Hans Wax

deutscher Kfz-Mechaniker, Krimineller und Agent der ehemaligen DDR-Staatssicherheit From Wikipedia, the free encyclopedia

Hans Hubert Wax (geboren 30. Juni 1927 in Beaumarais; gestorben am 11. November 1984 in Ost-Berlin[1]) war ein West-Berliner Kfz-Mechaniker, der ab 1955 als Geheimer Mitarbeiter (GM) „Donner“ im Auftrag des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) an mehreren spektakulären Aktionen und Entführungsversuchen beteiligt war. Kurz vor dem Mauerbau floh Wax in die DDR.

Abgesehen von den Aufträgen, die Wax für das MfS ausführte, zieht sich die Aktivität in kriminellen Netzwerken (mit einem Schwerpunkt auf Schwarzmarktgeschäften und Raub) durch die ganze Biografie. Die eigene Autowerkstatt (Auto-Wax) in Berlin-Charlottenburg war nicht nur Tarnung; Wax war zeitlebens ein Tüftler und Erfinder im Bereich Kraftfahrzeugtechnik, Bootsbau und Kunststoffverarbeitung. Er meldete auch einige Patente an.

Biografie

Anfänge

Hans Wax verbrachte seine Kindheit in Beaumarais bei Saarlouis, nahe der französischen Grenze. Bei Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Familie evakuiert und zog nach Berlin. Wax besuchte dort die Volksschule und wurde Mitglied der HJ. Seine Kenntnisse über Automobile erwarb er in der Motorenschule der Reichsjugendführung. In der Berliner Instandsetzungsabteilung zog der 15-jährige HJ-Gefolgschaftsführer[2] einen Handel mit gestohlenen Sende- und Abhörgeräten auf. Er wurde deshalb, wie es in einem späteren DDR-Lebenslauf hieß, „von einem faschistischen Gericht“ zu einer Strafe „von unbestimmter Zeit und Dauer“ verurteilt. Dass die ebenfalls mögliche Todesstrafe nicht verhängt wurde, deutet darauf hin, dass Wax als Krimineller ohne politische Motivation eingeschätzt wurde. In einer Strafkompanie des Reichsarbeitsdienstes sollte er sich bewähren. Ob freiwillig oder nicht, in den letzten Kriegsmonaten war Wax Mitglied der Waffen-SS. In einem Panzerjagdkommando wurde er im Umgang mit Sprengstoffen ausgebildet. Vor Kriegsende erlitt er eine schwere Verwundung.[3]

Kant-Garagen in den 1930er Jahren

Wax geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung 1946 arbeitete er als Kfz-Mechaniker auf verschiedenen amerikanischen Stützpunkten und war Mitglied einer Bande, die Eigentum der Besatzungsmacht stahl. Ein amerikanisches Bezirksgericht in München verurteilte ihn 1947 wegen schweren Raubes.[2] Er zog um nach West-Berlin. Im August 1951 folgte er einem Kaffeeschieber von dessen Schmuggellager in Weißensee über die Sektorengrenze und nahm ihm am Bahnhof Zoo 150 Pfund Kaffee ab. Einen Monat später erbeutete er fünf Kisten Zigaretten, nachdem er an der Sektorengrenze einen Schmuggler durch Schüsse in die Luft verjagt hatte. In der Nacht auf den 16. Oktober 1951 leitete Wax eine siebenköpfige, mit Pistolen bewaffnete West-Berliner Bande bei einem Angriff auf ein großes Ostberliner Schmugglerlager in Weißensee. Nach Überwältigung der Wächter wurden drei Tonnen Tee, Stoffballen, Wäsche und Wurstwaren auf einen Laster geladen und in die Kant-Garagen in Charlottenburg gebracht. Ein anonymer Hinweis ermöglichte der West-Berliner Kriminalpolizei die Verhaftung der Bande und die Sicherstellung der Beute. Gut eine Woche lang fuhr Wax daraufhin mit Kriminal- und Zollbeamten durch West-Berlin und zeigte ihnen die Verstecke der Kaffee- und Zigarettenschieber. Im August 1952 verkündete die III. Große Strafkammer des Landgerichts Berlin-Moabit das Urteil über Hans Wax und seine Bande. Der Staatsanwalt hatte für Wax acht Jahre Haft gefordert; Landgerichtsdirektor Lothar Münn verurteilte ihn zu dreieinhalb Jahren. Auch seine Komplizen erhielten milde Urteile. Zu ihren Gunsten wurde geltend gemacht, dass der von ihnen begangene schwere Raub sich gegen jene Ostberliner Schmuggler gerichtet hatte, die in West-Berlin großen wirtschaftlichen Schaden verursachten.[2]

Seine Gewinne aus Schwarzmarkt, Autodiebstählen und Einbrüchen ermöglichten Hans Wax 1954 die Eröffnung einer eigenen Autowerkstatt (Auto-Wax)[4] im fünften Stock der Kant-Garagen. Hier entwickelte Wax zusammen mit dem Designer Luigi Colani den Prototyp des Abarth-Alfa Romeo 1300 Berlinetta.[5]

Anwerbung durch das MfS

Im Frühsommer 1955 beauftragte der West-Berliner Schmuggler Sascha Roder Wax damit, den vor allem im Kaffeegeschäft sehr aktiven Schmuggler Michael Wischnewski von Ost- nach West-Berlin zu entführen. Roder wollte Wischnewski erpressen. Wax nahm den Auftrag an. Er informierte aber seinen Bekannten Oskar Nehring (* 1919), einen gelernten Fleischer, der 1946 wegen Schwarzschlachtung zu einer Zuchthausstrafe verurteilt worden war. Nach seiner Flucht 1948 aus dem Zuchthaus Luckau lebte er illegal in West-Berlin und beschlagnahmte dort als angeblicher Kriminalkommissar Schwarzmarktwaren, bis ihn die West-Berliner Polizei verhaftete. Nach zweijähriger Haft in Berlin-Tegel siedelte er wieder nach Ostberlin über, wo er vom MfS als GM „Fred Thurnau“ angeworben wurde. Im September 1954 erhielt er den Status eines hauptamtlichen Mitarbeiters. Sein Auftrag war die Planung und Durchführung „aktiver Maßnahmen“; dazu gehörte auch die Anwerbung und Schulung weiterer Mitarbeiter. Darunter war Hans Wax. Zunächst überzeugte Nehring ihn in Absprache mit Wischnewski, aber ohne das MfS einzubeziehen, den Auftraggeber Roder nach Ostberlin zu entführen. Wax entführte Roder im August 1955 und erhielt als Prämie 2000 D-Mark. Nehring empfahl „Hanne“ Wax dem MfS als „Mann der Tat“; er sei ein „guter Pistolen-Schütze.“ Nach Überprüfung der Personalie warb das MfS Wax als GM „Donner“ an und beauftragte ihn mit der Leitung einer auf Verschleppungen spezialisierten Gruppe im „Operationsgebiet“ (d. h. West-Berlin und BRD).[6] Dazu gehörten außer Wax zwei weitere, ebenfalls von Nehring ausgewählte Personen: der Ost-Berliner Gemüsehändler Paul Lindner (* 1929, GM „Teddy“) und der Karosseriebauer Bruno Jäger (* 1931, GM „Blitz“); letzterer arbeitete in Wax’ Autowerkstatt. Beide waren polizeibekannt. Lindner war mehrfach unter Alkoholeinfluss gefahren; nachdem er einen tödlichen Unfall verursacht hatte, war ihm der Führerschein dauerhaft entzogen worden. Seine Mitarbeit in der Gruppe „Donner“ wurde dadurch honoriert, dass er seine Fahrerlaubnis zurückerhielt und bei den von Wax geleiteten Aktionen auch in der Regel als Fahrer eingesetzt war. Jäger war dem MfS als notorisch gewaltbereiter West-Berliner Krimineller bekannt, dessen Brauchbarkeit davon abhing, dass Wax ihn beaufsichtigte.[7] Der von Wax nach Ostberlin verschleppte Sascha Roder wurde dort wegen Anstiftung zu einer Entführung zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt.[8]

Die Dreiergruppe „Donner“, „Blitz“ und „Teddy“ wurde vor allem aus finanziellen Gründen für die Staatssicherheit tätig; daneben spielten Geltungsbedürfnis und das Erlebnis von Macht eine Rolle. Zwar bekundete Wax gegenüber seinen Auftraggebern mehrfach seine sozialistische Gesinnung, doch waren das nach Einschätzung von Susanne Muhle nur Lippenbekenntnisse.[9]

Einsätze des GM „Donner“ in der Bundesrepublik Deutschland

Am 17. November 1955[10] war Werner Rieker, ein offizieller Mitarbeiter der Organisation Gehlen,[11] mit dem Auto nahe Kassel unterwegs, als er von einem Mercedes von der Fahrbahn gedrängt wurde. Zwei Männer zerrten ihn aus dem Wagen. Sie schlugen ihn mit Holzknüppeln nieder und verfrachteten das stark blutende Opfer in den Kofferraum des Mercedes. Die Fahrt endete in der Ost-Berliner Magdalenenstraße, wo sich eine Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit befand. Rieker wurde in der DDR zu einer 15-jährigen Haftstrafe verurteilt.[12] Es war der erste größere Auftrag der Gruppe „Donner“; Wax hatte das Tatfahrzeug (einen Mercedes 220[13]) eigens für diesen Einsatz umgerüstet: erhöhte Spitzengeschwindigkeit, schusssichere Reifen, schalldichter Kofferraum.[14]

Mercedes 190 SL
Grenzkontrollpunkt Helmstedt (1967)

Am Pfingstsonntag 1956 passierte Hans Wax mit seinem Mercedes 190 SL den Grenzübergang Helmstedt/Marienborn. Sein Beifahrer war Horst Hesse. Wax und Hesse transportierten im Kofferraum die Agentenkartei der amerikanischen Military Intelligence Division (MID), die sie aus deren stark gesichertem Büro in Würzburg gestohlen hatten. Über ihre Vorgehensweise gibt es unterschiedliche Versionen. Am nächsten Tag wurden über 150 US-Agenten in der DDR festgenommen. Hesse wurde für diese Aktion als „Kundschafter des Friedens“ ausgezeichnet. Bei Wax unterblieb eine staatliche Ehrung, da sie weitere Einsätze unmöglich gemacht hätte.[15]

Wax, der sich den Hauptanteil an der „Aktion Schlag“ zuschrieb, betrachtete die fortgesetzten Ehrungen Hesses als persönliche Kränkung. Doch seine Frustration wurde in den nächsten Jahren aufgewogen durch neue, brisante Aufträge, mit denen er betraut wurde. Wax selbst schlug seinen Vorgesetzten immer wieder neue Projekte vor, die nicht bewilligt wurden: beispielsweise Anschläge auf den militärischen Teil des Flughafens München-Riem oder auf die Eisenbahnstrecke Bremerhaven-Hannover.[16]

Am 26. Juni 1958 sprengte Wax den Funkturm und das angrenzende Gebäude mit der Funkapparatur des vom NTS – Bund der russischen Solidaristen betriebenen Radiosenders „Freies Russland“ in Sprendlingen (Offenbacher Straße 31[17]). Wax, der aus zwei Uhren selbst einen Zündsatz gebaut hatte, führte diese „Aktion Sender“ allein durch. Er wurde von seinen Auftraggebern mit einer Prämie von 15.000 D-Mark belohnt.[18]

Aus den erhaltenen Dokumenten ist nicht mehr zu belegen, ob Wax für das MfS auch Morde beging. Eindeutig ist aber, dass Wax in seinen Planungen stets die einfache Lösung favorisierte – die Zielperson (wie er es formulierte) „an Ort und Stelle unschädlich zu machen“.[19]

Bis 1961 hatte das MfS Hans Wax für seine Einsätze mit 165.000 D-Mark entlohnt. Aber das reichte nicht. Seine West-Berliner Autowerkstatt, diese perfekte Tarnung über mehrere Jahre, war im Sommer 1961 nicht mehr zu retten – neben rund 250.000 D-Mark Steuerschulden summierten sich unbeglichene Öl- und Benzinrechnungen auf rund 150.000 D-Mark. Daher beschloss das MfS, Wax abzuziehen. Im Juli 1961 fuhr „Donner“ mit seinem Lancia nach Ost-Berlin. Seine Ehefrau Margot, mit der er seit 1955 verheiratet war, ließ er in West-Berlin zurück.[20]

Als Unternehmer in der DDR

In der DDR stand Wax unter Kontrolle durch das MfS. Einerseits sollte er beim Aufbau einer neuen Existenz unterstützt werden, andererseits aber an kriminellen Umtrieben und Kontakten zu früheren Bekannten gehindert werden. Diese Auflagen ignorierte Wax. Mit Nehring, Lindner und Jäger schmuggelte er Westautos und Westwaren nach Ostberlin. Auch weil zu seinem Kundenkreis MfS-Angehörige zählten, ließen seine Bewacher ihn einstweilen gewähren.[21]

In Berlin-Biesdorf gründete Wax 1961 mit MfS-Unterstützung ein Unternehmen mit bis zu 70 übertariflich bezahlten Mitarbeitern, das Autos für Agenten präparierte und neue Plasteprodukte, wie etwa Boote, entwickelte. Das MfS glich seine negativen Bilanzen eine Zeitlang aus, aber 1970 wurde das Unternehmen Volkseigentum, und Wax behielt nur kurz die Stellung des technischen Leiters.[22]

Der ehemalige Oberleutnant des MfS Alfred Glaser war 1956 in die Bundesrepublik geflohen. Nach seiner Befragung durch westliche Geheimdienste im Rahmen des Notaufnahmeverfahrens, die zur Enttarnung mehrerer westdeutscher GM führte, hatte er sich in der Gegend von Neckarsulm niedergelassen. Seit seiner Flucht plante die Staatssicherheit die Verschleppung Glasers in die DDR. Nachdem mehrere Versuche misslungen waren, wurden Hans Wax und Paul Lindner damit beauftragt. Bereits 1960 waren die beiden zusammen mit ihrem Führungsoffizier Josef Kiefel von der Spionageabwehr (Hauptabteilung II) zur Abteilung XXI (Innere Sicherheit im MfS) gewechselt. Vergeblich wartete Wax am 10. Mai 1962 an einer Eisenbahnbrücke zwischen Heidelberg und Heilbronn auf einen Borgward Isabella, in dem ein GM „Busch“ das alkoholisierte Opfer transportieren sollte. Der alkoholisierte „Busch“ erschien allein; bei der Trunkenheitsfahrt war es zuvor zu einem Unfall gekommen und Glaser leicht verletzt in das Krankenhaus Neckarsulm eingeliefert worden. Doch „Busch“ gelang es am nächsten Tag, Glaser aus dem Krankenhaus zu locken. Unter einem Vorwand ließ er ihn zu Wax in dessen Wagen einsteigen. Nach Wax’ Darstellung (die von Susanne Muhle in Zweifel gezogen wird) wurde Glaser auf der Rückbank überwältigt, als er die Falle erkannte. „Im Kofferraum, den er mit Zollschnur und Bleiplombe versiegelt habe und dessen Inhalt laut Zollbegleitschein als Transitgut gekennzeichnet gewesen sei, habe er Alfred Glaser schließlich über den Grenzübergang Hof in die DDR gebracht.“[23]

Im September 1963 wurde Hans Wax von der Abteilung XXI (Innere Sicherheit im MfS) damit beauftragt, die Wohnadresse Otto Hansens in einer württembergischen Kleinstadt und seine Lebensgewohnheiten zu ermitteln. Wax lieferte einen detaillierten Bericht ab. Hansen hatte in der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Halle gearbeitet, bis er 1961 in den Westen geflohen war. Obwohl es keine Beweise dafür gab, gingen Wax’ Auftraggeber davon aus, dass er „umfangreichen Verrat“ begangen hatte. Im Januar 1964 schlug der Leiter der Abteilung XXI seinem Vorgesetzten Erich Mielke vor, den Vorgang zum Abschluss zu bringen. Wegen des Körpergewichts von Hansen war eine „Rückführung“ ohnehin nicht vorgesehen, stattdessen wurde erwogen, „die für ihn vorgesehene Strafe unmittelbar an seinem jetzigen Wohnort zu vollziehen und ihn physisch zu vernichten.“ Vorschläge dazu hatte Wax bereits ausgearbeitet: Er wollte einen von ihm vorbereiteten Sprengsatz am Moped Hansens oder wahlweise in einem Pkw anbringen, der durch den Zündfunken explodieren würde. Wax schrieb dazu: „… die Vernichtung ist garantiert.“ Die Tötung mittels Sprengsatz war eine von mehreren Varianten, die im MfS geprüft wurden. Letztlich wurde der Mordanschlag aber nicht ausgeführt, weil am Landgericht Hamburg ein Verfahren gegen einen mutmaßlichen MfS-Mitarbeiter anlief, der beschuldigt wurde, zwei Verschleppungen vorbereitet zu haben; Hansen sagte hierbei als Zeuge aus.[24]

Hans Wax und Bruno Jäger boten dem MfS im Herbst 1972 an, gegen hohes Honorar (500.000 D-Mark plus zwei Millionen Mark der DDR) einen Computer der israelischen Streitkräfte in die DDR zu schmuggeln. Ohne eine Bewilligung abzuwarten, wurde das Objekt gestohlen und über die Grenze gebracht – es hatte aber, wie Fachleute schnell feststellten, nur Schrottwert. Nun wurde gegen beide ein Verfahren wegen „Betrugs zum Nachteil sozialistischen Eigentums“ eingeleitet. Neben Unregelmäßigkeiten, die Wax als technischer Leiter in seinem ehemaligen Betrieb zu verantworten hatte, und den bekannten Autoschiebereien kam auch heraus, dass Wax in seiner Privatwohnung geheime Unterlagen aus seiner Zeit als GM „Donner“ aufbewahrte. Wax wurde zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt, Jäger zu einem Jahr und neun Monaten.[25]

Wax verbrachte den größten Teil seiner Haft in der psychiatrischen Abteilung der Justizvollzugsanstalt Waldheim.[26] Nach Haftentlassung gründete er die Firma Kunststoff-Technik-Tornow (KTT), die am 1. Januar 1978 die Gewerbegenehmigung für die Reparatur von Bootsmotoren und Plastebooten erhielt. Darüber hinaus entwickelte Wax in seinen zwei Tornower Werkhallen verschiedene Plasteprodukte wie Spoiler für LKW, Motorboote, DDR-Embleme für die Staatsgrenze, Radverkleidungen für Agrarflugzeuge, Armschalen für Krankenhäuser, Blumenkästen mit Fahnenstangenhaltern und Duschkabinen. Er verarbeitete Leunaer Kunstharz und Glasfasermatten aus Schwarzheide. Beschwerden von Anwohnern über Umweltschäden und Lärmbelästigung verhallten, da das MfS seine Hand über den Firmenchef hielt.[27]

Zusätzlich zu seiner Ehrenrente forderte Wax vom MfS weitere finanzielle Unterstützung ein. Er wünschte für seinen Betrieb und sich selbst neue geheimdienstliche Aufträge, erhielt sie aber nicht. Seine wachsende Unzufriedenheit und seine Neigung, im Bekanntenkreis mit seiner Agententätigkeit zu prahlen und sich dadurch zu dekonspirieren, wurden für das MfS zum Problem. Eine erneute Verhaftung wurde vorbereitet, die aber nicht mehr erfolgte. 1983 wurde Wax’ Tornower Betrieb liquidiert.[28]

Hans Wax, ein starker Raucher, starb 57-jährig im November 1984 an Lungenkrebs.[29] Er hinterließ seine zweite Ehefrau Karin Christa geb. Schulz, mit der er seit 1977 verheiratet war.[30]

Literatur

  • Susanne Muhle: Auftrag: Menschenraub: Entführungen von Westberlinern und Bundesbürgern durch das Ministerium für Staatssicherheit der DDR (= Analysen und Dokumente, Band 42). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, ISBN 978-3-647-35116-2.
  • Susanne Muhle: Mit „Blitz“ und „Donner“ gegen den Klassenfeind: Kriminelle im speziellen Westeinsatz des Ministeriums für Staatssicherheit. In: Susanne Muhle, Hedwig Richter, Juliane Schütterle (Hrsg.): Die DDR im Blick. Ein zeithistorisches Lesebuch. Metropol, Berlin 2008, S. 159–167. (PDF)
  • Bernd Stöver: Zuflucht DDR: Spione und andere Übersiedler. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59100-6. (Leseprobe)

Anmerkungen

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