Harald Schumann

deutscher Journalist und Autor From Wikipedia, the free encyclopedia

Harald Schumann (* 1957 in Kassel) ist ein deutscher Autor und investigativer Journalist.[1] Er war bis 2024 Redakteur beim Tagesspiegel und arbeitet seit 2016 als Reporter für das Journalistenteam Investigate Europe. Schumann veröffentlichte zudem mehrere Sachbücher sowie mehrere Dokumentarfilme.

Harald Schumann, 2018

Leben und Wirken

Schumann studierte in Marburg und Berlin zunächst Sozialwissenschaften und später Landschaftsplanung und schloss als Diplom-Ingenieur ab. Von 1984 bis 1986 war er Redakteur bei der Berliner tageszeitung; von 1986 bis 2004 schrieb er für den Spiegel jeweils jahrelang als Ressortleiter Politik bei Spiegel Online, als Wissenschaftsredakteur und als Hauptstadtkorrespondent.

Bekannt wurde Schumann Ende der 1990er Jahre mit dem von ihm und Hans-Peter Martin verfassten Bestseller Die Globalisierungsfalle, der in 24 Sprachen erschienen ist.

Im Frühjahr 2004 verließ Schumann den Spiegel aus Protest gegen den Führungsstil des damaligen Chefredakteurs Stefan Aust. Dabei ging es um eine bereits abgelieferte Titelgeschichte über die Steuerung der Energiepolitik durch die Stromkonzerne und die Bedeutung der Windenergie, die er zusammen mit Gerd Rosenkranz verfasst hatte. Aust lehnte die Geschichte ab und ließ von Kollegen Schumanns einen anderen Artikel mit einem anderen Tenor schreiben. Schumann wechselte daraufhin zum Tagesspiegel.[2][3][4] Beim Tagesspiegel beschäftigte er sich „mit den Fragen der wirtschaftlichen Macht und der Finanzindustrie“.[5][6][7]

Im Jahr 2016 gründete Schumann mit Journalisten aus acht europäischen Ländern das Journalistenteam Investigate Europe, das gemeinsam europaweit relevante Themen recherchiert und die Ergebnisse parallel in vielen europäischen Medien veröffentlicht.[8] Für seine Recherchen mit Investigate Europe über die verborgene Macht des Finanzkonzerns BlackRock in Europa wurde Schumann 2019 mit dem Hans-Matthöfer-Preis für Wirtschaftspublizistik ausgezeichnet.[9][10] Das Rechercheteam von Investigate Europe besteht aktuell aus einem Team von 15 Reporterinnen und Reportern aus zwölf europäischen Ländern.[11]

Schumann lebt in Berlin.

Dokumentarfilme

Staatsgeheimnis Bankenrettung (2013)

Im Jahr 2013 veröffentlichte Schumann die Ergebnisse einer „Recherchereise“, in der er die Profiteure der Bankenrettung herausfinden wollte und die Geheimhaltung von Zentralbanken und Politikern kritisierte.[12] Die Reise war Gegenstand der knapp einstündigen Fernsehdokumentation Staatsgeheimnis Bankenrettung,[13] die er zusammen mit seinem Mitautor und Regisseur Arpad Bondy als RBB/Arte-Koproduktion realisierte. Die Autoren fanden verblüffende Antworten auf die Frage, wohin die Milliarden der staatlichen Hilfsprogramme in der Eurokrise wirklich geflossen sind.[14]

Macht ohne Kontrolle – Die Troika (2015)

Sein für ARD und Arte gedrehter Dokumentarfilm Macht ohne Kontrolle – Die Troika mit Árpád Bondy handelt vom Euro-Krisenprogramm. Unter anderem behandelt er die Folgen der Kürzungspolitik in Griechenland.[15]

Das Microsoft-Dilemma (2018)

Der Film wurde vom RBB gemeinsam mit Journalisten von Investigate Europe und der Redaktion der Computerzeitschrift c’t für das Gemeinschaftsprogramm der ARD produziert. Die Erstausstrahlung erfolgte am 19. Februar 2018. Die Dokumentation beruht auf Recherchen, deren Veröffentlichung Schumann schon etwa ein Jahr zuvor in einem Beitrag im Tagesspiegel begonnen hatte.[16] Der Film untersucht das faktische Monopol von Produkten der Firma Microsoft im öffentlichen Sektor in Europa und legt dabei einen Schwerpunkt auf Probleme des Vergaberechts, der Datensicherheit und des Datenschutzes. Die Alternative dazu wird im Einsatz Freier und Open-Source-Software gesehen.[17]

Mitgliedschaften und Funktionen

Seit 2005 gehört er zur Jury des Otto-Brenner-Preises für kritischen Journalismus[18] der IG Metall.

Auszeichnungen

  • 1997 Bruno-Kreisky-Preis für „Das politische Buch“[19]
  • 2004 Medienpreis Entwicklungspolitik[19]
  • 2006 Journalistenpreis „Unendlich viel Energie“[19]
  • 2007 Förderpreis Umweltjournalismus der Gregor Louisoder Umweltstiftung[19]
  • 2009 Preis Das politische Buch von der Friedrich-Ebert-Stiftung für das mit Christiane Grefe veröffentlichte Buch Der globale Countdown.
  • 2010 Erster Platz beim Journalistenpreis „Der lange Atem“.[20]
  • 2012 Ernst-Schneider-Preis in der Kategorie Wirtschaft in den regionalen Printmedien für den Artikel „Mit Dummheit Geld machen“.[21]
  • 2013 Deutscher Fernsehpreis in der Kategorie Beste Reportage für die Fernsehdokumentation Staatsgeheimnis Bankenrettung.[22]
  • 2014 UmweltMedienpreis der Deutschen Umwelthilfe in der Kategorie Printmedien.[23]
  • 2017 Keynes-Preis für Wirtschaftspublizistik der Keynes-Gesellschaft für Beiträge im Tagesspiegel und für Investigate Europe[24]
  • 2019 Hans-Matthöfer-Preis für Wirtschaftspublizistik für den Report Blackrock: Ein Geldkonzern auf dem Weg zur globalen Vorherrschaft[25]
  • 2019 Kant-Weltbürger-Preis[26]
  • 2025 IJ4EU Impact Award für die Recherche "Zahl oder stirb" (Deadly Prices) mit Investigate Europe, NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung[27]

Schriften (Auswahl)

Filme

  • Das Microsoft-Dilemma – Europa als Software-Kolonie Dokumentarfilm, Deutschland, 2018, 44 Min., Buch: Harald Schumann, Regie: Árpád Bondy, Produktion: arpad bondy filmproduktion, rbb, WDR, Erstsendung: 19. Februar 2018 bei ARD
Commons: Harald Schumann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Artikel, Essays

Dokumentarfilme

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI