Hager Group

Konzernobergesellschaft der Hager Group From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Hager SE ist die Konzernobergesellschaft der Hager Group, einem Hersteller von Elektroinstallationsmaterial mit Sitz in Blieskastel. Hager befindet sich vollständig im Besitz der Familie Hager.

Schnelle Fakten
Hager SE
Logo
Rechtsform Societas Europaea
Gründung 1955
Sitz Blieskastel, Deutschland Deutschland
Leitung
  • Sabine Busse (CEO)
  • Mike Elbers (CMO)
  • Michael Flieger (CFO)
  • Franck Houdebert (CHRO)
  • Ralph Fürderer (CTO)
Mitarbeiterzahl 12.900 (2022/23)[1]
Umsatz €2,8 Mrd.(2022/23)[1]
Branche Elektrotechnik
Website www.hagergroup.com
Stand: 1. Juli 2024
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Geschichte

Nachdem 1954[2] ein Firmengebäude übernommen und renoviert wurde, gründeten zum 1. Januar 1955 Oswald Hager (1926–2017)[3] und Hermann Hager (1928–2014)[4] mit ihrem Vater Peter Hager in Ensheim (Saarbrücken) die Hager oHG, elektrotechnische Fabrik.[5][6][7] Zunächst wurde die ortsansässige Fabrik für Remington-Rasierer beliefert. Das Saarland war 1945 erneut von Deutschland abgetrennt worden, war wirtschaftlich an Frankreich angegliedert, und der deutsche Markt war nicht zugänglich; allerdings wurde bereits 1954 eine Abstimmung über die Zukunft des Saarlandes vereinbart, die im Oktober 1955 klar zugunsten von Deutschland ausfiel, worauf das Saarland 1957 politisch und 1959 wirtschaftlich wiedervereint wurde. Hager saß damit zwischen zwei Stühlen anstatt auf beiden, wollte auf dem deutschen Fuß fassen, ohne den französischen Markt zu verlieren. 1959 gründeten die Hagers im elsässischen Obernai die Hager Electro S.A. als erste ausländische Niederlassung.[8]

Hager Sicherungskasten mit Schraubsicherungen, Sicherungsautomaten und FI-Schutzschalter (2006)
Hager Leitungsschutzschalter
Hager Überspannungsableiter

Ab 1966 schulte Hager systematisch Elektroinstallateure. 1968 wurde das modulare Sicherungselement von Hager in Deutschland zum Patent angemeldet, 1970 auch in Frankreich. Gleichzeitig erscheint der erste seriengefertigte Installationsverteiler, das „Hager-Rapid-System“, auf dem französischen Markt. 1973 erreichte das Unternehmen in Deutschland einen Umsatz von 43 Millionen DM; 1974 in Frankreich einen Umsatz von 22 Millionen Franc. Im Jahr 1976 brachte Hager den Kleinverteiler Gamma auf den Markt. Ab 1982 wurden Fehlerstromschutzschalter produziert. Eine neue Produktionsstätte mit einem Hochregallager wurde in Blieskastel gegründet.

In den 1980er Jahren wurden in Europa (Schweiz, Großbritannien) wurden Vertriebsgesellschaften gegründet. Seit Mitte der 1990er Jahre baute Hager Vertriebswege in den Vereinigten Arabischen Emiraten (Dubai), in Singapur, Malaysia, Hongkong, China, Australien und Neuseeland auf.

Übernahmen

1992 erwarb die Gruppe in Italien mit Lumetal in Porcia einen Hersteller von Verteilerschränken.[9] 1996 übernahm sie die deutschen Unternehmen Tehalit, ein Hersteller von Leitungsführungssystemen und Brüstungskanälen,[10] und Ebo Systems. 1998 wurde das französische Unternehmen Flash mit Sitz in Saverne in die Gruppe integriert.[11] Dort wurden unter anderem elektronische Zeitschaltuhren produziert; vorher baute Hager nur mechanische Zeitschaltuhren. Im selben Jahr erfolgte die Übernahme des britischen Unternehmens Ashley & Rock in Ulverston, das Erzeugnisse nach British Standards herstellte. 2002 wurde das polnische Unternehmen Polo mit Sitz in Tychy integriert. Seit 2004 gehört die Schweizer Weber AG zur Unternehmensgruppe. Im gleichen Jahr kaufte der Konzern den französischen Hersteller Atral. Dort werden neben Sicherheitstechnik der Marke Hager auch die Marken Diagral und Daitem hergestellt. Im Jahre 2005 übernahm Hager Tolmega, einen französischen Spezialisten für Kabelbahnen und Kabelleitern für Gitterroste, und die italienische STS Elettronica S. p. A., ein Unternehmen für Sicherheitsprodukte. 2006 übernahm Hager alle Anteile an Eletromar und wurde damit in Brasilien tätig. 2008 wurde ein Werk im indischen Pune in Betrieb genommen. Am 30. September desselben Jahres erfolgte die Grundsteinlegung für eine neue Produktionsstätte von Eletromar in Brasilien.

2007 wurde die Hager Group eine Europäische Gesellschaft.[12] Mit Wirkung vom 1. Januar 2009 übernahm diese alle Anteile an der Electraplan Solutions GmbH[13], 2010 das Unternehmen Berker, einen deutschen Schalterhersteller mit Sitz in Schalksmühle und Ottfingen[14] und im Jahr 2018 die E3/DC GmbH, ein deutsches Entwicklungsunternehmen für Wechselrichter und Energiespeichersysteme.[15] Ebo Systems wurde zusammen mit Cable Tray Systems (CTS) und Tolmega im Jahr 2010 an den deutschen Konzern Niedax veräußert.[16][17] 2012 wurde Elcom aus Neckarsulm übernommen.[18]

Karmann E3 von 2009
Audi Q8 e-tron Testfahrzeug für Bidirektionales Laden (BiDi V2H) auf der IAA Mobility 2023

Ende 2017 übernahm die Hager Group vom Versorgungsunternehmen EWE[19] zu 100 Prozent die Firma E3/DC, die 2010 in Osnabrück als Ausgründung der Wilhelm Karmann GmbH unter Leitung von Andreas Piepenbrink entstanden war. Von Karmann und EWE war 2009 das Elektroauto Karmann E3[20] entwickelt worden. Der auf dem VW Polo IV basierende Karmann E3 (für „einsparend, erneuerbar, effektiv“[21]) hatte einen 31 kWh-Hochvolt-Akku im Unterboden und konnte Gleichstrom (DC) sowohl laden als auch wieder abgeben (Bidirektionales Laden, V2X), um nach Wandlung per Wechselrichter Geräte zu betreiben, ein Haus zu versorgen, oder das Stromnetz zu stützen. Der weltweite E-Automarkt entwickelte sich allerdings schleppend, während Photovoltaik in Deutschland zu der Zeit weltweit führend war. Aus dem E3-Projekt entstand die Firma E3/DC, die PV-Anlagen per DC mit stationären Batteriespeichern und auch E-Autos koppelt, ohne die üblichen Zwischenschritte PV-Wechselrichter und Ladegerät mit Gleichrichter, und als sogenannte Hauskraftwerke anbietet. E3/DC hat sich daher zu einem Wechselrichter-Hersteller entwickelt, der Photovoltaik-Systeme mit DC-gekoppeltem Speicher anbietet.[22] Seit Anfang 2021 bildet HagerEnergy[23] eine Business Unit innerhalb der Hager Group, die Kompetenzen von Hager und E3/DC für das Energiemanagements bündelt. Für Batteriespeichersysteme und Ladetechnik für Elektrofahrzeuge ist weiterhin E3/DC[24] zuständig.

Im Januar 2023 wurde mitgeteilt, dass Hager die PM Flex s.r.l. im italienischen Almenno San Bartolomeo von der Deutschen Beteiligungs AG übernimmt. PM Flex produziert mit 150 Mitarbeitern Kunststoffrohre als Kabelschutzrohre für elektrische Anwendungen.[25] Zum 1. Dezember 2023 schied Daniel Hager nach 15 Jahren aus der Geschäftsführung aus und wechselte als Vorsitzender in den Aufsichtsrat. Seine Nachfolge trat ab Ende August 2023 mit Sabine Busse eine familienfremde Managerin an.[26]

Standorte

Die Hager Group produziert an 22 Standorten[27] in zehn Ländern.[28] In den Produktionsstätten werden Komponenten für die jeweiligen Märkte hergestellt, um den lokalen Installationsgewohnheiten Rechnung zu tragen. Der größte Produktionsstandort befindet sich im elsässischen Obernai.[29] Dort wurde 2015 das Hager Forum als Fortbildungsstätte errichtet.[30][31]

Marken und Produkte

Elcom Videosprechanlage
Sicherungs-Lastschaltleiste

Unter der Marke „Hager“ werden Produkte für elektrotechnische Installationen in Wohn-, Industrie- und Gewerbeimmobilien vertrieben. 2009 wurden die bisherigen Marken Tehalit, Weber, Lume, Klik, Flash, Polo, Ashley und Logisty unter der Marke Hager zusammengefasst.

Unter den Marken „Daitem“ und „Diagral“ werden Alarm- und Sicherheitstechnik angeboten. Die Marke Berker umfasst Schalter und Schaltsysteme. Unter Bocchiotti/Iboco werden in Italien Produkte für Leitungsführung und Raumanschluss vertrieben. Elcom produziert Türsprechanlagen für Wohn- und Bürogebäude.[32]

Unternehmenskultur

6 % des Umsatzes werden in Forschung und Entwicklung investiert. Das Unternehmen hat im Jahr 2019 rund 3.000 Patente angemeldet.[33] Im Bereich Forschung und Entwicklung sind 800 Mitarbeiter[28] beschäftigt. Schwerpunkte der Forschungs- und Entwicklungsabteilung sind Elektromobilität, intelligente Gebäudetechnik (Smart Home) und Energieeffizienz.[34]

Von Oktober 2010 bis Juni 2014[35] trat die Hager Group als Sponsor des 1. FC Saarbrücken auf. Seit 2017 unterstützt die Hager Group den französischen Fußballverein Racing Club Strasbourg Alsace.[36]

Auszeichnungen und Preise

Commons: Hager Group – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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