Hastenbeck
Stadtteil von Hameln
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Hastenbeck ist eine Ortschaft der Stadt Hameln. Sie liegt im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln südöstlich der Kernstadt auf 80 m NHN am Fuße der Erhebung des Schecken. Bekannt ist Hastenbeck durch die Schlacht bei Hastenbeck 1757 und das Schloss Hastenbeck von 1869.
Hastenbeck Stadt Hameln | |
|---|---|
| Koordinaten: | 52° 5′ N, 9° 25′ O |
| Höhe: | 80 m |
| Fläche: | 6,7 km² |
| Einwohner: | 1514 (30. Juni 2022)[1] |
| Bevölkerungsdichte: | 226 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 1. Januar 1973 |
| Postleitzahl: | 31789 |
| Vorwahl: | 05151 |

Geschichte


Vorgeschichte
Zwei Fundstellen im äußersten Norden und Süden der Gemarkung Hastenbeck sind der Mittelsteinzeit zuzuordnen.[2] Die Weser veränderte ihren Verlauf in der Talaue im Laufe der Jahrtausende. Der einstige Lauf der Weser nahe des Bereiches von Hastenbeck wird auf die Jungsteinzeit, etwa 4000 bis 2000/1500 v. Chr. datiert.[3] Jungsteinzeitliche Funde und Keramik aus der Eisenzeit weisen laut Erhard Cosack auf frühe Besiedlungsphasen des Geländes hin.[4]
Von der Römischen Kaiserzeit bis zum Frühmittelalter
Bei Ausgrabungen ab 1999 wurden etwa 100 Meter südwestlich von Hastenbeck nahe eines Hohlweges und der Straße nach Tündern auf einem erhöhten Geländeteil in einem Acker mehrere Gruben freigelegt. Sie gehörten zu einer Siedlung, die sich anhand der Fundstücke in die späte römischen Kaiserzeit (1. bis 3. Jahrhundert) datieren ließ.[5] Der Archäologe Erhard Cosack schreibt zur Siedlung: „Diese ist dem Fundmaterial nach dem westgermanischen Kulturkreis zuzuordnen.“[6] Fundstücke aus dieser Zeitstellung waren u. a. eine bronzene Armbrustfibel mit breitem Fuß, eine zweite bronzene Fibel, beide als Imitate bzw. Weiterverarbeitungen römischer Alltagsgegenstände, sowie ein römischer Denar aus der Zeit Kaiser Trajans. Auch fanden sich tierische Überreste, die Rind, Schwein, Schaf und Ziege zugeordnet werden konnten.[4]
Hastenbeck, in alten Urkunden auch als „Astenbechi“, „Hastenbike“ und „Hastenbeke“ bezeichnet, bedeutet als Ortsname etwa „Bach aus dem Busch“.[7]
In der Gemarkung Hastenbeck verliefen im 1. Jahrtausend n. Chr. zwei Fernwege. Einer verlief südlich von Hastenbeck von Paderborn nach Hildesheim, der andere sogenannte „Hilligsfelder Weg“ verlief von Süden nach Norden.[8]
„Aus jüngerer Zeit stammt eine Scheibenfibel […] mit grüner Zellen-Emaileinlage in Form eines Malteserkreuzes. Sie datiert anhand von Vergleichsfunden in die 2. Hälfte des 9. bis mindestens in die 2. Hälfte des 10. Jh.“[9] Hastenbeck dürfte wohl bereits zwischen 826 und 876, als das Kloster Corvey über Grundbesitz im Ort verfügte, in der Ausbuchtung einer Schlinge der Weser ununterbrochen besiedelt worden sein.[10] Zwischen 826 und 876 schenkte ein Unbekannter dem Kloster Corvey eine halbe Hufe „in Astenbechi“.[11]
Vom Hochmittelalter bis zur Frühen Neuzeit
Um 1100 gehörte dem Kloster Corvey vermutlich bereits das ganze Dorf Hastenbeck mit 29 Hufen.[12] Die Grafen von Schwalenberg werden zudem als frühe Vizevögte des Klosters Corvey für Hastenbeck vermutet. Die Herren von Hastenbeck stehen wohl in der Herrschaftsnachfolge des Klosters Corvey und der Vizevögte des Klosters.[13] Sie herrschten im Kern über die Orte Hastenbeck, Diedersen und Dadersen, bevor Dadersen zur Dorfwüstung wurde, sowie über Streubesitz in einem Radius von ca. 20 Kilometern. Hartung von Hastenbeck starb 1548.[14]
Im nördlichen Ortskern wurden Fragmente eines bronzenen Grapens, eines historischen Kochgefäßes gefunden, der dem Spätmittelalter oder der frühen Neuzeit zuzuordnen ist und beim Kochen direkt in die Glut gestellt wurde.[15]
Um 1500 hatten das Kloster Corvey, die Grafen von Spiegelberg, die Grafen von Schaumburg, das St. Mauritius-Kloster Minden, die Welfen, der Mindener Bischof, der Mindener Domprobst und die Grafen von Lippe Lehngut in Hastenbeck.[16]
Neuere Geschichte
Die Geschichte des Dorfes ist eng mit der des Herrensitzes und späteren Schlosses Hastenbeck verknüpft. Die Ritter von Hastenbeck waren erste Besitzer des Herrensitzes. Die Familie von Hastenbeck starb 1548 im Mannesstamm aus.
Von ca. 1550 bis 1639 wurden die Dörfer Afferde, Behrensen, Hastenbeck, Rohrsen und Wehrbergen dem Braunschweig-Lüneburgischen Amt Hastenbeck für die Verwaltung zugeordnet.[17]
Im Jahre 1618 verkaufte Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel (1591–1634) das Gut Hastenbeck nebst einigen umliegenden Dörfern an seinen Minister Arnold (Arndt) von Wopersnow (1573–1621).[18] Anfang des 17. Jahrhunderts belehnte Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg (1624–1705) den Henning von Reden (1576–1643, Sohn des Ernst von Reden) mit Haus, Dorf, Ober- und Untergericht zu Hastenbeck. 1655 wurde ein neues Herrenhaus gebaut. Von 1862 bis 1869 erfolgte schließlich der Neubau des Schlosses im neugotischen Stil. Das alte Herrenhaus wurde ein Jahr nach dem Neubau des Schlosses abgerissen. Gleichzeitig entstand hinter dem Schloss ein Landschaftspark.
Während des Siebenjährigen Kriegs kam es am 26. Juli 1757 zur Schlacht bei Hastenbeck, in der 60.000 Franzosen gegen 36.000 Alliierte kämpften.[19] Die im Schecken oberhalb von Hastenbeck liegende vermutlich frühmittelalterliche[20] Wallburg Obensburg war als Artillerieschanze in die Kampfhandlungen einbezogen.[21] Der Ausgang der Schlacht mit dem Rückzug der Alliierten war für den weiteren Verlauf des Krieges folgenreich. In der Schlacht bei Hastenbeck wurde die von Arnold (Arndt) von Wopersnow unvollständig erbaute, noch im Rohbau befindliche Festung Hastenbeck ganz zerstört. Das Dorf Hastenbeck wurde zu ca. 1/4 (etwa von der Bückebergstraße Nr. 14 bis zum Ortsausgang) zerstört. Das Haus Nr. 14 an der Bückebergstraße ist ein Wiederaufbau aus dem Jahr 1757. Die Kirche, das Gutshaus und die überwiegende Zahl der Häuser blieben erhalten.
Im 19. Jahrhundert kam es im Ort zu starken Umwälzungen im Zuge der Agrarreformen.[22]
Politische Zugehörigkeiten
Von ca. 850 bis 1200 war Hastenbeck ein Hof des Klosters Corvey mit den Aufgaben, mehrere Besitzungen des Klosters Corvey zu verwalten und das Kloster mit Lebensmitteln zu versorgen. Von 1200 bis ca. 1550 war Hastenbeck über etwa 10 Generationen im Besitz der Herren von Hastenbeck. Von ca. 1550 bis 1639 sorgte das Braunschweig-Lüneburgische Amt Hastenbeck für die Verwaltung von fünf Dörfern (Hastenbeck, Afferde, Behrensen, Rohrsen und Wehrbergen). Von 1633 bis 1639 wurden die Söhne des Arnd von Wobersnow vom Landesherrn mit Hastenbeck belehnt. Von 1639 bis 1846 gab der Landesherr der Familie von Reden das Lehen über Ort und Gut Hastenbeck. Von 1810 bis 1813 gehörte der Ort zum Kanton Börry des Königreichs Westphalen von Jerome Bonaparte. Von 1846 bis 1973 war Hastenbeck eine selbständige Gemeinde. 1846 kam es zum Amt Grohnde-Ohsen, 1855 zum Amt Hameln, 1885 zum Kreis Hameln und 1922 zum Landkreis Hameln-Pyrmont.[23] Am 1. Januar 1973 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Hastenbeck im Rahmen der Gemeindereform in die Kreisstadt Hameln eingegliedert.[24]
Einwohnerentwicklung seit 1689
Ortsrat Hastenbeck
Wahlergebnis der Kommunalwahl 2016:[27] CDU: 61,86 %, SPD: 38,13 %. Sitzverteilung des Ortsrats Hastenbeck: CDU: 4 Sitze, SPD: 3 Sitze.
Der langjährige Ortsbürgermeister Walter Kinast war bei der Kommunalwahl 2021 nicht wieder angetreten. Die CDU ist nicht mehr im Ortsrat vertreten, dafür die neue Wählergruppe „Wir für Hastenbeck“. Die SPD stellt den Ortsbürgermeister, ein Mitglied ist parteilos und drei gehören der Wählergruppe an.[28][29]
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Wilhelm Raabes Erzählung Hastenbeck von 1899 spielt im Umfeld der Schlacht von 1757.
Im Schloss Hastenbeck wurde der Edgar-Wallace-Film Der unheimliche Mönch gedreht.
Bauwerke
Die Hastenbecker Gutskirche ist insgesamt im Verhältnis zur damaligen Dorfpopulation sehr großzügig und aufwändig ausgestattet worden. Die Familie von Reden hat nach und nach die Ausstattung ergänzt. Besondere Vergrößerungen erfuhr sie in der Zeit der Adelheid-Sibylle von Reden, geborene von Bennigsen. Sie veranlasste und finanzierte den Bau des Glockenturms, der Orgel nebst Orgelempore, die Anschaffung der Bildnisse der Zwölf Apostel und vier Evangelisten an ebendieser. Wohl auch das Eingangsportal wurde durch sie beschafft. Das Portal ist in Zweitverwendung an der Hastenbecker Kirche. Es zeigt das Wappen der Familien von Münchhausen und von Reden. Der Ort der Erstverwendung ist unbekannt. 1640 wurde die Hastenbecker Kirche von der Kirchengemeinde Afferde gelöst, rechtlich selbständig und dem Patronat der Familie von Reden unterstellt. Sie wurde zu deren Grablege.[30] Der Altar, eine überaus großzügige Donation des Henning von Reden aus dem Jahre 1688, wird auch „Engelsaltar“ genannt, da er mit vielen Engelsfiguren ausgeführt wurde. Den Siebenjährigen Krieg hat der Altar beinahe unbeschadet überstanden. Lediglich eine Kanonenkugel der Franzosen durchschlug ihn von Osten. Noch heute ist das Loch zu finden.
1864 wurde die Volksschule im Dorfkern gebaut. 1952 entstand ein neues Gebäude für die Volksschule.
1907 wurde in der Gemarkung Hastenbeck ein Denkmal zur Erinnerung an die Schlacht bei Hastenbeck errichtet.
Vereine / Feuerwehr / Sport
- Der DRK-Ortsverein Hastenbeck wurde 1914 gegründet.
- Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Hastenbeck einen Männergesangverein.
- Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Hastenbeck wurde 1923 gegründet und ist einer von vier Feuerwehr-Musikzügen in der Stadt Hameln.
- Der Schützenverein Hastenbeck e. V. wurde 1960 gegründet.
- 1947 wurde der SV Hastenbeck 1947 e. V. gegründet. 1954 wurde der Sportplatz eingeweiht und 1971 renoviert. 1964 kam das Sporthaus in Betrieb, 1983 kam die Sporthalle hinzu. Als Sportarten werden Volleyball, Tennis, Tischtennis, Turnen und Fußball betrieben. Die Vereinsfarben sind Schwarz und Weiß. Die 1. Frauenfußballmannschaft spielte in der Spielsaison 2010/2011 in der Frauen Oberliga Niedersachsen Ost und spielt in der Saison 2025/2026 in der Frauen-Regionalliga Nord.
- Der SoVD-Ortsverband Hastenbeck wurde 1947 gegründet und hat ca. 107 Mitglieder.
- Förderverein der Grundschule Hastenbeck.
Wirtschaft und Infrastruktur
1913 wurde Hastenbeck an die Stromversorgung angeschlossen. 1926 gab es eine Omnibuslinie nach Hameln. 1963 wurde ein Bebauungsplan für die sogenannte NATO-Siedlung für Angehörige der Britischen Streitkräfte im Süden von Hastenbeck erstellt.
Zur Infrastruktur (Stand: 2018) gehören unter anderem eine Verlässliche Grundschule mit 46 Schülern (Schuljahr 2017/2018)[31] und eine Kindertagesstätte.
Persönlichkeiten
- Bruno von Reden, Parlamentarier
- Ferdinand von Reden, Parlamentarier
Literatur
- Erhard Cosack: Ein kaiserzeitlicher Siedlungsplatz des 1. bis 3. Jahrhunderts bei Tündern, Stadt Hameln, Ldkr. Hameln-Pyrmont. Mit 11 Abbildungen, in: Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte (NNU), Band 68, S. 39–57, 1999, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart.
- Wolfgang W. Ewig: Die von Reden auf Hastenbeck. Grabmale, Ahnen- und Stammtafeln einer niedersächsischen Adelsfamilie. Privatdruck, 2013.
- Hans-Wilhelm Heine: Die ur- und frühgeschichtlichen Burgwälle im Regierungsbezirk Hannover, Hahn, Hannover, 2000, Kat.Nr. 252/1, S. 91, PPN: 323419410.
- Klemens Honselmann (Hrsg.): Die alten Mönchslisten und die Traditionen von Corvey. Teil 1. Paderborn: Bonifatius, 1982 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen X. Abhandlungen zur Corveyer Geschichtsschreibung, Band 6).
- Hans Heinrich Kaminsky: Studien zur Reichsabtei Corvey in der Salierzeit. Abhandlungen zur Corveyer Geschichtsschreibung, Band 4, Köln/Graz, Böhlau, 1972 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission Westfalens X.).
- Hery A. Lauer: Archäologische Wanderungen in Südniedersachsen. Ein Führer zu Sehenswürdigkeiten der Ur- und Frühgeschichte. Archäologische Wanderungen, Band 3, Lauer, Angerstein, 1988, S. 76 f., PPN: 026694956.
- Günther Leymann: Untersuchungen über die Entwicklung des Dorfes Hastenbeck bei Hameln, Diss.rer.nat. Göttingen, 1942 (ungedruckt).
- Julius Mebes: Beiträge zur Geschichte des Brandenburgisch-Preußischen Staates und Heeres, 1. Band, 1861, Lüderitzsche Verlagsbuchhandlung, Berlin, S. 171–175.
- Robert Meyer: Die Schlacht bei Hastenbeck 1757, Dissertation, 1912.
- Johannes Heinrich Müller & Jacobus Reimers: Vor- und frühgeschichtliche Alterthümer der Provinz Hannover, 1893, S. 323, verfügbar unter http://www.digibib.tu-bs.de/?docid=00029777, aufgerufen am 17. Oktober 2025, PPN: 609572849.
- Ernst Natermann: Die Entwicklung des Talbodens von Hameln und ihr Einfluß auf den Werdegang der Altstadt, in: Geschichte der Stadt Hameln. Verlag der Bücherstube Fritz Seifert, Hameln, 1983, S. 26–34.
- August von Oppermann & Carl Schuchhardt: Atlas vorgeschichtlicher Befestigungen in Niedersachsen, Hannover, 1916.
- Moritz Oppermann: Die Schlacht bei Hastenbeck, 1. Aufl., C. W. Niemeyer Verlag, Hameln, 1957.
- Moritz Oppermann: Die Schlacht bei Hastenbeck: zum 250. Jahrestag, 2. Aufl., C. W. Niemeyer Verlag, Hameln, 2007.
- Wilhelm Karl Raabe: Hastenbeck. Roman, 1899.
- Dirk Schünemann: Obensburg bei Hastenbeck. In: Hameln, Deister, Minden, Rinteln. Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 4, Mainz, 1966, S. 88–90, PPN: 1838575154 / PPN: 781171865.
- Thomas Schwark: „…dass die Engländer uns im Stich lassen“: Hardenberg und der erste „Weltkrieg“ der Geschichte. In: Wilken von Bothmer (Hrsg.), Im Auftrag der Krone: Friedrich Karl von Hardenberg und das Leben in Hannover um 1750, 2011, S. 71–77
- Joachim Schween: Die archäologischen Fundstätten im Landkreis Hameln-Pyrmont. Katalog der archäologischen Bodenurkunden bis 1992, Teil 1 und 2 + Kt.-Beil., Kat.Nr. 685, PPN: 781171865.
- Carsten Schwier-Herrmann: Neue Erkenntnisse zur Geschichte von Hastenbeck, in: Museumsverein Hameln (Hrsg.): Jahrbuch 2023, S. 23–44.
- Carsten Schwier-Herrmann: Die Herren von Hastenbeck als Vasallen und Lehnsherren, in: Museumsverein Hameln (Hrsg.): Jahrbuch 2024, S. 23–54.
Anmerkungen
Weblinks
- Kirche Hastenbeck. In: hastenbeck.de..
