Harry Meyen
deutscher Schauspieler und Regisseur
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Harry Meyen (* 31. August 1924 als Harald Haubenstock in Hamburg; † 14. April 1979 ebenda) war ein deutscher Schauspieler und Regisseur.

Herkunft
Meyen war der Sohn des technischen Leiters Bernard Haubenstock und seiner Ehefrau Hedi (Hedwig) Haubenstock, geborene Hogetop-Timm.[1][2] Seine Mutter wurde am 3. Februar 1896 in Hamburg als Hedwig Bertha Timm, Tochter des Finanzbeamten Albert Timm, geboren.[3] Albert Timm war ein uneheliches Kind, nach der Heirat seiner Mutter führte er später den Namen Hogetop-Timm. Alle in dieser Familie waren evangelisch.
Die jüdische Familie Haubenstock stammt ursprünglich aus Kobylany bei Krakau. Meyens Großvater Salomon Haubenstock war Fleischer und kam 1892 nach Karwin im damaligen Österreichisch-Schlesien. Dort wurde Meyens Vater am 15. November 1892 geboren.[4] Meyens Eltern trennten sich vor 1931. Sein Vater lebte Anfang 1933 in Leipzig, Brommestr. 1,[5] kehrte später nach Karwin zurück und nannte sich dort meist Bernard Hromek. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zusammen mit seiner zweiten Ehefrau von den Behörden als Verfolgter jüdischer Abstammung im tschechischen Teil der Stadt Teschen registriert.[6] Später emigrierte er nach Israel, wo er 1968 nahe von Tel Aviv verstarb. Eine Inhaftierung in einem Konzentrationslager während der NS-Zeit lässt sich für ihn nicht nachweisen.
Leben

Seit 1931 wohnte Harry Meyen, damals noch Haubenstock, zusammen mit seiner Mutter beim Großvater Albert Hogetop-Timm in Hamburg, Wohldorfer Str. 1. Bei der landesweiten Volkszählung 1939 wurde er dort als Mischling 2. Grades eingestuft.[7] Meyens Mutter, Hedi Haubenstock, wurde von der Hamburger Gestapo kurzzeitig inhaftiert,[8] lässt sich bis 1939/40 in Hamburg nachweisen[9] und verzog dann nach Berlin. Dort heiratete sie am 28. Oktober 1940 den Schauspieler, späteren Regisseur und Pressechef der Berliner Scala, Wilhelm Heinrich Otto Meyer (1901–1967, Künstlername Will Meyen) und verstarb am 20. September 1960.[10] Sie wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg beigesetzt. Harry Meyen hatte Will Meyen mehrfach als seinen Adoptivvater bezeichnet.[11]
Harry Meyen wurde in Hamburg von der Gestapo verhaftet und war zwischen dem 3. Juli und 10. September 1942 im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel inhaftiert.[12] Der offizielle Grund dieser Verhaftung ist nicht bekannt. Spätere Aufenthalte in einem Konzentrationslager lassen sich nicht nachweisen.[13] Am 15. November 1945 wurde er in der Britischen Besatzungszone in Hamburg als Verfolgter deutscher Abstammung registriert.[14]
Sein Adoptivvater hatte ihn der Schauspielerei näher gebracht und so begann seine Karriere 1945 bei Willy Maertens am Hamburger Thalia Theater, dem er sieben Jahre angehörte. Danach spielte er drei Jahre am Aachener Stadttheater und ab 1955 an Berliner Bühnen. Er wirkte auch in zahlreichen Kinoproduktionen mit, in denen er meist als junger Mann aus gutem Hause besetzt wurde, und drehte mit renommierten Regisseuren wie Helmut Käutner, Falk Harnack und Wolfgang Staudte. In der Zuckmayer-Verfilmung Des Teufels General spielte er 1955 einen jungen Fliegeroffizier, dem Curd Jürgens als General Harras ins Gewissen redet. Meyen nahm im Laufe seiner Karriere immer wieder Filmrollen in Nazi-Uniform an.
Ab Mitte der sechziger Jahre wandte er sich wieder verstärkt der Bühne zu und er erwarb sich den Ruf eines bekannten und versierten Boulevard-Schauspielers und -Regisseurs.[15] Gegen Ende seiner Karriere war Meyen häufiger in Fernsehspielen zu sehen.
Als Synchronsprecher lieh er seine Stimme u. a. Dirk Bogarde (Verbrechen ohne Schuld), Robert Mitchum (Dick und Doof – Die Tanzmeister; erste Synchronfassung), Michel Piccoli (Trio Infernal), Peter Sellers (Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben – jedoch nur in der Rolle als Präsident) und Jean-Louis Trintignant (Le Train).
Meyen war von 1953 bis zu ihrer Scheidung 1966 mit der Schauspielerin Anneliese Römer verheiratet. 1965 lernte er Romy Schneider kennen und heiratete sie 1966 in Saint-Jean-Cap-Ferrat. Am 3. Dezember 1966 kam ihr gemeinsamer Sohn David Christopher zur Welt. Meyen verlangte von Romy Schneiders Stiefvater Hans Herbert Blatzheim, dass die Verwaltung des Vermögens seiner Frau auf ihn übertragen würde. Die Familie lebte anfangs in Berlin, später in Hamburg. Romy Schneider verhalf ihrem Ehemann bei einigen ihrer Filme zu Gastrollen sowie zu Arbeiten als Synchronregisseur. Bei den Salzburger Festspielen vermittelte sie ihrem Mann die Inszenierung eines Stückes von Thomas Bernhard, die allerdings zum Misserfolg geriet. Auch bei zwei Operninszenierungen, Richard Wagners Tannhäuser und Rossinis Der Barbier von Sevilla, konnte Meyen die in ihn gesetzten Erwartungen als Regisseur nicht erfüllen.[16] 1973 trennten sich Schneider und Meyen; 1975 erfolgte die Scheidung. Romy Schneider zahlte Harry Meyen eine Abfindung von ca. 1,4 Mio. DM.[17] Danach zog sie mit dem gemeinsamen Sohn nach Frankreich.
Meyen litt sehr unter der Trennung. Engagements blieben aus, und seine Alkohol- und Tablettensucht bewirkte Depressionen. Sein Leben lang litt Meyen unter starker Migräne und nahm dagegen unter anderem Optalidon und Staurodorm. Verbunden mit Alkohol führen diese Medikamente häufig zu Benommenheit, Müdigkeit, Lichtempfindlichkeit, Angst und Suizidgefährdung. Meyens Rauschmittelkonsum steigerte sich im Laufe der Jahre. Am Ostersonntag 1979 wurde er von seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Anita Lochner, tot aufgefunden: Er hatte sich in seinem Haus in Hamburg-Harvestehude selbst getötet.[18] Beigesetzt wurde er im Familiengrab auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg im Planquadrat BO 63, Grab 864, nördlich der Mittelallee und östlich vom Prökelmoorteich.[19][20]
Filmografie
- 1948: Arche Nora
- 1951: K – Das Haus des Schweigens
- 1952: Der große Zapfenstreich
- 1952: Alraune
- 1952: Wir tanzen auf dem Regenbogen
- 1953: Träume auf Raten (Fernsehfilm)
- 1953: Geliebtes Leben
- 1953: Regina Amstetten
- 1954: Der treue Husar
- 1954: Fräulein vom Amt
- 1955: Des Teufels General
- 1955: Die Galerie der großen Detektive – Sergeant Cuff kann den Mondstein nicht finden
- 1956: Das Konzert (Fernsehfilm)
- 1956: Meine 16 Söhne
- 1956: Nacht der Entscheidung
- 1957: Skandal in Ischl
- 1957: Junger Mann, der alles kann
- 1958: Penelope oder Die Lorbeermaske (Fernsehfilm; Regie)
- 1958: Der eiserne Gustav
- 1958: Petersburger Nächte
- 1958: Madeleine und der Legionär
- 1959: Alt Heidelberg
- 1959: Freddy, die Gitarre und das Meer
- 1960: Eine Frau fürs ganze Leben
- 1960: Sturm im Wasserglas
- 1960: Liebling der Götter
- 1960: Das kunstseidene Mädchen
- 1961: Mörderspiel
- 1961: Mrs. Billings’ Scheidung (Fernsehfilm)
- 1961: Lebensborn
- 1962: Die Rote
- 1962: Frauenarzt Dr. Sibelius
- 1963: Die fünfte Kolonne (Fernsehserie, eine Folge)
- 1963: Der Mörder (Le Meurtrier)
- 1964: Die Gruft mit dem Rätselschloß
- 1966: Spion zwischen zwei Fronten (Triple Cross)
- 1966: Brennt Paris? (Paris brûle-t-il?)
- 1966: Der Tag des Zornes (Fernsehfilm)
- 1970: Endspurt (Fernsehfilm; auch Regie)
- 1971: Einer muß der Dumme sein (Fernsehfilm)
- 1972–1974: Der Kommissar (Fernsehserie, drei Folgen)
- 1975: Schließfach 763 (Fernsehfilm)
- 1975: Derrick – Kamillas junger Freund
- 1975: Ein Fall für Sie! – Sprechstunde nach Vereinbarung (Fernsehfilm)
- 1977: Der Alte – (Folge 4: Toccata und Fuge) (Fernsehserie)
- 1977: Derrick – Mord im TEE 91
Literatur
- Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 5: L – N. Rudolf Lettinger – Lloyd Nolan. Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 420.
- Günter Krenn: Romy Schneider. Die Biographie. Berlin 2008, ISBN 3-351-02662-5.
Weblinks
- Literatur von und über Harry Meyen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Harry Meyen bei IMDb
- Harry Meyen bei filmportal.de
- Harry Meyen in der Deutschen Synchronkartei