhain, genannt von dem Forste, mit einem Burgsitz erwähnt: „Ludewicus de Glimenhain“.

Die Familie war eine Bruderlinie der Herren von Wahlen. Bei dem Burgsitz handelte es sich möglicherweise um die Nellenburg, die zwischen Gleimenhain und Neustadt/Hessen liegt, die auch von den Herren von Wahlen als „unser eygin Hus“, die Nellenburg, bezeichnet wurde. 1345 wurde ein „Dytmar fon Glyminhen der alde“, ebenfalls dem Ortsadel zugehörig, urkundlich erfasst.[6] „Rusticos in Glimenhan“ (Bauern in Gleimenhain) sind 1297 schriftlich nachgewiesen.[7]

Der Ortsname wird auf den Personennamen Glimo zurückgeführt.[8]

Das Dorf wurde im Spätmittelalter zur Wüstung. 1461 erwarb der spätere hessische Hofmeister Hans von Dörnberg die Wüstung und baute sie wieder auf, allerdings an einem neuen, dem heutigen Standort. Über die Gebrüder Steuber, die Gleimenhain klageweise von den Dörnberg erkämpften, kam der Ort über die Familie von Weiters im Wege der Lehnsauftragung an den hessischen Landgrafen, der ihn aber nicht dem Eußergericht unterstellte, sondern zu dem ihm allein gehörenden Kirtorfer Stadtgericht zog. Von da an ging Gleimenhain den gleichen Weg wie die anderen Dörfer der Gegend.[2]

Neuzeit

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Gleimenhain:

„Gleimenhain (L. Bez. Kirtorf) evangel. Filialdorf; liegt 112 St. von Kirtorf, hat 39 Häuser und 242 evangelische Einwohner, so wie 1 Mühle. Gleimenhain – (Glimenhan) gehörte zur Kirche in Neustadt, ein Churhessischer Ort, und wurde 1278 von dem Grafen Ludwig von Ziegenhain, der von Fuld damit belehnt war, an das Kloster Haina geschenkt. Zwischen Gleimenhain und dem Schmitthof lag Folkershain.“[9]

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Gleimenhain im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz in die Stadt Kirtorf eingegliedert.[10][11]

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Gleimenhain angehört(e):[1][12][13]

Gerichtszugehörigkeit seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Gleimenhain das „Amt Romrod“ zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übertragen. „Landgericht Homberg an der Ohm“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Homberg an der Ohm, das für Gleimenhain zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Homberg an der Ohm“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[20] Am 15. Juni 1943 wurde das Gericht zur Zweigstelle des Amtsgerichtes Alsfeld,[21] aber bereits wieder mit Wirkung vom 1. Juni 1948 in ein Vollgericht umgewandelt.[22] Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Homberg und Gleimenhain wurde dem Bereich des Amtsgerichts Kirchhain zugeteilt.[23]

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Gleimenhain 165 Einwohner. Darunter waren 4 (2,4 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 15 Einwohner unter 18 Jahren, 75 zwischen 18 und 49, 45 zwischen 50 und 64 und 27 Einwohner waren älter.[24] Die Einwohner lebten in 66 Haushalten. Davon waren 21 Singlehaushalte, 15 Paare ohne Kinder und 27 Paare mit Kindern, sowie 3 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 12 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 15 Haushaltungen lebten keine Senioren.[24]

Einwohnerentwicklung

 1791:176 Einwohner[25]
 1800:182 Einwohner[26]
 1806:199 Einwohner, 32 Häuser[16]
 1829:242 Einwohner, 39 Häuser[9]
 1867:228 Einwohner, 38 Häuser[27]
Gleimenhain: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2015
Jahr  Einwohner
1791
 
176
1800
 
182
1806
 
199
1829
 
242
1834
 
232
1840
 
242
1846
 
246
1852
 
228
1858
 
209
1864
 
217
1871
 
208
1875
 
210
1885
 
197
1895
 
213
1905
 
204
1910
 
194
1925
 
197
1939
 
187
1946
 
248
1950
 
285
1956
 
221
1961
 
200
1967
 
180
1970
 
156
1980
 
?
1990
 
?
2000
 
?
2011
 
165
2015
 
171
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Stadt Kirdorf: Stadtteile im Webarchiv; Zensus 2011[24]

Historische Religionszugehörigkeit

 1829:242 evangelische (= 100 %) Einwohner[9]
 1961:193 evangelische (= 96,50 %), 7 katholische (= 3,50 %) Einwohner[1]

Ortsbeirat

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Evangelische Kirche in Gleimenhain

Bauwerke

Sehenswert sind hier unter anderem:

  • Die Mühlen im Otterbachtal
  • Die Nellenburg in der Feldgemarkung zwischen Neustadt und Gleimenhain
  • Die heute barocke Dorfkirche die auf romanischen Grundmauern errichtet wurde mit einem gotischen Chor aus dem 13. Jahrhundert

Siehe auch

Infrastruktur

Sonstiges

Am 29. November 2007 wurde Gleimenhain in der Hessenschau des hr-fernsehens als Dolles Dorf gezogen. Der Beitrag wurde am 1. Dezember 2007 im hr ausgestrahlt. Am 6. Juni 2008 trat Gleimenhain auf dem Hessentag in Homberg (Efze) im Finale gegen vier weitere Dörfer an und belegte zusammen mit Todenhausen den vierten Platz.

Literatur

Anmerkungen und Einzelnachweise

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