Gratangen
Kommune in Troms in Norwegen
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Gratangen (nordsamisch Rivtták) ist eine Kommune im norwegischen Fylke Troms. Die Kommune hat 1062 Einwohner (Stand: 1. Januar 2026). Verwaltungssitz ist der Ort Årstein.
| Wappen | Karte | |
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Kommunennummer: | 5516 | |
| Provinz (fylke): | Troms | |
| Verwaltungssitz: | Årstein | |
| Koordinaten: | 68° 41′ N, 17° 33′ O | |
| Fläche: | 312,76 km² | |
| Einwohner: | 1.062 (1. Jan. 2026)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 3 Einwohner je km² | |
| Sprachform: | neutral | |
| Webpräsenz: | ||
| Verkehr | ||
| Straße: | Europastraße 6 | |
| Lage in der Provinz Troms | ||
Geografie
Lage und Topografie

Die Kommune Gratangen befindet sich im Süden des Fylkes Troms und erstreckt sich um den gleichnamigen Fjord Gratangen, der sich von Nordwesten kommend in das Land einschneidet. Es handelt es sich um einen Seitenarm des Astafjords. An seinem inneren Ende befindet sich mit dem Gratangsbotn ein schmalerer Fjordabschnitt. Am Übergang zwischen den beiden Fjordabschnitten befindet sich die Ortschaft Årstein, das Verwaltungszentrum der Kommune.[2]
Gratangen grenzt im Norden und Osten an die Kommune Lavangen, im Süden an Narvik und im Südwesten an Tjeldsund. Im Nordwesten besteht eine vollständig im Astafjord verlaufende Grenze zur Inselkommune Ibestad. Ebenfalls vollständig im Meer verläuft die kurze Grenze zu Salangen im Norden. Die Südgrenze zu Narvik stellt zugleich die Grenze zwischen den beiden Fylkern Troms und Nordland.[2]
An den Fjordseiten steigt das Terrain an und sowohl im Norden als auch im Süden der Kommune befinden sich Berge, die Höhen von über 1000 moh. erreichen.[2] Die höchste Erhebung der Kommune Gratangen ist die Leigastinden auf der Grenze zu Narvik. Sie hat eine Höhe von 1332,36 moh.[3] Zwischen den Gebirgszügen, befinden sich mehrere größere Täler. Das Fjordbotneidet führt in den Norden nach Lavangen und das Gratangseidet in den Süden nach Narvik.[2] Etwa 30 % der Kommune liegen unterhalb der Waldgrenze, die sich bei etwa 250 bis 300 moh. befindet.[4]
Klima
Obwohl Gratangen unmittelbar an der Küste liegt, weist das Klima der Kommune überwiegend kontinentale Merkmale auf. Die Sommer sind vergleichsweise warm, die Winter kalt.[4]
Einwohner
Die meisten Einwohner der Kommune leben verteilt entlang der Fjordküste, vor allem am Gratangsbotn, sowie entlang der Europastraße 6. Die Zahl der Einwohner ist stark rückläufig. Im Jahr 1946 lebten noch 2281 Personen in Gratangen. Im Laufe der 2010er-Jahre wurde die Hälfte des damaligen Werts erreicht.[4] In der gesamten Kommune gibt es keine Tettsteder, also keine Ansiedlungen, die für statistische Zwecke als eine städtische Siedlung gewertet werden.[5]
Viele der Einwohner sind Samen, weshalb auch viele geografische Objekte zusätzlich offizielle samische Namen haben.[4] Die Einwohner der Kommune werden im Norwegischen Gratangsværing genannt.[6] Gratangen hat wie viele andere Kommunen der Provinz Troms weder Nynorsk noch Bokmål als offizielle Sprachform, sondern ist in dieser Frage neutral.[7]
| Jahr | Einwohnerzahl[8] | Veränderung | |
|---|---|---|---|
| Anzahl | Prozent | ||
| 1960 | 2134 | — | — |
| 1970 | 1943 | −191 | −9,0 % |
| 1980 | 1712 | −231 | −11,9 % |
| 1990 | 1483 | −229 | −13,4 % |
| 2000 | 1345 | −138 | −9,3 % |
| 2010 | 1150 | −195 | −14,5 % |
| 2020 | 1091 | −59 | −5,1 % |
Geschichte
Bei der Ortschaft Kvernmoen im Südosten der Kommune befinden sich Felsritzungen aus der Steinzeit, was auf eine frühe Besiedlung des Gebiets hindeutet. In den Fischerdörfern Laberg und Foldvik befindet sich Infrastruktur für den Fischfang aus dem 18. und 19. Jahrhundert.[4] In Fjordbotn befindet sich das Nordnorsk Båtmuseum, ein Museum dass sich der Bootsbautradition Nordnorwegens widmet.[9]
Die Kommune Gratangen entstand im Jahr 1926, als Andørja, Astafjord und Gratangen von Ibestad abgespalten wurden. Gratangen hatte bei seiner Gründung 1967 Einwohner.[10]
Im April 1940 war Gratangen bei der deutschen Invasion Norwegens Schauplatz schwerer Kämpfe. Einheiten der 3. Gebirgs-Division unter General Eduard Dietl trafen hier auf die 6. norwegische Division von General Carl Gustav Fleischer.[11] Bei diesen Gefechten fielen 34 Soldaten. Bei keiner anderen Schlacht auf norwegischem Boden starben im Zweiten Weltkrieg so viele Norweger.[12] Später kamen auch französische Truppen zum Einsatz. Im Gratangen-Fjord wurde die Dronning Maud, ein Schiff der Hurtigruten, am 1. Mai 1940 von den Deutschen bombardiert. Es hatte die Flagge des Roten Kreuzes gehisst.[4]
Im Jahr 1971 wurde die Gratangen kirke in Årstein fertiggestellt. Die Kirche hat 220 Sitzplätze.[13]
- Dronning Maud nach dem Bombardement am 1. Mai 1940
- Gratangen kirke
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr

Aus dem Süden führt die Europastraße 6 (E6) in die Kommune. Sie stellt unter anderem die Anbindung an die Stadt Narvik her. Auf Höhe des Gratangsbotn knickt die E6 in den Nordosten ab und der Fylkesvei 825 zweigt in den Westen ab. Der Fylkesvei verläuft entlang der Südküste des Gratangen-Fjords weiter in den Westen der Kommune. Bei Årstein überquert die Årsteinbrua den Fjord auf die Nordseite. Von dort verläuft der Fylkesvei 7806 weiter in den Nordwesten.[2]
Wirtschaft
Traditionell waren die Fischerei und Landwirtschaft, die häufig miteinander kombiniert wurden, die wichtigsten Wirtschaftszweige. Allerdings ist der Anteil der Bevölkerung, der in diesen Bereichen tätig ist, im Laufe der Zeit stark zurückgegangen. Mittlerweile arbeiten viele der Einwohner im öffentlichen Dienst. Die Bauernhöfe der Kommune sind vergleichsweise klein und häufig auf Schafhaltung ausgerichtet. Die landwirtschaftlich genutzten Flächen sind überwiegend Wiesen und Weiden. Der Großteil der Fänge der Fischerboote aus Gratangen wird mittlerweile außerhalb der Kommune angelandet. Dagegen hat die Fischzucht über die Jahre an Bedeutung gewonnen. Im Bereich der Industrie sind vor allem die Lebensmittelindustrie sowie die mechanische Industrie von Bedeutung.[4]
In der Kommune befinden sich die Wasserkraftwerke Hesjeberg und Fossan. Das Kraftwerk Hesjeberg nutzt eine Fallhöhe von rund 255 Metern hinab zum Fjord Gratangen aus und wurde 2016 in Betrieb genommen. Die durchschnittliche Jahresproduktion lag bis 2020 bei 11,5 GWh.[14] Beim Fossan-Kraftwerk liegt eine Fallhöhe von etwa 174 Metern und eine mittlere Jahresproduktion von 18,1 GWh vor. Es ist seit 2013 in Betrieb.[15]
Im Jahr 2025 kamen auf rund 490 Arbeitstätige aus der Kommune etwa 510 Arbeitsplätze in Gratangen.[16] Die meisten Einwohner hatten ihren Arbeitsplatz in Gratangen selbst, 60 Personen pendelten in die Nachbarkommune Narvik.[17]
Name und Wappen
Das seit 1990 offizielle Wappen der Kommune zeigt einen gebogenen silbernen Sparren auf blauem Grund, der das Meer und die Berge darstellen soll.[4]
Der Name der Kommune geht auf den altnordischen Namen *Grjótangr zurück. Dabei handelt es sich um eine Zusammensetzung der beiden Begriffe grjót (deutsch „Stein“) und angr (deutsch „Bucht, Fjord“).[18] Mit Rivtták hat die Kommune zudem einen offiziellen samischen Namen.
Persönlichkeiten
- Per-Mathias Høgmo (* 1959), Fußballspieler und -trainer
Weblinks
- Gratangen im Store norske leksikon (norwegisch)
- Fakten über Gratangen beim Statistisk sentralbyrå (norwegisch)
