Goerd Peschken
deutscher Bauforscher
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Goerd Peschken (* 22. Juni 1931[1] in Nordhausen) ist ein deutscher Architekt und Bauforscher.
Leben und Wirken
Goerd Peschken lernte nach dem Abitur 1951 zunächst Tischler.[1] Die Tischlerlehre beendete er 1953 mit dem Gesellenbrief der Tischlerinnung Moers und begann im selben Jahr ein Studium der Architektur[1] an der Technischen Universität Berlin (davon 2 Semester an der TH Karlsruhe), das er als Diplom-Ingenieur 1959 beendete. Seine Lehrer im Entwurf waren Egon Eiermann und Peter Poelzig, im Städtebau Otto Ernst Schweizer und Hans Scharoun und im Fach Baugeschichte Arnold Tschira und Ernst Heinrich. 1956/57 und 1959/60 nahm er als Grabungsarchitekt an archäologischen Grabungen in Babylon und Uruk-Warka als Mitarbeiter von Ernst Heinrich und in Theben von Gerda Bruns teil; im Athenischen Karameikos als Grabungsgast von Dietrich Ohly. 1960/61 begann er mit Privatstudien zu Karl Friedrich Schinkel, finanziert durch Tätigkeit in den Architekturbüros von Frei Otto und Peter Lehrecke und als Denkmalpflege-Korrepondent der Zeitschrift Bauwelt. 1962/63 forschte er über Schinkels Architektonisches Lehrbuch im Auftrage der Deutschen Forschungsgemeinschaft und von Ernst Heinrich. Ab 1964 folgten Forschungen über das Berliner Schloss im Auftrage der Deutschen Forschungsgemeinschaft und von Margarete Kühn. 1965 promovierte mit einer Arbeit über die „Technologische Ästhetik in Schinkels Architektur“ bei Ernst Heinrich und Margarete Kühn[2] u. a. zur Schinkelschen Bauakademie in Berlin-Mitte. Von 1970 bis 1975 lehrte er an der Technischen Universität Berlin Baugeschichte, bevor er – inzwischen habilitiert mit einer Arbeit zur Rekonstruktion des Architektonischen Lehrbuchs von Karl Friedrich Schinkel[3] – 1975 als Professor für Architektur an die Hochschule für bildende Künste Hamburg wechselte. Dort wurde er 1996 emeritiert.
Goerd Peschken hat sich vor allem als Experte für Karl Friedrich Schinkel und Andreas Schlüter und durch seine Forschungen zum Berliner Stadtschloss einen Namen gemacht. Für seine kunsthistorische und baupraktische Auseinandersetzung mit dem Werken Schinkels und deren Vermittlung an Studenten erhielt er 2011 den Schinkel-Preis der Fontanestadt Neuruppin.[4]
Als herausragendes Werk wird seine Rekonstruktion des nie zustande gekommenen Architektonischen Lehrbuchs von Schinkel gesehen, mit der ihn Paul Ortwin Rave betraut hatte. Der Streit mit dessen Nachfolgerin, Margarete Kühn, beeinträchtigte seine wissenschaftliche Karriere, weswegen er „in der Welt der Ordinarien für alle Zukunft ein Außenseiter geworden“ (Dieter Hoffmann-Axthelm) sei.[1]
Peschken ist von Dieter Hoffmann-Axthelm als der „bedeutendste Baugeschichtler seiner und meiner Generation“ bezeichnet worden,[1] obwohl er niemals einen Lehrstuhl für Baugeschichte innehatte und „froh sein musste, bei einer Fachhochschule, im liberaleren Hamburg, anzukommen.“[1]
Er wird als Linker bezeichnet, ohne jedoch eine konkrete parteipolitische Präferenz zu haben.[1] Von Gegnern des Projektes zur Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses,[5][6] das er zusammen mit dem befreundeten Architekten Frank Augustin 1991 realisierte und Grundlage für die Simulation des Schlosses im Stadtraum 1992/93 war, wurde er auch als Rechter bezeichnet.
Schriften (Auswahl)
- Behörden verpfuschen eine alte Stadt – Lemgo. In: Bauwelt, Jg. 1961, Heft 23, S. 664–666.
- Zerstörung einer unzerstörten Stadt - Sünden im Städtebau am Beispiel Lemgos - Gefährdete Kunstdenkmäler der Weser-Renaissance, in: Die Welt, 27. November 1964.
- Eine Stadtplanung Schinkels. In: Archäologischer Anzeiger, 1962, Sp. 861–875.
- Lemgo, zum Zweiten ... In: Bauwelt, Jg. 1964, Heft 42, S. 1126–1129.
- Die städtebauliche Einordnung des Berliner Schlosses zur Zeit des Preussischen Absolutismus unter dem großen Kurfürsten und König Friedrich I. von 1640 bis 1713, in: Gedenkschrift Ernst Gall, Hrsg. Margarete Kühn, Louis Grodecki. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 1965, S. 345–370.
- Technologische Ästhetik in Schinkels Architektur. Dissertation Technische Universität Berlin 1965. – Gedruckt unter demselben Titel, in: Zeitschrift des Deutschen Vereins für Kunstgeschichte, Jg. 22, 1968, Heft 1/2. (S. 40: Lebenslauf des Autors.[7])
- Andreas Schlüter und das Schloss Charlottenburg, in: Schloss Charlottenburg - Berlin - Preußen. Festschrift für Margarete Kühn, München Berlin 1975.
- Karl Friedrich Schinkel. Das Architektonische Lehrbuch (= Karl Friedrich Schinkel Lebenswerk. Band 14). Bearbeitet von Goerd Peschken. Hrsg. von Margarete Kühn. Deutscher Kunstverlag, München 1979 (= Habilitationsschrift). – (Nachdruck 2001, ISBN 3-422-06329-3)
- (mit Hans-Werner Klünner): Das Berliner Schloss: Das klassische Berlin. Propyläen, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-549-06652-X.
- The original significnce of the Model for the Doric Pteron & Triglyph. In CANON, The Princeton Journal, Thematic Studies in Architecture, Volume Three, Princeton 1988, S. 11–36. ISBN 0-910413-39-8
- (mit Tilmann Johannes Heinisch): Zum modernen Denkmalkultus, Gutachten zum Umfang der Denkmalpflege im Land Berlin, erstellt 1979/80 im Auftrag des Senators für Bau- und Wohnungswesen, Landeskonservator, in Les Choses, Berliner Hefte zue Architektur 5/6, 6. Jahrgang, Oktober 1990, Verlag Der Beeken, Berlin 1990, Seite 8–100. ISSN 0177-6053
- Demokratie und Tempel: Die Bedeutung der dorischen Architektur. Der Beeken, Berlin 1990, ISBN 3-922993-20-9. (in französischer Übersetzung: Corinne Jaquand: Temple et Démocratie, La signification de l’architecture dorique. In: marnes, documents d’architecture. Vol 3, Edition de la Villette, France 2014, ISBN 978-2-915456-87-5).
- Das königliche Schloß zu Berlin. Deutscher Kunstverlag, München 1992 ff.
- Band 1: Die Baugeschichte von 1688 bis 1701. Mit Nachträgen zur Baugeschichte des Schlosses seit 1442. 1992, ISBN 3-422-06096-0.
- Band 2: Die Baugeschichte von 1701 bis 1706. 1998, ISBN 3-422-06221-1.
- Band 3: Die barocken Innenräume. 2001, ISBN 3-422-06341-2.
- Baugeschichte politisch: Schinkel, Stadt Berlin, preussische Schlösser. Zehn Aufsätze mit Selbstkommentaren (= Bauwelt Fundamente. 96). Vieweg, Braunschweig 1993, ISBN 3-528-08796-X. – Digitalisat auf books.google.de, abgerufen am 23. September 2023. (Enthält S. 217 ff. auch ein ausführliches Schriftenverzeichnis)
- Schinkels Klassizismus. In: Karl Friedrich Schinkel, Aspects of his Work / Aspekte seines Werks, edited by / herausgegeben von Susan M. Peik, Edition Axel Menges, Stuttgart/London 2001, S. 18–19. ISBN 3-930698-81-1.
- Behlendorf. Hrsg. von Sibylle Badstübner-Gröger, Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark. Berlin 2006.
- Zu den Herrenhäusern des Historismus und der Reformzeit. Eine sozialgeschichtliche Architekturbetrachtung. In: Schlösser und Gärten der Mark. Festgabe für Sibylle Badstübner-Gröger. Hrsg. von Markus Jager für den Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark. Lukas Verlag, Berlin 2006, S. 81–88. ISBN 3-936872-96-1
- Andreas Schlüter architectus, Werkverzeichnis in Zeichnungen. Verlag Ludwig, Kiel 2014, ISBN 978-3-86935-227-5
- Schinkels Salomonischer Tempel auf Bärwinkel (= DKV-Kunstführer. Nr. 681). Deutscher Kunstverlag, Berlin und München 2015, ISBN 978-3-422-02421-2.
Literatur
- Frank Augustin (Hrsg.): Geschichte und Pflege. Gebr. Mann, Berlin 1991, ISBN 3-7861-1648-2 (= Festschrift für Goerd Peschken)
- Dieter Hoffmann-Axthelm: Ein hellwacher politischer Mensch. Goerd Peschken zum 80. Geburtstag. In: Bauwelt. Heft 33/2011, vom 26. August 2011, S. 4. (Abschrift auf bauwelt.de, abgerufen am 26. Januar 2026)