Gryfino

Stadt in Polen From Wikipedia, the free encyclopedia

Gryfino (deutsch Greifenhagen, niederdeutsch Gripenhagen[2]) ist die Kreisstadt des Powiats Gryfiński mit etwa 20.000 Einwohnern und Amtssitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde in der polnischen Woiwodschaft Westpommern.

Schnelle Fakten Basisdaten, Wirtschaft und Verkehr ...
Gryfino
Wappen von Gryfino
Gryfino (Polen)
Gryfino (Polen)
Gryfino
Basisdaten
Staat: Polen Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Gryfino
Gmina: Gryfino
Fläche: 10,00 km²
Geographische Lage: 53° 15′ N, 14° 29′ O
Einwohner: 19.691
(1. Jan. 2024)[1]
Postleitzahl: 74-100 / 74-101
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZGR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 31 StettinSłubice
DW 120 Gryfino ↔ Kobylanka
Eisenbahn: PKP-Linie 273: Stettin ↔ Breslau
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 42 Ortschaften
28 Schulzenämter
Fläche: 254,00 km²
Einwohner: 30.102
(1. Jan. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 119 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3206043
Verwaltung (Stand: 2018)
Bürgermeister: Mieczysław Sawaryn
Adresse: ul. 1 Maja 16
74-100 Gryfino
Webpräsenz: www.gryfino.pl
Schließen

Geographische Lage

Greifenhagen südlich von Stettin und nordwestlich von Pyritz auf einer Landkarte von 1905.
Älteste Stadtansicht von Greifenhagen von 1615 in einer Kopie aus dem 18. Jahrhundert aus der sog. Stralsunder Bilderhandschrift. Original im Stadtarchiv Stralsund. Es existiert auch noch eine zweite, Originalansicht aus der Zeit um 1615.
Die Stadt Greifenhagen nach Eilhard Lubinus, 1618
Stadtzentrum

Die Stadt liegt in Hinterpommern, an der Reglitz (Odra Wschodnia), dem östlichen Mündungsarm der Oder. Sie gehört zum Einzugsgebiet von Stettin, dessen Zentrum in knapp 20 Kilometern in nördlicher Richtung zu erreichen ist.

Geschichte

Mittelalter

Schon im 12. Jahrhundert lag nördlich des späteren Greifenhagen eine wendische Fischersiedlung mit der für diese Orte üblichen Bezeichnung Wiek. Der Herzog Barnim I. von Pommern, genannt der Städtegründer, überließ 1254 einem Unternehmer 200 Hufen Land zur Gründung der Stadt Greifenhagen, der er am 1. März 1254 das Magdeburgisch-Stettiner Stadtrecht verlieh. Gleichzeitig verbot er den Zuzug der Wieker Einwohner. Zum Schultheißen ernannte er seinen Lokator Rudolf von Bertekow. Um der Stadt eine wirtschaftliche Grundlage zu geben, hatte Barnim bereits ein Jahr zuvor dem Nachbarort Woltin das Marktrecht zugunsten Greifenhagens entzogen. Später mussten auch Fiddichow und Wollin ihre Marktrechte an die neue Stadt abtreten. Zusätzlich erhielt Greifenhagen 1280 das Recht der freien Schifffahrt auf allen pommerschen Gewässern. Der Stadtplan spiegelt mustergültig das Schema einer östlichen Kolonisationsstadt wider, mit einem Rasterschema aus sich schneidenden Straßen um einen rechtwinklig ausgesparten Marktplatz.[3] Um den Handel nach Westen ausdehnen zu können, wurden 1306 ein Brückenzug über beide Oderarme und ein hochwassersicherer Steindamm errichtet. Für beide Verkehrswege erhob die Stadt Zoll, der ihr erheblichen Reichtum einbrachte. Ein Teil der Einnahmen wurde 1312 für den Ankauf der Ortschaft Wiek verwendet, und ein Jahr später umgab sich die Stadt mit einer Befestigungsmauer. 1339 ernannte Pommernherzog Otto I. Greifenhagen zur herzoglichen Münzstätte, was auf die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt schließen lässt.

Frühe Neuzeit

Erhebliche Rückschläge brachten 1530 ein Stadtbrand, dem fast alle Häuser zum Opfer fielen, eine Pestepidemie, an der die Hälfte der Einwohner starb, und die Zerstörung der Oderbrücken durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg mit sich. Als Ergebnis dieses Krieges wurde Greifenhagen ein Teil von Schwedisch-Pommern. Im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg ließ der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm 1677 die Stadt besetzen. Im Friedensvertrag von Saint-Germain wurde Greifenhagen – wie alle östlich der Oder gelegenen Schwedisch-Pommerns mit Ausnahme der Städte Damm und Gollnow – Preußen zugesprochen.[4] Im Jahr 1780 richtete eine Überschwemmung schwere Schäden an.

19. und 20. Jahrhundert

Anteilschein über 150 RM der Greifenhagener Dampfschiffsreederei GmbH vom 28. Februar 1928

Als Preußen 1815/1818 seine Verwaltung neu ordnete, wurde die Stadt Verwaltungssitz des Landkreises Greifenhagen im Regierungsbezirk Stettin der Provinz Pommern. Diese Verwaltungsgliederung blieb bis 1945 bestehen.

Von 1838 bis 1849 war das preußische Land- und Stadtgericht Greiffenhagen hier angesiedelt.

Mit der Stettiner und der Bahner Vorstadt entstanden neue Stadtteile, und 1857 gaben zwei Holzbrücken den Weg zum westlichen Oderufer wieder frei. Der 1877 erfolgte Eisenbahnanschluss sowie die Eröffnung des Großschifffahrtswegs Berlin–Stettin im Jahr 1904 ließen die Greifenhagener Wirtschaft expandieren. Vor allem die 1873 gegründete Dampfschiffsreederei, die den Güterverkehr zwischen Schwedt und Stettin übernommen hatte, profitierte von der neuen Wasserstraße. Aber auch industrielle Betriebe, wie insbesondere der Lebensmittelherstellung und chemische Werke siedelten sich an. 1913 wurden die hölzernen Oderbrücken durch eine Stahlkonstruktion ersetzt. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Kreisstadt eine evangelische Kirche, eine Synagoge und war Sitz eines Amtsgerichts.[5]


Anfang der 1930er hatte die Gemarkung der Stadt Greifenhagen einen Flächeninhalt von 49,5 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen zusammen 730 bewohnte Wohnhäuser an 16 verschiedenen Wohnplätzen:[6]

  1. Blockstation G. v. K.
  2. Chausseehaus
  3. Damerowsche Mühle
  4. Forsthaus An der Thue
  5. Forsthaus Bei Buddenbrock
  6. Forsthaus Im Tanger
  7. Greifenhagen
  8. Kronstein
  9. Neu Damerow
  10. Neumühle
  11. Stadthof
  12. Städtisch Mönchkappe
  13. Thuehäuser
  14. Vogelsang
  15. Walkmühle
  16. Zoll b. Mescherin

Um 1935 hatte Greifenhagen ein Hotel, über ein Dutzend Gasthöfe, Restaurants und Cafés, drei Bankgeschäfte, eine Reihe von Fabriken und Produktionsstätten der mittelständischen Industrie und zahlreiche Lebensmittelgeschäfte, Warenhandlungen, Handelsvertretungen, Großhändler sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe.[7] Zur letzten deutschen Volkszählung von 1939 lebten 9855 Menschen in der Stadt.

Im Jahr 1945 war Greifenhagen Kreisstadt des Kreises Greifenhagen im Regierungsbezirk Stettin der preußischen Provinz Pommern des deutschen Reichs.

Die meisten Einwohner flohen Anfang 1945 vor der heranrückenden Roten Armee. Beim Kampf um Greifenhagen, der vom 8. bis 21. März andauerte, wurde die Innenstadt völlig zerstört. Bald nach Beendigung der Kampfhandlungn überließ die Sowjetunion Greifenhagen 1945 der Verwaltung der Volksrepublik Polen. Die polnische Verwaltungsbehörde vertrieb die Einwohner aus der in Gryfino umbenannten Stadt und besiedelte sie mit Polen.

Gryfino wurde in die damalige Woiwodschaft Stettin eingegliedert und wurde Kreisstadt. 1975 verlor die Stadt ihren Rang als Kreishauptstadt und wurde zum Sitz einer Stadt- und Landgemeinde. 1999 erhielt sie den Status der Kreishauptstadt zurück.

Marienkirche
Bahner Tor
Stadtmauer
Friedhofskapelle
Postgebäude
Bahnhof

Demographie

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
17402152[8]
17822762[8] davon 83 Juden[9]
18023323[10]
18173890[8]
18224290[8]
18676774am 3. Dezember[11]
18716611am 1. Dezember, davon 6395 Evangelische, 29 Katholiken, sieben sonstige Christen, 180 Juden[11]
18756759[12]
18806906[12]
18906692darunter 65 Katholiken, 91 Juden[12]
19006473[5]
19107260am 1. Dezember[13][14]
19258184darunter 8013 Evangelische, 62 Katholiken und 39 Juden[6][12]
19338938[12]
19399855[12]
Schließen

Kirche

Die Gebäude der evangelischen Kirche in Greifenhagen wurden 1945 von der polnischen Administration zugunsten der polnischen katholischen Kirche zwangsenteignet und vom katholischen Klerus ‚neu geweiht‘.

Die vor 1945 ansässigen Stadtbewohner waren größtenteils Evangelische (Angehörige der Landeskirche) und gehörten zum Kirchspiel Greifenhagen. Der Bestand an Kirchenbüchern reichte bis 1740 zurück.[15]

Das katholische Kirchspiel war in Altdamm, Kr. Randow.

Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Stadtbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft ist überwiegend katholisch.

Sehenswürdigkeiten

  • Die katholische Pfarrkirche Mariä Geburt (Kościół p.w. Narodzenia NMP) war vor dem Zweiten Weltkrieg die evangelische Stadtpfarrkirche St. Nikolaus. Der Bau wurde um 1250 aus Feldsteinen begonnen, um dann backsteingotisch vollendet zu werden. Viele (Außen-)Details der Kirche wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts neugotisch überformt. Der barocke, zweifach durchbrochene Turmhelm wurde 1938 aufgesetzt und ersetzte den bisherigen Nadelhelm. Im Innern blieben neben dem neugotischen Orgelprospekt und dem Hauptaltar – dessen Altarblatt Maria, Königin von Polen nach 1945 aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten in die Kirche verbracht wurde – zwei Renaissancekunstdenkmäler erhalten: Das Chorgestühl aus dem 16. Jahrhundert sowie die aufwendig renovierte Kanzel von 1605.
  • Das Sankt-Georgs-Tor (poln. Brama Bańska, also Bahner Tor) ist ein mit Resten der Stadtmauer erhaltener Torturm am südlichen Ausgang der Altstadt an der nach Banie (Bahn) führenden Straße. Es wurde um 1300 erbaut, der Unterbau aus Feldsteinen, die oberen Geschosse im Stil der Backsteingotik.
  • Friedhofskapelle, neugotisch, errichtet von 1907 bis 1911[16]
  • Postamt von 1883
  • Krummer Wald. Ein Wald aus gekrümmten Kiefern, Naturdenkmal.

Wirtschaft

Der größte Arbeitgeber in der Stadt ist ein kohlebetriebenes Elektrizitätswerk, das Kraftwerk Dolna Odra. Seit 1990 investiert auch ausländisches Kapital beim Aufbau der Industrie in der Stadt, z. B. die deutschen Firmen Fliegel-Textil-Service, die eine große Wäscherei betreibt, und Jürging Naturdärme, die Därme zur Wurstherstellung produziert. 2017 eröffnete Zalando hier ein Logistikzentrum.[17]

Verkehr

Die Stadt liegt an der Bahnstrecke Wrocław–Szczecin. Gryfino ist seit März 2024 auch durch das S-Bahn-System Szczecińska Kolej Metropolitalna mit Stettin verbunden.[18]

Zum drei Kilometer entfernten deutschen Nachbarort Mescherin gibt es einen Grenzübergang, der auch mit Kraftfahrzeugen passiert werden kann.

Schulwesen

In der Stadt bestehen:

  • fünf Kindergärten;
  • vier Grundschulen, davon drei gewöhnliche und eine Spezialgrundschule;
  • eine Mittelschule (7. bis 9. Klasse);
  • zwei Gymnasien

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Städtepartnerschaften

Gmina Gryfino

Die Gesamtfläche der Stadt- und Landgemeinde Gryfino umfasst 254 km². Die Grenzen der Gemeinde haben die Länge von 111 km, davon sind 24,5 km Wasserlinie, unter ihnen bilden 2200 m die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Polen.

Zur Gemeinde gehören neben dem gleichnamigen Hauptort, der Stadt Gryfino, 28 ländliche Ortschaften, die jeweils ein Schulzenamt bilden:[19]

  • Pniewo (Bremerheide)
  • Radziszewo (Retzowsfelde)
  • Sobiemyśl (Frankenberg)
  • Sobieradz (Woltersdorf)
  • Stare Brynki (Brünken)
  • Steklinko (Bayershöhe)
  • Steklno (Stecklin)
  • Wełtyń (Woltin)
  • Wirów (Wierow)
  • Włodkowice (Wilhelmshöhe)
  • Wysoka Gryfińska (Wittstock)
  • Żabnica (Mönchskappe)
  • Żórawie (Kronheide)
  • Żórawki (Kronstein)

Andere Ortschaften sind: Ciosna (Dorotheenhof), Dębce (Eichwerder), Gajki (Uhlenhorst), Łubnica (Bienenwerder), Nowe Brynki (Neu Brünken), Osuch (Bergmühle), Pastuszka (Viehhof), Raczki (Neuteich), Szczawno (Vogelsang), Śremsko, Wirówek (Wierower Mühle) und Zaborze (Schulzendorf)

Literatur

  • Greifenhagen, östlich der Großen Reglitz, Regierungsbezirk Stettin, Pommern, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Greifenhagen (meyersgaz.org).
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinterpommern. Band 2, Teil I: Beschreibung der zum Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien zu Stettin gehörigen Hinterpommerschen Kreise. Stettin 1784, S. 55–63 (Google Books).
  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 180–186 (Google Books).
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. Teil II, Band 3, Anklam 1868, S. 223–288 (Google Books).
  • Unser Pommerland, Jahrgang 17, Heft 3: Greifenhagen.
  • Leopold Andrzej Kemmling (Bearb.): Greifenhagen auf alten Fotos. Von der Urgeschichte bis 1945. Biblioteka Publiczna w Gryinie, Gryfino 2004, ISBN 83-89260-42-5.
  • Martin Zeiller: Greiffenhagen. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae (= Topographia Germaniae. Band 13). 1. Auflage. Matthaeus Merians Erben, Frankfurt am Main 1652, S. 61 (Volltext [Wikisource]).
Commons: Gryfino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI