Gunnar Dedio

deutscher Filmproduzent und Medienunternehmer From Wikipedia, the free encyclopedia

Gunnar Dedio (* 16. November 1969 in Rostock) ist ein deutscher Filmproduzent und Medienunternehmer. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Filmproduktionsfirma LOOKSfilm. 2019 übernahm er die Progress Film GmbH[1][2]. Er ist sächsischer Kultursenator[3] und sitzt im Aufsichtsrat der 2024 neu gegründeten Filmakademie Sachsen[4] in Görlitz.

Leben

Gunnar Dedio wuchs in Rostock auf und besuchte dort die 35. POS Albin Köbis sowie die Herder Oberschule, die intensiv Russisch, Englisch und Französisch lehrten. Als langjähriger Schüler Peter Heidrichs genoss Dedio eine weltoffene Erziehung und interessierte sich schon früh für Psychologie und Geschichte.

Nach dem Mauerfall war Dedio zunächst im Vertrieb von Zeitungen tätig und organisierte den Aufbau entsprechender Distributionsstrukturen in Ostdeutschland[5]. Anschließend zog er nach Frankreich, wo er Moderne Literaturwissenschaften an der Universität Avignon studierte.[6] Während dieser Zeit begegnete er 1992 Fernand Meyssonnier, dem letzten Henker Frankreichs. Fasziniert von dessen Geschichte entstand der Dokumentarfilm Henker – Der Tod hat ein Gesicht (2001) sowie das Buch Die letzten Henker (2002).[7]

Dedio, während seines Studiums zunächst für deutsche Zeitungsverlage tätig, gründete 1994 einen eigenen Zeitungsverlag, sowie 1995 die Filmproduktionsfirma LOOKSfilm in Rostock. Mittlerweile unterhält LOOKSfilm Niederlassungen in Leipzig, Berlin, Magdeburg, Hamburg, Wien und Warschau und produziert Dokumentationen, Serien und Spielfilme für VoD-Plattformen, Kino und das Fernsehen.[8] Dedio absolvierte zudem ein Studium im Fach Medienmanagement an der Hochschule Mittweida.[9]

Parallel zu seiner Arbeit als Produzent und Geschäftsführer führte Dedio sein Executive Training an die INSEAD und ans IMD. An der INSEAD studierte er bei Manfred F.R. Kets de Vries, Roger Lehman und Eric van der Loo und absolvierte 2016 den Executive Master in Consulting and Coaching for Change (EMCCC Wave 21)[10].

Dedio war als Gastreferent für Filmproduktion unter anderem an der Hochschule Hannover[11] im Masterstudiengang Fernsehjournalismus, der Hochschule Mittweida der Hochschule Mittweida, der Universität Montpellier und anderen Universitäten tätig.[12]

Produzent und Medienunternehmer

Mit der Produktionsfirma LOOKSfilm produziert Dedio internationale Koproduktionen , insbesondere im Bereich historischer Dokumentationen und Serien. Dabei arbeitete er von Anfang an mit verschiedenen europäischen Partnern zusammen, darunter der Fernsehsender Arte sowie das französische Produktionsunternehmen Les Films d’Ici.[13]

2008 richtete LOOKSfilm eine eigene Archivabteilung ein, die neben Recherche und Rechtehandel von 2011 bis 2016 für den Vertrieb von British Pathé zuständig war.

Eine größere Bekanntheit erlangte Dedio mit der Dokuserie Damals in der DDR (2004), für die er 2005 unter anderem mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.[14]

2011 produzierte LOOKSfilm die von Dedio und Regisseur Jan Peter entwickelte dokumentarische Dramaserie 14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs (2014). Sie ist die erste deutsche Serie, für die Netflix US die Lizenzrechte erwarb. Die Produktion war Teil eines transmedialen Projekts, das unter anderem eine Sonderausstellung im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr[15] sowie mehrere Begleitpublikationen umfasste.[16][17][18][19]

2014 produzierte Dedio die erste historische Dokuserie über den Ersten Weltkrieg für Kinder Kleine Hände im Großen Krieg (2014)[20]. Die Fortsetzung Der Krieg und ich (2019) wurde 2018 mit dem Goldenen Spatzen ausgezeichnet[21].

Die Serie Krieg der Träume (2018), die Fortsetzung von 14-Tagebücher des Ersten Weltkriegs(2014), befasst sich mit der Zwischenkriegszeit. Sie wurde ebenfalls von Dedio und Jan Peter entwickelt und von LOOKSfilm in Koproduktion mit über dreißig internationalen Sendern und Fördereinrichtungen produziert[22] und im September 2018 erstmals beim Fernsehsender Arte erstausgestrahlt.[23] Sie war Bestandteil des transnationalen Projekts Clash of Futures, welches sich international und medienübergreifend der Zwischenkriegszeit widmete[24]. Vom Rolling Stone wurde die Serie im Dezember 2018 unter die Top Ten der beliebtesten deutschen Serien aller Zeiten gewählt[25].

Seit den 2010er Jahren produziert Dedio neben Dokumentationen auch Spielfilme. Dazu zählen unter anderem die Koproduktion Michael Kohlhaas (2013) mit Mads Mikkelsen und Bruno Ganz[26], sowie die in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Sergei Loznitsa entstandenen Filme Licht (2017) mit Maria Dragus und Devid Striesow[27], Die Sanfte[28] und Zwei Staatsanwälte (2025).

Zu den internationalen Dokumentarproduktionen, die in Zusammenarbeit mit dem Streaminganbieter Netflix entstanden, zählen unter anderem The Cuba Libre Story (2016),[29] Age of Tanks (2017)[30] Bobby Kennedy for President (2018)[31], Colonia Dignidad: Eine deutsche Sekte in Chile[32] und Dig Deeper: Das Verschwinden von Birgit Meier[33].

Im Zuge der Übernahme der Progress Film GmbH entwickelte er deren Geschäft im Bereich Filmarchiv und Rechtehandel weiter. Dazu zählen der Ausbau von Archivbeständen sowie die verstärkte Digitalisierung und Online-Zugänglichmachung von Filmmaterial.[34]

2024 übernahm Dedio zudem die Postproduktionsfirma wave-line.[35]

Dedio ist seit 2023 Mitglied des Sächsischen Kultursenats, einem beratenden Gremium für kulturpolitische Fragen im Freistaat Sachsen.[3] Zudem gehört er dem Aufsichtsrat der 2024 gegründeten Filmakademie Sachsen in Görlitz an.[4]

Soziales Engagement

Zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt Rostock Rostock, Prof. Henning Wode und dem Institut français gründete Dedio 1995 den zweisprachigen (deutsch-französischen) Kindergarten Rappelkiste, der auf dem Prinzip der Immersion basiert[36].

Von 1998 bis 2008 engagierte sich Dedio im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und arbeitete dabei mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) sowie dem Deutschern Entwicklungsdienst (DED) zusammen. Im Auftrag der GTZ produzierte er in Peru eine Dokumentation zur Trinkwasserversorgung und leitete in Botswana im Rahmen eines ein mehrjährigen Projekts ein Ausbildungsprogramm für Mediengestalter in Hauptstadt Gaborone[37]. In Zusammenarbeit mit dem DED realisierte er zudem eine Social-Marketing-Kampagne zur HIV-Prävention in Tansania, für die vor Ort Fernsehspots produziert wurden.[38][39]

Filmografie

Sachbücher

Auszeichnungen (Auswahl)

Einzelnachweise

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