Gothen
Ortsteil der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf
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Gothen ist ein Ortsteil der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf. Er liegt südwestlich des Ortsteiles Seeheilbad Heringsdorf am Nordrand des Thurbruchs nahe dem Gothensee. Östlich von Gothen befindet sich der 32 Meter hohe Buchfinksberg.
Geschichte
Gothen wurde erstmals 1342 als „Chotym" urkundlich erwähnt.[1] Der slawische Name wird mit „Begierde“ gedeutet.[2]
Gothen war seit dem 13. Jahrhundert ein zum Mellenthiner Besitz gehörendes Gut auf der Insel Usedom. Es war der Besitz der adligen Familie von Neuenkirchen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam Gothen wie die übrigen Besitzungen der inzwischen ausgestorbenen Familie von Neuenkirchen als Lehen der schwedischen Königin Christina an den Grafen Johan Axelsson Oxenstierna.[3] Das Lehen blieb nach seinem Tod bei seiner Witwe Margareta Brahe. Nachdem auch sie 1669 verstorben war, wurde der in schwedischen Diensten stehenden General Burchard Müller von der Lühneneuer Gutsherr. Unter der seit 1720 auf Usedom bestehenden Herrschaft Preußens erfolgte 1747 die Allodifizierung des Gutes durch König Friedrich II (der Große). Der Enkel des Burchard Müller von der Lüne verlor aufgrund seiner Spielschulden u.a. den Mellenthinschen Besitz [4], ihn ersteigerte der preußische Kriegsrat Bleichert Peter Meyenn.[5] Sein Enkel Leopold Heinrich Ernst von Meyenn wandelte das Adelsdorf Gothen 1798 zu einem Vorwerk um. Die drei ansässigen Bauern wurden nach Neuhof umgesiedelt. Dafür erhielten die vier neuhofer und die drei gothener Bauern gegen Erbpacht und Naturaldienste ihre Höfe zum Eigentum.[6] Nach jahrelanger Sequestion (offizielle Zwangsverwaltung) wurde Mellenthin 1817 erneut zur Versteigerung angeboten.
Forstmeister Georg Bernhard von Bülow-Rieth (1768–1854) und sein Bruder Ernst Gottfried von Bülow-Cummerow erhielten den Zuschlag für das aus dem Besitz herausgelöste Gut Gothen für 45.000 Taler. Georg Bernhard von Bülow stellte die Fläche für die Heringsdorfer Kirche im Walde zur Verfügung und ließ neben dem Weißen Schloss am Heringsdorfer Kulm 1845 die heutige Villa Achterkerke als repräsentatives Gästehaus bauen. Neben Heringsdorf gehörten die Orte Neuhof, Neukrug und Adelig-Ahlbeck zum Gut.
Im Jahre 1851, noch zu Lebzeiten Bülows, wurde Gut Gothen an die briefadelige Familie von Treskow, konkret an den auf Wierzonka bei Posen ansässigen Gutsherrn Louis (Ludwig) von Treskow (1799–1865) verkauft. Dieser ergriff nach der Schilderung des Badearztes Dr. Schmige aus dem Jahr 1852 neue Initiativen zum Ausbau des Seebades.[7][8]
1856 wurde Hermann Weichbrodt neuer Gutsbesitzer von Gothen, der versuchte, den Gothensee mit hohem Aufwand trocken zu legen, um neues Weide- und Gartenland zu gewinnen. Zunächst schien das Ansinnen zu gelingen, wurde dann aber zu kostspielig und Weichbrodt musste 1860 Konkurs anmelden.[9]
Die Reichsgräfin Charlotte zu Stolberg- Wernigerode auf Peterswaldau ersteigerte 1861 Gut Gothen.[10] Der Versuch, den Gothensee zu entwässern, wurde bis Ende der 1880er Jahre fortgesetzt, es war vergeblich. 1873 wurden in Gothen elf Wohnhäuser verzeichnet.[11] Seit 1872 wurden nach und nach Ländereien des Gutes verkauft. Die Tochter und Erbin der Reichsgräfin zu Stolberg- Wernigerode, Sophie Charlotte Helene Prinzessin von Schönburg- Waldenburg, veräußerte 1890 den verbliebenen Rest.[12] Nach Königlichem Erlass vom 15. September 1902 wurde der Gutsbezirk Gothen in eine Landgemeinde umgewandelt.
Abseits der touristischen Zentren Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin gelegen ist Gothen heute vor allem für Wanderer und Fahrradfahrer ein Etappenziel. Das Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts Gothen wurde in den 1980er Jahren abgerissen.
Eingemeindung
Gothen wurde am 1. Juli 1950 in die Gemeinde Seebad Heringsdorf eingemeindet.[13]
Söhne und Töchter des Ortes
- Kurt von Borcke (1835–1905), preußischer Politiker, Mitglied des Preußischen Herrenhauses
Literatur
- Gothen. In: Dirk Schleinert: Die Geschichte der Insel Usedom. Hinstorff Verlag, Rostock 2005, ISBN 3-356-01081-6.
- Gothen. In: Heinrich Karl Wilhelm Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen Insel Usedom. Enthaltend der Zustände dieser Lande in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. II. Theil, Band I: Insel Usedom – Ländliche Landschaften. W. Dietze, Anklam bzw. Gunkel & Muthschall, Berlin 1865. Online
Weblinks
- Gothen, In: Ortschroniken, Hrsg. Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern e. V. Schwerin
- 6.12-1/19 Kreistag und Rat des Kreises Usedom: Beziehung zu den Räten der Gemeinden in Kauf-, Pacht- und Auseinandersetzungsverträgen sowie anderen Grundstücksangelegenheiten im Bereich der Kreisgebiete Greifswald und Usedom (späteres Kreisgebiet Wolgast). Bansin, Benz, Gothen, Heringsdorf, Bestellsignatur: (6.12-1/19) 432 d. Laufzeit: 1949–1953. Hrsg. LHAS