Hans Junecke

deutscher Kunsthistoriker und Hochschullehrer From Wikipedia, the free encyclopedia

Hans Junecke (* 28. November 1901 in Stettin; † 1994 in Berlin) war ein deutscher Architekt und Kunsthistoriker sowie Hochschullehrer in Halle (Saale) und an der FU Berlin.

Nach Ablegung der Reifeprüfung (Abitur) an der Lateinischen Hauptschule der Franckeschen Stiftung zu Halle (Saale) studierte Junecke ab 1920 Architektur an den Technischen Hochschulen in Hannover und Charlottenburg. 1925 ging er zum Studium der Kunstgeschichte an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Seine „Lehrer in der Kunstgeschichte waren Frankl, Gerstenberg, Giesau und Schubring, in der Archäologie die Professoren Karo und Koch“. Tag der mündlichen Prüfung seiner Dissertation war der 26. Juli 1933. Berichterstatter war Professor Dr. Paul Frankl, Mitberichterstatter Professor Dr. Herbert Koch.[1]

Von 1932 bis 1938 arbeitete er an dem von Paul-Ortwin Rave eingerichteten Schinkel-Lebenswerk zum Band Ehemalige Preußische Provinz Sachsen. Im Jahr 1947 wurde er Privatdozent in Halle (Saale), neben Worringer der einzige Dozent.[2] Er protestierte 1950 gegen den Abriss des Berliner Stadtschlosses und wurde so drangsaliert, dass er die DDR verließ. Ab dem Wintersemester 1951/52 hielt er als Gastdozent Vorlesungen am Kunstgeschichtlichen Institut der Freien Universität Berlin, wurde umhabilitiert und dort 1956 als apl. Professor berufen sowie 1966 emeritiert. Seine Forschungen und Lehre betrieb er weiter bis in die 1980er Jahre zu Schinkel mit einem DFG-Stipendium.

Seine Studien zu Proportionsregeln im Entwurf und bei der Realisierung von Bauten, die auf dem Satz des Pythagoras zum rechtwinkligen Dreieck basieren, finden in den ersten Jahren der Proportionsstudien Vergegenständlichung in der von Junecke so genannten Montmorency-Zelle.[3] Sie ist Ausgang für viele weitere Proportionsstudien.

Mit zahlreichen Studienmodellen klärte Junecke Fragen zur Moderne des 20sten Jahrhunderts, der Neuen Sachlichkeit, und zu ihrer Entsteheung in historischer Architektur. Diese Modelle und sein vielen Proportionsstudien befinden sich in der Kunstbibliothek Berlin.

Schriften

  • Der französische Wohnbau von 1500 bis 1650, Phil. Diss., Halle (Saale), 1937.
  • Die Königsschlösser der Loire, in: Zeitschrift für Kunst, 1. Jahrgang 1947 / Heftz 2, Verlag E.A.Seemann / Leipzig 1947, Seite 19–49.
  • Mosaiken und Glasmalereien der Gegenwart, in: Zeitschrift für Kunst. 1950. 4. Jahrgang. Heft 4 (Verlag E.A. Seemann. Leipzig), S. 251–283 mit Abbildungen.
  • Betrachtungen über eine klassizistische Architekturzeichnung, in Edwin Redslob zum 70. Geburtstag, Eine Festgabe, Berlin 1954.
  • Montmorency, Der Landsitz Charles le Bruns, Verlag Bruno Hessling, Berlin, 1960.
  • >Die Messfigur<, in: Archäologischer Anzeiger, Jahrgang 1970.
  • Die Messfiguren in den Entwürfen für S. Agnese in Piazza Navona, in: Gerhard Eimer, La Fabbrica die S. Agnese in Navona, Band II, Insbruck – Stockholm 1972, S. 577–636.
  • Der Bauvertrag von 1704 für das Pariser Hotel de Pompadour Delamair's als Dokument der "Messfigur", in: KALEIDOSKOP, Eine Festschrift für Fritz Baumgart zum 75. Geburtstag, Hrsg. Friedrich Mielke, Gebr. Mann Verlag, Berlin 1977, Seite 87–112.
  • Ein Hôtel Le Muets in Paris und die Verbindung von Meßfigur und geometrische Reihe, in: Festschrift für Otto von Simson zum 65. Geburtstag, Propyläen Verlag, Berlin 1978.
  • Die Proportionen des Kölner Domes, in: kunstspiegel – Zeitschrift für Kunst und Kunstgeschichte, Heft 3/80 2. Jg., Seite 173 - 183, ISNN 0172-8350.
  • Die wohlbemessene Ordnung – Pythagoreische Proportionen in der historischen Architektur. Festschrift, hg. von Goerd Peschken, Tilmann Johannes Heinisch, Frank Augustin (Hrsg.): Beeken, Berlin 1982, ISBN 3-922993-02-8.
  • Proportionen der Haghia Sophia in Istanbul: Proportionen frühchristlicher Basiliken des Balkan im Vergleich von zwei unterschiedlichen Messverfahren, Tübingen 1983, ISBN 978-3-8030-0139-9.
  • Das Maß des Tempels, Untersuchungen der Peripteroi von Paestum, Verlag der Beeken, Berlin 1991, ISBN 3-922993-19-2.
  • Goerd Peschken: Das königliche Schloss zu Berlin, Deutscher Kunstverlag, München/Berlin, 2 Bände:
    • I. Band: Die Baugeschichte von 1688-1701 mit Nachträgen zur Baugeschichte des Schlosses seit 1442, Beiträge von Hans Junecke und Erich Konter. 1992, ISBN 978-3-422-06096-8.
    • II. Band: Die Baugeschichte von 1701 bis 1706, Beiträge von Hans Junecke. 1998, ISBN 978-3-422-06221-4.
  • mit Martina Abri, Dieter Dolgner, Eva Börsch: Karl Friedrich Schinkel. Die preußische Provinz Sachsen, Deutscher Kunstverlag, 2014, ISBN 978-3-422-07203-9. 1998.

Literatur

  • Heinrich L. Nickel: Der Wiederbeginn nach dem Zweiten Weltkrieg. Erinnerungen an Wilhelm Worringer und Hans Junecke, in: Wolfgang Schenkluhn (Hrsg.): 100 Jahre Kunstgeschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Halle 2004 (= Hallesche Beiträge zur Kunstgeschichte, 5/6), S. 181–190.
  • Goerd Peschken: Hans Junecke 1901–1994, Nachruf, in: Mitteldeutsches Jahrbuch für Kultur und Geschichte 3 (1996), Seite 293–295.

Einzelnachweise

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