Goßlerhaus
Villa in Hamburg-Blankenese
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Das als Goßlerhaus benannte Gebäude wurde 1901 von Architekten Martin Haller für John Henry Goßler anstelle eines von Christian Frederik Hansen 1794 errichteten Landhauses erbaut. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude im Hamburger Stadtteil Blankenese beherbergt die Janssen-Bibliothek und ist Veranstaltungsort des „Fördervereins Goßlerhaus“.
Nutzung
Im Jahr 1995 wurde der „Förderverein Goßlerhaus“ gegründet, eine Initiative Blankeneser Bürger zur Pflege und Rettung des Hauses. Durch das Engagement des Vereins konnte der kunsthistorisch bedeutende Gartensaal aufwändig restauriert werden. Im Jahr 2006 erwarb ein Blankeneser Mäzen das Gebäude von der Stadt Hamburg, renovierte und sanierte es auf Basis eines von der Bucerius Law School entwickelten langfristigen Nutzungskonzepts und brachte es in eine gemeinnützige Stiftung ein. Durch die Vermietung an die Bucerius Law School und die Zeit-Stiftung wurden Haus und umliegender Park dauerhaft wissenschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Zwecken und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Innenausstattung wurde mit Hilfe des Bankhauses Sal. Oppenheim jr. & Cie. KGaA erneuert. Gleichzeitig wurde gemeinsam mit Lamme Janssen, Tochter von Horst Janssen, die Horst-Janssen-Bibliothek eingerichtet. Im Mittelpunkt sollen Lesungen und Ausstellungen über Janssens Werk stehen. Seit Juli 2017 ist das Hamburger Konservatorium Mieter des Goßlerhauses.
Geschichte
1790 erwarb der englische Kaufmann Joseph Blacker (1750–1823)[1] Land auf dem kahlen Krähenberg in Blankenese.[2] Hier ließ Blacker, der ab 1798 Courtmaster der Merchant Adventures war, 1794 von dem für die dänischen Landesteile Holstein und Altona/Elbe zuständigen Landbaumeister Christian Frederik Hansen ein einstöckiges Landhaus in der Form eines antiken Tempels mit symmetrischer Gliederung der Fronten und Säulen auf allen vier Seiten bauen. Das Landhaus wurde als Fachwerkbau mit Holzverkleidung errichtet und war/ist unter dem Namen „Landhaus Blacker“ bekannt. Das umliegende Gelände wurde als englischer Park angelegt. Blacker verkaufte das Anwesen 1816 an Daniel Roß (1776–1840).[3]
1897 erwarb John Henry Goßler das Haus und ließ es von dem Hamburger Architekten Martin Haller um ein Stockwerk erhöhen. Laut mehrerer Zeitungsberichte brach am Abend des 3. April 1901 im Haus ein Feuer aus, das den überwiegend aus Holz bestehenden Bau vollständig zerstörte. Zu dieser Zeit war das Haus unbewohnt, da Renovierungsarbeiten stattfanden.[4] Teile des Inventars konnten gerettet werden. Goßler ließ das Haus nach dem alten Grundriss von Haller massiv aus Stein wiederaufbauen. Im Gartensaal (auch Kaminzimmer genannt) an der Nordfront wurde mit Decken- und Wandstuckaturen, Figurenreliefs und gemalten Reliefs der Eindruck der ursprünglichen Dekoration wiedergegeben.
1924 erwarb die Gemeinde Blankenese das Landhaus mit dem Park und richtete ein Rathaus ein. Für den Kauf nahm der damalige Gemeindevorsteher Heinrich Frahm ein Darlehen bei der preußischen Landesregierung Schleswig-Holstein auf. Die Tilgung erfolgte durch den Verkauf des nordöstlichen Teils des Parks. Durch die Parzellierung dieses Geländes entstand das Villenviertel an der Straße „Goßlers Park“. Ab 1927 diente das Goßlerhaus als städtische Verwaltungsstelle, danach für kulturelle Veranstaltungen, Vorträge, Musikabende und Sommerkonzerte. Ab 1. April 1937 erfolgte die Nutzung des Gebäudes als Ortsamt Blankenese, nachdem Altona durch Groß-Hamburg-Gesetz ein Stadtteil Hamburgs geworden war.
Literatur
- Renata Klee-Gobert, Heinz Ramm: Landhaus Blacker, später „Goßlerhaus“. In: Günther Grundmann, Kulturbehörde (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale der Freien und Hansestadt Hamburg. 2. Auflage. Band 2. Christians Verlag, Hamburg 1970, ISBN 3-7672-0595-5, S. 236–239.
- Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft. Verkauf des ca. 1.544 m² großen Grundstücks Goßlers Park 1 in Hamburg-Blankenese … Drucksache 18/4021 der Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, 4. April 2006, PDF
- Landhaus Goßler (Landhaus Blacker) Blankeneser Landstraße 34 … In: Wilhelm Hornbostel, David Klemm (Hrsg.): Martin Haller. Leben und Werk 1835–1925. Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 1997, ISBN 3-930802-71-6, S. 204