Hans-Georg Musmann

deutscher Elektrotechniker und Hochschullehrer From Wikipedia, the free encyclopedia

Hans-Georg Musmann (* 14. August 1935 in Wiedelah; † 27. Dezember 2025 in Salzgitter[1]) war ein deutscher Elektrotechniker und Professor der Elektrotechnik. Sein Hauptarbeitsgebiet war die Audio- und Videocodierung. Unter anderem wurde unter seiner Leitung der Audiocodierstandard MP3 entwickelt.

Leben

Musmann erlangte 1962 das Diplom der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Braunschweig (heute: Technische Universität). 1966 folgte der Doktorgrad ebenfalls in Braunschweig. Von 1966 bis 1973 arbeitete er am Institut für Nachrichtentechnik der TH Braunschweig, wo er sich mit digitalen Kommunikationssystemen und insbesondere mit Quellencodierung beschäftigte. 1970 habilitierte er und wurde Lehrbeauftragter.

Ab 1973 war er Professor an der Universität Hannover und Leiter des Instituts für Theoretische Nachrichtentechnik und Informationsverarbeitung und ab 1988 Verwaltungsratsmitglied des Laboratoriums für Informationstechnologie. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit Video- und Audiocodierung. Er schrieb über 50 Forschungsberichte und ist Inhaber von 15 Patenten. So wirkte er 1977 an der Entwicklung der Standardisierung der digitalen Übertragung von Fax-Signalen mit. Zur gleichen Zeit entwickelte er Verfahren zur Videotelefonie (ISDN) weiter.

1981 war er Gastprofessor an der University of Hangzhou in China und 1984 an der Universität Pretoria in Südafrika. Von 1988 bis 1992 war er Leiter der ISO MPEG/Audio Forschungsgruppe am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen und an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, die in dieser Zeit u. a. den Audiocodierstandard MP3 entwickelte. Auch an Entwicklungen des Mobilfunks wie GPRS und UMTS hatte er großen Anteil. Er war emeritierter Professor an der Leibniz Universität Hannover.

Musmann war Mitglied in der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech), der Academia Europaea London, der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste Salzburg und der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft.

Ab 1956 war er Mitglied der Studentenverbindung Braunschweiger Wingolf.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Über nichtlineare Resonanzkreise und ihre Verwendung als schnelle binäre Speicher in logischen Speichern. Braunschweig 1966.
  • Über redundanzreduzierende Quellencodierung. Braunschweig 1970.
  • mit P. Pirsch und H.-J. Grallert: Advances in picture coding. In Proceedings of the IEEE. Vol. 73, Nr. 4, pp. 523–548, 1985.
  • mit M. Hoetter und J. Ostermann: Object-oriented analysis-synthesis coding of moving images. In: Signal Processing: Image Communications. Vol. 1, Nr. 2, pp. 117–138, Januar 1989.
  • mit R. Lippmann: Vier Jahrzehnte Videocodierung. In: it – Information Technology. Vol. 5, Nr. 45, pp. 263–272, Mai 2003.
  • mit T. Wedi: Motion and Aliasing Compensated Prediction for Hybrid Video Coding. In: IEEE Transactions on Circuits and Systems for Video Technology. invited paper, Juli 2003.
  • Genesis of the MP3 Audio Coding Standard. In: IEEE Transactions on Consumer Electronics. IEEE, Vol. 52, Nr. 3, pp. 1043–1049, August 2006.

Auszeichnungen

Einzelnachweise

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