Hans Robinsohn

deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus From Wikipedia, the free encyclopedia

Hans Robinsohn (* 2. März 1897 in Hamburg; † 28. April 1981 ebenda) war ein deutscher Jurist, Kaufmann, Politiker der DDP und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Leben

Jugend und Ausbildung

Hans Robinsohn wurde als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Seine Eltern waren Max Robinsohn und die Schriftstellerin sowie Übersetzerin Therese Robinsohn. Die Familie war 1892 aus Posen nach Hamburg übergesiedelt und betrieb dort am Neuen Wall 25–31 das Modehaus Gebrüder Robinsohn für Damen- und Kinderbekleidung. Max und sein Bruder Leo Robinsohn hatten das Unternehmen aufgebaut, das 1932 mit 700 Mitarbeitern das vierzigjährige Betriebsjubiläum feierte. Hans wuchs in einem liberalen jüdischen Elternhaus auf.

Robinsohn absolvierte seine Schulausbildung in Hamburg und wechselte 1912 in die Oberklassen.[1] Er studierte Rechtswissenschaft und Nationalökonomie in Berlin, München und Göttingen. 1915 bestand er seine Examina in beiden Fächern[2] und beendete sein Studium mit der Promotion in Hamburg.

Politisches Engagement in der Weimarer Republik

1918 trat Robinsohn der liberalen Deutsche Demokratische Partei (DDP) bei und war Mitgründer deren Jugendverbands, der Jungdemokraten. In diesem lernte er Ernst Strassmann kennen, mit dem er sich in den 1920er Jahren für den Schutz der Republik einsetzte.

Robinsohn entwickelte sich zu einem aktiven Politiker der DDP Hamburg. Von 1927 bis 1929 gehörte er dem Vorstand der Hamburger DDP an.[3] 1927 hielt er im Curiohaus einen viel beachteten Vortrag über „Amerikanische Wirtschaftsfragen“,[4] was seine Expertise im Bereich internationaler Wirtschaftsbeziehungen unterstrich. Als Vorstandsmitglied behandelte er 1929 verkehrspolitische Themen wie die Erhöhung der Hochbahn-Tarife[5] und wandte sich gegen die Politik des Hamburger Senats.[6]

Berufliche Laufbahn

Gedenktafel an das Modehaus Gebr, Robinsohn – Hamburg Schleusenbrücke 1 Neuer Wall 25

1922 heiratete der 25-jährige Hans die Dänin Else Koppel (1898–1978)[7] und wurde im gleichen Jahr Mitarbeiter des familieneigenen Modehauses Gebrüder Robinsohn. Drei Jahre später erhielt er 1925 Prokura, 1933 wurde er Mitinhaber. Das Ehepaar bekam zwei Kinder: Franz Peter (1925–1997) und Susanne (1927–2008).[8]

Neben der Führung des Modehauses war Robinsohn auch in anderen Unternehmen tätig. 1929 wurde er zum weiteren Geschäftsführer der Ge Ro-Import Gesellschaft mit beschränkter Haftung bestellt.[9]

Das Modehaus Gebrüder Robinsohn leitete er bis zur zwangsweisen Arisierung am 30. März 1939.[10][11][12] Das Unternehmen hatte Filialen unter anderem in Düsseldorf und Frankfurt am Main.[13]

Widerstand und Emigration

1934 gründete Robinsohn mit Ernst Strassmann und dem Berliner Journalisten Oskar Stark die Robinsohn-Strassmann-Gruppe. Diese Widerstandsgruppe sammelte Nachrichten und wies das Ausland auf das Vorhandensein von Widerstandsgruppen unter der deutschen Zivilbevölkerung hin.

Nach der sogenannten Reichskristallnacht 1938 wurden sein 75-jähriger Vater Max und sein 70-jähriger Onkel Leo, beide Seniorchefs des Modehauses, verhaftet. Gegen beide wurde ein Verfahren wegen Rassenschande eröffnet. Leo Robinsohn wurde nach acht Monaten ohne Begründung aus der Haft entlassen, Max wurde nur aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

1938 emigrierte Robinsohn nach Dänemark und knüpfte von dort aus Kontakte nach England. Als 1943 die Deportation der Juden in Dänemark unmittelbar bevorstand, konnte er mit Hilfe dänischer Widerstandskämpfer nach Schweden fliehen.

Rückkehr und wissenschaftliche Arbeit

Nach Kriegsende kehrte Robinsohn zunächst nach Kopenhagen zurück und arbeitete dort als Angestellter einer Versicherung. 1958 entschloss er sich im Alter von 61 Jahren zur Rückkehr nach Hamburg. Das von ihm erfolgreich betriebene Entschädigungsverfahren löste die materiellen Probleme. Besonders wichtig war ihm die Aufhebung der nationalsozialistischen Urteile wegen Rassenschande.

Von 1960 bis 1965 arbeitete Robinsohn unter dem geschäftsführenden Historiker Werner Jochmann in der neugegründeten Forschungsstelle für die Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg. Seine wissenschaftliche Arbeit belegte die Willfährigkeit der Justiz gegenüber nationalsozialistischer Ideologie, eindrucksvoll dokumentiert am Beispiel des Tatbestandes „Rassenschande“. Dieser wurde durch die Nürnberger Gesetze von 1935 geschaffen und ins Strafgesetzbuch aufgenommen und bot eine bequeme Handhabe zur Vernichtung bürgerlicher Existenzen.

Robinsohn kritisierte besonders Hans Globke (1898–1973), der als Mitverfasser und Kommentator der Nürnberger Rassegesetze im Reichsinnenministerium tätig gewesen war und dennoch von 1953 bis 1963 unter Bundeskanzler Konrad Adenauer Chef des Bundeskanzleramts wurde.

Späteres Engagement

Hans Robinsohn gehörte der Humanistischen Union an und war deren Vorsitzender von 1973 bis 1975. 1972 unterstützte er als einer der Unterzeichner die Liberale Wählerinitiative.[14]

Literatur

  • Wolfgang Benz: Deutsche Juden im 20. Jahrhundert: eine Geschichte in Porträts. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62292-2, darin: Politisches Engagement und Widerstand: Hans Robinsohn. S. 25–35.
  • Wolfgang Benz, Walter H. Pehle (Hrsg.): Lexikon des Deutschen Widerstandes. Fischer, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-10-005702-3, S. 387.
  • Robinsohn, Hans. In: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. Saur, München 1980, S. 607.
  • Sylvia Steckmest: Zwischen Emanzipation und Emigration. Das Modehaus Gebr. Robinsohn am Neuen Wall (= Mäzene für Wissenschaft, N.F. 7). Wallstein, Göttingen 2024, ISBN 978-3-8353-5548-4.

Einzelnachweise

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