Hartvig Frisch

dänischer Philologe, Hochschullehrer und Politiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Hartvig Marcus Frisch (* 17. Januar 1893 in Hillerød; † 11. Februar 1950 in Kopenhagen) war ein dänischer Klassischer Philologe, Hochschullehrer und Politiker der Socialdemokraterne, der unter anderem in der Regierung Hedtoft I von 1947 bis 1950 Bildungsminister war. Er zählt zu den vielseitigstenPersönlichkeiten Dänemarks in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Leben

Hartvig Frisch begann nach dem Besuch des Frederiksborg Gymnasiums ein Studium im Fach Klassische Philologie an der Universität Kopenhagen, welches er 1917 mit einem Magister (Cand. mag. i latin og græsk) beendete. Im Anschluss unterrichtete er von 1918 bis 1923 als Gymnasiallehrer an der Aarhus Kathedralskole sowie anschließend zwischen 1923 und 1941 an der Metropolitanskolen in Kopenhagen und verfasste in dieser Zeit eine Reihe kleinerer Werke in Klassischer Philologie und Geschichte.

Bereits als Schüler begann sein politisches Engagement, als er unter dem Einfluss seines Cousins Herbert Iversen[1] 1911 der Sozialdemokratischen Partei (Socialdemokraterne) beitrat. 1923 wurde er zum Vorsitzenden des Studentersamfundet gewählt, eine am 2. Mai 1882 in Kopenhagen als linke Abspaltung der Studenterforeningen gegründete Studentenvereinigung, und bemühte sich in dieser um die Zusammenarbeit zwischen Sozialdemokraten, Kommunisten und parteilosen Sozialisten bemühte, unter anderem als Mitbegründer der Zeitschrift Clarté (1926).[2] Bei der Folketingswahl 1926 wurde er für die Socialdemokraterne im Wahlkreis „Maribo“ zum Mitglied des Folketing gewählt. Gleichzeitig verfasste er sein erstes größeres Werk, Europas Kulturhistorie, das 1928 in zwei Bänden erschien und mit seiner Materialfülle und straffen Gliederung eine beeindruckende Ein-Mann-Leistung darstellte.

Anfang der 1930er Jahre war Frisch Herausgeber der Literaturseiten der Parteizeitung Social-Demokraten und verband die Zeitschrift mit einigen der bedeutenden Autoren der Zeit. Nach einem dramatischen Bruch mit den Kommunisten verfasste er 1933 das einflussreiche Werk Pest over Europa, in dem er die totalitären Regime der Zeit analysierte und die (sozial)demokratischen Kräfte zur Verteidigung der Demokratie aufrief. Dieses Werk wurde 1950 mit Tragediens anden del fortgesetzt. 1935 wurde Frisch zum Vorsitzenden der sozialdemokratischen Fraktion sowie zum politischen Berichterstatter (Politisk ordfører) im Folketing gewählt und entwickelte in diesen Ämtern seine rednerischen und analytischen Fähigkeiten. Nach der deutschen Besetzung Dänemarks musste er im Herbst 1940 aufgrund eines Angriffs auf die Dänische Nationalsozialistische Arbeiterpartei DNSAP (Danmarks Nationalsocialistiske Arbejderparti) in einer Rede zum Staatshaushalt von diesen Ämtern zurücktreten.

Anschließend schloss er 1941 seine Dissertation Athenernes Statsforfatning zur Verfassung Athens ab und wurde im selben Jahr zum Professor für Klassische Philologie an der Universität Kopenhagen ernannt. In den folgenden Jahren verfasste er eine Reihe bedeutender Werke, darunter Magt og Ret i Oldtiden (1944). Politisch verteidigte er energisch die Politik der kollaborierenden demokratischen Parteien und griff die Widerstandsbewegung zeitweise heftig an. Als Frisch nach der Befreiung seine Position in Danmark besat og befriet (1945–1948) verteidigte, wurde er mit heftiger Kritik konfrontiert.

Am 26. Juni 1945 vertrat Hartvig Frisch den Reichstag (Rigsdag) bei der Unterzeichnung der Charta der Vereinten Nationen in San Francisco. Am 13. November 1947 wurde er als Bildungsminister (Undervisningsminister) in die Regierung Hedtoft I berufen und bekleidete dieses Ministeramt bis zu seinem Tode am 11. Februar 1950, woraufhin Julius Bomholt[3] am 22. Februar 1950 seine Nachfolge antrat.[4] Als Bildungsminister führte er 1948 eine Rechtschreibreform (retskrivningsreformen) durch, bei der die Großschreibung von Substantiven abgeschafft, das d in den Vergangenheitsformen „kunde“, „skulde“ und „vilde“ abgeschafft und „å“ anstelle von „aa“ eingeführt wurde.[5]

Veröffentlichungen

  • Europas Kulturhistorie, („Europäische Kulturgeschichte“), 2 Bände, 1928
  • Pest over Europa, („Die Pest über Europa“), 1933
  • Athenernes Statsforfatning, („Die athenische Verfassung“), 1941
  • Magt og Ret i Oldtiden, („Macht und Recht in der Antike“), 1944
  • Vinding Kruses ‚Kommende samfund‘ en diskussion mellem Hartvig Frisch og Vinding Kruse, 1944
  • Danmark besat og befriet, („Dänemark besetzt und befreit“), 3 Bände, 1945–1948
  • Tænkt og talt under krigen, („Denken und Sprechen während des Krieges“), 1945
  • Cicero, Marcus Tullius. En Cicero antologi, danske oversættelser med vedføjet latinsk tekst, („Cicero, Marcus Tullius. Eine Cicero-Anthologie, dänische Übersetzungen mit lateinischem Text“), 1946
  • Den danske Rigsdag 1849–1949, („Das dänische Parlament 1849–1949“), Herausgeber, 1946–1953
  • Den første catilinariske sammensværgelse, („Die erste Catilinarische Verschwörung“), 1947
  • Aandsfrihed og udrensning, („Freiheit des Geistes und Reinigung“), Mitautor Harald Charles Christian Anton, 1947
  • Store og små kulturproblemer, („Große und kleine kulturelle Probleme“), 1949
  • Tragediens anden del, („Der zweite Teil der Tragödie“), 1950

Einzelnachweise

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