Haidholzen

Ortsteil der Gemeinde Stephanskirchen im oberbayerischen Landkreis Rosenheim From Wikipedia, the free encyclopedia

Haidholzen ist ein Gemeindeteil (Pfarrdorf) von Stephanskirchen, einer Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Rosenheim.

Katholische Pfarrkirche Maria Königin des Friedens

Geographie

Haidholzen liegt nordwestlich von Stephanskirchen und schließt sich heute direkt an Stephanskirchen an. Laut dem Zensus 2022 hat der Ort 2780 Einwohner.[1]

Geschichte

Haidholzen ist ein vergleichsweise junger Ort in der Gemeinde Stephanskirchen.

Stephanskirchen und die neu entstandene Arbeiter- und Taglöhnersiedlung Hofleiten wurden im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern 1818 selbständige politische Gemeinden. 1854 kam es zur Vereinigung von Hofleiten und Stephanskirchen. Das Haidenholz gehörte zur Gemeinde Stephanskirchen.

Eingangstore zur Flak-Kaserne

Im Zuge der Militarisierung während des Dritten Reiches wurde ab 1937 der Bau einer Kaserne am Haidenholz vorbereitet. Von November 1944 bis April 1945 befand sich in Haidholzen das Außenlager Stephanskirchen des Konzentrationslagers Dachau, in dem etwa 250 KZ-Häftlinge Zwangsarbeit verrichten mussten.[2] Die russischen, polnischen und französischen Kriegsgefangenen wurden in einer Barackensiedlung auf dem Gelände der dortigen Flak-Kaserne untergebracht. Das Hauptgebäude dieser Flak-Kaserne existiert heute noch, seit 1947 befinden sich darin die Produktionsanlagen einer Süßwarenfabrik. Die Häftlinge arbeiteten für regionale Auftraggeber und für die Chiemgauer Vertriebsgesellschaft O.H.G, ein Zweigwerk der Firma BMW, das in Stephanskirchen Flugzeugmotoren fertigte, seinen Betrieb aber nie voll aufnahm. Aus mehreren unabhängigen Quellen geht hervor, dass es im Außenlager Stephanskirchen auch zu Morden an Inhaftierten kam. Gegen Ende 1944 war das Werk Ziel von Luftangriffen, bei denen zwei Belegschaftsmitglieder starben. 30 % der Gebäudesubstanz und 20 % des Maschinenparks wurde zerstört, es entstand ein Schaden in Höhe von 250.000 RM.

Gedenktafel für die von Dezember 1944 bis März 1945 in Haidholzen Inhaftierten

Auf Befehl Heinrich Himmlers wurde im März und April 1945 eine Evakuierung in rückwärtige Konzentrationslager durchgeführt, in deren Verlauf viele Häftlinge aus Erschöpfung starben oder von der SS erschossen wurden.[3][4]

Die ersten Bauten in Haidholzen waren Häuser dieser Art.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen etwa 1500 Flüchtlinge und Heimatvertriebene nach Stephanskirchen und gründeten in der Nähe der Kaserne die Siedlung Haidholzen (→ Flüchtlingssiedlung).

Straßennamen wie „Schlesierstraße“ oder „Sudetenlandstraße“ weisen bis heute auf die Herkunft dieser Vertriebenen hin (→ Flucht und Vertreibung 1945–1950).

Kirchen

  • Römisch-katholische Pfarrkirche Maria Königin des Friedens: 1969/1970 wurde die römisch-katholische Kirche „Maria Königin des Friedens“ mit Pfarrhaus gebaut. 1999 wurde zwischen Kirche und Pfarrhaus ein freistehender, rund 12 Meter hoher Glockenturm errichtet. Die Kirche ist heute eine Kirche im Pfarrverband Stephanskirchen.[5]
  • Evangelisch-Lutherische Heilig-Geist-Kirche: 1966  wurde die Heilig-Geist-Kirche in Haidholzen eingeweiht. Sie ist eine der Predigtstationen, die zur Ev.-Luth. Kirchengemeinde Rosenheim gehören.[6]
Commons: Haidholzen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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