Hartstraße
Straße in Magdeburg, Sachsen-Anhalt
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Die Hartstraße ist eine Straße in Magdeburg in Sachsen-Anhalt.

Lage und Verlauf
Die Straße befindet sich in der Magdeburger Altstadt, südlich des Alten Markts. Sie verläuft von der südöstlichen Ecke des Alten Markts nach Südwesten, bis sie nach etwa 70 Metern auf die Ernst-Reuter-Allee trifft.
Aktuell ist nur die Westseite der Straße mit einem in der Zeit der DDR errichteten Wohnhauskomplex bebaut. Die Ostseite wird von einer Grünfläche eingenommen. In die Hartstraße führt von der Ernst-Reuter-Allee her als Stichstrecke ein Gleis der Straßenbahn Magdeburg. Es wird nur für Sonderfahrten genutzt.
Geschichte

Eine erste namentliche Erwähnung der Straße liegt aus dem Jahr 1425 in der Schöppenchronik als hertstrate vor. Abgesehen von unterschiedlichen und falschen Schreibweisen blieb der Name, hochdeutsch in der Bedeutung als Hirschstraße, unverändert. Der Name geht auf die am nördlichen Ende der Straße, ehemals vor dem Haus Alter Markt 14, stehenden Hirschsäule zurück. Während des 16. Jahrhunderts wechselte Magdeburg vom Nieder- zum Hochdeutschen. Die Straße wurde weiter als Hirschstraße bezeichnet. Bei der Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 wurde das Hirschdenkmal zerstört, so dass danach die eigentliche Bedeutung des Straßennamens in Vergessenheit geriet. Während 1632 und 1651 noch der Name Hirschstraße verwendet wurde, findet sich 1683 die fälschliche Angabe, dass die Hirschstraße ehemals Herzstraße geheißen habe. Stadtsyndikus Smalian bezeichnete sie 1755 als Harzstraße. In der Zeit bis 1807 wurde der Name mal als Hirsch- mal als Herzstraße angegeben. Seit 1817 wird die inhaltlich nicht sinnvolle Form Hartstraße genutzt.[1]
Auch historisch verlief die Straße vom Alten Markt nach Südwesten, mündete dann jedoch im Bereich der heutigen Ernst-Reuter-Allee auf die Dreienbrezelstraße. Auf der gegenüberliegenden Seite führte die Straße Warte weiter nach Süden. In der Zeit bis 1944/1945 gehörten die Grundstücke Hartstraße 1 bis 8 der Stadt Magdeburg.[2]

Während des Zweiten Weltkriegs wurde auch der Bereich der Hartstraße zerstört. In der Zeit der DDR erfolgte ein Wiederaufbau der Innenstadt, der sich in weiten Teilen nicht an die historische Stadtstruktur hielt. Die Hartstraße blieb dabei, anders als viele andere Straßen der Altstadt, jedoch erhalten. Ihr südlichster Teil wurde jedoch von der neu angelegten Ernst-Reuter-Allee überbaut. Auf ihrer Westseite entstand der Komplex Alter Markt 2–5, Hartstraße 2, 3.
2012 wurden für sechs ehemalige Bewohner der Hartstraße, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ermordet worden waren, Stolpersteine verlegt.

Die Hartstraße war als Standort der sogenannten Nordischen Meile des Magdeburger Weihnachtsmarkts über längere Zeiträume jeweils in den Weihnachtsmarkt einbezogen. Am 20. Dezember 2024 war die Hartstraße Tatort des Anschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt, bei dem sechs Menschen starben, fünf davon in der Hartstraße. 2025 wurden zum Gedenken daran fünf Gedenktafeln an den jeweiligen Tatorten verlegt. Am südlichen Ende der Straße wurde ein Gedenkstein aufgestellt. Seitdem ist, abgesehen von ihrem nördlichen Ende, die Hartstraße nicht mehr Bestandteil des Weihnachtsmarkts.
Hausnummerierung
Die Hausnummerierung verlief ursprünglich beginnend mit der Nummer 1 an der südöstlichen Ecke zur Dreienbrezelstraße nach Norden bis zur Nummer 5. Das nordöstliche Eckhaus gehörte bereits zur Johannisbergstraße, das nordwestliche Eckhaus war das zum Alten Markt gehörende Innungshaus der Gewandschneider. Die Nummer 6 schloss sich nach Süden an. Die Nummerierung verlief weiter bis zur Nummer 8 an der südwestlichen Ecke zur Dreienbrezelstraße.
Nach dem Wiederaufbau wurden die Grundstücke und Nummerierung grundlegend verändert. Die Nummer 1 befindet sich heute an der Südwestecke zur Ernst-Reuter-Allee. Die Nummern 2 und 3 schließen sich nach Norden an.
(Historische) Häuser der Hartstraße
Nachfolgend werden die Grundstücke der Hartstraße aufgeführt. Dabei werden sowohl die aktuellen Grundstücke als auch davon abweichende historische Grundstücke benannt. Soweit diese sich überschneiden sind sie ungefähr räumlich zugeordnet. Historische Grundstücksnummern sind dabei mit (alt) gekennzeichnet. Aktuelle Hausnummern sind fett hervorgehoben. Um eine geordnete Darstellung der zahlreicheren historischen Grundstücke zu ermöglichen, orientiert sich die Reihenfolge der Darstellung an der historischen Hausnummerierung.
| Hausnummer | Name | Bemerkungen | Bild |
|---|---|---|---|
| 1 (alt) heute Straßenbereich der Ernst-Reuter-Allee | Zum goldenen Roß | siehe Hauptartikel | |
| 2 (alt) | Zum weißen Pferd | Ältester bekannter Eigentümer war Georg Buschow (auch Buschau), 1640 wurde Heinrich Buschow als Eigentümer geführt. Georgs Erben, darunter wohl auch Andreas Bohne, veräußerten 1650 die Stätte für 152 Taler an den Brauer Johann Hagen. Hagen bebaute das Grundstück neu und verkaufte das Brauhaus 1659 für 1000 Taler an den Brauer Andreas Harte. Seine Witwe war dann 1676 Eigentümerin. 1680 war der Schulkollege Kaspar Stürmer, er gehörte vermutlich zu den Harteschen Erben, Eigentümer, seine Erben dann 1688. In einer Liste von 1683 wird nochmals Andreas Harte geführt, gemeint waren jedoch vermutlich bereits seine Erben. 1698 veräußerten Hartes Erben das Brauhaus für 1300 Taler an an die Miterbin, die Ehefrau des Schneiders Hans Heinrich Pabst. Von ihr erwarb es 1716 der Maler Gottlieb Nikolaus Pabst für 1600 Taler. Schon in den 1930er Jahren und auch noch 1944/1945 befand sich am Haus der Stein Zur Sonnenblume, der ursprünglich zum Haus Große Junkerstraße 14 gehörte. Er wurde nach der Zerstörung vom Team um Werner Priegnitz geborgen und dann eingelagert.[3] | |
| 3 (alt) | Ein früher Eigentümer war Asmus Dehne. Andere Angaben nennen 1651 als Eigentümerinnen der Stätte die Töchter des Schiffers Erasmus Matthis, die sie für 40 Taler an den Nachtwächter Joachim Bartels (auch Balzer, ist identisch mit dem 1659 erwähnten Futterschneider Joachim Barret) verkauften. In der Zeit bis 1678 erbte der Sohn Joachim Nikolaus Bartz (auch Barth). Bartz war Gastwirt im Zum weißen Engel. Von ihm erwarb es 1680 der Zimmermann Georg Kraut für 180 Taler. 1683 wurde dann der Garbräter Jakob Haberland als Eigentümer geführt, der es 1694 für 200 Taler an die Witwe des Goldschmieds Martin Grape senior verkaufte. Von der Witwe erwarb es 1698 der Maurermeister Andreas Felgentreff für 170 Taler. Seine Erben verkauften es bereits 1699 für 210 Taler an den Braumeister Christian Federer (auch Föderer), dem es bis 1732 gehörte. | ||
| 4 (alt) | Das Backhaus gehörte 1631 dem Bäcker Hans Bredekow. Sein Miterbe, der Bäcker Joachim Moltrecht, veranlasste 1645 eine Schätzung der Stätte, die auf 110 Taler taxiert wurde. Bis 1651 errichtete Moltrecht dann ein Backhaus. 1675 fand er die anderen Erben ab, starb dann jedoch 1678. Auf ihn folgte seine Witwe, die zuletzt 1683 als Eigentümerin genannt wurde. Die Bäckerei gehörte später dem Bäcker Johann Peter Christoph, der zuerst 1692 erwähnt wurde und bis 1729 Eigentümer blieb. Seine Witwe war dann bis 1754 Eigentümerin. Ab 1914 lebte im Haus die jüdische Familie Zamory, die hier eine Schneiderei betrieb. Die Mutter Henriette Zamory wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie 1943 umkam. Die 1903 geborene Tochter Eva wurden 1942 in Treblinka ermordet. Zwei 2012 gelegte Stolpersteine erinnern an ihr Schicksal.[4] | ||
| 5 (alt) | Alte Schöppenkammer | Das Grundstück gehörte lange als Hinterhaus mit zum Grundstück Johannisbergstraße 1 in dem sich im Mittelalter der Sitz des Schöppenstuhls befand. Noch 1651 trug es den Namen Alte Schöppenkammer. Das Grundstück war dann lange geteilt. Im Nebenhaus 5a lebte 1631 der Kürschner Martin Kurt (auch Kort). Nach der Zerstörung der Stadt Magdeburg im Jahr 1631 blieb das Grundstück zumindest bis 1683 wüst. Eigentümer war zu diesem Zeitpunkt Adam Gremer, der als als Hinterstelle zu seinem Haus Johannisbergstraße 2 nutzte. Das gemeinsame Eigentum dieser beiden Grundstücke blieb bis 1711 bestehen. In der Zeit bis 1697 wurde das Grundstück neu bebaut. 1711 erwarb der Handelsmann Georg Nikolaus Lohmann das Haus für 625 Taler. Ihm gehörten auch die benachbarten Grundstücke Johannisberg 1 und Hartstraße 5b. Die 5b hatte vor 1631 dem Kürschner Georg Eckstein gehört. Der Handelsmann Johann Lehmann erwarb die wüste Stelle 1673 für 50 Taler. Er vereinte das Grundstück mit der Johannisbergstraße 1 und richtete ein Schenkhaus ein. Noch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts blieben die Grundstücke zusammen. Während des 17. Jahrhunderts gehörte der Keller des Grundstückes Hartstraße 5 zum Recht weit entfernt gelegenen Brauhaus Knochenhauerufer 1. | |
| Johannisbergstraße 1 (alt) | siehe Johannisbergstraße 1 | ||
| Einmündung auf den Alten Markt | |||
| 3 | Als Teil des Häuserblocks Alter Markt 2–5, Hartstraße 2, 3 in den Jahren 1954/1955 errichtet. Am Haus befinden sich denkmalgeschützte Hauszeichen. | ||
| Alter Markt 14 (alt) | Innungshaus der Gewandschneider | siehe Hauptartikel | |
| 2 | Als Teil des Häuserblocks Alter Markt 2–5, Hartstraße 2, 3 in den Jahren 1954/1955 errichtet. Am Haus befinden sich denkmalgeschützte Hauszeichen. | ||
| 6 (alt) | Zur goldenen Tasche | siehe Hauptartikel | |
| 1 | Zwischen 1953 und 1957 als Teil des Komplexes Zentraler Platz errichtet. Zur Ernst-Reuter-Allee hin befindet sich die Wappentafel Magdeburger Stadtwappen. | ||
| 7 (alt) | 1631 und dann bis zu seinem Tod im Jahr 1667 gehörte das Brauhaus dem Brauer Andreas Wiesecke. Nach der Zerstörung der Stadt Magdeburg im Jahr 1631 war das Brauhaus in der Zeit bis 1648 wieder aufgebaut. Nach Wieseckes Tod gehörte es seiner Witwe, die zuletzt 1680 genannt wurde. 1683 und auch 1688 war Joachim Hellwig Eigentümer, bis 1699 dann seine Witwe. Das Vorderhaus veräußerte sie im Jahr 1703 an den Bäcker Andreas Stegmann für 2200 Taler, der bis 1722 Eigentümer blieb. | ||
| Einmündung auf die Ernst-Reuter-Allee | |||
| 8 (alt) | Zur goldenen Gans | 1620 kaufte Mathias Lutteroth das Gebäude. Im Jahr 1624 gehörte das Brauhaus dem Brauer Hans Parmann, der es vor 1631 für 1275 Taler an seinen Sohn Dionys Parmann vererbte. Dionys Parmann war später Apotheker in Heidelberg. Im Haus lebte der Organist der Johanniskirche Albert Hakenberg, der die Witwe Parmann geheiratet hatte. Er wurde auch 1631 genannt. Während der Zerstörung der Stadt im Jahr 1631 wurde auch dieses Haus zerstört. Die Brandstätte trat Dionys Parmann 1646 an seine Mutter für 400 Taler ab. Sie baute auf dem Grundstück zwei kleine Häuser. In einem wohnte sie selbst, das andere vermietete sie. Noch bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts war das Grundstück mit zwei Häusern bebaut. 1655 veräußerte Hakenbergs Witwe die Stätte für 350 Taler an den Advokaten Lic. Johann Genth, der sie 1683 seinem Neffen, dem Arzt Dr. David Kanitz, abtrat. Das für das Gebäude bestehende Braurecht ruhte zeitweise, so auch 1688. Die Erben von Kanitz veräußerten das Brauhaus samt Garten 1699 für 2300 Taler an Nikolaus Feldmann. Von dessen Erben erwarb es 1707 der Hauptmann Heinrich Christoph Schmied von Schmiedseck. Seine Erben verkauften 1717 dann für 3200 Taler an den Gastwirt Adam Knie, der bis 1722 Eigentümer blieb. Noch in den 1930er Jahren befand sich der Hausstein auf dem Hof. | |
| Einmündung auf die Dreienbrezelstraße (historisch) | |||
Literatur
- Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 164 ff.