HQ-17
Kurzstrecken-Flugabwehrraketensystem aus chinesischer Produktion
From Wikipedia, the free encyclopedia
Das HQ-17 (chinesisch 紅旗-17 / 红旗-17, Pinyin Hóng Qí-17, auf Deutsch: Rote Fahne -17) ist ein mobiles, allwetterfähiges Kurzstrecken-Flugabwehrraketensystem aus chinesischer Produktion (NATO-Codename: CH-SA-15[1]). Es dient der Bekämpfung von Luftzielen wie Kampfflugzeugen, Hubschraubern, Drohnen, Marschflugkörpern und gelenkten Bomben in niedrigen Höhen. Das System ist eine signifikante Weiterentwicklung des russischen 9K331 Tor-M1 (NATO-Bezeichnung: SA-15 Gauntlet) und wird hauptsächlich von der Volksbefreiungsarmee (PLA) eingesetzt, aber auch massiv international vermarktet.[2]
| HQ-17 | |
|---|---|
|
Ein serbisches HQ-17AE-Fahrzeug im Jahr 2024 | |
| Allgemeine Angaben | |
| Typ | Flugabwehrrakete |
| Heimische Bezeichnung | HQ-17 |
| NATO-Bezeichnung | CH-SA-15 |
| Herkunftsland | |
| Hersteller | China Aerospace Science and Industry Corporation (CASIC) |
| Entwicklung | 2010er-Jahre |
| Indienststellung | 2015 |
| Einsatzzeit | im Dienst |
| Technische Daten | |
| Länge | 2,9 m |
| Durchmesser | 230 mm |
| Gefechtsgewicht | 165 kg |
| Antrieb Erste Stufe |
Feststoffraketentriebwerk |
| Geschwindigkeit | Mach 3 |
| Reichweite | 1,5–20 km |
| Dienstgipfelhöhe | 10–10.000 m |
| Ausstattung | |
| Lenkung | Trägheitsnavigationsplattform |
| Zielortung | Halbaktive Zielsuchlenkung |
| Gefechtskopf | 15 kg |
| Zünder | Aufschlag- und Näherungszünder |
| Waffenplattformen | Fahrzeuge, Schiffe |
| Listen zum Thema | |
Entwicklungsgeschichte
Die Volksrepublik China erwarb in den 1990er-Jahren, wohl zwischen 1996 und 1999, etwa 35 bis 50 Einheiten des russischen Tor-M1-Systems, die hauptsächlich im Militärbezirk Nanjing eingesetzt wurden. Aufgrund von operativer Einschränkungen wie mangelnder Nachtkampffähigkeit und technologischer Abhängigkeit von der Russischen Föderation entschied die chinesische Militärführung im Jahr 2005, eine eigene und modernere Version zu entwickeln.[3] Die Entwicklungsarbeiten dauerten etwa zehn Jahre und sollen 2015 abgeschlossen worden sein. HQ-17 integriert chinesische Modifikationen, darunter ein neues, komplett aus chinesischer Fertigung stammendes Phased-Array-Radar, ein verbessertes IFF-System[4], ein Thermalsichtgerät für Nacht- und Schlechtwetterbedingungen sowie eine verbesserte Rakete mit größerer Reichweite und Führungszeit im Vergleich zur russischen 9M331. Die Massenausrüstung der Armee begann um 2011/2012. Es wird als „chinesische Variante des Tor-M1 unter modernen Bedingungen“ beschrieben und soll nach chinesischen Angaben sogar das russische Tor-M2 übertreffen.[3]
Technik
Das HQ-17 ist ein mobiles, autonomes System, das Radar, Flugabwehrraketen und Führungsstation in einem gepanzerten Fahrzeug vereint und kann ohne externe Stromversorgung operieren. Das Basisfahrzeug der ursprünglichen Version ist ein Kettenfahrzeug, das dem russischen GM-355-Chassis weitestgehend entspricht. Die grundlegend überarbeitete Version HQ-17A basiert auf einem 6×6-Fahrgestell, das dem belarussischen MZKT-6922 ähnelt, aber gänzlich aus chinesischer Produktion stammen soll. Jedes Fahrzeug trägt acht Raketen in quaderförmigen Behältern, aus denen die Raketen gestartet werden. Die Rakete wird durch eine Gasladung nach oben aus dem Fahrzeug ausgeworfen und erst in einigen Metern Höhe darüber wird der Raketenmotor gezündet, der den Flugkörper mittels Schubvektorsteuerung auf das Ziel ausrichtet und beschleunigt. Die Rakete, basierend auf der sowjetischen 9M331, hat eine Länge von 2,9 m, einen Durchmesser von 230 mm, ein Startgewicht von 165 kg sowie einen 15 kg schweren Sprengkopf.[5] Sie wird durch einen Feststoffraketenmotor angetrieben und per Funk gesteuert und hat eine maximale Reichweite von 20 km sowie eine maximale Bekämpfungshöhe von 10 km.[5] Das Radar umfasst ein E/F-Band-Erfassungsradar mit 25 km Reichweite beim Fahrzeug in Bewegung und ein G/H-Band-Zielverfolgungsradar mit 15 km Reichweite im Stand. Es kann zwei Ziele gleichzeitig bekämpfen können. Das System hat gemäß Herstellerangaben eine hohe Trefferwahrscheinlichkeit von bis zu 90 % gegen Marschflugkörper. Die Reaktionszeit ist kurz und es soll Ziele mit Geschwindigkeiten bis zu 700 m/s effektiv angreifen können.[5]
Varianten
- HQ-17: Ursprüngliche Version auf Kettenfahrgestell
- HQ-17A: Erste chinesische Variante auf Rad-Fahrgestell (NATO-Bezeichnung: CH-SA-15B)
- FM-2000: Exportversion der HQ-17A mit verbesserten elektronischen Gegenmaßnahmen (ECM) in Form von Störungsabwehrfähigkeiten gegen mehrere Ziele.
- HQ-17AE: Modernste Exportversion der HQ-17A mit zusätzlichen Luftverteidigungssystemen gegen Drohnen[2]: QW-12-Kurzstreckenraketen, Niedrigflughöhen-Suchradar DK-1, Drohnenabwehrsystem ZR-1500.
Nutzer
Volksrepublik China: unbekannte Anzahl
Serbien: Vier Einheiten im Jahr 2022 bestellt.[6]
Tadschikistan: unbekannte Anzahl[7]
Weblinks
- HQ-17 bei GlobalSecurity.org (englisch)
