Gustav Schauer

deutscher Maler, Kunstverleger und Fotograf From Wikipedia, the free encyclopedia

Gustav Schauer (geb. 24. Juni 1826 in Beeskow; gest. 8. Januar 1902 in Berlin[1]) war ein deutscher Maler, Fotograf und Kunstverleger.

Prof. Gustav Schauer – Porträtzeichnung von Josef von Kulas (1874–1943)

Lebensweg

Gustav Schauer war zunächst als Lehrer tätig;[2] und wohl auch als Angestellter eines Berliner Buchverlages.[3]

Nach seiner Lehrzeit bei dem Berliner Daguerreotypisten Philipp Graff (1813–1851) gründete Schauer im Jahr 1851 ein eigenes Fotoatelier,[4] in der Friedrichstraße 188.[5]

Schauer bot Porträtfotos im Visitformat an[6] und auch Fotos von Kunstwerken.

Die Porträtfotografie gab Schauer bald auf und widmete sich fortan ausschließlich der fotografischen Wiedergabe von Kunstwerken.[4] Fotografie wurde in den 1850er Jahren nicht zuletzt als Verfahren zur Reproduktion bestehender Kunstwerke wie Gemälde, Zeichnungen oder Skulpturen genutzt.[7] Um den wachsenden Markt für Kunstreproduktionen zu bedienen, wurden Unternehmen wie Leonida Caldesi (1822–1891) in London, Fratelli Alinari in Florenz, Bisson Freres in Paris, Franz Hanfstaengl (1804–1877) in München und eben auch Gustav Schauer in Berlin gegründet. Im Laufe des 19. Jahrhunderts kamen auf diese Weise zahlreiche Alben mit Fotografien von Kunstschätzen in den Handel, etwa aus den Uffizien, dem Vatikan, dem Louvre, der National Gallery und dem British Museum.[8]

Wohl im Jahr 1858 erhielt Gustav Schauer offenbar die Erlaubnis, sich als königlichen Hof-Photographen zu bezeichnen.[9] Im Jahr 1872, unter Schauers Geschäftsnachfolger Franz Milner, wurde der Firma Gustav Schauer das Prädikat Königliche Hofkunsthandlung verliehen.[10]

Im Jahr 1858 annoncierte Schauer in der Vossischen Zeitung sein Sortiment von 500 Fotografien nach Kunstwerken alter und neuer Meister. Da beim damaligen Stand der Fototechnik die tonwertrichtige Wiedergabe farbiger Gemälde in schwarzweißen Fotografien schwierig war, fotografierte Schauer – wie wohl alle seine Kollegen dieser Zeit – meist nicht die Originalgemälde ab, sondern fast ausschließlich einfarbige oder schwarzweiße Handzeichnungen (zum Beispiel im Jahr 1861 die Sixtinische Madonna „nach den über dem Original-Gemälde gepausten und vor demselben ausgeführten Zeichnungen des Professors Schlesinger“), oder Stiche, von denen Schauer eine große Sammlung zusammengetragen hatte.[11]

Die erste Fotografie, die in einer deutschen (Kunst-)Zeitschrift erschien, nämlich im Deutschen Kunstblatt vom 25. Dezember 1856, war ein eingeklebter Original-Abzug einer Fotografie Gustav Schauers einer biblischen Landschaft von Johann Wilhelm Schirmer (1807–1863).[12]

Schauers fotografischen Kunstreproduktionen, meist angereichert durch Begleittexte angesehener Kunstsachverständiger, vertrieb Schauer in preiswerten Alben oder eingeklebt in Büchern, die über den Buchhandel vertrieben wurden.[12] Einem 1858 herausgegebenen Shakespeare-Album nach den Zeichnungen Wilhelm von Kaulbachs folgten Alben mit meist jeweils zehn Fotografien etwa nach Antonio da Correggio, Bartolomé Esteban Murillo (1860), Raffaels Madonnen (1861), Hasenclever, Albrecht Dürer, Tizian (1862) und Michelangelo (1863), Holbein, Peter Paul Rubens und Rembrandt van Rijn (1864). 1862 stellte Schauer, dessen Alben sich auch in England und Amerika gut verkauften, auf der Weltausstellung in London fotografische Reproduktionen nach Original-Gemälden aus. 1863 gab Schauer erstmals Galeriewerke heraus, zum Beispiel je ein Album der Berliner, der Dresdener und der Münchener Galerie, die jeweils zehn Fotografien und 25 Seiten Text umfassten.[12] Unter den Autoren, die Begleittexte zu Schauers Alben mit fotografischen Gemälde-Reproduktionen schrieben, waren Wilhelm Lübke (1826–1893), Adolf Stahr (1805–1876), Titus Ullrich (1813–1891), Hugo von Blomberg (1820–1871) und Gustav Friedrich Waagen (1794–1868).[13]

Offenbar hat Schauer Ende der 1850er oder Anfang der 1860er Jahre im Auftrag von Pierre Louis Ravené (1793–1861) einige Bilder aus der bekannten Gemäldesammlung der Familie Ravené fotografiert. Seine Aufnahmen waren nicht für den Handel bestimmt.[14]

1864 verkaufte Gustav Schauer sein florierendes Geschäft einschließlich aller Publikationsrechte an Richard Menzel, den Bruder des Malers Adolph von Menzel (1815–1905).

Schauer widmete sich ab 1864 hauptsächlich der Malerei, arbeitete daneben aber auch weiter als Fotograf von Kunstwerken. Adolph von Menzel ließ seine Gemälde seit 1864 offensichtlich jeweils unmittelbar nach deren Fertigstellung von Schauer fotografieren. 1867 fotografierte Schauer in der Gemäldegalerie Alte Meister (Kassel) und brachte „82 Blatt ohne Negativ-Retouche“ nach den Originalgemälden alter Meister heraus.[15]

Schauer wandte sich neben Menzel auch noch anderen zeitgenössischen Künstlern zu und veröffentlichte – wie auch die Photographische Gesellschaft in Berlin und Franz Hanfstaengl in München – etwa seit 1872 eine „Galerie moderner Meister“ in großen Formaten als Wandbilder.[16]

In der zweiten Hälfte der 1860er Jahre studierte Schauer eine Zeit lang in Karlsruhe bei Hans Canon (1829–1885). Anfang der 1870er Jahre ging Schauer nach Düsseldorf und trat in die Kunstakademie Düsseldorf ein, an der ihn Albert Flamm (1823–1906) unterrichtete. Schauer wurde auch Schüler des Genre-Malers Ludwig Knaus (1829–1910). Schon bald jedoch brach Schauer sein Kunststudium in Düsseldorf ab und zog nach Coburg, wo er eine Villa erwarb. Während seines dreijährigen Aufenthalts in Coburg schuf Schauer eine Reihe von Illustrationen für deutsche Fabeln und malte Porträts des Herzogs und der Herzogin von Coburg, Ernst II. und Alexandrine von Baden. Danach verbrachte Schauer einen Winter auf Sizilien. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1876 ließ er sich im Alter von fünfzig Jahren in München nieder.[17] In München wurde Schauer ein Schüler von Rudolf von Seitz (1842–1910) und fand rasch Kontakt zu anderen dort lebenden Künstlern wie Carl Theodor von Piloty (1826–1886), Franz Defregger (1835–1921), Alexander von Liezen-Mayer (1839–1898) und Samuel Friedrich Diez (1803–1873). Er war auch mit den US-amerikanischen Künstlern David Dalhoff Neal (1838–1915) und Toby Edward Rosenthal (1848–1917) befreundet.[17]

Schauer gab die Anregung, Spenden für ein Schiller-Denkmal in Berlin zu sammeln.[18]

Gustav Schauer erhielt 1891 ehrenhalber den Professortitel.[19]

Schauer war Freimaurer. Im Jahr 1894 wurde er Großmeister der Settegastschen Großloge Kaiser Friedrich zur Bundestreue.[20]

In den Jahren 1898 und 1899 schenkte Gustav Schauer dem Berliner Magistrat folgende Gemälde:

Er starb am 8. Januar 1902 im Alter von 75 Jahren in Berlin an einem Herzschlag.[22]

Schauer vermachte der Stadt Berlin testamentarisch zwölf Ölgemälde und vier künstlerisch wertvolle Kopien; mit dem Wunsch, dass die Bilder der Grundstock zu einer städtischen Galerie werden.[23]

Werdegang der Firma Gustav Schauer

Im Jahr 1864 verkaufte Gustav Schauer sein im Jahr 1851 gegründetes Geschäft an Richard Menzel, den Bruder des Malers Adolph von Menzel (1815–1905). Richard Menzel starb jedoch schon kurz darauf, im Juli 1865. Zunächst führte seine Witwe Elise Menzel, geb. Preuß (1838–1906), die Firma Gustav Schauer weiter. Sie hat (wahrscheinlich im Jahr 1870) wieder geheiratet, und zwar einen gewissen Franz Milner. Diesem Franz Milner hat sie im November 1870 Prokura für die Firma Gustav Schauer erteilt.[24] 1872 wurde der Firma Schauer (Besitzer: Franz Milner) das Prädikat „Königliche Hofkunsthandlung“ verliehen.[25]

Schon im Jahr darauf, 1873, übernahm Tuchhändler Theodor Amandus Ohlhoff (geb. 10. August 1838 in Burg bei Magdeburg; gest. 20. Dezember 1906 in Berlin) die Firma Gustav Schauer; Franz Milners Prokura erlosch.[26] Der bisherige Geschäftsführer August Brüller erhielt Prokura,[27] die bereits im September 1875 wieder gelöscht wurde.[28] Theodor Ohlhoff war von 1873 bis 1906 Inhaber des Kunstverlages Gustav Schauer. Mit seiner Ehefrau Emma Ohlhoff (geb. Donath) hatte er einen Sohn Ernst Karl Theodor Ohlhoff (geb. 3. Juni 1876; gest. 24. Juni 1940)[29], der später Prokurist, Gesellschafter und Inhaber des Kunstverlages Gustav Schauer werden sollte.

Bei der Weltausstellung Paris 1867, also unter der Leitung Theodor Ohlhoffs, erhielt die Firma G. Schauer aus Berlin eine silberne Medaille für Reproduktion.[30]

Bei der Wiener Weltausstellung 1873 stellte die Firma Gustav Schauer, „vorm. Milner“, diverse Fotografien nach Ölgemälden aus und gewann damit eine Verdienst-Medaille.[31] Die Firma hatte damals 14 Beschäftigte,[32] womit sie zu den großen Fotoateliers gehörte.[33]

Ernst Ohlhoff, der Sohn von Ernst Ohlhoff, heiratete im Jahr 1904 Elisabeth Bjerring (geb. 24. Mai 1879; gest. 15. Dezember 1953) und wurde im selben Jahr Prokurist der Firma Gustav Schauer.[34] und blieb dies bis 1907.[35]

Ernst Ohlhoff war von 1904 bis 1907 Prokurist sowie von 1908 bis 1939 Inhaber der Firma Gustav Schauer.[35] Seine 1904 mit Elisabeth Bjerring geschlossene Ehe wurde geschieden; wahrscheinlich zwischen 1910 und 1915. Danach heiratete Ernst Ohlhoff Agnes Bertha Johanna Ohlhoff (geb. Seyffert, verw. Janas; 1880–1961).[35]

Im Dezember 1904 wurde die Niederlassung der Firma Gustav Schauer von Berlin nach Charlottenburg verlegt (das damals noch nicht zu Berlin gehörte).[36] Die Niederlassung befand sich in der Tauenzienstraße 20 (Eingang: Passauer Straße).[37]

Nachdem Theodor Ohlhoff am 20. Dezember 1906 verstorben war, wurde seine Witwe Emma Ohlhoff, geb. Donath, Inhaberin des Kunstverlages Gustav Schauer. Ihr Sohn Ernst Ohlhoff, bis dahin Prokurist der Firma, wurde im Mai 1907 in dieser Funktion durch einen gewissen Arthur Bielefeldt ersetzt.[38] Im Jahr darauf, also 1908, wurde Ernst Ohlhoff in Friedenau Inhaber der Firma Gustav Schauer in Charlottenburg.[39]

Im Oktober 1910 wurde der Sitz der Firma Gustav Schauer von Charlottenburg nach Wilmersdorf verlegt,[40] das damals ebenfalls noch nicht zu Berlin gehörte.

Im Januar 1915 wurde Ernst Ohlhoffs Ehefrau Elisabeth Ohloff, geb. Bierring, Prokuristin der Firma Gustav Schauer.[41] Ernst Ohlhoffs Mutter Amalie (geb. Donath) starb im November 1915. Etwa fünf Jahre später, im Februar 1920, erlosch Elisabeth Ohloffs Prokura wieder.[42]

Noch im Jahr 1934 war im Berliner Adressbuch folgender Eintrag zu finden: „Gustav Schauer, begr. 1851, Kunstverlag, Wilmersdf., Gieslerstr. 13“.[43] Im Jahr 1938 verzeichnete das Adressbuch für den Berliner Buchhandel den Eintrag: „Ohlhoff, Johanna, vorm. Gustav Schauer, Kunsth. u. Kunstverlag, W 8, Friedrichstr. 72. Gegr. 1851“[44] Agnes Bertha Johanna Ohlhoff, (geb. Seyffert, verw. Janas, geb. 2. Oktober 1880; gest. 9. März 1961), zweite Ehefrau von Ernst Ohlhoff, war von 1924 bis 1939 Gesellschafterin der Firma Gustav Schauer.[45]

Im Mai 1939 ist die Firma Gustav Schauer erloschen,[46] 88 Jahre nach ihrer Gründung im Jahr 1851 und 37 Jahre nach dem Tod Gustav Schauers.

Literatur

  • Busse, Joachim, Internationales Handbuch aller Maler und Bildhauer des 19. Jahrhunderts. Wiesbaden: Busse Kunst Dokumentation, 1977.
  • Bénézit, Emmanuel, Bénézit Dictionary of Artists: English Edition. Originalausgabe auf Französisch von 1911. Paris: Gründ, 2006.
  • Fuller-Walker, King Lear and the Fool. In: The Aldine, 1. Januar 1878, S. 179–181, S. 179, (Digitalisat)
  • Lorenz, Detlef, Zur Geschichte des Kunstverlages Gustav Schauer Berlin. In: Brückner, Wolfgang (Hrsg.): Arbeitskreis Bild Druck Papier, Tagungsband Ravenna 2006. Münster: Waxmann, 2007 (Reihe: Arbeitskreis Bild Druck Papier 11), S. 171–180.
  • Peters, Dorothea, »… die Theilnahme für Kunst im Publikum zu steigern …«. Fotografische Kunstreproduktionen nach Werken der Nationalgalerie in der Ära Jordan (1874–1896), In: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz, Band 37, S. 213, (Digitalisat)
  • Thieme, Ulrich und Felix Becker (Hrsg.), Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Nachdruck der Ausgabe von 1907, 37 Bände. Leipzig: E.A. Seemann Verlag, 1980–1986.

Einzelnachweise

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