Hartmut Kaminski

deutscher Filmemacher, Künstler und Kunsthändler From Wikipedia, the free encyclopedia

Hartmut Kaminski (* 7. Mai 1944 in Buchenhagen, Ostpreußen; † 1. Juni 2016 in Lohmar) war ein deutscher Filmemacher, Künstler und Kunsthändler. Zusammen mit seiner Frau Elke Jonigkeit realisierte er über 40 Jahre Filme.

Hartmut Kaminski während der Dreharbeiten zur sechsteiligen TV-Dokumentation Steh auf, es ist Krieg, 1990 in Brest

Leben

Hartmut Kaminski machte sein Abitur am Aufbaugymnasium in Herchen, studierte danach zuerst Architektur in Braunschweig und wechselte nach seinem Examen an die Hochschule für Bildende Kunst in Braunschweig. Hier lernte er seine Frau Elke Jonigkeit kennen. Beide studierten dann ab 1967 an der Kunstakademie Düsseldorf, sie Kunstpädagogik, er freie Kunst. Ihr gemeinsamer Sohn, Cornelius Kaminski, wurde 1968 in Düsseldorf geboren. Elke Jonigkeit unterrichtete nach ihrem Staatsexamen 13 Jahre lang als Kunsterzieherin am Düsseldorfer Aufbaugymnasium. Im Februar 1982 – kurz nach ihrer Beförderung zur Oberstudienrätin – verließ sie den Schuldienst, um sich ganz ihrer künstlerischen und filmischen Arbeit widmen zu können.

Noch als Kunststudent reiste Hartmut Kaminski 1969 gemeinsam mit seiner Frau nach Polen, um seinen Geburtsort zu suchen. Diese frühe Begegnung mit dem Land, in dem er als Deutscher mit polnischem Namen geboren war, sowie auch die Auseinandersetzung mit den deutschen Verbrechen des Faschismus, ließ ihn zeitlebens nicht mehr los. Dieser ersten Reise folgten weitere. Später kamen dann auch die Länder Russland, Belarus und das Baltikum hinzu.

Arbeit als Filmemacher

Kaminski gründete zusammen mit seinem Lehrer, dem dänischen Drehbuchautor und Filmregisseur Ole John Povlsen, in der Filmklasse der Düsseldorfer Kunstakademie die Filmgruppe Düsseldorf.[1] Die erste große Gemeinschaftsveranstaltung – „Film Kritisch“ – fand 1971 in der Kunsthalle Düsseldorf statt, der bis 1973 weitere folgten.[2] 1975/76 produzierte die Filmgruppe Düsseldorf den Spielfilm Der gerechte Krieg 1525. Parallel dazu arbeitete Kaminski mit seinem Kunstprofessor Dieter Roth und anderen Künstlern zusammen, die in den 1970er Jahren in Düsseldorf tätig waren.

Hartmut Kaminski und sein Film-Team in Moskau 1992.
Hartmut Kaminski (2. von links) dreht die 4-teilige Fernsehserie „Stalin“ in Moskau 1992 – hier mit seinem Team.

1979 gründeten Elke Jonigkeit und Kaminski die Filmproduktionsfirma Circle-Film. Unter diesem Label produzierten und drehten sie ihre Filme. Viele Filme, Ausstellungen und Veranstaltungen planten und führten sie gemeinsam durch.

Von 1979 bis zu seinem Tod leitete Kaminski das Filmforum der Volkshochschule in Herne.[3]

Arbeit als Künstler und Kunsthändler

Während seines Studiums an der Kunstakademie Düsseldorf schloss er Freundschaften zu Künstlern wie Robert Filliou, Roman Signer, Henning Christiansen, Bernd Minnich, André Thomkins, Dieter Roth, Ugo Dossi und vielen anderen. Die Werke, die hieraus entstanden, werden heute in internationalen Galerien ausgestellt und in anerkannten Museen der Welt gezeigt, beispielsweise im MOMA in New York.[4] Mit seinem Professor Dieter Roth entwickelte er eine „Revolution der Druckgrafik“. Dabei wird jedes Exemplar einer Auflage im Laufe der Druckarbeit zum einmaligen Original, vergleichbar mit einem gemalten Bild oder einer gemeißelten Plastik.

In seiner Siebdruckwerkstatt in Düsseldorf-Flingern druckte er neben vielen anderen die Städtedrucke von Dieter Rot, wie z. B. Emme, den Solothurner Bahnhofplatz,[5] den Gemüsedruck Thomkinspatent, den Kakaodruck Graphik mit Kakau und den Rostdruck Wurzelbehandlung.[6]

Für Robert Filliou druckte er die Serien „Projects for Sky-Writing“ und „7 Childlike Uses of Warlike Material“.[7] Diese waren in der Ausstellung Robert Filliou – The Secret of Permanent Creation im Museum van Hedendaagse Kunst Antwerpen (M HKA) zu sehen.[8]

Für Ugo Dossi stellte er Schach-Siebdrucke für das Buch Ugo Dossi – Schach & Kunst (Chess & Art) her.[9]

1973 eröffnete er in seiner Wohnung in Düsseldorf eine Zimmergalerie mit Werken von Bernd Minnich. Danach folgten Ausstellungen für Roman Signer, Bernhard Lüthi, Robert Strübin und anderen. Die oben genannten Künstler und andere, z. B. Hagen Haltern, Hermann-Josef Kuhna und Robert Strübin, vertrat er als Kunsthändler auch auf der Kunstmesse Basel.

Hartmut Kaminski auf seinem Stand während der Internationalen Kunstmesse, Basel 1973
Hartmut Kaminski nimmt erstmals an der Internationalen Kunstmesse in Basel teil.

Ab 1982 widmete Kaminski sich ausschließlich der Dokumentarfilmarbeit.

Werk

Filmographie

Filme in Zusammenarbeit mit Elke Jonigkeit

Filme, an denen Elke Jonigkeit mitgearbeitet hat

1985 entschloss sich Elke Jonigkeit, an einer afghanischen Hochzeit in einem pakistanischen Flüchtlingslager teilzunehmen. Die Begegnung mit den afghanischen Familien in den riesigen Flüchtlingslagern führte dazu, dass sie mit Unterstützung von Kaminski acht Dokumentarfilme in Afghanistan drehte, die sie zum Afghanistan-Zyklus[32] zusammenstellte.

Afghanistan-Zyklus

Nach dem Sturz der Taliban gründete sie 2002 zusammen mit den Protagonistinnen ihrer Filme ein Berufsausbildungszentrum für Frauen in Kabul, das bis heute besteht.

Parallel dazu stellte sie die Ausstellung „Blicke hinter den Schleier – aus dem Alltag afghanischer Frauen“ zusammen, die erstmals 1989 in Düsseldorf im „Museum für Volk und Wirtschaft“ gezeigt wurde und anschließend in 10 weiteren Städten.

Literatur

  • Hartmut Kaminski, Elke Jonigkeit: Niemand denkt an mich und weiß von mir… Prometh Verlag, Köln 1982, ISBN 3-922009-51-4.

Ausstellungen

Einladungskarte zur Eröffnung der Ausstellung

Rezensionen

Kaminskis Dokumentationen bekamen viele Rezensionen. Darunter Manfred Loimeier[45], die TAZ[46], Die Zeit[47], der Brown University in Providence.[48]

Einzelnachweise

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