Doberschau-Gaußig

Gemeinde im Landkreis Bautzen, Sachsen, Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Doberschau-Gaußig, sorbisch Dobruša-Huska/?, ist eine nach den beiden Orten Doberschau und Gaußig benannte Gemeinde im Landkreis Bautzen in der sächsischen Oberlausitz.

Schnelle Fakten Wappen, Deutschlandkarte ...
Wappen Deutschlandkarte
?
Doberschau-Gaußig
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Doberschau-Gaußig hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 51° 9′ N, 14° 21′ O
Bundesland:Sachsen
Landkreis: Bautzen
Höhe: 220 m ü. NHN
Fläche: 40,48 km²
Einwohner: 4203 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 104 Einwohner je km²
Postleitzahl: 02692
Vorwahlen: 03591, 035930, 03592
Kfz-Kennzeichen: BZ, BIW, HY, KM
Gemeindeschlüssel: 14 6 25 110
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
OT Gnaschwitz Hauptstraße 13
02692 Doberschau-Gaußig
Website: doberschau-gaussig.de
Bürgermeister: Alexander Fischer (CDU)
Lage der Gemeinde Doberschau-Gaußig im Landkreis Bautzen
KarteBernsdorf
Karte
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Gaußig im Luftbild
Blick über den Ortsteil Doberschau, im Hintergrund die Stadt Bautzen
Zweisprachiges, besonders ausführlich beschriftetes Ortsschild des Ortsteils Weißnaußlitz

Geografie

Doberschau liegt etwa vier, Gaußig etwa 9 km südwestlich der Großen Kreisstadt Bautzen am Nordrand des Lausitzer Berglandes.

Nachbargemeinden

Göda Bautzen
Demitz-Thumitz Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Obergurig
Schmölln-Putzkau Neukirch/Lausitz Wilthen

Alle umliegenden Gemeinden zählen zum Landkreis Bautzen.

Ortsgliederung

Die Gemeinde gliedert sich in 21 Ortsteile (Einwohnerzahlen vom 31.12. des Jahres):[2]

Weitere Informationen Ortsteile ...
Ortsteile 1999 2000 2005 2010 2015 2020 2021 2022 2023 2024 2025
Arnsdorf (Warnoćicy) 0167 0168 0163 0144 0155 0143 0146 0153 0142 0139 0140
Brösang (Brězynka) 0067 0067 0067 0071 0054 0052 0052 0056 0058 0055 0054
Cossern (Kosarnja) 0083 0086 0088 0086 0082 0079 0080 0080 0075 0072 0070
Diehmen (Demjany) 0260 0273 0256 0231 0209 0185 0184 0187 0181 0185 0180
Doberschau (Dobruša) 1325 1315 1232 1185 1154 1174 1172 1171 1172 1174 1160
Drauschkowitz (Družkecy) 0084 0081 0079 0068 0069 0074 0076 0074 0077 0071 0072
Dretschen (Drječin) 0122 0129 0121 0114 0108 0107 0104 0109 0107 0105 0102
Gaußig (Huska) 0610 0646 0608 0611 0614 0619 0625 0623 0628 0618 0621
Gnaschwitz (Hnašecy) 0381 0374 0343 0328 0317 0313 0308 0299 0306 0299 0284
Golenz (Holca) 0115 0113 0100 0098 0105 0093 0090 0095 0091 0083 0089
Grubschütz (Hrubjelčicy) 0278 0283 0267 0263 0259 0278 0283 0279 0284 0275 0271
Günthersdorf (Hunćericy) 0106 0105 0101 0106 0108 0099 0097 0092 0094 0092 0089
Katschwitz (Kočica) 0049 0049 0043 0043 0042 0037 0041 0042 0039 0036 0036
Naundorf (Nowa Wjes) 0391 0381 0368 0365 0324 0331 0331 0325 0314 0303 0319
Neu-Diehmen (Nowe Demjany) 0038 0033 0043 0040 0031 0038 0038 0042 0035 0039 0038
Neu-Drauschkowitz (Nowe Družkecy) 0042 0040 0035 0035 0034 0034 0034 0033 0030 0031 0029
Preuschwitz (Přišecy) 0064 0059 0057 0051 0061 0055 0060 0066 0067 0069 0065
Schlungwitz (Słónkecy) 0505 0464 0334 0229 0222 0215 0206 0215 0249 0274 0284
Techritz (Ćěchorjecy) 0111 0113 0100 0086 0090 0093 0093 0093 0093 0086 0074
Weißnaußlitz (Běłe Noslicy) 0096 0098 0086 0078 0083 0090 0087 0091 0085 0086 0083
Zockau (Cokow) 0126 0116 0107 0109 0105 0085 0092 0093 0094 0092 0085
Gemeinde Doberschau-Gaußig

(Gmejna Dobruša-Huska)

5020 4993 4598 4341 4244 4194 4199 4218 4222 4184 4145
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Abgesehen von Naundorf und Cossern zählen alle Ortsteile zum amtlichen sorbischen Siedlungsgebiet.[3]

Geschichte

Der Ort Doberschau wurde 1241 erstmals in der Oberlausitzer Grenzurkunde erwähnt. Südlich von Doberschau liegt an der Spree die Doberschauer Schanze, die früher als Wallburg den Einwohnern als Zuflucht diente. Sie konnte gut verteidigt werden, da sie in südlicher Richtung durch das steil abfallende und felsige Tal der Spree begrenzt wird. Überreste des Walls sind noch heute erkennbar. Den Erzählungen nach soll ein unterirdischer Tunnel von der Schanze zum ehemaligen Rittergut in Doberschau existiert haben. Ob die Schanze mit dem 1007 erstmals erwähnten castellum Trebista identifiziert werden kann, ist umstritten. Auf dieser Erwähnung basierte die 1000-Jahr-Feier des Ortes im Jahr 2007.

In der Reformationszeit kam es zu einem langjährigen Streit um die Pfarrei Gaußig. Der Ort war im Besitz des katholischen Domstifts Bautzen, das Präsentationsrecht für die Pfarrstelle hatte aber der evangelische Pfarrer von Göda. Letzterer wurde vom sächsischen Kurfürsten unterstützt, zu dessen Gebiet Göda, nicht aber Gaußig, seit 1559 gehörte. Die Protestanten konnten sich schließlich in den 1560er Jahren endgültig durchsetzen.

Eingemeindungen

Weitere Informationen Ehemalige Gemeinde, Datum ...
Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Arnsdorf01.04.1936Eingemeindung nach Dretschen
Brösang1840Eingemeindung nach Drauschkowitz
Cossern1934Eingemeindung nach Naundorf
Diehmen01.01.1973Eingemeindung nach Gaußig
Doberschau01.01.1994Zusammenschluss mit Gnaschwitz zu Gnaschwitz-Doberschau
Drauschkowitz01.01.1974Eingemeindung nach Gaußig
Dretschen01.01.1974Eingemeindung nach Gaußig
Gaußig01.01.1999
Gnaschwitz01.01.1994Zusammenschluss mit Doberschau zu Gnaschwitz-Doberschau
Gnaschwitz-Doberschau01.01.1999
Golenz01.04.1936Eingemeindung nach Gaußig
Grubschütz01.07.1950Eingemeindung nach Doberschau
Günthersdorf1935Eingemeindung nach Gaußig
Katschwitz01.01.1974Eingemeindung nach Gaußig
Naundorf01.01.1994Eingemeindung nach Gaußig
Preuschwitz1936Eingemeindung nach Doberschau
Schlungwitz01.04.1936Eingemeindung nach Doberschau
Techritz01.04.1936Eingemeindung nach Gnaschwitz
Weißnaußlitz1936Eingemeindung nach Gnaschwitz
Zockau01.07.1950Eingemeindung nach Gaußig
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Politik

Gemeinderat

Gemeinderatswahl 2024
Wahlbeteiligung: 73,1 % (2019: 69,0 %)
 %
40
30
20
10
0
35,7 %
30,8 %
13,6 %
8,3 %
5,9 %
5,7 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2019
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  −2
  −4
+3,9 %p
+9,3 %p
−2,6 %p
−3,6 %p
−1,5 %p
−0,9 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c Evangelisches Wahlbündnis
d Gaußiger Sportler
Gemeinderat ab 2024
1
2
1
1
6
1
1 2 1 1 6 1 
Insgesamt 12 Sitze

Die AfD kann vier Sitze nicht besetzen. Der Gemeinderat verkleinert sich entsprechend.

Nach der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 12 Sitze (Normalgröße: 16 Sitze) des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • CDU: 6 Sitze
  • AfD: 1 Sitz (vier Sitze bleiben mangels Kandidaten unbesetzt)
  • Evangelisches Wahlbündnis: 2 Sitze
  • Gaußiger Sportler (GS): 1 Sitz
  • FDP: 1 (1) Sitz
  • Bündnis 90/Die Grünen: 1 (1) Sitz
Weitere Informationen Sitze, in % ...
letzte Gemeinderatswahlen
Sitze 2024[4] 2019[5] 2014[6]
Sitze in % Sitze in % Sitze in %
CDU 6 35,7 5 31,8 8 45,0
AfD 1 30,8 1 21,5
Evangelisches Wahlbündnis 2 13,6 3 16,2 2 12,8
Gaußiger Sportler 1 8,3 2 11,9 2 16,8
FDP 1 5,9 1 7,4 1 8,2
Grüne 1 5,7 1 6,6
WV Bürgerbewegung Naundorf 4,7 1 8,6
Linke 1 8,5
Wahlbeteiligung 73,1 % 69,0 % 51,5 %
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Bürgermeister

Nachdem der langjährige Amtsinhaber Michael Schulze (CDU) sein Amt vor dem Ende der Wahlperiode niederlegte, waren 2016 Bürgermeisterwahlen nötig. Alexander Fischer (CDU), verfehlte bei 5 Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang im März 2016 knapp. Im zweiten Durchgang mit 59,9 % der Stimmen wurde er dann gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 49,8 %.[7] Die nächste turnusmäßige Bürgermeisterwahl war am 19. März 2023. Amtsinhaber Alexander Fischer trat als einziger Kandidat an und wurde mit 98,1 % für weitere 7 Jahre Amtszeit wiedergewählt.[8]

Weitere Informationen Wahl, Bürgermeister ...
letzte Bürgermeisterwahlen
Wahl Bürgermeister Vorschlag Wahlergebnis (in %)
2023 Alexander Fischer CDU 98,1
2016 59,9
2013 Michael Schulze 95,2
2006 98,0
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Wirtschaft

Warnschild am Betriebsgelände des Sprengstoffwerk Gnaschwitz

Bekannt ist der Ortsteil Gnaschwitz vor allem durch das Sprengstoffwerk Gnaschwitz, welches heute unter der Firmierung MAXAM Deutschland GmbH Sprengmittel für die zivile und militärische Nutzung in aller Welt herstellt.[9] Hier wurden in den 1960er Jahren große unterirdische Anlagen in dem überwiegend aus Granit bestehenden Untergrund angelegt, in welchen die Produktion und Lagerung stattfand. Der VEB Sprengstoffwerk Gnaschwitz war bis 1990 Teil des Kombinats Synthesewerk.

Es kam zu mehreren Unfällen – meist durch menschliches Versagen – und die entstandenen Druckwellen breiteten sich im Spreetal kilometerweit aus. Zu Zeiten der DDR fanden jeden Mittwochnachmittag Tests der Sprengmittel auf dem Betriebsgelände statt, die weithin zu hören waren.

Im März 2023 ging der zurzeit größte Solarpark in Sachsen mit 42 MW Leistung ans Netz. Der Solarpark erstreckt sich über die Gemeinden Göda und Doberschau-Gaußig und wurde von der Firma Anumar (Sitz Ingolstadt) errichtet. Für dieses Solarkraftwerk musste ein eigenes Umspannwerk errichtet werden und erzeugt rechnerisch grünen Strom für 10.500 Haushalte.

Daneben gibt es mehrere landwirtschaftliche Großbetriebe, die aus den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) der DDR hervorgegangen sind.

Vereine

  • Sportverein Gaußig e. V.
  • Sportverein Gnaschwitz-Doberschau e. V.
  • Heimatverein Gaußig e. V.
  • Kleingartenverein „Am Schwanenteich“ e. V. Gaußig

Bildungseinrichtungen

  • Evangelische Grundschule Gaußig
  • Evangelische Oberschule Gaußig
  • Evangelisches Gymnasium Gaußig (mit den Fachrichtungen Gesundheit- und Sozialwesen sowie Wirtschaftswissenschaften)

Sehenswürdigkeiten

Schloss Gaußig (Hotel)
Kirche am Schlosspark

In Gaußig steht das Schloss Gaußig, ein palladianisch umformter Barockbau mit Rhododendrenpark. Das Schloss war bis 1945 in Besitz der Reichsgrafen Schall-Riaucour, im Zuge der Bodenreform wurden sie enteignet und nach Rügen in ein Sammellager deportiert. Nachdem das Schloss zu DDR-Zeiten als Ferienheim der Technischen Universität Dresden genutzt wurde, erfolgte danach seine Renovierung und private Nutzung, ab August 2008 auch als Schlosshotel. Der Park ist weiterhin zugänglich. Am Schloss befindet sich eine römisch-katholische Kapelle. Hier befand sich von 1895 bis 1998 der berühmte Flügelaltar von 1471, der sich ursprünglich in der hiesigen evangelischen Pfarrkirche befand, bis diese 1874 von Carl August Schramm umgebaut wurde. Da es keine Nachweise über eine Übereignung des Altars gab, holte der evangelische Pfarrer vor der Rückgabe des beweglichen Inventars an den nutzungsberechtigten früheren Eigentümer des Schlosses 1998 den Altar aus der katholischen Kapelle in die evangelische Kirche zurück.

Naturschutz

Persönlichkeiten

Literatur

  • Ernst Panse: Palladianisches Schloß im Dornröschenschlaf. Schloßpark Gaußig; in: Ders. (Hg.): Parkführer durch die Oberlausitz; Lusatia Verlag: Bautzen 1999; S. 89–94; ISBN 3-929091-56-9.

Einzelnachweise

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