Harry Steier

deutscher Opernsänger (Tenor) From Wikipedia, the free encyclopedia

Leben

„Ein Gräflein, ein Herzog, ein König“ von Harry Steier gesungen (1921).

Harry Steiers Vater war der Buchhändler Lorenz Steier (1846–1929), seine Mutter die Susanne Steier, geb. Schroth (1850–1922). Er zeigte schon als Kind eine ungewöhnliche musikalische Begabung. Seit seinem 10. Lebensjahr erhielt er Gesangsunterricht; bereits mit 12 Jahren gab er sein erstes Solokonzert. Auf Druck seines Vaters begann er nach dem Ende seiner Schulzeit zunächst eine Lehre als Bautechniker und besuchte für einige Zeit aufgrund seines zeichnerischen Talents die Frankfurter Kunstgewerbeschule, doch erwies sich sein Drang zur Musik letztlich als zu ausgeprägt. Steier studierte von 1905 bis 1909 am renommierten Raffschen Konservatorium in Frankfurt Gesang bei Maximilian Fleisch (1847–1913); nach Abschluss seines Studiums war er zunächst ein Jahr lang selbst als Musik- und Gesangslehrer sowie als Dirigent mehrerer Männerchöre tätig. Schon bald zog es ihn jedoch zur Bühne, wo er sich binnen kurzer Zeit einen ausgezeichneten Ruf als Wagner-Interpret und auch als Liedsänger erwarb. Seine Lieblingsrollen waren die Figuren des Mime in Wagners Siegfried, des David in den Meistersingern und des Jaquino in Fidelio, daneben auch alle Lortzingschen Buffopartien.

Sein erstes festes Engagement bekam Steier für die Spielzeiten 1910/11 und 1911/12 am Stadttheater Kiel. Es folgten die Stadttheater in Bern (1912–1914), Freiburg (1914/15) und Augsburg (1915/16). Seit 1916 war Steier am Deutschen Opernhaus in Berlin-Charlottenburg engagiert, zu dessen Stammensemble er bis zu seinem Tod gehören sollte und wo er als vielbeschäftigter Tenorbuffo und Charakterdarsteller große Erfolge erzielte.[2] 1923/24 unternahm er als Mitglied der „Wagnerian Opera Festival Company“ eine USA-Tournee, die mehrere von Kritikern sehr positiv beurteilte Auftritte in der New Yorker Metropolitan Opera einschloss. Anschließend war er 1924 für die Chicago Opera Company tätig.

Auch beim Film hatte Steier einen Gastauftritt. 1918 wirkte er neben dem Tenor Jacques Bilk und der Sopranistin Grete Freund als „Junker Spärlich“ in der Verfilmung von Otto Nicolais Oper Die lustigen Weiber von Windsor durch William Wauer[3] mit, welche die Jakob Beck Film-KG als „Singfilm“ nach dem Beck-Patent produzierte. Dabei wurde die Vorführung live durch ein Gesangsensemble und die Kinokapelle begleitet.[4][5]

Zwischen Oktober 1923 und Mai 1924 besang er für die Victor Co. in Camden und New York eine Reihe von Schallplatten in deutscher Sprache mit Liedern aus Operette und Volksgut.

1928 unternahm Steier eine längere Gastspielreise durch Südamerika, im Sommer 1933 sang er bei den Bayreuther Festspielen die Partie des Ulrich Eißlinger in den Meistersingern von Nürnberg.[6]

Grab von Harry Steier auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend

In seinen letzten Lebensjahren beschäftigte sich Steier intensiv mit dem deutschsprachigen Volkslied. Bei der Carl Lindström AG nahm er für die Labels Beka und Odeon weit über 100 Schellackplatten mit Volkslieddarbietungen auf, wobei er zugunsten einer möglichst originalgetreuen Umsetzung der sorgfältig recherchierten historischen Texte und Melodien auf das in seiner Zeit übliche gesangliche Pathos weitgehend verzichtete. Seinem Fleiß ist es zu verdanken, dass viele alte Volkslieder der Nachwelt in authentischen Interpretationen erhalten blieben.
Allerdings finden sich unter seinen Aufnahmen auch Titel wie Ein kleines Haus steht in Braunau am Inn (Text Willy Weiss) / Adolf Hitlers Lieblingsblume ist das schlichte Edelweiß (Text Adolf Stadthagen).[7] Letzter Titel erfreute sich anfangs großer Beliebtheit, galt aber ab 1939 als „nationaler Kitsch“ und damit offiziell als unerwünscht.[8] Eine Mitgliedschaft in der NSDAP oder die Mitarbeit in nationalsozialistischen Organisationen sind für Steier nicht nachgewiesen.

Harry Steier war seit 1911 mit Hermine „Mimi“ Wortmann (* 1884 Grenzhausen; † 1965 Berlin) verheiratet.[9] Die gemeinsame Tochter Elfriede wurde im August 1918 geboren.
Er starb, eine Woche vor seinem 58. Geburtstag, am 16. Januar 1936 plötzlich in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem landeseigenen Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend (Grablage: 12-B-19/20). Beim Grabdenkmal handelt es sich um ein gesockeltes Postament, das von einem Lorbeerkranz mit Lyra bekrönt wird.[10]

Literatur

  • Steier, Harry in: Erich H. Müller (Hrsg.): Deutsches Musiker-Lexikon. Limpert, Dresden 1929, Sp. 1388 (Online). (Einträge beruhen auf Eigenauskunft der Künstler.)
  • Nachruf Harry Steier in: Deutsches Bühnenjahrbuch 1937. Berlin 1936, S. 101
  • Steier, Harry in: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens, Hansjörg Rost: Großes Sängerlexikon. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-11598-9 (7 Bände). S. 4518
Commons: Harry Steier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Der Tenor Harry Steier, in: Nachrichten aus dem Volksmusikarchiv des Landkreises Passau, Ausgabe Februar 2007/Nr. 8 PDF
  • Harry Steier bei Discogs

a) Bilder

  • Frühes deutsches Beka-label No. 31 034 “Ein Gräflein, ein Herzog, ein König” (Chanson) v. Anfg. 1920er Jahre mit Hinweis "Harry Steier vom Deutschen Opernhaus Charlottenburg" Bild
  • Deutsches BEKA-label B.6721-I : Harry Steier Bild
  • Amerikanisches ODEON-label 10 432-A (von Beka-Matrize 33617) mit Hinweis "Recorded in Germany" : Harry Steier, german tenor Bild
  • Amerikanisches Victor-label 77 813-A : Harry Steier, tenor with orchestra. German Bild

b) Töne:

  • Victor Library: Harry Steier, tenor voice, Liste der Aufnahmen aus Camden und New York (Encyclopedic Discography of Victor Recordings)

Aufnahmen aus Amerika:

  • Victor 73 846, Matrix B-27 770. Sei nicht bös' / from Der Obersteiger (Carl Zeller) : Harry Steier Male vocal solo, with orchestra, Nathaniel Shilkret, conductor; rec. 4/24/1923 Camden, New Jersey[11]
  • Victor 73 846, Matrix B-27 772. Nachtigallen Lied / from Der Vogelhändler (Carl Zeller) : Harry Steier, Male vocal solo, with orchestra, Nathaniel Shilkret conductor; rec. 4/24/1923, Camden, New Jersey[12]
  • Victor 77 205, Matrix B-28 801: Im Grunewald ist Holzauktion / Rheinländer (Max Eichler): International Novelty Quartet ; Harry Steier, voc. ; rec. 10/16/1923 , New York[13]
  • Victor 77 813, Matrix B-30 036. Der gute Kamerad / Ich hatt' einen Kameraden / From book "Kommersbuch Studenten," edited and collected by Eduard Kremser. Harry Steier Male vocal solo, with orchestra. Charles Adams Prince, conductor ; rec. 5/2/1924, Camden, New Jersey.[14]
  • Victor 77 813, Matrix B-30 037. Das Steierland / Ludwig Carl Seydtler. Harry Steier Male vocal solo, with harp, cello, and orchestra. Charles Adams Prince, conductor. Francis J. Lapitino (instrumentalist: harp) , Alfred Lennartz (instrumentalist: cello) ; rec. 5/2/1924, Camden, New Jersey.[15]

Aufnahmen aus Deutschland:

  • Beka B.6306-I (mx. 34 529) Trink, trink, Brüderlein trink, auch: Das Elfte Gebot Mose (W. Lindemann, Text von Paul Bendix) Harry Steier mit Quartett und Orchester, aufgen. Berlin Ende 1927[16]
  • Beka B.6721-II (mx. 37 090) "Einmal Hacke-Hackepeter" (E. Hanschmann, Text von Harry Senger), Harry Steier mit Quartett und Orchester, aufgen. Berlin 1928[17]
  • Beka B.6977-I (mx. 38 063) Köln am Rhein. Lied im Volkston (C. W. Peters) Harry Steier mit Quartett und Orchester, aufgen. Berlin 1929[18]

Einzelnachweise

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