Grasulf I.

Herzog der Langobarden From Wikipedia, the free encyclopedia

Grasulf I. († ≤ 590) war von vor 581 bis zu seinem Tod der zweite langobardische dux (Herzog) des Herzogtums Friaul.

Leben

Italien in den 580er Jahren

Grasulf war ein Bruder Gisulfs I., des ersten Herzogs von Friaul, und wie dieser wahrscheinlich ein Verwandter des Langobardenkönigs Alboin. Als Gisulf starb (wohl vor 581), folgte ihm Grasulf unter nicht bekannten Umständen als dux von Forum Iulii (Friaul) mit der Hauptstadt Cividale nach. Allerdings wird dieser Titel Grasulfs in der wichtigsten Quelle, der Historia Langobardorum des Paulus Diaconus, nicht erwähnt. Anschließend übernahm sein Sohn Gisulf II. das Amt.[1]

Der Hausmeier des Merowingerkönigs Childebert II. von Austrasien sandte vielleicht im Jahr 581 – das Datum ist ungewiss (Epistolae Austrasicae, Nr. 48) – einen Brief an Grasulf (Historia Langobardorum, liber IV, 39) und nannte ihn darin „celsitudo“. Dies könnte bedeuten, dass Gisulf zu diesem Zeitpunkt bereits tot war und Grasulf sein Amt als Herzog bereits übernommen hatte. Wir wissen auch, dass in einem Brief an Childebert, der wahrscheinlich um 590 vom oströmischen Exarchen Romanus verschickt wurde (Epistolae Austrasicae, Nr. 41), nun von „Gisoulfus, […] dux, filius Grasoulfi“ die Rede ist, also von Gisulf (II.), dem Sohn des Grasulf. Um 590 muss Grasulf also bereits tot gewesen sein, wenn sich der Brief auch nicht genauer datieren lässt.

Im Jahr 581 drangen fränkische Truppen zwischen Nanno und Trient ins Etschtal ein, während wenige Jahre später (um 584) eine von Childebert II. angeführte fränkische Expedition die Poebene erreichte. Diese Überfälle veranlassten einige langobardische Herzöge dazu, sich gegen die Plünderer zu verbünden. In dieser Zeit, in den Jahren von etwa 581 bis 588, wird Grasulf eine pro-oströmische Haltung unterstellt, wie einer Reihe von langobardischen Großen. Demnach operierten Langobarden unter Grasulfs Führung auf der Halbinsel Istrien gegen Awaren und Slawen, „Histriam provinciam contra hostem“.[2] Möglicherweise verdankte Grasulf sein Amt sogar oströmischer Intervention. Angesichts der gemeinsamen Bedrohung durch Franken und Slawen beugten sich die Langobarden um 584/585 und fanden sich zu einem Abkommen mit den Franken bereit. Sie akzeptierten deren hohe Forderungen und zahlten darüber hinaus (Fredegar III, 92 und Gregor von Tours VI, 42) einen hohen jährlichen Tribut in Gold. Dafür akzeptierte der Austrasier die Bedingungen, nach denen die Franken keine Einfälle mehr nach Italien unternehmen, und auch kein Bündnis mehr mit Ostrom anstreben würden. Außerdem durften sich die Langobarden einen neuen König wählen.

Gewählt wurde Authari, Sohn des zehn Jahre zuvor ermordeten Cleph. Dieser schloss einen brüchigen Frieden mit Ostrom, um die Herzöge, die Ostrom zugeneigt waren, zu befriedigen. Ein Heiratsbündnis sollte das Reich gegen den nordwestlichen Gegner, die Franken absichern. So sollte Chlodosuintha, die Schwester jenes austrasischen Königs Childebert, Authari heiraten. Doch sah sich Authari, der das Ehebündnis schließlich ablehnte, gezwungen, gegen franken- und ostromfreundliche Herrscher in Norditalien vorzugehen, wie das Gebiet um den Comer See und die Isola Comacina, die er besetzte. Im Osten rückte er gegen das Friaul vor. So musste sich Grasulf sowohl gegen Ostrom als auch die Austrasier und das langobardische Königtum zur Wehr setzen. Möglicherweise näherte sich Grasulf angesichts des königlichen Machtzuwachses erneut den Positionen Ostroms und Austrasiens an.

Dieser letzte (mögliche) Sinneswandel könnte durch den Feldzug Ewins, des Herzogs von Trient, ausgelöst worden sein, der auf Befehl Autharis zwar mit antislawischen Zielen durchgeführt wurde, aber auch eine Strafaktion gegen Grasulf dargestellt haben könnte. Sollte diese Stoßrichtung zutreffen, so könnte diese Strafaktion auch für die anderen nach größerer Selbstständigkeit strebenden Herzöge als Warnung gemeint gewesen sein. Jener nicht genau datierte Brief des oströmischen Exarchen Romanus deutet darauf hin, dass sich Ostrom wieder gegen Grasulf gewandt hatte. Möglicherweise intervenierte Ostrom zugunsten von Grasulfs Sohn und Nachfolger, der später eine ostrom-freundliche Haltung an den Tag legte.

Quellen

  • Paulus Diaconus, Historia Langobardorum, hrsg. Ludwig Bethmann und Georg Waitz, in: Monumenta Germaniae Historica, Scriptores rerum Langobardicarum et Italicarum saec. VI–IX, Hahn, Hannover 1878, liber III, 9, 16, 27; IV, 39.
  • Wolfgang F. Schwarz (Hrsg.): Paulus Diaconus: Historia Langobardorum – Geschichte der Langobarden, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009 (lateinisch–deutsch).
  • Bruno Krusch (Hrsg.): Pseudo Fredegarius, Chronicon, MGH, Scriptores rerum Merovingicarum, II, Hannover 1888, S. 118, 143 f. (III, 92; IV, 45).
  • Bruno Krusch, Wilhelm Levison (Hrsg.): Gregorius Turonensis, Historiarum libri X, MGH, Scriptores rerum Merovingicarum, I, 1, Hannover 1951, S. 314 (VI, 42).
  • Wilhelm Gundlach (Hrsg.): Epistolae Austrasicae, in: MGH, Epistolae, III, Epistolae Merowingici et Karolini aevi, München 1978, n. 41 S. 147 f., 48 S. 152 f.
  • Ludwig August Dindorf (Hrsg.): Menandros Protector, Historiae fragmenta, in: Historici Graeci minores, Bd. II, Leipzig 1871, S. 120 (49, 62). (Digitalisat)

Literatur

  • Andrea Bedina: Grasulfo, in: Dizionario Biografico degli Italiani, Bd. 58 (2002).
  • Lorena Cannizzaro: La sepoltura di Piazza Paolo Diacono a Cividale del Friuli, in: V Convegno Nazionale LE PRESENZE LONGOBARDE NELLE REGIONI D’ITALIA alla luce delle ultime ricerche e scoperte Tuscia 2016, (online, PDF)
  • Luca Villa: Longobardi a Cividale e nel Ducato friulano, in: Francesca Morandini, Arianna Petricone, Maria Stovali (Hrsg.): Sulle tracce dei Longobardi. Atti del Convegno 13-14 novembre 2024 Spoleto, Teatro Caio Melisso “Spazio Carla Fendi”, 2024, S. 75–89. (online, PDF)
  • Luca Villa: „…infra muros civitatis Foroiuliensis…“ Archeologia di un centro di potere nella Cividale longobarda, in: Città e campagna: culture, insediamenti, economia (secc. VI-IX), “Archeologia barbarica” 2 (2018) 267–292.
  • Mario Brozzi: I primi duchi longobardi del Friuli e la politica bizantina verso il Ducato, in: Arheoloski Vesnik, XXI–XXII (1970–1971) 75–80.
Wikisource: Historia Langobardorum – Quellen und Volltexte (Latein)

Anmerkungen

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