Gugleur

Suco in Osttimor From Wikipedia, the free encyclopedia

Gugleur (Guguleur, Goe Gleloe) ist ein osttimoresischer Suco im Verwaltungsamt Maubara (Gemeinde Liquiçá).

Schnelle Fakten Daten ...
Gugleur
Daten
Fläche 47,25 km²[1]
Einwohnerzahl 4.542 (2022)[2]
Chefe de Suco Augusto do Santos
(Wahl 2023)
Aldeias Einwohner (2015)[1]
Cai-Cassa 489
Dair 502
Erito 118
Lautecas 45
Lauvou 194
Lebulugor 393
Lissa-Lara 185
Palistla 264
Puquelete 276
Raenaba 413
Vatumori 837
Der Suco Gugleur
Cai-Cassa (Osttimor)
Cai-Cassa (Osttimor)
Cai-Cassa
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Geographie

Gugleur liegt im Westen des Verwaltungsamts Maubara. Er reicht von der Sawusee im Norden bis zum Fluss Lóis und schiebt sich dabei zwischen die Sucos Vatuboro im Westen und Guiço im Osten, die zum Verwaltungsamt Loes gehören. Im Nordosten grenzt Gugleur an die zu Maubara gehörenden Sucos Vaviquinia und Maubaralissa. Jenseits des Flusses Lóis liegt der Suco Rairobo, der zum Verwaltungsamt Atabae (Gemeinde Bobonaro) gehört.[4]

Im Nordosten entspringen die Flüsse Tikidur und Mantaro, die sich zum Marae vereinigen, der an der Grenze zu Vaviquinia in die Sawusee mündet. Im Nordwesten entspringt der Paroho, der in den Baulu, dem Grenzfluss zu Vatuboro mündet.[5] Westlich des Marae liegt der Strand Tasi Tibalau (!491.3708135625.1528975Lage).[6]

Der Foho Gugleur (1141 m, !491.3350785625.1840475Lage) ist der höchste Berg im Suco. Von ihm führt ein Bergrücken nach Westen zum Foho Kailakulau (1104 m, !491.3338395625.1770835Lage). Weiter westlich sind der Foho Laugua (1029 m, !491.3296035625.1639175Lage), der Foho Vatumori (1041 m, !491.3328315625.1536035Lage) und der Foho Uauwe (1019 m, !491.3274345625.1477545Lage). Der Foho Leburate (506 m, !491.3050175625.1498425Lage) ist ein Berg im Zentrum von Gugleur. Im Norden liegt der Foho Lebulisa (565 m, !491.3537115625.1543175Lage) und im Nordwesten der Foho Seserai (546 m, !491.3427815625.1426145Lage).[7]

Gugleur hat eine Fläche von 47,25 km²[1] und teilt sich in die elf Aldeias Cai-Cassa (Caicasa, Kaikasa), Dair, Erito (Erilo), Lautecas (Lautekus, Lautekas), Lauvou (Lauvoo), Lebulugor, Lissa-Lara (Lisalara), Palistla (Palistela), Puquelete (Pukelete), Raenaba und Vatumori.[4][8]

Das Dorf Cai-Cassa, mit dem Sitz des Sucos liegt im Norden auf dem Foho Lebulisa. An der Mündung des Baulus in die Sawusee liegt der Ort Dair. Durch ihn und weiter entlang der Küste führt eine Überlandstraße, die den Ort Maubara mit der Landeshauptstadt Dili verbindet. Ebenfalls im Norden Gugleurs befinden sich außerdem die Dörfer Puquelete, Palistla, Raenaba, Erito und Lauvou. Im Zentrum von Gugleur liegen die Ortschaften Lautecas, Vatumori, Eluli, Kepelara (Kepelari) und Lissa-Lara auf dem Foho Gugleur. Etwas weiter östlich davon Samarapo. In Lebulugor, der südlichsten Aldeia befinden sich die Dörfer Simarema und an der südlichen Überlandstraße, nahe dem Lóis, Tapomanulu.[4][5]

In Cai-Cassa befindet sich der Sitz des Sucos und die Kapelle Cristo Liurai Cai-Cassa. Das Dorf verfügt außerdem über ein Hospital und eine Grundschule. Weitere Grundschulen stehen in Dair, Raenaba, Eluli und Tapomanulu. Die Timor Telecom betreibt auf dem Foho Gugleur eine Sendeanlage.[4]

Einwohner

Im Suco leben 4.542 Einwohner (2022), davon sind 2.270 Männer und 2.272 Frauen. Im Suco gibt es 786 Haushalte.[2] Über 55 % der Einwohner geben Tokodede als ihre Muttersprache an. Knapp 4 % sprechen Tetum Prasa und eine kleine Minderheit Baikeno.[9]

Geschichte

Bauplan des portugiesischen Militärpostens in Gugleur (1893)

Der Ort Lissa-Lara (deutsch Innerer Palast) war der Sitz der Familie Doutel, die über mehrere Jahrhunderte den Herrscher (Liurai) des Reiches Maubara stellte.[10.1] Der Gründungslegende Maubaras nach ließ sich Manu Tela, der zweitälteste der drei Stammbrüder hier auf dem Foho Gugleur (auch Maubara-Berg genannt) nieder. In Dair lebte ein führender Adliger, der dem Herrscher in Maubara unterstellt war.[10.2] Bereits in der Kolonialzeit diente Dair als Handelsposten am Meer.[10.3]

Im September 1867 wurde ein portugiesischer Offizier auf dem Weg nach Batugade in Dair angegriffen. Der Historiker Pélissier nennt diesen Vorfall eine „Revolte“. Vatuboro musste als Entschädigung tausend Rupien zahlen.[10.4] Nach der Revolte von 1863 ließ sich der Rebellenführer Maubute in Cai-Cassa nieder.[10.5]

Am 26. Mai 1893 griffen Rebellen die portugiesischen Zollstationen in Vatuboro und Dair an. Dies war der Beginn der Revolte von Maubara, bei der Maubute erneut eine führende Rolle übernahm. Die Angaben des portugiesischen Gouverneur Cipriano Forjaz über das Schicksal der dort stationierten Soldaten ist widersprüchlich. In einem Bericht ist nur von Verletzten die Rede, laut dem anderen wurde die Besatzung von den Angreifern geköpft.[10.6] Die Portugiesen reagierten mit einem Feldzug gegen Maubara, bei dem sie von Fort Maubara und vom Tal des Lóis aus Lissa-Lara in die Zange nahmen und dabei alle Siedlungen auf ihren Weg überfielen. Am 16. Juni griffen sie alle Weiler in Gugleur an.[10.7] Später im Juni nahm das portugiesische Kanonenboot Diu die Küstenorte Vatuboro und Dair unter Beschuss. In Dair wurde auch ein Landekommando abgesetzt. Da viele Leichen liegen blieben, brach später in Maubara die Cholera aus.[10.8][11.1]

Ein Freund brachte den kopflosen Leichnam Maubutes nach Maubara zurück, doch wollten die Verwandten nicht, dass er auf dem Familienfriedhof bestattet wird. Zu groß waren die Verluste auch für die Doutels gewesen. Seine Ruhestätte fand Maubute schließlich etwas weiter unten am Südhang des Berges Maubara, an einem Platz namens Ulamenahu. Dieser erhielt später den neuen Namen Lakudole, was so viel bedeutet wie „Vergib ihm sein Unrecht“.[10.8]

Ende des 19. Jahrhunderts ließ Gouverneur José Celestino da Silva in den Bergen von Gugleur einen portugiesischen Militärposten errichten.[10.3] Seinem Sohn gehörte in den höheren Lagen des Sucos eine Kaffeeplantage. Hier nahm er sich Lo Bete (Taufname Madalena), die Tochter eines Dato aus der Aldeia Vatumori als Mätresse und nahm sie mit zu seinem Heim in Fatubessi.[10.9] 1909 kehrte Lo Bete nach Gugleur zurück und heiratete den Portugiesen Joaquim Sanches. Mit in die Ehe brachte sie die riesige Kaffeeplantage des Gouverneurssohns in Lautecas.[10.10]

1967 beklagten sich Einwohner von Gugleur beim örtlichen katholischen Pfarrer über die von der Kolonialverwaltung geforderte Zwangsarbeit auf den Kaffeeplantagen. Bischof José Joaquim Ribeiro sandte den Beschwerdeführern daraufhin ein Exemplar der portugiesischen Verfassung, damit sie ihre Rechte kennen und einfordern können.[10.11]

In den ersten Jahren der Besatzung machte die indonesische Verwaltung Cai-Cassa zum Verwaltungssitz von Guguleur.[10.12]

Ende 1998 wurde in Cai-Cassa die pro-indonesische Miliz Besi Merah Putih (BMP) gegründet.[12] Diese Miliz galt als eine der gefürchtetsten in Osttimor während der Gewaltwelle vor und nach dem Unabhängigkeitsreferendum 1999. Sie wird für Brandstiftung, Mord, Folter und Vergewaltigung in hunderten Fällen verantwortlich gemacht.[13] In Gugleur wurden zum Beispiel am 6. Juni 23 Frauen von der BMP gefangen genommen. Sie wurden zum Kochen und Waschen gezwungen und es kam zu sexueller Gewalt.[13.1]

Die Wahrheits- und Freundschaftskommission führte mehrere Versöhnungsprozesse (community reconciliation processes CRP) auf Suco-Ebene in Maubara durch. Diese folgten traditionellen Ritualen, bei denen der Lian Nain („Herr der Worte“) eine tragende Rolle innehatte. In Gugleur mussten man 2003 aufgrund der vielen Zeugen den Versöhnungsprozess an drei Orten abhalten. Hier spielte er Mord an Mau Kuru eine große Rolle. Nach den Aussagen opferten die Lian Nain vier Hühner. Eines von ihnen hatte beschädigte Eingeweide, woraus die traditionellen Führer schlossen, dass einer der Zeugen nicht die ganze Wahrheit gesagt habe. Man verkündete, dass sie mit den Konsequenzen leben müssten. Danach pflanzten die Einwohner (sowohl Zeugen als auch andere) 1300 Bäume als Symbol der Erneuerung.[10.13]

Einwohner von Lissa-Lara mit einem Modell des Uma Lulik (2014)

Das Heilige Haus (Uma Lulik) des Clans der Doutel wurde nach Zerstörungen 1985 wieder errichtet und 2012 an derselben Stelle neugebaut. Das alte Gebäude war im Vergleich hoch und schlank. Das neue Haus ist gedrungener, damit es den starken Winden auf dem Berggipfel besser widerstehen kann. Der Eingang ist ebenerdig und abschließbar. Neben dem Haus steht ein Fahnenmast, den ein Hahn krönt. Das Haus stellt den Ursprung und die spirituelle Kraft dar, während der Fahnenmast die politische Macht symbolisiert.[10.14]

Uneinigkeit herrschtre über die Einweihungsfeiern. Das für die Rituale zuständige Familienmitglied drängte auf verschiedene Termine für die Einweihung des Hauses und die offizielle Flaggenzeremonie. Das Hissen der Flagge Osttimors sei als politischer Akt zu trennen, von dem spirituellen Ritual, bei dem die heiligen Gegenstände im Haus platziert werden, sonst könnten Familienmitglieder erkranken oder gar sterben. Die Einweihung des Uma Lulik wurde am 28. April 2012 durchgeführt. Dabei wurden die Ahnen als Zeugen angerufen und um Vergebung gebeten. Man feierte die Herkunft des Clans und verkündete die Bedeutung der Artefakte.[10.15]

Die Flaggenzeremonie wurde im Beisein von Präsident Taur Matan Ruak und der Abgeordneten Lurdes Maria Bessa am 11. Juli 2014 abgehalten. Seit der Wiedererlangung der Unabhängigkeit 2002 war die Nationalflagge im Dorf nicht gesetzt worden, obwohl es Zeremonien in jedem Suco des Landes gab, bei denen die Nationalflagge übergeben wurde. Allerdings bestanden die Doutels auf eine Zeremonie in Lissa-Lara, dem Stammsitz der Herrscher von Maubara, während der Administrator von Maubara sie in Cai-Cassa durchführen wollte, der erst durch die Indonesier zum Verwaltungszentrum des Sucos gemacht wurde.[10.16]

Politik

Chefe de Suco Guido Ramos Ribeiro (2014)

1903 wurde Mau Kura, Schwiegersohn von Repreto (auch Sereloy, der schwarze König), von den Portugiesen als Chefe de Suco von Gugleur eingesetzt. Der Sohn von Repreto, José dos Santos, wurde 1910 als letzter Nachkomme der Doutels, der alten Herrscherfamilie Maubaras, zum Liurai von Maubara ernannt, verlor es aber bereits 1912 wieder an José Nunes. Die Santos blieben aber Chefe de Suco von Gugleur. Als 1945 aber Manuel, Apolinario und Fernando, die drei Söhne von Santos des Hochverrats beschuldigt und nach Atauro verbannt wurden, verlor die Familie zunächst auch diese Position. Stattdessen wurde Bere Dade (Berdade) neuer Chefe de Suco, Bruder von Lo Bete. Er hatte das Amt noch 1952 inne.[10.17] 1964 war Antonio Sanches Chefe de Suco.[14]

Nach der Invasion der Indonesier setzten sie als ersten Dorfchef Mau Boesa (Antonio Soares) ein, den Sohn von Mau Kura.[10.18] 1995 wurde Alcino Gonçalves eingesetzt, ein Verwandter von Distriktsadministrator Leoneto Martins.[10.19]

Um 2002/2003 war ein Mann namens Luis, der in den 1990er Jahren in der Unabhängigkeitsbewegung kämpfte, Chefe de Suco von Gugleur.[10.13] Bei den Wahlen von 2005 wurde der PSD-nahe Guido Ramos Ribeiro zum Chefe de Suco gewählt[15] und 2009[16] und 2016 in seinem Amt bestätigt.[17] 2023 wurde Augusto do Santos zum Chefe de Suco gewählt.[18]

Persönlichkeiten

Commons: Gugleur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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