Groupe E

Schweizer Energieversorgungsunternehmen From Wikipedia, the free encyclopedia

Groupe E ist ein Energieunternehmen, das in der Westschweiz aktiv ist. Es ist hauptsächlich Stromerzeuger und -versorger in den Kantonen Freiburg, Neuenburg und in einigen Bezirken im Osten des Kantons Waadt. Der 2005 gegründete Konzern entstand aus der Fusion der Freiburgischen Elektrizitätswerke (FEW) und der Électricité Neuchâteloise SA (ENSA) – zwei Unternehmen, die beide Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet wurden.

Schnelle Fakten
Groupe E
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 2005
Sitz Granges-Paccot, Schweiz
Leitung Alain Sapin
Mitarbeiterzahl 2'597
Umsatz 1,1 Milliarden CHF[1]
Branche Energieversorgung
Website www.groupe-e.ch
Stand: 31. Dezember 2024
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Als Verteilnetzbetreiber (VNB) hat der Konzern einen öffentlichen Versorgungsauftrag: Er muss das Verteilnetz, für das er zuständig ist, betreiben und den Nutzern die Versorgung mit Elektrizität gewährleisten.[2] Dieser Strom stammt unter anderem aus Wasserkraftwerken, die bis in die 1980er-Jahre gebaut wurden.

Parallel zu diesem historischen Geschäft hat sich der Konzern diversifiziert und bietet Produkte und Dienstleistungen in den Bereichen erneuerbare Energien, Fernwärme, Erdgasversorgung, Elektroinstallationen und Elektromobilität an. Groupe E beschäftigt etwa 2600 Mitarbeitende.

Geschichte

Die Ursprünge von Groupe E gehen auf die ersten Projekte zur Stromerzeugung in den Kantonen Freiburg und Neuenburg zurück.

1837 schlug der Professor Hughes Thomas als Erster vor, die Kraft des Flusslaufs der Saane zu industriellen Zwecken in der Stadt Freiburg zu nutzen.[3] Es dauerte bis 1869, bis der Ingenieur Guillaume Ritter mit der Errichtung der Staumauer Maigrauge begann: Dieses Projekt wurde 1872–1874 erfolgreich abgeschlossen, stiess dann aber auf erhebliche Betriebsschwierigkeiten.[4] 1888 wurden die bestehenden Anlagen von der neu gegründeten Entreprise des Eaux et Forêts (Wasser- und Forstgesellschaft) übernommen, die zwischen 1890 und 1895 die Elektrifizierung des Staudamms vornahm.[5] Die Massnahme ermöglichte die elektrische Beleuchtung der Stadt Freiburg und die Versorgung von Fabriken.[5] Weitere ähnliche Projekte wurden zu dieser Zeit in den umliegenden Gemeinden durchgeführt, darunter Charmey, Châtel-Saint-Denis, Montbovon und Thusy-Hauterive.[6] 1915 schlossen sich auf Anregung des Kantons mehrere dieser unabhängigen Initiativen zusammen und gründeten die Freiburger Elektrizitätswerke.[7]

Schon vor ihrer Fusion engagierten sich einige Gesellschaften im Kanton Freiburg bei den Nachbarkantonen, um sie mit Energie zu versorgen. So wurden 1902 Kooperationsverträge mit dem Kanton Waadt geschlossen, dann 1906 mit dem Kanton Neuenburg (zunächst für die Versorgung der Chemins de fer du Jura (Jurabahnen) Neuenburgs).[8] Die Gesellschaft Électricité Neuchâteloise SA (ENSA) wurde 1907 gegründet und ermöglichte unter anderem, diese Zusammenarbeit auszuweiten, damit die Einwohner des Kantons Neuenburg vom Kanton Freiburg aus mit Strom versorgt werden konnten.[8] Im Laufe der Jahrzehnte blieben die Freiburgischen Elektrizitätswerke (FEW) trotz der zunehmenden Energieautonomie der Kantone Neuenburg und vor allem des Kantons Waadt (dessen Bezirke dann von der 1954 entstandenen Compagnie Vaudoise d'Électricité versorgt wurden) während des gesamten 20. Jahrhunderts ein wichtiger Partner für die Nachbarkantone.[9]

Der Staudamm von Rossens

Auf ihrem jeweiligen Gebiet errichteten die FEW und die ENSA bis in die 1980er-Jahre mehrere bedeutende Wasserkraftwerke, die häufig zur Schaffung von künstlichen Seen führten. Die FEW sind unter anderem für den See und den Staudamm von Montsalvens am Jaunbach verantwortlich, die das Wasserkraftwerk von Broc (1921) mit Wasser versorgen.[10] Sie errichteten auch das Wärmekraftwerk Maigrauge (1931–1932).[11] Es folgten grosse Wasserkraftprojekte: der Staudamm von Rossens an der Saane (1948), das Herzstück des Freiburger Projekts, der Staudamm von Châtelot am Doubs (1953) und der Schiffenen-Staudamm (1964), das dritte grosse Bauwerk an der Saane, in Verbindung mit der Schaffung des Schiffenensees. Die ENSA baute 1988 das heutige Kraftwerk Saint-Sulpice an der Areuse, wo bereits früher Wasserkraftwerke errichtet worden waren.[12]

Die für das Jahr 2007 geplante Öffnung des Strommarktes in der Schweiz führt zu Veränderungen im Sektor und fördert insbesondere Fusionen zwischen lokalen Akteuren.[13] Die FEW wurden 2001 zu einer Aktiengesellschaft[14] und schlossen sich 2005 mit der ENSA zusammen, da beide Unternehmen über gemeinsame Fachkenntnisse im Bereich Wasserkraft, Wärmeenergie und erneuerbare Energien verfügen.[13] Damit ist Groupe E gegründet worden.

Tätigkeiten

Aktuelle Aktivitäten

Der Konzern vertreibt heutzutage ca. 3 TWh Strom pro Jahr, davon 1,3 TWh Strom, der in eigenen Anlagen und in Kraftwerken mit Beteiligung (davon 83 % Wasserkraft im Jahr 2024) erzeugt wird.[15][16] Groupe E bedient damit mehr als 200.000 Kunden[15] in den Kantonen Freiburg und Neuenburg sowie in zwei Bezirken des Kantons Waadt (Broye und Pays-d’Enhaut).[17] Die Stromversorgung geht mit vielfältigen Aktivitäten innerhalb des Konzerns einher, wie z. B. der Entwurf und die Herstellung von Schaltschränken,[18] die Einrichtung von elektrischen Anlagen im Strassen- und Schienenverkehr oder in Wohngebäuden,[19] oder auch der Stromhandel, der kontinuierlich von der Konzernzentrale aus betrieben wird.[20]

Groupe E ist auch ein Akteur im Bereich Fernwärme – eine Tätigkeit, die Anfang der 2000er-Jahre von den FEW in Freiburg ins Leben gerufen wurde, unter anderem mit dem Ziel, die von der Müllverbrennungsanlage in Châtillon erzeugte Wärme zu nutzen.[21] Diese Tätigkeit besteht darin, Wasser mit hoher Temperatur über ein unterirdisches Rohrleitungsnetz zu Gebäuden in städtischen Gebieten zu transportieren.[22] Die Wärmeerzeugung erfolgt durch die Verbrennung von Abfällen (Müllverbrennungsanlagen), durch Wärmepumpen, insbesondere in Kläranlagen, durch industrielle Abwärme oder durch Holz- und Biogasanlagen.[21][22][23] Im Jahr 2024 gab die Groupe E an, über ihr Fernwärmenetz 300 GWh Energie verteilt zu haben.[16]

Die Fernwärmeversorgung ist einer der beiden Schwerpunkte der Direktion „Celsius“, der zweite Schwerpunkt ist die Produktion und der Vertrieb von Gas oder Biogas in den Kantonen Freiburg und Waadt.[24] Diese Tätigkeit entstand 1979 mit der Gründung von Frigaz, einem Unternehmen, an dem die FEW Mitaktionäre waren.[24] Das Netz von Frigaz wurde zwischen 2004 und 2016 besonders stark ausgebaut, von 200 auf 600 km.[24] Seit 2016 strebt Groupe E nicht mehr den Ausbau dieses auf fossilen Brennstoffen basierenden Netzes an, sondern konzentriert sich stattdessen auf die Entwicklung seines Fernwärmenetzes.[24] Der Konzern vertrieb 2019 etwa 1 TWh Erdgas pro Jahr.[24] Um sich weiterzuentwickeln, eröffnete der Konzern 2023 eine Anlage zur Produktion von Wasserstoff im Kanton Freiburg, mit einer geplanten Produktion von 300 Tonnen umweltfreundlichem Wasserstoff pro Jahr.[25]

Die Einrichtung von Wärmepumpen, die in den 1970er-Jahren bei den FEW begann,[26] sowie die Einrichtung von Solarmodulen, die in den 2000er-Jahren begann, verzeichneten in den 2010er- und 2020-Jahren ein starkes Wachstum.[27] Groupe E hat zwischen 2022 und 2024 mehrere hundert Geräte pro Jahr eingerichtet, mit einem Höhepunkt im Jahr 2023, aufgrund der Energiekrise in Europa.[2][27] Diese starke Entwicklung veranlasste den Konzern, seine Mitarbeiterzahl in diesem Bereich deutlich zu erhöhen.

Groupe E gründete 2007 eine Tochtergesellschaft mit dem Namen „Groupe E Greenwatt“, deren Ziel es ist, Projekte zur Erzeugung erneuerbarer Energien in den Bereichen Windkraft, Solarenergie und Biomasse zu entwickeln.[28] Im Kanton Freiburg führte lokaler Widerstand dazu, dass die Planung neuer Windparks ab 2021 aufgegeben wurde.[29]

Aufgegebene Aktivitäten

Die FEW waren bereits vor den 1970er-Jahren im Bereich Haushaltsgeräte tätig.[26] Diese Tätigkeit wurde von Groupe E im Jahr 2023 aufgegeben, als sechs der letzten neun Verkaufsstellen geschlossen wurden. Die übrigen drei wurden an einen Käufer übergeben.[30]

Im Jahr 2024 kündigte der Konzern die Schliessung seiner Filialen S. Roubaty in Rossens und FTH Services in Romanel-sur-Lausanne im Bereich der Verlegung von Glasfaserleitungen an.[31] Der Konzern behält jedoch einige Aktivitäten in diesem Diversifikationsbereich bei.[31]

Im Bereich der Elektromobilität betrieb Groupe E Ladestationen für Elektroautos über das 2011 gegründete Unternehmen Move Mobility, das 2025 an Energie 360° verkauft wurde.[32] Groupe E behält jedoch seine Aktivitäten in den Bereichen Beratung, Einrichtung und Betrieb von Lösungen im Bereich Elektromobilität bei.[32]

Organisation

Groupe E ist zu 80 % im Besitz des Kantons Freiburg[2] und hat seinen Sitz in Granges-Paccot.[33]

Bei der Gründung im Jahr 2005 wurde der Konzern von Philippe Virdis geleitet, der zuvor seit 2000 Direktor der FEW war.[34] Er übergab sein Amt 2012 an Dominique Gachoud,[34] der bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2019 als Generaldirektor tätig war.[26] Die Leitung wurde fortan von Jacques Mauron übernommen, der bis 2025 an der Spitze des Konzerns blieb.[2] Sein Nachfolger, Alain Sapin, ist der aktuelle Generaldirektor von Groupe E.[33]

Ende 2024 beschäftigte der Konzern 2.597 Mitarbeiter, nachdem er Ende 2023 bis zu 2716 Mitarbeiter erreicht hatte.[2] Der Konzern erlebte ab 2018 einen erheblichen Personalzuwachs, bevor er eine Rationalisierungspolitik einleitete.[35]

Der Konzern erzielte seit 2023 einen Jahresumsatz von leicht über einer Milliarde Franken und weist seit 2015 ein positives Nettoergebnis auf.[2][36] Einige Bereiche der Konzerns waren jedoch in den letzten Jahren defizitär, insbesondere die Direktion Technik und Infrastruktur (DTI), die 2025 in einen Sanierungsplan eingebunden wurde,[35] sowie die Direktion Celsius, die für die Gas und Fernwärmeversorgung zuständig ist.[37]

Kontroversen

2021 waren die von Groupe E angekündigten Pläne zur Errichtung von Windkraftanlagen auf Freiburger Gebiet Gegenstand heftiger Debatten und erheblicher lokaler Widerstände.[38] Der Konzern war gezwungen, einen Strategiewechsel vorzunehmen und den Gemeinden die Initiative zu überlassen, damit diese vorab einen Antrag für die Einrichtung stellen können.[29]

2025 wurde der Konzern von privaten Akteuren des Schweizer Energiesektors des unlauteren Wettbewerbs beschuldigt. Sie warfen ihm vor, die Gewinne aus dem Stromverkauf zu nutzen, um in andere Segmente zu expandieren, indem er Preise unterhalb der Gewinnschwelle anbot, um Ausschreibungen zu gewinnen und so seine Marktanteile zu erhöhen.[39] Der Konzern bestritt diese Anschuldigungen.[39]

Einzelnachweise

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