Halicanum
römische Siedlung in Pannonien
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Halicanum (auch lateinisch Alicanum) war ein römisches Municipium in der römischen Provinz Pannonia superior. Der Ort lag an der römischen Straße von Poetovio nach Carnuntum bzw. von Poetovio nach Savaria.[1]


Der Ort wird in der Gemeinde Sveti Martin na Muri (Gespanschaft Međimurje) im Norden des heutigen Kroatien an der Mur lokalisiert.[2]
Die Stätte wird seit 1977 archäologisch intensiver erforscht, die Arbeiten wurden jedoch später unterbrochen, und zum Schutz und zur Konservierung des Kulturguts wurde die Ausgrabungen zugeschüttet.
Name und Geschichte
Der Name des Ortes ist in verschiedenen Formen überliefert: im Itinerarium Antonini: 261, 9: Alicano und 262, 4: Halicano; beim Geograph von Ravenna 216, 3: Ligano; bei Ptolemäus II 14, 4: Ὀλίμακον.
Nach den Funden entstand die Siedlung im 1. Jahrhundert n. Chr., möglicherweise auch etwas früher, während der Feldzüge des Augustus (Regierungszeit 27 v. Chr. – 14 n. Chr.). Über die Mur gab es einen geeigneten Übergang; die Römer errichteten dort eine Befestigung, um den Flussübergang zu überwachen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Siedlung so, dass sie möglicherweise zu einer Art Handelszentrum der Umgebung wurde.[3]
In der 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts besaß die Siedlung den Status eines Municipiums. Dies geht aus einer in Aquincum gefundenen Sarkophaginschrift hervor.[4]
Die jüngsten römischen Funde stammen aus dem 4. Jahrhundert, nach dem Niedergang des Römischen Reiches siedelten sich hier Slawen an.
Archäologische Funde
Der Ort umfasste eine Fläche von etwa 3 Quadratkilometern und hatte einen quadratischen Grundriss mit rechtwinkligem Straßennetz (sogenannte „urbs quadrata“).[5] Die archäologischen Untersuchungen von Halicanum wurden 1977 von Archäologen des Kreismuseums Međimurje aus Čakovec systematisch begonnen. Dabei wurden antike Baumaterialien (Ziegel, Dachziegel, Säulenbasen, Mauerreste, Putzreste usw.) gefunden, die auf eine römische Siedlung hindeuten. Zu den ersten Funden zählten ein Keramikofen und Tröge.
1977 wurde im Zentrum des Dorfes ein Altar für Jupiter gefunden, der von einem ansonsten unbekannten Benefiziarier Titus Caesernius Marcellinus geweiht wurde.[6] Bei weiteren Ausgrabungen wurden andere Funde entdeckt, zum Beispiel Nekropolen und Grabhügel entlang der antiken Straße, zahlreiche Keramikartefakte (Teller, Töpfe, Schalen, Öllampen usw.) sowie mehrere Töpferöfen für Gebrauchsgegenstände. Artefakte der feineren Keramik aus Terra Sigillata wurden nicht in Halicanum hergestellt, sondern aus weiter entfernten Gebieten des Römischen Reiches (zum Beispiel der Apenninenhalbinsel und der Provinz Gallien) importiert.[7]
Neben anderen Fundarten wurden zahlreiche Gegenstände aus Metall ausgegraben, darunter Pfeile aus Bronze und Eisen, Teile von Eisenmessern, Schlittenglocken aus Zinn und Bronze, Schlüssel aus Eisen und Bronze, Fibeln aus Silber und Bronze, Nadeln und Stecknadeln aus Bronze, Pinzetten aus Bronze, Nägel aus Eisen, ein Teil einer Glasflasche mit Henkel und vieles mehr.
1985 wurden die Forschungen reduziert und später vorübergehend ganz eingestellt. Erst 2002 wurden sie wieder aufgenommen und es konnte festgestellt werden, dass die römische Siedlung ein ausgeprägtes Töpferhandwerk aufwies. Zwischen 2015 und 2018 wurden die Forschungen intensiviert,[8] da die Archäologen versuchten, die Abmessungen der antiken Stadt zu bestimmen. Die Fundstelle wurde danach wieder zugeschüttet.
Freigelegt wurde auch ein Friedhof des 11. Jahrhunderts, der sich an der Stelle einer römischen Nekropole befand.[9]
Literatur
- Carl Patsch: Halicanum. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VII,2, Stuttgart 1912, Sp. 2878 (mit falscher Lokalisierung).
- Sándor Soproni: Municipium Halicanum. In: Folia archaeologica. 30, 1979, S. 91–98 (Digitalisat).
- Izabela Andrašić: Rimska stolna keramika s nalazišta Sveti Martin na Muri (Halicanum) – istraživanja od 2015. do 2018. godine [Römische Tischkeramik von der Fundstätte Sveti Martin na Muri (Halicanum) – Forschung von 2015 bis 2018]. Masterarbeit, Universität Zagreb 2020 (Digitalisat).