H. George Anderson

US-amerikanischer lutherischer Theologe und Bischof From Wikipedia, the free encyclopedia

Hugh George Anderson (* 10. März 1932 in Los Angeles) ist ein US-amerikanischer lutherischer Geistlicher, Theologe und Hochschullehrer. Nachdem er lange Zeit als Präsident zweier lutherischer Hochschulen gewirkt hatte, war er von 1995 bis 2001 Leitender Bischof (Presiding Bishop) der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika.

Biographie

Anderson wurde in Los Angeles geboren und im Alter von sechs Wochen adoptiert. Er wuchs im kalifornischen Alhambra auf und wurde dort in der Grace Lutheran Church unter Pfarrer Robert J. Marshall konfirmiert.[1] Er nahm ein Studium an der Yale University auf, das er 1953 mit Auszeichnung als Artium Baccalaureus beendete. Anschließend trat er in das Lutherische Theologische Seminar Philadelphia ein, wo er 1956 einen Bachelor of Divinity, der ihn zur Ordination befähigte, und 1958 einen weiterführenden Master of Sacred Theology erwarb, während er zugleich als Fellow am Seminar lehrte. An der Universität von Pennsylvania setzte er seine Studien fort und graduierte schon 1957 zum Master of Arts, bevor er dort 1962 promovierte.[2]

Schon 1958 wurde er als Professor für Kirchengeschichte an das Lutheran Theological Southern Seminary berufen, zu dessen Hochschulpräsident er 1970 gewählt wurde. 1978 war Anderson unter den Kandidaten für das Amt des Präsidenten der Lutherischen Kirche in Amerika. Er wäre damit Nachfolger seines alten Pfarrers Robert J. Marshall geworden, zog sich aber – obwohl er im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalten hatte – aus dem Rennen zurück. Stattdessen wurde James R. Crumley gewählt.[1] Anderson blieb bis 1982 Präsident des Southern Seminary und wechselte dann in dieselbe Position an das Luther College in Decorah. Dieses Amt hatte er gut 14 Jahre lang inne.

Anderson wurde 1995 als Nachfolger von Herbert Chilstrom zum zweiten Leitenden Bischof der ELCA gewählt. Er galt als moderater Kompromisskandidat mit guten Verbindungen in die Kreise der ehemaligen LCA und ALC und besiegte in der Abstimmung letztlich April Ulring Larson, die erste Bischöfin der ELCA.[3] Anderson war erfahren in der Ökumene und hatte langjährige Erfahrung im Lutherisch-Katholischen Dialog gesammelt. Auch die Unterzeichnung der Formula of Agreement, die Kirchengemeinschaft zwischen den großen protestantischen Kirchen in den Vereinigten Staaten brachte, fiel in seine Amtszeit.[4] 2001 stellte er sich nicht mehr der Wahl und trat in den Ruhestand. Sein Nachfolger als leitender Bischof wurde Mark Hanson.

Anderson hatte eine Reihe von ehrenamtlichen Posten inne. Er war unter anderem Mitglied des Direktoriums von Minnesota Public Radio, gehörte Kommissionen des Lutherischen Weltbunds an und war Mitgründer der Eau Claire Community Organization.[1] Er wurde von zahlreichen Hochschulen mit Ehrendoktoraten ausgezeichnet, darunter das Lenoir-Rhyne College (DHL, 1971), das Roanoke College (DD, 1971), das Newberry College (DHL, 1978), das Columbia College (DHL, 1981), das Wagner College (DD, 1987), das General Theological Seminary (DD, 1996) und seine ehemalige Wirkungsstätte, das Luther College (DD, 1996). Am Lutherischen Seminar in Philadelphia wurde 1997 zu seinen Ehren mit dem H. George Anderson Chair for Mission and Cultures ein Lehrstuhl eingerichtet.[2]

Anderson heiratete im November 1956 Synnøve Anna Hella, die 1982 an Krebs starb. Das Paar hatte zwei Kinder. 1983 heiratete Anderson seine zweite Frau Jutta Fischer, deren zwei Kinder er adoptierte.[1]

Schriften (Auswahl)

Anderson betätigte sich umfassend als Autor, Herausgeber und Übersetzer von Schriften zur lutherischen Kirchengeschichte und zum ökumenischen Dialog.

  • H. George Anderson: Lutheranism in the Southeastern States 1860–1886. A social history. Mouton, Den Haag / Paris 1969.
  • H. George Anderson: The North Carolina Synod through 175 years, 1803–1978. 1978.
  • H. George Anderson / Thomas Austin Murphy / Joseph A. Burgess (Hrsg.): Justification by Faith. Augsburg Publishing House, Minneapolis 1985.
  • H. George Anderson / James R. Crumley / Johannes Willebrands (Hrsg.): Promoting Unity. Themes in Lutheran-Catholic Dialogue. Augsburg Publishing House, Minneapolis 1989.
  • H. George Anderson / J. Francis Stafford / Joseph A. Burgess (Hrsg.): The one Mediator, the Saints and Mary. Augsburg Publishing House, Minneapolis 1992.
  • H. George Anderson: A Good Time to be the Church. A Conversation with Bishop H. George Anderson. Augsburg Publishing House, Minneapolis 1997.

Einzelnachweise

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