Gustav Schimpff

deutscher Eisenbahn-Bauingenieur und Hochschullehrer From Wikipedia, the free encyclopedia

Gustav Schimpff (* 24. September 1871 in Berlin; † 20. November 1919 in Aachen) war ein deutscher Eisenbahn-Bauingenieur, preußischer Baubeamter und Hochschullehrer an der Technischen Hochschule Aachen.

Werdegang

Gustav Schimpff wuchs in Berlin als Sohn eines Kaufmanns unweit der 1875 fertiggestellten Warschauer Brücke über die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn auf. Die von dem ausgedehnten Bahngelände ausgehende Faszination prägte schon als Kind seine weitere Entwicklung, und er begann diese Anlagen im Modell nachzubauen. Nach dem Besuch des Leibniz-Gymnasiums in Berlin und einer einjährigen Zeit als Bau-Eleve beim Bau der Nebenbahn Coburg-Rodach begann er im Jahr 1891 ein Studium des Eisenbahnwesens an der Technischen Hochschule (Berlin-)Charlottenburg. Dort legte er 1896 die erste Staatsprüfung ab und trat als Regierungsbauführer in den Vorbereitungsdienst ein, in dem er bei der Königlichen Eisenbahndirektion Berlin an der Planung der elektrischen Hochbahn mitarbeitete; nebenamtlich war er wissenschaftlicher Assistent bei Adolf Goering an dessen Lehrstuhl für Bahnhofsanlagen und Eisenbahnbau an der Technischen Hochschule Charlottenburg. 1899 bestand er die zweite Staatsprüfung mit Auszeichnung und wurde anschließend zum Regierungsbaumeister (Assessor) im Eisenbahnbaufach ernannt. Seine Ausarbeitung einer Nord-Süd-Bahn für Berlin wurde 1899 mit dem Schinkelpreis des Architekten-Vereins zu Berlin (AVB) ausgezeichnet.

Gustav Schimpff fand nach seiner Übernahme in den Staatseisenbahndienst (im Bereich des preußischen Ministeriums der öffentlichen Arbeiten) bei der königlichen Eisenbahndirektion Altona große Entfaltungsmöglichkeiten. Während der dortigen Dienstzeit fertigte er Entwürfe zu größeren Bahnhofsbauten an und wirkte an der Elektrifizierung der Hamburger Stadtbahn von Blankenese nach Ohlsdorf mit, die am 29. Januar 1908 in Betrieb genommen wurde. Zu Beginn des Jahres 1906 erhielt er in Altona die Beförderung zum Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Inspektor. In dieser Zeit heiratete Schimpff eine Tochter seines damaligen Vorgesetzten Rudolf Otto Caesar.

Nach dem frühen Tod von Friedrich Dircksen im März 1907 wurde Schimpff zur Eisenbahndirektion Köln versetzt, um (unter Fritz Beermann) die Bauleitung der Hohenzollernbrücke zu übernehmen. Zum April 1909 folgte die Versetzung als Vorstand des Eisenbahnbetriebsamts 7 am Potsdamer Bahnhof in Berlin. Diese Stellung musste er jedoch wegen eines Augenleidens nach einem halben Jahr aufgeben und wechselte in das Eisenbahnzentralamt. 1911 wurde Schimpff an die Technische Hochschule Aachen berufen, um dort in der Nachfolge von Ludwig Bräuler den Lehrstuhl für Eisenbahnwesen zu besetzen. Als ordentlicher Professor starb Gustav Schimpff 1919 in Aachen nach kurzer Krankheit.

Schimpff unternahm verschiedene Studienreisen; so führte ihn die mit dem Schinkelpreis verknüpfte Reise zu Studien nach Nordamerika, deren Ergebnisse er 1903 publizierte. Während seiner Tätigkeit in Altona unternahm er Studienreisen in die Schweiz und nach Norditalien „zur Erweiterung seiner Kenntnisse auf dem Gebiet elektrischer Zugbeförderung“.[1]

Wirken

Gustav Schimpff trat neben seinen praktischen Arbeiten schon früh auch publizistisch hervor. Aus seiner Aachener Zeit ist insbesondere die Mitarbeit an der von Victor von Röll herausgegebenen Enzyklopädie des Eisenbahnwesens zu nennen. Darüber hinaus war er auch als Gutachter und Schiedsrichter gefragt, wobei sein besonderes Interesse dem (elektrifizierten) Ausbau der Stadt- und Vorortbahnen galt, sowie Fragen des Siedlungs- und Städtebaus.

Gemeinsam mit dem befreundeten Wilhelm Kübler errang Schimpff zudem Preise in zwei Wettbewerben (betreffend eine Straßenbahn in Freiburg im Breisgau und die Verbesserung des Betriebs auf der Wannseebahn).

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

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