Glienig

Ortsteil von Steinreich From Wikipedia, the free encyclopedia

Glienig ist ein Ortsteil der Gemeinde Steinreich im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg.

Schnelle Fakten Gemeinde Steinreich ...
Glienig
Gemeinde Steinreich
Koordinaten: 51° 57′ N, 13° 27′ O
Höhe: 105 m ü. NHN
Einwohner: 137 (1. Jan. 2017)[1]
Eingemeindung: 31. Dezember 2002
Postleitzahl: 15938
Vorwahl: 035451
Schloss Glienig
Schloss Glienig
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Geografische Lage

Glienig liegt im Südwesten der Gemarkung und grenzt im Westen und Süden an die Stadt Dahme/Mark an. Im Norden befindet sich der Gemeindeteil Damsdorf und im Nordosten Schenkendorf. Das Gelände liegt auf einer Höhe von rund 105 m ü. NHN.[2]

Geschichte und Etymologie

Etymologie

Der Ort erscheint erstmals im Jahr 1446 als Glynick j wüste dorffstede in einer Urkunde des Staatsarchivs Magdeburg. Eine weitere Nennung stammt aus dem Jahr 1579, in dem die Formen Glienigk bzw. Glinki überliefert sind. Für 1651 ist die Bezeichnung wüste Dorfstete Glühnigke belegt. In der Ortschaftsstatistik von 1861 erschien der Ort schließlich unter der Form Glienick (Glienig).[3] Der Name leitet sich aus dem Slawischen ab und bedeutet so viel wie „Ort, wo es Lehm gibt, Siedlung auf lehmigem Boden“[4].

Besitzgeschichte

Die wüste Dorfstätte befand sich vor 1446 bis 1596 im Besitz der Familie von Schlieben, die sie mit allem Recht innehatte. Anschließend wurde der Besitz geteilt: Zwischen 1584 und 1597 verfügte die Familie von Hacke über die Hälfte der wüsten Feldmark, während die andere Hälfte im gleichen Zeitraum weiterhin bei der Familie von Schlieben lag. Nach 1597 wurden beide Teile wiedervereinigt und gelangten bis 1638 vollständig an die Familie von Hacke.

Von 1638 bis 1714 befand sich die wüste Feldmark im Besitz der Familie von Löben. Innerhalb dieser Zeit war sie 1660 verpfändet an Georg Geng und befand sich vor 1692 im Pfandbesitz der Flemmings. Ab 1714 bis 1828 lag der Besitz dauerhaft bei der Familie Flemming, bevor er von 1828 bis 1872 an die Familie Unverdorben überging, die sowohl die wüste Feldmark als auch das wieder aufgebaute Dorf mit allen Rechten innehatte.[3]

15. und 16. Jahrhundert

Die Feldmark wurde 1446 bereits als wüst gefallen erwähnt. Im Jahr 1529 wurde sie erneut als wüste Feldmark bezeichnet und soll zu diesem Zeitpunkt 24 Hufen umfasst haben.[3] Das Dorf stand vermutlich in kirchlicher Beziehung zu Schenkendorf. Der Pfarrer aus Groß Ziescht erhielt von der wüsten Feldmark ein Viertel Korn als Abgabe. Zwei Pfarrhufen hatte die Familie von Schlieben an sich genommen, die sie 1533 jedoch wieder zurückgab. Im Jahr 1555 verfügte der Pfarrer aus Groß Ziescht zudem über zwei freie Hufen. Dafür sollte er fünf Scheffel Korn und fünf Scheffel Hafer erhalten.[5] In den Jahren 1593/1594 befand sich auf der Feldmark eine Schäferei der Familie von Hacke.[3]

17. und 18. Jahrhundert

Für 1664 ist überliefert, dass die Feldmark völlig wüst lag; der Pächter Geng hatte dort jedoch bereits seit drei Jahren gebaut und gesät, und das Gelände sollte für das Amt Dahme angekauft werden.

Auch 1714 wurde die Fläche noch als wüste Feldmark bezeichnet. Im Jahr 1722 bestand ein Rittergut, eine Herrenschäferei und sieben Feuerstätten (= Haushaltungen), deren Bewohner alle als Tagelöhner arbeiteten. Im Jahr 1746 wurden neun Häusler genannt, ebenso 1777, die allesamt auf dem Rittergut lebten.[3]

19. Jahrhundert

Im Jahr 1800 wurde das Rittergut ohne Untertanen geführt. Aus dem Jahr 1815 ist ein Windmühlenmeister mit einem Gesellen belegt. Im Jahr 1816 gab es in Glienig eine Windmühle, ein Schneider und ein Rademacher; 1836 wurde ein Stellmacher erwähnt. Im folgenden Jahr bestand Glienig aus Rittergut und Dorf mit 17 Wohnhäusern. Im Dorf standen im Jahr 1858 ein öffentliches, 14 Wohn- und 18 Wirtschaftsgebäude, darunter eine Getreidemühle. Außerdem gab es einen Abbau Gasthaus. Im Rittergut standen zehn Wohn- und 20 Wirtschaftsgebäude, darunter eine Brennerei. Das Dorf war 258 Morgen (Mg) groß: 9 Mg Gehöfte und 249 Mg Acker. Das Rittergut umfasste 2771 Mg: 8 Mg Gehöfte, 1063 Mg Acker und 1700 Mg Wald.[3]

20. Jahrhundert

Gedenktafel an der Absturzstelle

Glienig bestand zur Jahrhundertwende aus dem Dorf mit 14 Häusern auf 85,2 Hektar (ha) und dem Rittergut mit neun Häusern auf 723,1 ha. Im Dorf lebten unter anderem ein Büdner und Gastwirt (6,28 ha), drei Büdner und Tagearbeiter (10,37 ha; 6,58 ha; 6,38 ha) sowie ein Windmüller und Büdner (8,45 ha). Im Rittergut lebten ein Inspektor, ein Revierförster und ein Schmiedemeister.[3] Glienig bestand 1905 aus der Landgemeinde, sowie dem Rittergut und Gutsbezirk, der 1928 mit der Gemeinde und dem Gutsbezirk Damsdorf vereinigt wurde. Glienig war 1931 Landgemeinde mit 43 Wohnhäusern und 62 Haushaltungen.

Im Jahr 1939 gab es drei land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit einer Fläche über 100 ha. Weitere vier Betriebe waren zwischen 20 und 100 ha, 18 zwischen 10 und 20 ha, sieben zwischen 5 und 10 ha sowie vier zwischen 0,5 und 5 ha groß. Am 20. April 1945 stürzte das letzte Zivilflugzeug, das in Berlin vor der Kapitulation und dem Ende des Zweiten Weltkrieges gestartet war und einen Flug nach Prag hätte durchführen sollen, mit 17 Passagieren und drei Besatzungsmitgliedern im Waldgebiet zwischen Glienig und Buckow ab, nachdem es beschossen worden war.

Glienig entwickelte sich zu einer Landgemeinde und war von 1952 bis 1990 dem Kreis Luckau im Bezirk Cottbus zugehörig. Im Zuge der Bodenreform wurden 1948 insgesamt 149 ha enteignet: 79,8 ha Ackerland, 0,2 ha Gärten, 11 ha Wiesen und Weiden, 57 ha Wald, 0,7 ha Hofräume sowie 0,1 ha Wege und Ödland. Die Flächen wurden aufgeteilt: 52,7 ha gingen an vier landlose Bauern und Landarbeiter, 0,9 ha an einen landarmen Bauern, 72 ha an sechs Umsiedler, 4,2 ha als Waldzulage an einen Altbauern, 18,9 ha an die Gemeinde sowie 0,1 ha an den Bodenfonds. Glienig wurde nach 1945 wieder selbstständige Gemeinde, in den 1957 erneut Damsdorf als Ortsteil eingemeindet wurde.

Im Jahr 1956 entstand die erste LPG Typ III mit 12 Mitgliedern und 92 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche. 1960 bestand weiterhin eine LPG Typ III, die 1965 bereits 43 Mitglieder und 261 ha LN umfasste. 1967 wurde sie der LPG Typ III Damsdorf angeschlossen, 1972 folgte der Anschluss an die LPG Typ I Schenkendorf, nachdem im gleichen Jahr Schenkendorf als Ortsteil eingemeindet worden war. Im Jahr 1973 bestand Glienig mit den Ortsteilen Damsdorf und Schenkendorf. 1978 ging die LPG als LPG Glienig-Damsdorf im Verbund mit der LPG (Pflanzenproduktion) Golßen auf. Parallel existierte eine LPG Typ I mit sieben Mitgliedern und 50 ha LN, die 1968 ebenfalls der LPG Typ III angeschlossen wurde. Im Jahr 1982 bestand am Ort ein VEG Sellendorf mit dem Stützpunkt Glienig.[5]

Mit der Wiedervereinigung und der Wiedereinführung der Bundesländer gehört Glienig zum Landkreis Dahme-Spreewald im Land Brandenburg.

21. Jahrhundert

Am 31. Dezember 2002 schloss sich Glienig mit dem bis dahin ebenfalls selbstständigen Sellendorf zur Gemeinde Steinreich zusammen.[6]

Bevölkerungsentwicklung

Weitere Informationen Einwohnerentwicklung in Glienig von 1815 bis 1981 ...
Einwohnerentwicklung in Glienig von 1815 bis 1981
Jahr18151817183718581871188518951905192519391946196419711981
Einwohner8290124Dorf 71 und Gut 10972 und 12869 und 8965 und 7764 und 75195223351488538413
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Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sehenswert ist das Schloss, das von 1875 bis 1911 erbaut wurde. Zu ihm gehört ein acht Hektar großer Park mit einer künstlichen Korallentropfsteinhöhle.[7] Zum Schloss gehörte einst ein klassisches kreistagsfähiges Rittergut. Eine der ersten Erwähnung dieser Begüterung 1692 betrifft einen Streit zwischen den Erben des Tobias Flemming-Glienig und Georg Gentzium, kurfürstlich sächsischer Rat.[8] Flemmings Sohn Christian Friedrich wurde 1745[9] in den sächsischen Adelsstand als Ritter von Flemming erhoben konzentrierte sich aber dann auf das neue Gut der Familien in Falkenhain bei Golßen. Zeitweise hielt durch die Heirat mit einer Tochter des Ratsassessors Christian Carl Flemming zu Zeitz ein Premierleutnant Rudolf von Glasey noch den dritten Teil von Gut Glienig, beurkundet 23. Oktober 1807, Zeitz.[10] 1879 nennt das erstmals amtlich publizierte General-Adressbuch der Rittergutsbesitzer die Familie Otto Unverdorben als Eigentümer, 697 ha. Zum Gut gehörte eine Brennerei.[11] 1914 war die Landbank A. G. Berlin Eigentümer des Gutes, Verwalter Weidemann. 1910 nennt das Handbuch des Grundbesitzes Maria Poock als Gutsherrin auf dem 707 ha großen Rittergut Glienig,[12] 1921 die Familie Häberle-Damsdorf als Gutsbesitzer, Pächter Lenz, Förster Freimuth, Inspektor Stuck. 1929, also kurz vor der großen Wirtschaftskrise, beinhaltete die Besitzung des Restrittergutes nur noch 172 ha Land. Eigentümer war die Familie[13] von Guaita, vertreten durch den Rittmeister a. D. Leon von Guaita. Als Pächter agierte der Schwiegersohn Ludolf-Hermann von Alvensleben-Schochwitz. Verwalter war Herr Burmeister. Im betrieblichen Zentrum stand die Schweinezucht. Dem Gut standen zehn Pferde zur Verfügung. Der Forstbestand war mit 50 ha gering.[14] Mit der Bodenreform 1945 endete die Historie als Gutsdorf.

Literatur

  • Gerhard Grün: Glienig. Ein Rittergutsdorf auf der Niederen Fläming. Books on Demand, Norderstedt 2013. ISBN 978-3-7322-5326-5
  • Gerhard Grün: Schloß Glienig. Eine Jugendstil-Villa. Books on Demand, Norderstedt 2013. ISBN 978-3-7322-4362-4
Commons: Glienig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 154 bis 156.

Einzelnachweise

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