Guillermo Algaze

US-amerikanischer Anthropologe From Wikipedia, the free encyclopedia

Guillermo Algaze (* 24. November 1954 in Havanna) ist ein in kubanischstämmiger amerikanischer Anthropologe und Empfänger eines MacArthur Award 2003.[1] Algaze ist ehemaliger Leiter der Anthropologieabteilung der University of California, San Diego (UCSD). Seine Feldforschung konzentrierte sich hauptsächlich auf die Südosttürkei, wo er umfangreiche Surveys (archäologische Oberflächenbegehungen) entlang des oberen Tigris und Euphrat durchführte und Ausgrabungen leitete, unter anderem an der bronzezeitlichen Stadt Titriş Höyük.[2] Darüber hinaus versuchte er die Uruk-Expansion mit seiner Uruk-Weltsystem-Theorie zu erklären.

Leben und Ausbildung

Algaze wurde in Havanna geboren und wuchs in Puerto Rico auf. Er schloss dort 1976 sein Studium an der Universität von Puerto Rico mit dem Bachelor ab. Später zog Algaze in die kontinentalen Vereinigten Staaten und wurde dort Staatsbürger. Nach seinem Master 1979 an der University of Chicago promovierte er dort 1986 mit der Arbeit Mesopotamian expansion and its consequences: informal empire in the late fourth millennium B.C.[3] 1990 wechselte er an die UCSD, wo er als Professor lehrte und den Lehrstuhl für Anthropologie innehatte.[4] Mit Stand vom Januar 2026 ist er Distinguished Professor am Institut für Anthropologie der UCSD.[5]

Akademische Arbeit

Algazes archäologisches Interesse galt vor allem der mesopotamischen Geschichte und Kultur.[6][7] Seine Arbeit trug zu einer umfangreichen Informationsgrundlage über Mesopotamien bei.[8]

Uruk-Welt-System

Sein bekanntester und einflussreichster Beitrag ist die Formulierung des Uruk-Welt-Systems. In seinem Buch The Uruk World System (1993) argumentiert er, dass die Städte im südmesopotamischen Kernland (wie Uruk) aufgrund eines Mangels an Rohstoffen (Holz, Metalle, Halbedelsteine) ein Netzwerk von Kolonien und Handelsstationen in der Peripherie (z. B. in Anatolien, Nordsyrien) errichteten. Diese Interaktion zwischen Kern und Peripherie habe nicht nur den Reichtum des Südens gemehrt, sondern auch die soziale Komplexität in den peripheren Regionen beschleunigt.

Nach den Entdeckungen im neuen Jahrtausend revidierte er seine Hypothese und sagte, dass Belege darauf hindeuten, dass Gesellschaften im nördlichen Gebiet gleichzeitig und unabhängig von der mesopotamischen Expansion entstanden seien.[9][10]

Im Jahr 2003 erhielt er den MacArthur Genius Award für seine Arbeit zum Imperialismus und Kolonialismus antiker Zivilisationen, insbesondere zur Uruk-Expansion im alten Mesopotamien.[4][11]

Arbeiten

  • Guillermo Algaze: Ancient Mesopotamia at the Dawn of Civilization: The Evolution of an Urban Landscape. University of Chicago Press, 2008, ISBN 978-0-226-01377-0.
  • Guillermo Algaze: The Uruk World System: The Dynamics of Expansion of Early Mesopotamian Civilization, Second Edition. University of Chicago Press, 2005, ISBN 978-0-226-01382-4 (uchicago.edu).

Einzelnachweise

Bibliographie

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