Hatulia
Verwaltungsamt in Osttimor
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Hatulia (Hatulia A, Hatólia, Hatolia, Hatu Lia, Hatu-Lia, Hato-Lia) ist ein osttimoresisches Verwaltungsamt (portugiesisch Posto Administrativo) in der Gemeinde Ermera. Der Sitz der Verwaltung befindet sich in Hatolia Vila.[3] Am 1. Januar 2022 wurde von Hatulia das Verwaltungsamt Hatulia B abgetrennt.
| Verwaltungsamt Hatulia | ||
| Verwaltungssitz | Hatolia Vila | |
| Fläche | 196,03 km²[1] | |
| Einwohnerzahl | 20.285 (2022)[2] | |
| Sucos | Einwohner (2022)[2] | |
| Aculau | 1.443 | |
| Ailelo | 3.162 | |
| Coilate-Letelo | 5.160 | |
| Coilate-Leten | 2023 von Coilate-Letelo abgetrennt | |
| Hatolia Vila | 2.377 | |
| Leimea-Craic | 1.703 | |
| Leimea-Sarinbalo | 814 | |
| Manusae | 5.003 | |
| Samara | 623 | |
| Übersichtskarte | ||
Geographie


Bis 2014 wurden die Verwaltungsämter noch als Subdistrikte bezeichnet.
Das Verwaltungsamt Hatulia nimmt den Nordwesten und Westen der Gemeinde Ermera ein. Nordöstlich befindet sich das Verwaltungsamt Hatulia B, östlich liegt das Verwaltungsamt Ermera, südöstlich das Verwaltungsamt Letefoho und südlich das Verwaltungsamt Atsabe. Im Norden grenzt Hatulia an die Gemeinde Liquiçá mit ihren Verwaltungsämtern Liquiçá und Maubara, im Westen an die Gemeinde Bobonaro mit ihren Verwaltungsämtern Atabae und Cailaco.[4]
Die Grenze zu Ermera bildet der Fluss Lóis und sein Nebenfluss Marobo. Nach Norden ist der Gleno der Grenzfluss zu Liquiçá. An der Grenze zu Hatulia B fließen der Guradi, der Gamerama, der Bapera und der Eahora. Einem Teil der Grenze zu den Verwaltungsämtern Ermera und Letefoho folgt der Meipu, während Ladiban und Ladibau die Grenze zu Atsabe bilden. Weitere Flüsse sind der Lahosa, der Tutan, der Hatobwi, der Fohola, der Celere, der Garai, der Magolara, der Motur, der Aiboro und der Biaioni.[4][5]
Hatulia hat eine Fläche von 196,03 km²[1][6] und teilt sich in die neun Sucos Aculau (Asulau/Sare), Ailelo, Hatolia Vila, Coilate-Letelo (Coilate-Leotelo, Kailete Leotela), Coilate-Leten (Koilate Leten), Leimea-Craic (Laimeacraic, Leimea Kraik, „Unter-Leimea“), Leimea-Sarinbalo (Leimea Sarinbala, Leimea Sorimbalu, Leimea Sorin Balu), Manusae (Manusea) und Samara.[4][7]
Der Norden und Westen Hatulias ist von Bergwäldern bedeckt, während den Osten landwirtschaftliche Flächen dominieren.[8] Allgemein ist das Gelände gebirgig und liegt in einer Meereshöhe von über 500 m. Nur im Nordwesten, zwischen Lóis und Gleno befindet sich eine kleine Ebene unterhalb.[4]
- Klimadaten
- Jährliche Niederschlagsmenge (2000)[9]
- Jahresdurchschnitts-temperatur (2000)[9]
- Klimadiagramm von Hatolia Vila[9]
Einwohner
Im Verwaltungsamt leben insgesamt 20.285 Menschen (2022). Im Verwaltungsamt gibt es 3.655 Haushalte.[2] Mehrere Nationalsprache werden in Hatulia gesprochen. Tokodede im Norden, Mambai im Zentrum und Kemak im Süden. Die größte Sprachgruppe bildet die Ethnie der Tetum mit 44 %, gefolgt von den Mambai mit 39 %. Danach folgen die Kemak mit 14 %. Der Altersdurchschnitt der Bevölkerung beträgt 16,5 Jahre (2010,[10] 2004: 15,4 Jahre[11]).
Geschichte


Historischen Reiche in Hatulia waren die Kemak-Reiche Deribate im Westen und Leimea im Süden und das Reich Mau-Ubo (Mauhubo) im Nordosten, im heutigen Hatulia B.[12.1] Deribate und Leimea unterstanden dem obersten Kemak-Herrscher in Atsabe;[13] alle drei, ebenso wie Mau-Ubo, der Oberhoheit des Tokodede-Reichs Maubara.[14.1] Leimea beteiligte sich zumindest zeitweise an der Cailaco-Rebellion (1719–1769) gegen die portugiesische Kolonialmacht.[15.1]
Um 1863 stiftete der korrupte, portugiesische Beamte Duarte Leão Cabreira Deribate zum Krieg gegen Mau-Ubo an, weil dieses sich geweigert hatte, Handelspreise so anzusetzen, wie der portugiesische Major es gefordert hatte.[16.1] Im Frühjahr 1867 erhob sich Leimea gegen die portugiesische Kolonialmacht. Gouverneur Francisco Teixeira da Silva (1865–1869) schlug den Widerstand in einem ungleichen Kampf nieder. 15 Dörfer wurden eingenommen und niedergebrannt.[15.2] In Hatulia wurde der Liurai Nai Resi aus Atsabe, der ebenfalls gegen die Portugiesen einen Unabhängigkeitskampf geführt hatte, gefangen genommen und exekutiert.[17]
1896 starben in Deribate über 400 Menschen durch eine Strafaktion der Portugiesen.[18] Im Jahr darauf wurde Deribate für aufgelöst erklärt, die Liste der Liurais von Deribate reicht aber noch bis 1937.[12.2] Auch Leimea wurde um diese Zeit durch Gouverneur José Celestino da Silva (1894–1908) auf die Nachbarreiche aufgeteilt. Zunächst Teil des „Comando militar de Maubara“ gehörten Leimea-Craic und Leimea-Sarinbalo 1911 zum „Comando militar de Hato-lia“.[12][19]
Anfang 1942 hatte sich die Sparrow Force, eine alliierte Guerillatruppe im Kampf gegen die Japaner, nach Hatulia zurückgezogen. Hier traf der australische Konsul David Ross auf sie, er die erste Aufforderung zur Kapitulation vom japanischen Kommandeur überbrachte, was Colonel Spence von der Sparrow Force zurückwies.[20] Im Juli 1942 kam es in Hatulia zu einem Aufstand gegen die Portugiesen, der japanischen Einfluss zugeschrieben wird.[21.1] Am 17. November 1944 wurde Hatolia Vila von australischen Bombern angegriffen, die japanische Unterkünfte als Ziel hatten.[22]
Nach dem Bürgerkrieg 1975 zwischen UDT und FRETILIN flohen 120 Menschen flohen aus Leimea-Sarinbalo für ein Jahr nach Haekesak in Westtimor.[23]

1976 erreichten die indonesischen Invasoren auch Hatulia. Am 24. April versuchte die FALINTIL noch Samara zu verteidigen, wurde aber von der indonesischen Übermacht geschlagen. 500 Zivilisten aus Samara wurden im Ort Ermera interniert, wo sie an Hunger litten. Im Mai griffen die indonesischen Truppen Coilate-Letelo an. 200 Menschen wurden eingekesselt und konnten nicht mehr fliehen. Sie wurden zunächst im Ort gefangen gesetzt und später nach Letefoho gebracht. Transit Camps, in denen Osttimoresen zur Umsiedlung interniert wurden, befanden sich in Hatulia in Betupu (Suco Ailelo), Hatolia Vila und in Poelete (Suco Aculau).[23]
Das Transit Camp von Hatolia Vila lag etwas außerhalb in Modolaran. Zu essen bekamen die Internierten nur etwas Mais, gesalzenen Fisch und Salz. Der Fisch verursachte Durchfall, an dem vor allem Kinder und alte Menschen starben. Etwa 7000 Menschen lebten im Lager, von dem sie sich nicht weiter als 100 Meter entfernen durften. Um das Lager herum befanden sich acht Militärposten. Nur gelegentlich durften die Internierten in Begleitung der Soldaten nach Leimea-Craic oder Samara, um nach essbaren Wurzeln zu suchen. Vor allem unter den Insassen aus anderen Teilen Osttimors, wie zum Beispiel Zumalai, gab es viele Tote. Erst Ende 1979 brachte das Internationale Rote Kreuz Nahrungsmittel und medizinische Versorgung in das Lager. 1980 wurde den Internierten mehr Freiheiten gewährt. Dann wurden sie nach Leimea-Craic verlegt und schließlich ließ man sie in ihre Heimat zurückkehren.
Während der Unruhen von 1999 operierten zwischen dem 27. Januar und September in den Verwaltungsämtern Hatulia und Ermera die pro-indonesischen Milizen Darah Merah, Aitarak und Pancasila zusammen mit dem indonesischen Militär gegen Befürworter der Unabhängigkeit Osttimors. Im April 1999 begann die Welle der Gewalt. In diesem Monat erhielt Darah Merah von der Distriktkommandatur (Kodim) der indonesischen Armee moderne Schusswaffen und zwei Militärfahrzeuge. 200 Darah Merah-Milizionäre griffen daraufhin CNRT-Mitglieder in Hatulia an. Es kam zu einem Gefecht, in dessen Verlauf ein Milizionär und zwei CNRT-Mitglieder ums Leben kamen. Zwischen dem 10. und 14. Mai wurden die Sucos Fatubolo, Lisapat, Mau-Ubo, Urahou und Fatubessi überfallen. Zwei indonesische Soldaten und zwei Kommandanten von Darah Merah wurden 2004 wegen Mordes an 14 Personen, Folter und Vergewaltigung verurteilt.[23]

Tausende Flüchtlinge aus den Sucos Vatuboro, Guiço, Lissadila, Vatuvou, Maubaralissa, Vaviquinia und Gugleur, versammelten sich ab Februar 1999 infolge der Gewaltwelle im Umfeld des anstehenden Unabhängigkeitsreferendum in Sare (Suco Aculau). Eine internationale Hilfslieferung brachte Anfang Juli 25 Tonnen Lebensmittel zu dem Dorf. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich dort 3800 Flüchtlinge, 2250 alleine aus Guiço. Im Februar/März waren es noch 5000, aber einige zogen weiter nach Atabae und nach Hatolia Vila. Allein zwischen Februar und Juli wurden 23 Frauen durch Milizionäre vergewaltigt und fünf Personen durch die pro-indonesischen Milizen Besi Merah Putih (BMP) und Halilintar ermordet, die in der Region operierten. Die Opfer wurden getötet, als sie versuchten von ihrem Heim Maniokwurzeln für ihre Familien zu holen. Im Februar hatten die Flüchtlinge noch Nahrungsmittel von der Bevölkerung in Aculau bekommen, im März reichten die Vorräte dafür aber nicht mehr aus, so dass die Flüchtlinge in den Wäldern nach Nahrung suchen mussten und versuchten eigene Gärten anzulegen. Immer wieder wurden Hütten und Gärten der Flüchtlinge durch die BMP niedergebrannt, Zinkdächer und Nutzvieh wurden geraubt. Jeden Tag starben nach Angaben des Chefe de Suco von Aculau drei bis vier Menschen in dem Flüchtlingslager. Unter den Flüchtlingen grassierten Malaria, Atemwegserkrankungen, Durchfall und Ruhr. Zwar gab es eine medizinische Station im Suco, die einzige Krankenschwester war aber im März 1998 nach Hatolia Vila geflohen. Für das Unabhängigkeitsreferendum am 30. August 1999 wurde für die Flüchtlinge extra ein Wahllokal in Sare eingerichtet, da sie sich nicht trauten nach Hause zurückzukehren. Jene, die für die Abstimmung in ihren Heimatort zurückkehrten, verließen ihn aus Angst vor weiterer Gewalt sofort nach Abgabe der Stimme wieder. Die Flüchtlinge kehrten erst endgültig in ihre Heimat zurück, als im September die internationale Eingreiftruppe (INTERFET) eintraf.[23]
2003 war der Subdistrikt Hatulia Schauplatz von Überfällen und Scharmützeln, in denen die Organisation Colimau 2000 verwickelt war. Zentren waren Samara und Leimea-Craic. Die Colimau 2000 hatte in Leimea-Craic eine breite Unterstützung durch die Bevölkerung.[24][25]
Bei einem Waldbrand am 2. und 3. Oktober 2019 kam es im Verwaltungsamt zu großen Zerstörungen.
Politik

Der Administrator des Verwaltungsamts wird von der Zentralregierung in Dili ernannt. 2015 war dies Custódio Martins[26] und 2016 Fernando Soares.[27] 2021 wurde Luis Manuel zum Administrator ernannt[28] und am 29. Januar 2024 Bonifacio da Silva Araújo.[29]
Zehn Jahre der Besatzungszeit durch Indonesien war Jacob Fernandes Administrator des Subdistrikts Hatulia.
Wirtschaft

83 % der Haushalte in Hatulia bauen Maniok an, 82 % Mais, 79 % Kaffee, 69 % Gemüse, 50 % Kokosnüsse und 16 % Reis.[30] Daneben werden seit einigen Jahren auch Tomaten, Bohnen und Erbsen angepflanzt. Außerdem plant man eine Fischzucht anzulegen.
In Fatubessi gibt es heiße Quellen.[31]
Persönlichkeiten
- Ernesto Fernandes (1945–2025), Freiheitskämpfer und Politiker
- Nominando Soares Martins (* 1962), Unabhängigkeitsaktivist und Politiker
- Francisco David Xavier Carlos (* 1967), Politiker
- João Soares Martins (* 1968), Mediziner und Politiker
