Gößweinstein

Markt im Landkreis Forchheim in Bayern From Wikipedia, the free encyclopedia

Gößweinstein [sprich: 'gœsvɐɪnʃtɐɪn] ist ein Markt und die flächenmäßig größte Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Forchheim mit etwa 4000 Einwohnern. Sie liegt in der Fränkischen Schweiz oberhalb des Zusammenflusses von Wiesent, Ailsbach und Püttlach bei Behringersmühle. Markant sind die Burg und die nach den Plänen von Balthasar Neumann erbaute Wallfahrtsbasilika.

Schnelle Fakten Wappen, Deutschlandkarte ...
Wappen Deutschlandkarte
Gößweinstein
Deutschlandkarte, Position des Marktes Gößweinstein hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 49° 46′ N, 11° 20′ O
Bundesland:Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Forchheim
Höhe: 457 m ü. NHN
Fläche: 57,69 km²
Einwohner: 4298 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 75 Einwohner je km²
Postleitzahl: 91327
Vorwahl: 09242
Kfz-Kennzeichen: FO, EBS, PEG
Gemeindeschlüssel: 09 4 74 129
Marktgliederung: 32 Gemeindeteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Burgstraße 8
91327 Gößweinstein
Website: www.goessweinstein.de
Erster Bürgermeister: Hanngörg Zimmermann (FW)
Lage des Marktes Gößweinstein im Landkreis Forchheim
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Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt
Luftbild von Gößweinstein aus Richtung Osten (Januar 2026)

Geographie

Geographische Lage

Blick auf Gößweinstein mit Basilika und Burg
Kugelpanorama über Gößweinstein von der Burg Gößweinstein gesehen, die sich im Rücken des Betrachters befindet (2023)
Als Kugelpanorama anzeigen

Gößweinstein liegt im Herzen der Fränkischen Schweiz inmitten des Städtedreiecks Bamberg, Bayreuth und Nürnberg.

Nachbargemeinden

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Waischenfeld, Ahorntal, Pottenstein, Obertrubach, Egloffstein, Pretzfeld, Ebermannstadt und Wiesenttal.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Gößweinstein hat 31 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2][3]

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Behringersmühle, Gößweinstein, Kleingesee (Gemarkungsteil 0), Leutzdorf, Morschreuth, Stadelhofen, Unterailsfeld und Wichsenstein (Gemarkungsteil 0).[4] Die Gemarkung Gößweinstein hat eine Fläche von 6,079 km². Sie ist in 1698 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3579,94 m² haben.[5] In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Kohlstein.[6]

Geschichte

Bis zum 19. Jahrhundert

Die Burg „Goswinesteyn“ wurde 1076 erstmals urkundlich erwähnt. Vor 1102 fiel die Burg an das Hochstift Bamberg und war von 1348 bis 1780 Sitz eines Vogteiamtes der Bischöfe von Bamberg. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts waren die Burg und das Amt Gößweinstein an Hans, dann an Paul von Streitberg verpfändet. Die von Streitberg besaßen seit dem Mittelalter den Gößweinsteiner Zehnt als kaiserliches Lehen.[7]

Im Jahr 1525 kam es im Bauernkrieg zu Zerstörungen und zum anschließenden Wiederaufbau. Im Zweiten Markgrafenkrieg 1553 wurde Gößweinstein ein weiteres Mal zerstört und wiederaufgebaut. Der Bamberger Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn (regierte von 1729 bis 1746) erhob Gößweinstein zum Markt. Bei der Säkularisation des Jahres 1803 kam das Gebiet des Hochstifts Bamberg zu Bayern.

Gößweinstein, 1928

Kreiszugehörigkeit

Am 1. Juli 1972 kam Gößweinstein vom aufgelösten Landkreis Pegnitz zum Landkreis Forchheim.

Eingemeindungen

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1972 die Gemeinden Behringersmühle, Kleingesee, Stadelhofen, Unterailsfeld und ein Teil der aufgelösten Gemeinde Tüchersfeld (Hühnerloh und Kohlstein) in den Markt Gößweinstein eingegliedert.[8] Am 1. Januar 1974 kam Leutzdorf hinzu. Morschreuth und die Orte Wichsenstein, Altenthal, Hardt, Sattelmannsburg und Ühleinshof von der aufgelösten Gemeinde Wichsenstein folgten am 1. Mai 1978.[9]

Politik

Marktgemeinderat

Der Marktgemeinderat von Gößweinstein hat 16 Mitglieder zuzüglich des hauptamtlichen Bürgermeisters.

CSUSPDFreie WählerJugend und FrauenBürger-gemeinschaftBMG*Bürger vertreten BürgerGesamt
20204342316 Sitze
201453321216 Sitze
20085342216 Sitze
200253322116 Sitze

* Bürgervereinigung Marktgemeinde Gößweinstein

Bürgermeister

Bürgermeister ist seit 2014 Hanngörg Zimmermann (Bürgervereinigung Marktgemeinde Gößweinstein).[10] Er folgte auf Georg Lang (CSU). Bei der Kommunalwahl 2020 wurde er mit 79,3 % der gültigen Stimmen im Amt bestätigt.

Wappen

Wappen von Gößweinstein
Wappen von Gößweinstein
Blasonierung: „In Gold auf grünem Dreiberg an roter Stange ein grüner Weinstock mit zwei blauen Trauben und zwei grünen Blättern.“[11]
Wappenbegründung: Die Gemeinde Gößweinstein besteht seit 1978 aus den ehemals selbstständigen Gemeinden Morschenreuth, Wichsenstein, Behringersmühle, Kleingesee, Leutzdorf, Stadelhofen, Unterailsfeld, einem Teil der Gemeinde Tüchersfeld und dem Markt Gößweinstein. Der Marktgemeinderat beschloss, das historische Wappen von Gößweinstein unverändert zu übernehmen. Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim (1729 bis 1746) erhob Gößweinstein zum Markt. Seit dem frühen 17. Jahrhundert ist für den Markt die Siegelführung bezeugt. Auf dem Gerichtssiegel ist ein Rebstock mit Trauben abgebildet. Sie sind auch auf dem zweiten Siegel aus der Zeit um 1720 zu sehen. Rebstock, Trauben und Dreiberg stehen redend für den nicht mehr verstandenen Ortsnamen. Dieser leitet sich vom Personennamen Gozwin ab. Veränderungen in Farbe und Gestaltung stammen von 1811.

Die Wappenführung ist für Gößweinstein seit dem 17. Jahrhundert belegt. Nach der Gebietsreform 1978 beschloss der Marktgemeinderat, das historische Wappen von Gößweinstein unverändert zu übernehmen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Öffentlicher Personennahverkehr

Das gesamte Marktgebiet von Gößweinstein gehört zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg GmbH (abgekürzt: VGN). Es gibt mehrere regelmäßige Busverbindungen in die umliegenden Orte und Städte.

Eisenbahn

Der Markt Gößweinstein liegt an der Eisenbahnstrecke Forchheim–Behringersmühle. Während das Teilstück von Forchheim bis Ebermannstadt weiterhin durch Züge der agilis Verkehrsgesellschaft mbH bedient wird, wurde der Abschnitt Ebermannstadt bis Behringersmühle am 30. Mai 1976 für den Personenverkehr durch die Deutsche Bundesbahn stillgelegt. Allerdings gibt es mit der Dampfbahn Fränkische Schweiz vor allem in den Sommermonaten einen Museumsbetrieb. An der Strecke liegen die Bahnstationen Gößweinstein und die Endstelle Behringersmühle, die ebenfalls zum Markt Gößweinstein gehört. Ursprünglich sollte von der Station Behringersmühle nach 1930 die Strecke in Richtung Pottenstein oder sogar bis Pegnitz zum Anschluss an die Hauptstrecke Nürnberg–Bayreuth weitergebaut werden. Dieses Vorhaben konnte wegen der einsetzenden Weltwirtschaftskrise und der später wachsenden Bedeutung des Straßenverkehrs nicht mehr umgesetzt werden. Die nächsten regelmäßig bedienten Bahnhofshalte sind die Station Ebermannstadt, von wo aus es stündlich Verbindungen nach Forchheim gibt, Gräfenberg mit stündlichen Zügen nach Nürnberg-Nordost sowie der Bahnhof Pegnitz mit stündlichen Verbindungen nach Bayreuth und Nürnberg. Die nächsten Stationen der S-Bahn Nürnberg befinden sich in Forchheim und Kersbach.

Straßenverkehr

Mehrere Staatsstraßen stellen die Verbindung in die umliegenden Orte und Städte sicher. Der Markt Gößweinstein selbst ist von mehreren Straßen gut erschlossen. Die nächste Bundesstraße, die Bundesstraße 470 führt durch den Gemeindeteil Behringersmühle. Die nächstliegenden Bundesautobahnen sind die Bundesautobahn 73 in Richtung Bamberg und Erlangen sowie die Bundesautobahn 9 in Richtung Bayreuth und Nürnberg.

Kultur und Sport

Am zweiten Weihnachtsfeiertag werden in den Straßen und auf den Berghängen der Stadt ab 16 Uhr, im Anschluss an ein 24-Stunden-Gebet in der Basilika, hunderte von Feuern entzündet.[12] Gößweinstein liegt mitten im Klettergebiet Nördlicher Frankenjura. Zahlreiche Wander- und Radwege, unter anderem der Frankenweg und der Fränkische Marienweg führen durch den Markt.

Sehenswürdigkeiten

Blick vom Kreuzberg auf Gößweinstein

Museen

  • Wallfahrtsmuseum Gößweinstein
  • Heimatkundliche Sammlung im Haus des Gastes
  • Dampfbahn Fränkische Schweiz (Museumsbahn)
  • Fränkisches Spielzeugmuseum

Bauwerke

Die Apsis der Basilica minor zur heiligen Dreifaltigkeit
Burg Gößweinstein
„Ich fahr’ in die Welt! Mein Hutschmuck die Rose, mein Lager im Moose, Der Himmel mein Zelt.
Mag trauern und lauern, wer will, hinter Mauern – Ich fahr’ in die Welt!“

Aussichtspunkte

Pavillon auf der Wagnershöhe

Rund um den Ort gibt es mehrere Aussichtspunkte. Dazu zählen:

  • der Gernerfels, der Kreuzberg mit Hochkreuz, die Martinswand und Bellevue, der Pavillon auf der Wagnershöhe
  • die Ludwigshöhe (Theaterhöhle), der Bärenstein (529 m NN), die Fischersruh, die Nürnberger Kapelle
  • der Aussichtsfelsen in Wichsenstein (585 m NN)

Freizeiteinrichtungen

  • Natur-Freibad Gößweinstein
  • Minigolfanlage Gößweinstein
  • 3-D-Bogenparcour
  • Kajak- und Bootsverleih
  • Kneippanlagen im Kurpark und in Behringersmühle
  • 250 km markierte Wanderwege
  • Balthasar-Neumann-Rundwanderweg
  • Reiterhof
  • Fahrradverleihstation
  • Naturwaldreservat Eibenwald bei Gößweinstein
  • Quelle bei der Stempfermühle
  • Kreativzentrum Morschreuth
  • Frei-Schach in Behringersmühle
  • Wassererlebnisplatz in Behringersmühle
  • Bolzplatz in Behringersmühle

Flora

Die Gößweinsteiner Mehlbeere (Sorbus pulchra) kommt als endemische Mehlbeeren-Art ausschließlich in Gößweinstein und seiner unmittelbaren Umgebung vor.[13] Sie zählt ebenso wie die Hersbrucker Mehlbeere (Sorbus pseudothuringiaca) zu den gefährdeten Arten in Deutschland.

Nördlich von Gößweinstein existiert am Nordhang des Wiesenttales ein schöner Bestand von Buchen und vergleichsweise vielen Eiben als deren Begleitbaumart. Das Gebiet wurde auf 32 Hektar als Naturwaldreservat ausgewiesen und steht seit 1982 als Naturwaldreservat Eibenwald bei Gößweinstein unter Naturschutz.[14]

Persönlichkeiten

  • Sebastião Wolf (* 1869 in Gößweinstein; † 1936 in Porto Alegre) wanderte nach Brasilien aus und gewann als brasilianischer Sportschütze die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1920.
  • Josef Vilbig (1874–1956), Bauingenieur und Leiter der Obersten Baubehörde Bayerns
  • Béatrice Hecht-El Minshawi (* 1947 in Behringersmühle), Expertin und Autorin für Interkulturelle Kompetenz

Historische Abbildungen

Literatur

Einzelnachweise

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