Hans Widrich

österreichischer Journalist From Wikipedia, the free encyclopedia

Hans Widrich (* 3. Februar 1936 in Haberberg, Gemeinde Griffen) war von 1975 bis 1996 Pressechef der Salzburger Festspiele und im österreichischen Kulturleben tätig.

Werdegang

Widrich stammt aus einer altansässigen Bauernfamilie, in der seit Generationen sowohl Deutsch wie auch Slowenisch gesprochen wurde. 1948 kam er an das Bischöfliche Internat Marianum in Tanzenberg, das mit einem Bundesgymnasium verbunden war, in dem er 1956 mit Auszeichnung maturierte. Während seiner Internatszeit gründete er 1954/55 die studentische Zeitschrift Die Fackel, die er selbst auf der Schreibmaschine mit mehreren Durchschlägen herstellte und illustrierte. Für das dritte Heft reichte auch Peter Handke einen Text ein, der jedoch aus Platzgründen nicht veröffentlicht werden konnte. Noch in Tanzenberg war Widrich an der Organisation der Katholischen Akademikerwochen beteiligt, zu denen unter anderem Friedrich Heer, Georg Hansemann und H. C. Artmann eingeladen wurden.

Von 1956 bis 1963 studierte er Philosophie und Theologie in Klagenfurt und Graz; 1963 schloss er das Theologiestudium mit dem Dr. theol. ab. Noch als Student erhielt er 1961 den Auftrag, das neu errichtete Afro-Asiatische Institut in Graz aufzubauen, dessen Neubau in der Leechgasse 1964 eingeweiht wurde.

1965 bis 1971 war er Pressereferent der Erzdiözese Salzburg und geschäftsführender Schriftleiter der Kirchenzeitung Rupertusblatt, Korrespondent der Kathpress und Mitglied des Kontaktkomitees der Diözese zu den politischen Parteien. 1971 bis 1974 war er Ressortchef für das Wochenmagazin der Salzburger Nachrichten. Ab 1968 wirkte er nebenamtlich, von 1975 bis 1996 hauptberuflich, als Pressesprecher der Salzburger Festspiele.

1963 heiratete er Gerheid Kupelwieser, mit der er die Kinder Theresa, Virgil und Mechtild hat.

Kulturpolitik

Als Mitarbeiter der Salzburger Festspiele[1] engagierte sich Widrich für deren gesellschaftliche und programmatische Öffnung, insbesondere für geistliche und zeitgenössische Musik.[2] 1969 interessierte er ORF-Musikchef Otto Sertl für eine ständige Mitwirkung des neu konstituierten ORF-Symphonieorchesters bei den Festspielen sowie für eine Auftragskomposition zum Salzburger Domjubiläum 1974 von Krzysztof Penderecki, aus der später dessen Magnificat hervorging. Er warb besonders auch für das moderne Schauspiel (Thomas Bernhard[3], Rolf Hochhuth, Peter Handke).

In Verhandlungen mit Erzbischof Andreas Rohracher wirkte Widrich als Vermittler zwischen Festspielhaus und Erzbischöflichem Palais und entwarf das offizielle Gesuch zur Nutzung der Kollegienkirche für die Aufführung der geistlichen Oper Rappresentatione di Anima e di Corpo (1969), wodurch eine Entscheidung des Domkapitels umgangen wurde. Schließlich bereitete er die Festspiele auch konzeptionell auf die Heranziehung von Sponsoren vor.[4] 1999 wirkte er in der Findungskommission für einen Festspielintendanten (Peter Ruzicka) mit.[5]

Von 1979 bis 1987 war Peter Handke im Kupelwieser-Schlössl Widrichs Mieter und unmittelbarer Nachbar.[6] Dort verfasste Handke wesentliche Teile seines frühen Werkes, darunter Die Wiederholung, Die Abwesenheit und Über die Dörfer, sowie zahlreiche Übersetzungen.[7] Widrich unterstützte Handkes Arbeit auch institutionell und war an der Vorbereitung der Uraufführung von Über die Dörfer (1982) sowie an der Realisierung von Handkes Aischylos-Übertragung Prometheus, gefesselt (1986) bei den Salzburger Festspielen beteiligt, einschließlich der Regisseursuche. Widrich und Handke, die sich seit ihrer gemeinsamen Internatszeit kannten, blieben miteinander befreundet. Als Handke 1987 Salzburg verließ, hinterließ er Widrich zahlreiche Fotografien und persönliche Gegenstände. Widrich baute in der Folge eine umfangreiche Handke-Sammlung auf, die er 2009 der Österreichischen Nationalbibliothek als Dauerleihgabe überließ.[8]

Im kirchlichen Bereich arbeitete Widrich beruflich[9] und später ehrenamtlich für die Durchsetzung der Prinzipien des II. Vatikanischen Konzils. Er war 1968 gewähltes Mitglied der Salzburger Diözesansynode, 1974 des Österreichischen Synodalen Vorganges in Wien und 1996 des Salzburger Diözesanforums. Er war Pfarrgemeinderat in Salzburg-St. Blasius und am Salzburger Dom und publizierte mehrere Dokumentationen zur kirchlichen Zeitgeschichte.

1967 gründete Widrich in der Kustodie der Kollegienkirche die „Galerie am Markt“ für moderne Kunst und stellte die damalige österreichische Avantgarde (Bruno Gironcoli, Wolfgang Hollegha, Josef Mikl, Peter Pongratz, Markus Prachensky, Drago Prelog, Erwin Reiter, Edda Seidl-Reiter) erstmals in Salzburg vor. Als Präsident des Salzburger Kunstvereins[10] leitete er den Verein in einer Doppelspitze mit dem Vizepräsidenten Hans Kettl. Er öffnete das traditionsreiche Künstlerhaus für aktuelle internationale Strömungen und zeigte erstmals in Salzburg Ausstellungen von Max Ernst, Gonzales, Hajek, David Hockney, Alfred Manessier, Pier Paolo Pasolini, Robert Rauschenberg und Pierre Soulages. 1979 verantwortete er mit Skulpturen von Pino Castagna die erste Großausstellung auf den Plätzen um den Salzburger Dom. Ebenfalls 1979 gründete er den „Verlag Hans Widrich“ für ausgewählte Druckgrafik. Dessen internationales Renommee begründete unter anderem der Gewinn des Grand Prix der Grafik-Biennale in Laibach 1983 für die Farbradierung Utopie von Sir Eduardo Paolozzi.[11]

Er organisierte Präsentationen der Salzburger Festspiele im Ausland, unter anderem in Ravenna, Bologna, Mailand, New York und London.

Ehrenamtliche Aufgaben

  • 1967 bis 1970 1. Vizepräsident der Katholischen Aktion Salzburg
  • 1973 Vorstandsmitglied, 1976 bis 1979 Präsident des Salzburger Kunstvereins
  • 1976 bis 1996 Vorstandsmitglied der Freunde der Salzburger Festspiele
  • 1976 bis 1979 Landesobmann der Elternvereine an öffentlichen Pflichtschulen
  • 1977 bis 1979 Mitglied des Landesschulrates als Elternvertreter
  • 1977 bis 1981 Mitglied des Kunstbeirates des Bundesministeriums für Unterricht
  • 1980 und 1982 Österreichischer Regierungskommissär für die „Biennale des jeunes artistes“ in Paris, 1985 deren offizieller Korrespondent
  • 1993/1994 Präsident des Rotary Club Salzburg

Auszeichnungen

  • 1981 Goldenes Verdienstzeichen des Landes Salzburg
  • 1986 Ehrenbecher des Landeshauptmanns von Salzburg
  • 1988 Berufstitel Professor
  • 1999 Berufstitel Hofrat
  • 2006 Ehrenbecher der Salzburger Festspiele
  • 2009 Paul Harris Fellow von Rotary International
  • 2013 „Goldenes Doktordiplom“ (Theol.) an der Universität Graz
  • 2022 Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst I. Klasse
  • 2023 Komtur im Ritterorden vom Hl. Grab zu Jerusalem

Einzelnachweise

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