Habermaass

deutscher Spielwarenhersteller From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Habermaass GmbH & Co. KG (ehemals HABA Sales GmbH & Co. KG) ist ein deutscher Spiele-, Spielwaren- und Möbelkonzern mit Sitz in Bad Rodach, Landkreis Coburg in Oberfranken, Bayern. Unter der Dachmarke Habermaass Familiengruppe sind die Marken Haba und Wehrfritz vereint, die eine Produktpalette von Holz- und Textilspielwaren, Brett-, Karten- und Gesellschaftsspielen, Puzzles sowie Möbel und Lehr- und Lernmaterialien für Kindertageseinrichtungen und Schulen bieten. Hinzu kommt außerdem die Habermaass Stiftung. Seit der Gründung 1938 ist Habermaass in Familienbesitz.

Schnelle Fakten
Habermaass GmbH & Co. KG
Logo
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1938
Sitz Bad Rodach, Deutschland
Leitung Mario Wilhelm
Mitarbeiterzahl 2000 (2023).[1]
Umsatz 216,2 Mio. € (2023)[1]
Branche Spielwaren, Möbel
Website habermaass.de
Schließen
Zentrale der Habermaass Firmenfamilie in Bad Rodach
Haba-Messestand bei den Internationalen Spieltagen Essen 2022

Geschichte

Altes Logo

Gründung und frühe Jahre

Der Kaufmann Eugen Habermaaß (* 1901 in Tübingen) gelangte über Neustadt bei Coburg, wo er in den 1930er Jahren als Prokurist bei dem Unternehmen O. & M. Hausser arbeitete, über Bayreuth, wo er als Direktor der Bayerischen Ostmark-Gilde eGmbH tätig war, 1938 nach Rodach bei Coburg.[2] Im April 1938 erwarb er dort vom Unternehmer Anton Engel für 25.000 RM die Hälfte von dessen Unternehmen, einer Fabrik für fein polierte Holzwaren. Noch im gleichen Monat wurde in der Folge von Habermaaß und Engel gemeinsam mit dem Kaufmann Karl Wehrfritz die Großhandelsgesellschaft Wehrfritz & Co. gegründet.

Karl Wehrfritz schied ein halbes Jahr später aus. Im Jahr 1940 zog sich Anton Engel aus dem Unternehmen zurück, das unter der Firma Habermaaß & Co. zu einer Kommanditgesellschaft umgewandelt wurde. Eugen Habermaaß war geschäftsführender Gesellschafter und seine Ehefrau Luise Mitgesellschafterin. Im Zweiten Weltkrieg produzierte das Unternehmen für die Wehrmacht Transport- und Munitionskisten sowie hölzerne Modellfahrzeuge und Panzer für Ausbildungszwecke. Im Jahr 1945 wurde das Unternehmen von der US-amerikanischen Militärregierung für ein Jahr unter Treuhandverwaltung gestellt.[3] Als Eugen Habermaaß 1955 unerwartet starb, übernahm seine Ehefrau die Geschäftsleitung. Zur selben Zeit begann der gemeinsame Sohn und spätere Geschäftsführer Klaus Habermaaß eine Schreinerlehre. Nachdem er 1961 sein Ingenieurstudium abgeschlossen hatte, trat er aktiv in das Geschäftsleben des Unternehmens ein, das in den Folgejahren stetig wuchs.

Internationale Niederlassungen und Erweiterung des Sortiments

Die kleine Manufaktur für Holzspielwaren trat ihre Entwicklung zum Marktführer dieses Sektors an und erweiterte ihre Absatzmärkte. Das oberfränkische Unternehmen expandierte zunächst in die USA, wo 1980 das US-amerikanische Unternehmen Skaneateles Handicrafters zunächst als Produktions- und Vertriebsstandort Teil der Habermaaß GmbH wurde. In den Folgejahren in T. C. Timber umbenannt, erfolgte 2002 die endgültige Umfirmierung des Betriebs zu Habermaass Corp. Inc. In der Zwischenzeit entstand unter dem Namen Haba SARL eine französische Niederlassung in der Nähe von Paris (1993), die bis 2024 bestand.[4] 2005 folgte Haba UK als Standort im Vereinigten Königreich. 2011 folgte die Gründung einer Niederlassung in Hong Kong (Haba Asia), die Ende 2023 im Zuge der Insolvenz entkonsolidiert wurde.[1]

Um ihre Produktpalette zu erweitern, beschloss die aus den Unternehmen Haba und Wehrfritz bestehende Gruppe 1987 die Gründung der Jako-o GmbH, eines Versandhandels für Kindermode, Spielwaren und Accessoires, der sich 2004 um die Vertriebsbereiche Fit-z! und Qiéro! erweiterte. Im Jahr 2009 übernahm Habermaaß die Project Schul- und Objekteinrichtungen GmbH, die in Eisleben Schulmöbel herstellt. Im Februar 2015 übernahm die Unternehmensgruppe den Kinder-App-Entwickler Fox and Sheep[5], der 2020 wieder verkauft wurde.[6]

Zu Haba gehören seit dem 1. Januar 2020 auch vollständig die Haba Digitalwerkstätten, die Verena Pausder zunächst gemeinsam mit dem Unternehmen 2016 gegründet hatte.[7] Ziel der Digitalwerkstätten war es, digitales Wissen an Kinder weiterzugeben.[8]

Umstrukturierung und Stiftungsgründung

Im Jahr 2013 hatte die Unternehmensgruppe rund 2000 Mitarbeiter.[9] Der Gesamtumsatz betrug 354 Millionen Euro im Jahr 2012.[10] 2017 änderte das Unternehmen die Schreibweise seiner Firma von Habermaaß GmbH in Habermaass GmbH.[11] 2020 folgte die Umfirmierung der Hauptgesellschaft in Habermaass Family GmbH und der Unternehmensgruppe in Haba Familygroup, die seit 2025 als Habermaass Firmenfamilie bezeichnet wird. Im Jahr 2022 wurden die Marken Wehrfritz, Ausstatter für Krippen, Kindergärten sowie soziale Einrichtungen, und Haba Project, Ausstatter von Bildungseinrichtungen, zur Marke Haba Pro zusammengeschlossen.

Im Jahr 2019 gründete Klaus Habermaaß zudem die Stiftung für Natur und Kinder – Klaus Habermaass, die regionale und überregionale Projekte für Natur und Kinder fördert.[12] Seit 2025 tritt die Stiftung unter dem Namen Habermaass Stiftung auf.[13]

Insolvenz und Sanierung

Aufgrund wirtschaftlicher Probleme schloss Haba im April 2023 sämtliche Standorte seiner Digitalwerkstatt, kündigte im Juli 2023 die Streichung von etwa 650 Vollzeitstellen und im August 2023 die Einstellung des Geschäftsbereichs Jako-o für Baby- und Kindermode an.[14] Jako-o hatte langwierige wirtschaftliche Probleme und Anfang 2023 Umsatzeinbrüche bei der Umstellung von veralteter Software auf SAP S/4HANA. Am 12. September 2023 meldete das Unternehmen eine Insolvenz in Eigenverwaltung an.[15] Am 12. Dezember 2023 wurde das Sanierungskonzept bekanntgegeben. Das Geschäft sollte sich auf die Marken Haba für Kinderspielwaren und Haba Pro (ehemals Wehrfritz) für Möbel und Ausstattungen für Kitas konzentrieren. Rund 1000 Beschäftigte waren vorgesehen. 450 gekündigte Mitarbeiter erhielten das Angebot zur Übernahme in eine Transfergesellschaft, die ein halbes Jahr bestehen sollte. Seit dem Sommer 2023 hatten rund 200 Angestellte das Unternehmen durch Jobmessen oder auf Eigeninitiative hin verlassen.[16] Das Schulmöbelwerk in der Lutherstadt Eisleben wurde zum 1. Januar 2024 an die Mansfeld Anlagenbau und Umwelttechnik AG veräußert.[17] Zum 1. März 2024 beendete das Unternehmen das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Für die eingestellte Kinderbekleidungsmarke Jako-o wurde eine Lizenz an einen Textilhersteller vergeben, der die Marke im Bereich der Funktionsmode und Textilaccessoires in eigener Verantwortung fortführt.[18] Ein weiterer Stellenabbau von fast 100 Mitarbeitern wurde im August 2024 bekanntgegeben.[19] Im Herbst 2025 folgte der nächste Stellenabbau, diesmal waren 50 Mitarbeiter betroffen.[20] Ebenfalls 2025 wurde Haba Pro wieder in Wehrfritz umbenannt.[21]

Unternehmensstruktur

Habermaass ist eine GmbH & Co. KG und erwirtschaftete im Jahr 2023 einen Umsatz von 216,2 Millionen Euro. Geschäftsführer des Familienkonzerns wurde 2023 Mario Wilhelm. Seit der Gründung im Jahr 1938 befindet sich der Produktionsstandort des Unternehmens im oberfränkischen Bad Rodach, wenige Kilometer entfernt von der Landesgrenze zu Thüringen. Von dort aus werden das Geschäft und die Tätigkeiten aller Niederlassungen gelenkt und gesteuert.[1] Das Unternehmen ist international tätig und vertreibt seine Produkte im In- und Ausland. Neben Deutschland gibt es weitere Niederlassungen in Europa, Asien und den USA.[22]

Zu Habermaass gehören die Marken Haba und Wehrfritz sowie die Habermaass Stiftung.

Wehrfritz-Produkte auf der didacta 2019 in Köln

Haba

Seit der Gründung des Unternehmens ist die Verarbeitung von Holz, beispielsweise bei Holzspielwaren, ein Schwerpunkt der Produktion. Bekannt wurde Haba durch seine Bausteine, die bis zum heutigen Tag fester Bestandteil der Produktpalette sind. Eine Design-Abteilung hat über die Jahrzehnte hinweg das Sortiment deutlich erweitert. Neben (Zieh-)Figuren, Fahrzeugen, Greiflingen und diversen Kaufladen-Artikeln entwickelten die Designer ein ausbaubares Kugelbahnsystem für Kinder ab drei Jahren. Puppen und Stoffspielsachen, Teppiche, Kinderzimmer-Accessoires und Leuchten gehören auch zum Sortiment, ebenso wie Kreativ- und Bastelsets, Outdoor- und Entdeckerprodukte sowie ein breites Programm aus Spielen für Kinder verschiedener Altersstufen, Puzzles und Kinderbüchern sowie Gesellschaftsspiele für Kinder, Familien und junge Erwachsene.[23]

Die Spielwaren und Spielfiguren aus Holz werden laut eigenen Angaben überwiegend in Deutschland hergestellt. Geworben wird mit qualifiziertem Qualitätsmanagement, der Verwendung von hochwertigen Rohstoffen und Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, sowie mit der Einhaltung der Normen für Spielzeugsicherheit.

Ab Mitte der 1980er Jahre begann Haba Brettspiele zu entwickeln. Aus einem Wettbewerb heraus entstand 1986 das bekannteste Spiel des Unternehmens, der Obstgarten. Seit 2001 entwickelt eine hauseigene Redaktion Spiel-Neuheiten in diesem Segment. Einige der bekanntesten Brettspiele sind:

Haba gewann den Kritikerpreis „Kinderspiel des Jahres“ Stand 2026 fünfmal (2001, 2006, 2010, 2018, 2019) und ist damit der Verlag mit den meisten Auszeichnung in dieser Kategorie.[24]

Wehrfritz

Wehrfritz fertigt und vertreibt Möbel und Ausstattung für Bildungseinrichtungen.[21] Konkret bietet Wehrfritz etwa Tische und Stühle, Garderoben, Spiel- und Kletterspielhäuser, Raumteiler und Schränke.[25] Das Unternehmen unterstützt Einrichtungen auch bei der Entwicklung von Raumkonzepten.[26] Zum Angebot gehören zudem Lehr- und Lernmaterialien sowie Therapiemittel.[27]

Habermaass Stiftung

Zum Konzern gehört außerdem die Habermaass Stiftung. Die Stiftung fördert Projekte im Natur- und Umweltschutz sowie in der Kinder- und Jugendarbeit. In den ersten fünf Jahren investierte die Stiftung rund eine Million Euro, unter anderem in den Vogelschutzbund, ein Kinderhospiz und Unterrichtsmaterial zum Thema Klimawandel.[12]

Kritik

2010 kam die Stiftung Warentest in einer großen Untersuchung der deutschen Spielehersteller zum Ergebnis, dass mehr als 80 % der getesteten Spielzeuge für unter Dreijährige mit gesundheitsgefährdenden Schadstoffen belastet waren. Auch die Haba Erkundungssteine seien deutlich mit zinnorganischen Verbindungen belastet.[28] Laut dem Wochenmagazin Der Spiegel hätten Kinder jedoch wie die Warentest-Prüfer die Steine schreddern müssen, um mit den Schadstoffen in Kontakt zu geraten.[29]

Commons: HABA – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI