Hans Jauch

deutscher Offizier und Freikorpsführer From Wikipedia, the free encyclopedia

Johannes Franz Friedrich „Hans“ Jauch (* 20. Juli 1883 auf Gut Wellingsbüttel; † 24. Juli 1965 in Wesel) war ein deutscher Offizier und Freikorpsführer.

Hans Jauch

Leben

Herkunft und Familie

Jauchs Geburtshaus: Herrenhaus Wellingsbüttel

Jauch entstammte dem hanseatischen Geschlecht Jauch und begründete dessen katholischen Zweig. Er war mit Elsa von Othegraven (1889–1948) verheiratet; das Ehepaar hatte sechs Kinder.

Jauchs Cousin Walter Jauch gründete Aon Jauch & Hübener. Sein jüngster Sohn war der katholische Journalist Ernst-Alfred Jauch. Zu seinen Enkeln zählen der Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch und der Fernsehmoderator Günther Jauch.

Militärreitinstitut Hannover

Ausbildung

Jauch wuchs auf dem großväterlichen Gut Wellingsbüttel und dem väterlichen Gut Krummbek bei Oldesloe auf. 1902 legte er das Abitur an der Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg ab und trat als Fahnenjunker in das 1. Westfälische Feldartillerie-Regiment Nr. 7 „Prinzessin Carl von Preußen“ in Wesel ein. Vor dem Ersten Weltkrieg war er als Reiter bei Jagdrennen aktiv und an das Königlich-Preußische Militärreitinstitut in Hannover abkommandiert, das zeitgenössisch als „bestes und berühmtestes Reitgelände der Monarchie“ beschrieben wurde.[1]

Wirken

Erster Weltkrieg

Mit der Mobilmachung wechselte Jauch als Oberleutnant und Regimentsadjutant in das aus dem Feldartillerie-Regiment Nr. 7 hervorgegangene Reserve-Feldartillerie-Regiment Nr. 13 und diente dort ab Ende 1914 als Hauptmann und Batteriechef. Zuletzt war er Hauptmann und Kommandeur der III. Abteilung des Feldartillerie-Regiments (3. Lothringisches) Nr. 69. Er nahm u. a. 1914 an der Belagerung von Maubeuge teil, bei der er durch Granateinwirkung verschüttet wurde. 1916 kämpfte er in der Schlacht um Verdun, insbesondere bei Fort Vaux, Fort Douaumont und Fleury-devant-Douaumont.[2] 1917 folgte die Schlacht an der Aisne, 1918 die Große Schlacht um Frankreich. Auszeichnungen: Eisernes Kreuz II. und I. Klasse, Hamburgisches Hanseatenkreuz sowie das Ritterkreuz mit Schwertern des Königlichen Hausordens von Hohenzollern.

Freikorpsführer

1920 führte Jauch bei der Niederschlagung des Ruhraufstands das nach ihm benannte Freikorps „Jauch“.[3] Im Kontext des Kapp-Putsches entstand die Rote Ruhrarmee, die zeitweise das Gebiet von Wesel bis Remscheid kontrollierte. Gegen sie wurden u. a. die Division Wesel, die 3. Kavallerie-Division bei Dorsten und die Division Münster zusammengezogen. Zu letzterer gehörten die Westfälischen Batterien des Freikorps Lichtschlag sowie sechs weitere Batterien, darunter das Freikorps Jauch.[3] Jauch stellte sein Freikorps in Stärke von gut einer Artillerie-Batterie aus regulären Truppen des 1. Westfälischen Feldartillerie-Regiments Nr. 7 auf.[4] Unter dem Oberbefehl von General Oskar von Watter wurde der Aufstand niedergeschlagen. Ende 1920 nahm Jauch seinen Abschied als Major.

Zwischenkriegszeit

Jauch, der früh zum Katholizismus konvertierte, schloss sich nicht dem Stahlhelm, der SA, der SS oder der NSDAP an und beteiligte sich nicht an Umtrieben gegen die Weimarer Republik. Er war Inhaber einer Zementwarenfabrik in Wesel, Führer der Ortsgruppe Wesel des Reichsverband Deutscher Offiziere und bis 1933 Vorstand des Reitvereins „v. Schill“. Nach der Überführung der Reiter in die Reiter-SA stellte er die Vereinstätigkeit ein.

Zweiter Weltkrieg

1939 diente Jauch als Kommandeur der II. Abteilung im Artillerie-Regiment 26 und der I. Abteilung im Artillerie-Regiment 253, seit September 1940 als Kommandant des Frontstalags 205, seit März 1941 des Dulag 205 (u. a. in Donges, Ingrandes, Berditschew, Kiew, Poltawa). Nachdem seine vier Söhne – sämtlich Artillerieoffiziere – gefallen,[5] vermisst[6] oder schwer verletzt[7] waren, wurde er 1942 vom Frontdienst abgezogen und im Mai 1942 Kommandant des Kriegsgefangenenlagers Stammlager VI F in Bocholt. Das Dulag 205 wurde später im Zusammenhang mit Stalingrad als „Vernichtungslager“ bezeichnet.[8] Bereits am 21. Dezember 1941 stellte der Befehlshaber des rückwärtigen Heeresgebiets Süd eine rechnerische Jahressterblichkeit von 82,06 % fest.[9] Jauch hatte am 28. September 1941 wegen Überfüllung um keine weiteren Zuführungen gebeten.[10]

Jauch erhielt das Kriegsverdienstkreuz II. Klasse mit Schwertern (1941) und I. Klasse mit Schwertern (1944). 1944 wurde er als Oberst verabschiedet.

Angeklagter Alfried Krupp im Krupp-Prozess

Nachkriegszeit

Jauch sagte als Kommandant des Stalag VI F im Krupp-Prozess als Verteidigungszeuge aus. Er vertrat die Auffassung, dass im „totalen Krieg“ eine strikte Trennung zwischen ziviler und militärischer Produktion beim Einsatz von Kriegsgefangenen faktisch unmöglich gewesen sei und das Oberkommando der Wehrmacht von der Überlassung von Kriegsgefangenen an Firmen wie Krupp hätte absehen sollen.[11]

St. Martini, Wesel

Vor 1945 als Führer der Ortsgruppe Wesel des Reichsverbandes Deutscher Offiziere tätig, war Jauch nach 1945 Vorsitzender des Offiziersvereins Wesel, Kirchenvorstand von St. Martini in Wesel und Vorsitzender des Kirchbauvereins für den Wiederaufbau.[12] Er war langjähriger Vorsitzender und 1946 Wiederbegründer der I. Bürger-Sozietät von 1790 in Wesel.[13]

Die Bundesrepublik Deutschland übernahm den Ehrensold für das Ritterkreuz mit Schwertern des Hausordens von Hohenzollern.[14]

Jauch war nach dem Tod seiner Frau Miteigentümer des Weinguts von Othegraven; Mitte der 1950er Jahre verkaufte er seinen Anteil an seinen Schwager Maximilian von Othegraven.

Erbbegräbnis von Othegraven–Jauch
in Wesel

Literatur

  • Carl Henke: Das 1. Westfälische Feldartillerie-Regiment Nr. 7 1816–1919. Nach amtlichen Unterlagen und Berichten von Mitkämpfern. Berlin 1928.
  • Meißner u. a.: Geschichte des Reserve-Feldartillerie-Regiments Nr. 13 im Weltkriege 1914/18. Gelsenkirchen 1926.
  • Stalag VI F in Bocholt

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI