Hadija Haruna-Oelker

deutsche Politologin, Journalistin und Moderatorin From Wikipedia, the free encyclopedia

Hadija Haruna-Oelker (* 1980) ist eine deutsche Journalistin, Moderatorin und Autorin.

Hadija Haruna-Oelker auf der Frankfurter Buchmesse 2017

Leben

Haruna-Oelker wuchs als Tochter einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters auf.[1] Sie studierte nach dem Abitur an der Schillerschule Frankfurt von 2000 bis 2006 Politikwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main mit den Nebenfächern Volkswirtschaftslehre, Afrikanistik und Soziologie. Anschließend war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für politische Soziologie in Frankfurt mit Schwerpunkt Entwicklungsländerforschung sowie am Lehrstuhl der Soziologie mit Schwerpunkt Migrationsforschung. Von 2008 bis 2009 absolvierte sie die Berliner Journalisten-Schule. Von 2014 bis 2015 ließ sie sich am Institut für Moderation (imo) an der Hochschule der Medien in Stuttgart zur Moderatorin ausbilden.

Als freie Journalistin arbeitet Hadija Haruna-Oelker seit 2008 für den Hessischen Rundfunk (Der Tag in hr2-Kultur und hr-info, You FM und hr3). Außerdem schreibt sie seit 2020 eine monatliche Kolumne für die Frankfurter Rundschau und verfasst Beiträge für das „Politische Feuilleton“ in Deutschlandfunk Kultur. Sie schrieb früher u. a. für den Tagesspiegel, Die Zeit[2] und fluter – Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung. Seit 2023 hostet sie zusammen mit dem Autor Max Czollek den Podcast „Trauer und Turnschuh“ des S.Fischer Verlages. Der als Erinnerungspodcast konzipierte Dialog widmet sich Leerstellen der Aufarbeitung der deutschen Gewaltgeschichte und fragt danach, welche Opfer- und Betroffenenperspektiven im öffentlichen Gedenken bislang fehlen und wie eine plurale Erinnerungskultur aussehen kann.[3] Haruna-Oelker versteht sich gemeinsam mit Czollek als Teil einer postmigrantischen Generation, die aus den Erfahrungen marginalisierter Gruppen wie jüdischer, Schwarzer, behinderter und queerer Menschen auf deutsche Erinnerungspolitik und gesellschaftliche Konflikte blickt.[3] In Interviews betont sie, dass der Erfolg der AfD aus ihrer Sicht auch auf Defizite der bisherigen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Gewaltgeschichte verweist und dass sie für eine plurale Erinnerungskultur eintritt, die unterschiedliche Erfahrungen von Gewalt und Unterdrückung zusammendenkt, ohne Leid gegeneinander auszuspielen.[3] Sie verweist dabei auf ein „Wissen der Unterdrückten“ und versteht Erfahrungen von Ausgrenzung, etwa aus jüdischen, Schwarzen oder anderen marginalisierten Perspektiven, als Ressource für demokratischen Zusammenhalt und solidarisches Erinnern.[3]

Während ihres Studiums arbeitete Hadija Haruna-Oelker für das Frankfurter Stadtmagazin FRIZZ und Planet Radio (Hit Radio FFH). Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Jugend, Soziales, Migration, Rassismusforschung und Themen der Schwarzen Diaspora in Deutschland.[4] Haruna-Oelker publiziert und hält auch Vorträge zu ihren Schwerpunktthemen. Sie moderiert Paneldiskussionen, Fachkonferenzen und Tagungen für unterschiedliche Auftraggeber – wie zum Beispiel die Römerberggespräche in Frankfurt am Main, das Format StreitBar in der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt oder die Feministische Presserunde der Heinrich-Böll-Stiftung. Sie bietet Workshops im Bereich Macht der Sprache und (kritischer) Journalismus mit Schwerpunkt Migration und Flucht für Medienschaffende an. Für die Bundeszentrale für politische Bildung schrieb sie u. a. 2015 einen Artikel über den Flüchtling und Intensivstraftäter Yehya E.,[5] dessen Geschichte auch im Dokumentarfilm Gangsterläufer von Christian Stahl verfilmt wurde.[6]

Das weithin mit Beifall bedachte Gedicht The Hill We Climb von Amanda Gorman wurde 2021 von Haruna-Oelker, Kübra Gümüşay und Uda Strätlin für den Verlag Hoffmann und Campe ins Deutsche übersetzt. Haruna-Oelker und Gümüşay hatten vorher niemals Bücher übersetzt, während Strätlin Übersetzerin ist. Der Spiegel ordnete den Vorgang als eine „praktische Auswirkung der Identitätspolitik auf den Literaturbetrieb“ ein.[7] Haruna-Oelker selbst sagte dazu im Deutschlandfunk: „Amanda Gorman ist eine besondere Frau, die ein multiperspektivisches Verständnis von Mehrfachdiskriminierung mitbringt. (...) Wir setzen auf diesen Ton und genau deshalb wurden wir angefragt. Deshalb habe ich zugesagt.“[8]

Haruna-Oelker ist zudem in der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD)[9] und im Journalistennetzwerk Neue Deutsche Medienmacher*innen (NdM) aktiv[10].

Ihr Buch Die Schönheit der Differenz. Miteinander anders denken (btb Verlag 2022) war für den Preis der Leipziger Buchmesse 2022 in der Sparte Sachbuch nominiert.[11]

Im Oktober 2024 erschien ihr zweites Buch Zusammensein – Plädoyer für eine Gesellschaft der Gegenseitigkeit.[12]

2025 veröffentlichte sie gemeinsam mit Max Czollek das dialogisch angelegte Buch Alles auf Anfang. Auf der Suche nach einer neuen Erinnerungskultur im Verlag S. Fischer.[3] Darin befassen beide sich in unterschiedlichen Textformen – unter anderem Briefen, szenischen Passagen und essayistischen Beiträgen – mit dem sogenannten postmigrantische Jahrzehnt, Anti-Wokeness und gegenwärtigen Kulturkämpfe sowie Themen wie Verantwortung, Mitgefühl und plurale Erinnerung in der deutschen Migrationsgesellschaft.[3] Das Buch versteht sich als Logbuch der Gegenwart und greift Debatten von der Krise der Ampelkoalition bis in die Zeit nach der folgenden Bundestagswahl auf.[3]

Auszeichnungen

  • Sonderpreis „Medienspiegel“ für transparenten Journalismus 2021 (für ihr gemeinsames Deutschlandfunk-Feature „Dekolonisiert euch! Die Öffentlich-Rechtlichen und die Migrationsgesellschaft“ zusammen mit Lorenz Rollhäuser)
  • Kurt-Magnus-Preis (1. Preis, 2015)[13]
  • Kausa-Medienpreis (2. Preis in der Kategorie Hörfunk (Audio), 2012)[14]

Publikationen (Auswahl)

  • mit Max Czollek: Alles auf Anfang. Auf der Suche nach einer neuen Erinnerungskultur. S. Fischer, Frankfurt am Main 2025, ISBN 978-3-10-397686-1.[3]
  • Zusammensein – Plädoyer für eine Gesellschaft der Gegenseitigkeit. btb Verlag, München 2024, ISBN 978-3-442-75947-7.
  • Die Schönheit der Differenz. Miteinander anders denken. btb Verlag, München 2022, ISBN 978-3-442-75946-0.
  • Denise Bergold-Caldwell, Laura Digoh, Hadija Haruna-Oelker (Hrsg.): Spiegelblicke: Perspektiven Schwarzer Bewegung in Deutschland. Orlanda, Berlin 2015, ISBN 978-3-944666-23-5.
  • „Wir müssen uns dem Mainstream nicht anschließen“. Ein Gespräch über konfliktsensitiven Journalismus, Migrationsberichterstattung und die Verantwortung von Medienmachern. In: Erik Bettermann, Roland Grätz (Hrsg.): Zwischen den Fronten: Grenzen neutraler Berichterstattung. Steidl, Göttingen 2013, ISBN 978-3-86930-674-2, S. 113–122 (Deutsche Welle und Institut für Auslandsbeziehungen als herausgebendes Organ).
  • Leitfaden für einen rassismuskritischen Sprachgebrauch. Herausgeber: AntiDiskriminierungsBüro Köln, 2014
  • Perspektiven auf Schwarze Bewegung in Deutschland. Einführungstext in: Also by Mail von Olumide Popoola, ein Theaterstück in englischer Sprache, Witnessed Reihe Band 2, Edition Assemblage, 2013
  • Artikel in der Frankfurter Rundschau
  • Artikel in der Zeit
  • Artikel im Tagesspiegel
  • Artikel im fluter
  • Trauer und Turnschuh. Podcast mit Max Czollek
Commons: Hadija Haruna-Oelker – Sammlung von Bildern

Anmerkungen

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