Guido Masanetz
deutscher Komponist und Kapellmeister
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Guido Masanetz (* 17. Mai 1914 in Friedeck, Österreichisch-Schlesien, Österreich-Ungarn; † 5. November 2015 in Berlin) war ein deutscher Musikdirektor, Komponist und Kapellmeister.

Leben
Masanetz war eine der bedeutendsten und erfolgreichsten Musikerpersönlichkeiten der DDR.
Er stammte aus einem musizierfreudigen Elternhaus und erhielt vom achten Lebensjahr an Unterricht in Klavier und Musiktheorie. Bald stand sein Berufsziel Konzertpianist fest. Nach der Volksschule in Friedeck und dem Gymnasium in Mährisch Ostrau erhielt er dazu eine Ausbildung an der Städtischen Musikschule in Mährisch Schönberg. Während seines Militärdienstes beim 35. Infanterie-Regiment der tschechoslowakischen Armee in Pilsen konnte er seine Ausbildung in Musiktheorie und Komposition bei Josef Bartovský fortsetzen.
Den Schwerpunkt seines Wirkens bildete aber recht bald die Tätigkeit als Kapellmeister und die Komposition. 1938/1939 hatte er ein Engagement als Ballett-Repetitor am damaligen deutschen Brünner Stadttheater,[1] an dem 1941 auch seine Operette Barbara erstmals aufgeführt wurde. Ab 1940 arbeitete er im Protektorat Böhmen und Mähren als Konzertpianist beim Sender Brünn und als Zensurbeauftragter, bevor er 1941 zum 172. Infanterie-Regiment der Wehrmacht nach Bautzen eingezogen wurde, wo er vor allem als Militärmusiker tätig war.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Zeit der Kriegsgefangenschaft wirkte er von 1945 bis 1949 als Kapellmeister am Stadttheater Zittau sowie als Dozent für Musiktheorie am Johanneum. Von 1951 bis 1955 war er in Berlin Musikalischer Oberleiter des Staatlichen Volkskunstensembles der DDR. Anschließend arbeitete Masanetz bis 1960 als Sekretär für Unterhaltungsmusik beim Verband der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR. Von 1962 bis 1966 war er Musikdramaturg im Verlag „Lied der Zeit“, bevor er freischaffender Pianist, Komponist und Dirigent wurde. Über drei Jahrzehnte war er als Dirigent am Metropol-Theater Berlin tätig und leitete dort auch die Uraufführungen seiner Werke.
Masanetz komponierte zahlreiche Lieder, Schlager, Operetten, Musicals und Filmmusiken, insbesondere auch für Märchenfilme. Er schuf das langjährig erfolgreich gespielte Musical In Frisco ist der Teufel los. Aus seiner Feder stammen unter anderem die bekannten Lieder Bunte Lampions (1946 für Rudi Schuricke) und 1962 Seemann, hast du mich vergessen?.
2005 wurde er bei den Elblandfestspielen in Wittenberge von Manfred Stolpe mit dem Ehrentitel „Musikdirektor“ ausgezeichnet. Sein künstlerisches Credo war stets „die Stärkung und Ausschöpfung der Vielfalt der harmonischen Melodie“.
Guido Masanetz ist der Vater des Fotografen Lutz Masanetz. Seit 1986 war der Komponist in vierter Ehe mit Sibylle, geb. Wüsthoff, verheiratet. Er kümmerte sich als Stiefvater um ihre Tochter Barbara Nehring (geb. 1967). Er starb am 5. November 2015 im Alter von 101 Jahren in Berlin.[2] Die Witwe hat dem Deutschen Musicalarchiv einen Teil des Nachlasses als Schenkung übergeben. Anlässlich einer bevorstehenden Produktion von In Frisco ist der Teufel los nannte sie es im Oktober 2025 einen Fehler, das Gesamtwerk ihres Mannes nicht aktiv promotet zu haben: „Ich hatte viel zu lange geglaubt, dass die Qualität seiner Werke ohne Zutun das nötige Interesse der Theater und Opernhäuser bewahren oder erneut ziehen würde.“[3]
Werke
Opern
- Der Wundervogel, Eine Oper nach einer chinesischen Erzählung. Text von Paul G. Reime. Musik von Guido Masanetz, 1955, Landesbühnen Sachsen
- Sprengstoff für Santa Ines, Volksoper nach dem gleichnamigen Roman von Eduard Klein, Uraufführung: 16. Juni 1973, Felsenbühne Rathen
Operetten vor 1949
- Barbara, Operette – Textbuch von Erich Elstner – Uraufführung: 7. Juni 1941, Theater Brünn (entstanden 1939/1941)
- Die Reise nach Budapest, Operette, 28. November 1942, Theater Bautzen
- Die Mandelblüte, Operette – Uraufführung: 1948, Theater Bautzen
Partituren für das Heitere Musiktheater der DDR (Operette, Musical, Musikalisches Lustspiel u. a.)
- Eine unmögliche Frau, Operette – Musik von Guido Masanetz – Textbuch von Peter Bejach – Uraufführung: 25. September 1954, Volkstheater Rostock
- Wer braucht Geld?, Operette – Musik von Guido Masanetz – Textbuch von Otto Schneidereit (Erstfassung von In Frisco ist der Teufel los, im Entwurf Hotel Nevada) – Uraufführung: 17. November 1956, Metropoltheater Berlin
- In Frisco ist der Teufel los, Operette – Musik von Guido Masanetz – Textbuch von Otto Schneidereit, Neufassung mit Maurycy Janowsky – Uraufführung: 23. März 1962, Metropoltheater Berlin (Vertrieb: Alkor-Bärenreiter)
- Eva und ihr Moralist, Operette – Musik von Guido Masanetz – Textbuch von Helmut Baierl – Uraufführung: 9. Januar 1958, Theater Nordhausen
- Der Instrukteur soll heiraten, Operette – Musik von Guido Masanetz – Textbuch von Jan Hall – Uraufführung: 7. Oktober 1959, Musikalische Komödie Leipzig
- Mein schöner Benjamino, Musical – Musik von Guido Masanetz – Textbuch von Jo Schulz – Uraufführung: 11. Mai 1963, Metropoltheater Berlin (Vertrieb: Schott)
- Vasantasena, Nach einem alten indischen Motiv, Musical – Musik von Guido Masanetz – Textbuch von Peter Ensikat – Uraufführung: 8. September 1978, Metropoltheater Berlin (Vertrieb: Alkor-Bärenreiter)
Operettenbearbeitungen
- Die listigen Frauen oder Die Wilderer, Große Operette in 3 Akten nach Les Braconniers von Jacques Offenbach. Musikalische Bearbeitung von Guido Masanetz. Textliche Neufassung von Jan Möhwald. Unverkäufliches Bühnen-Manuskript (Maschinenschrift vervielfältigt); Berlin W 8: VEB Lied der Zeit 1958 (Vertrieb: Schott)
- Der Bettelstudent, Operette in zwei Akten (4 Bildern) von F. Zell und Richard Genée. Musik von Carl Millöcker. Textliche und musikalische Neueinrichtung nach der Urfassung von Egon Maiwald und Guido Masanetz; Berlin W 8: VEB Lied der Zeit 1972 (Vertrieb: Schott)
Schauspiel
- Harald Hauser: Im himmlischen Garten. Musik von Guido Masanetz – Uraufführung: 14. September 1958, Städtische Theater Karl-Marx-Stadt (Erstausstrahlung der Fernsehinszenierung von Gottfried Grohmann und Hans Flick am 27. November 1958)
Filmmusik
- 1957: Das Zauberfaß
- 1957: Die Geschichte von den fünf Brüdern
- 1958: Der Wunderbogen
- 1958: Teddy Brumm
- 1959: In den Sack gesteckt
- 1959: Gleich links hinterm Mond
- 1959: Der ungeschickte kleine Elefant
- 1960: Wer ist der Stärkste?
- 1963: Nur ein Märchen
- 1964/1965: Es geschah am ...
- 1965: Das Geheimnis des großen Bären
Orchesterwerke
- Der Bartschaber. Burleske nach einem mecklenburgischen Volkstanz für großes Orchester (Verlag Neue Musik)
- Hessische Suite für Orchester (Verlag Neue Musik)
Lied (Auswahl)
- Das ist die Genossenschaft. Lied der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften; für gemischten Chor und Volkskunstorchester Worte: Hermann Heinz Wille; Mitteldeutscher Verlag, Halle 1953[4]
- Wilhelm Pieck – Du Sohn des Volkes, Text: Günter Derball. Politisches Lied für gemischten Chor (4stg) (ca. 1955)[5]
- Der steife Hans: Straßentanz-Ballade, Worte: Jan Koplowitz. Hrsg. vom Zentralhaus für Volkskunst. Erschienen in: Lose Blätter für Laientanzgruppen / Reihe C3; Leipzig 1955[6]
- Des Friedens Armee, Verse: Günther Deicke, LP-Aufnahme auf: Parade Des Soldatenliedes, LP ETERNA – 8 15 096 mit Chor und Orchester des Erich-Weinert-Ensembles, Dirigent: Oberstleutnant Klaus Kolberg mit Stabsfeldwebel Alfons Stritz[7]
- Mein Waffenbruder, Ein Liederzyklus nach Texten von Karl Artelt, Uraufführung: 1984 Magdeburg: 1 Mein Waffenbruder – 2 Soldatenverbrüderung – 3 Zwei Schuhe aus Bast – 4 Wenn er zur Schule kam – 5 Elektrizität – 6 Der neue Eigentümer – 7 Ein Panzer – 8 Gastello – 9 Reserve-Wodka – 10 Aus Tanjas Tagebuch – 11 Wolga, Mütterchen – 12 Mut – 13 Der Sturm auf die Seelower Höhen – 14 Der entscheidende Tag – 15 Die Fahne des Sieges – 16 Ewiger Ruhm – 17 Karl Marx – 18 Melodram – 19 Galina – 20 Waffenbrüderschaft – 21 Gibt es ein Volk – 22 Mein Waffenbruder (LP-Einspielung beim DDR-Label Nova 885 271: Männerchor des Erich-Weinert-Ensembles, Einstudierung: Hans Bastian – Rundfunkchor Berlin, Einstudierung: Sigurd Brauns – Großes Rundfunkorchester Berlin, Dirigent: Guido Masanetz – Eduard Funkner, Balaleika – Erhard Hofmann, Kunstpfeifer – Ingrid von Koppelow, Sprecherin – Fred Alexander, Sprecher – Renate Biskup, Sopran – Astrid Pilzecker, Alt – Heiko Jerke, Bariton – Andreas Wiedermann, Bariton – Jörg Schörner, Baßbariton – Uta Köpernick, Mädchensopran – Aufnahme des Rundfunks der DDR 1987)[8]
- Mit der Trommel durch Freundesland (In Havanna ist es schön), Text: Guido Masanetz (LP-Einspielung: Musik Für Vorschulkinder (6) – Schola 875076: Pionierchor des Zentralhauses der Jungen Pioniere „German Titow“ Berlin – Instrumentalgruppe – Dirigentin: Karola Marckardt 1977)[9]
- Wir sind aus dem Volke geboren. Lied der Volkspolizei, Worte: Werner Ludwig (LP mit Rundfunkchor Berlin, Zentrales Orchester des Ministeriums des Innern der DDR)[10]
- Heimat, geliebtes Leben, aufgeführt am 17. Juni 1988 mit Nationale Volksarmee. Erich-Weinert-Ensemble. Orchester in Frankfurt (Oder)[11]
- Altmark, Heimat, herb und schön, aufgeführt am 25. Oktober 1989 mit Männerchor "Eintracht" in Gardelegen[12]
Ehrungen
- 1969: Ehrenbürger des Ostseebades Prerow
- 1974: Vaterländischer Verdienstorden in Bronze[13]
- 1977: Kunstpreis der „Berliner Zeitung“
- 1979: Kunstpreis der DDR
- 1979: Nationalpreis der DDR III. Klasse für Kunst und Literatur, für die Vertonung des indischen Sanskrit-Stückes „Vasantasena“
- 1984: Theodor-Körner-Preis
- 1988: Ehrenmitglied der GEMA
- 1989: Vaterländischer Verdienstorden in Silber[14]
- 2005: Ehrentitel Musikdirektor (MD) bei den VI. Elblandfestspielen Wittenberge
- 2007: Sudetendeutscher Kulturpreis für Musik
- 2008: Ordentliches Ehrenmitglied der Europäischen Kulturwerkstatt e. V. (EKW) Berlin-Wien
Weblinks
- Werke von und über Guido Masanetz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Guido Masanetz bei IMDb
Literatur
- Annemarie Arnold: Volkshauserinnerungen an Bockbieranstiche: DDR-Berühmtheit Guido Masanetz schrieb Bierlieder für Gardelegen in Volksstimme. 10. November 2024
- Roland Dippel: Heiteres Musiktheater – Operette in der Deutschen Demokratischen Republik (1949–1989). In: Marie-Theres Arnbom, Kevin Clarke, Thomas Trabitsch (Hrsg.): Die Welt der Operette | Frivol, erotisch und modern. Brandstätter, Wien 2011, S. 213 bis 239.
- Roland H. Dippel: Das Ende einer musikalischen Epoche. Komponist Guido Masanetz 101-jährig gestorben. In: Leipziger Volkszeitung. 10. November 2015, Nr. 261, S. 10.
- Roland H. Dippel: Zwischen Experiment und Erfolg. Herbert Kawan, Guido Masanetz und Conny Odd (= Operette und Musical der DDR. Folge 7). In: Leipziger Volkszeitung. 10. August 2016, Nr. 186, S. 10.
- Otto Schneidereit: Operette A – Z. Ein Streifzug durch die Welt der Operette und des Musicals. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1986.