Haubersbronn

Stadtteil von Schorndorf, Baden-Württemberg, Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Haubersbronn ist ein Pfarrdorf und mit rund 3400 Einwohnern der zweitgrößte Stadtteil der Großen Kreisstadt Schorndorf im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis.

Schnelle Fakten Große Kreisstadt Schorndorf ...
Haubersbronn
Große Kreisstadt Schorndorf
In gespaltenem Schild rechts in Rot ein mit dem Bart nach links gekehrter weißer (silberner) Schlüssel, links in Weiß (Silber) eine umgekehrte rote Pflugschar.
Koordinaten: 48° 50′ N,  33′ O
Höhe: 263 m
Fläche: 4,82 km²
Einwohner: 3408 (30. Nov. 2023)[1]
Bevölkerungsdichte: 707 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 73614
Vorwahl: 07181
Blick auf Haubersbronn
Blick auf Haubersbronn
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Luftbild von Haubersbronn

Geographische Lage

Haubersbronn liegt im unteren Wieslauftal am Fuße des Welzheimer Walds.

Geschichte

Ursprünglich war das Gebiet wohl staufischer Besitz; in einer Urkunde von 1260 werden erstmals Zehnt- und andere Rechte sowie die Kaplanei des Klosters Elchingen genannt, die 1536 an Württemberg übergingen. Einzelne Zehntrechte waren auch im Besitz von Kloster Lorch, des Domstifts Konstanz und der Schorndorfer Pfarrei. Die politische Herrschaft dürfte nach 1246 zusammen mit Schorndorf an Württemberg übergegangen sein.

Haubersbronn 1685 (Ansicht aus den Forstlagerbüchern von Andreas Kieser)

In der Urkunde, die Haubersbronn im Jahre 1296 erstmals erwähnt, hieß es Hubrecht, außerdem gab es einen Hinweis auf einen Brunnen, der jedoch nicht unbedingt ein gegrabener und gefasster Brunnen gewesen sein musste, da man früher auch Quellen als Brunnen bezeichnete. Quellen gab es in den Ausläufern des Welzheimer Waldes zum Wieslauftal hin viele. Der Name Hubertsbrunnen geht vermutlich auf den heiligen Bischof Hubertus von Lüttich zurück, obwohl dieser selbst nie im Remstal war. Der Brunnen gab danach dem Dorf den Namen, als im 9. Jahrhundert Menschen den Wald hier rodeten und Wiesen, Äcker und vielleicht auch schon Weinberge anlegten und nahe dem Brunnen ihre Häuser bauten.

Im Jahre 1367 kauften die Grafen von Württemberg dem Kloster Adelberg den Weiler Metzlinsweiler Mühle ab, dessen Zehntrechte ebenfalls das Domstift Konstanz innehatte.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Schlössle Haubersbronn gegenüber der evangelischen Wendelinskirche errichtet. Das Anwesen wurde 1573 erstmals erwähnt und gehörte dem Geschlecht der Herren von Gaisberg. Das Schlössle ist heute in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wurde Haubersbronn verwüstet und fast völlig entvölkert. Nach dem Westfälischen Frieden 1468 erholte sich die Gemeinde nur langsam. Von den ursprünglich 150 Einwohnern waren 1651 nur noch 5 vorhanden. Haubersbronn drückte eine Schuldenlast in Höhe von 17.100 Goldgulden. Wegen den hohen Schulden kam es kaum zum Zuzug von Neubürgern. Noch 1654 lagen viele Weinberge brach und dienten als Weide.[2]

Während des Pfälzischen Erbfolgekriegs hatte Haubersbronn unter den Einfällen der Truppen des Sonnenkönigs zu leiden. Im Dezember 1688 legten die Franzosen unter dem als Mordbrenner bekannten Grafen Ezéchiel de Mélac mehrere Häuser im Dorf in Schutt und Asche.[2]

Im 19. Jahrhundert lebten die Einwohner von Haubersbronn hauptsächlich vom Weinbau, Ackerbau und von Holzhandel. Weinberge lagen auf allen Südhängen des Dorfs. Auf einen Morgen standen etwa 3200 Rebstöcke. Man pflanzte die Weißwein-Rebsorten Elbling und Silvaner sowie Rotwein-Sorten wie Trollinger an. Der Wein war nur von mittlerer Güte und wurde meist in die umliegenden Orte verkauft.[3]

Am 1. Januar 1975 wurde Haubersbronn anlässlich der Gebietsreform nach Schorndorf zwangseingemeindet.[4] Ende der 1990er Jahre wurde durch die Bürgerinitiative „Haubersbronn Stadtt Schorndorf“ jahrelang die Ausgemeindung angestrebt. Kurz vor dem Vollzug wurde die Ausgemeindung gerichtlich gestoppt.

Einrichtungen

Wendelinskirche

Evangelische Wendelinskirche

Zwischen 1470 und 1480 wurde an der Stelle eines nachgewiesenen, kleineren spätromanischen Baus die heutige evangelische Kirche errichtet. Die Chorseitenturmanlage lässt auf eine geplante Erhebung zur Pfarrkirche schließen. Im Chor der Kirche ist im Netzgewölbe der Heilige Wendelin, nachdem die Kirche benannt ist, neben Maria und dem Jesuskind abgebildet. Bis ins Jahr 1565 war Haubersbronn nach Schorndorf eingepfarrt.

Katholische Kirche

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges gab es in Haubersbronn keine katholischen Gläubigen, mit der Zuweisung von Heimatvertriebenen kamen vor allem Katholiken nach Haubersbronn, sodass ein Bedarf für eine katholische Kirche entstand. Die Bonifatiuskirche wurde am 24. Juli 1955 geweiht.

Sonstige Einrichtungen

In Haubersbronn gibt es eine Grund- und Ganztagesschule, zwei Kindergärten, Spiel- und Sportplätze, eine Fest- und Mehrzweck- sowie eine Sporthalle und eine Schulturnhalle.

Politik

Das Gebiet der 1975 eingegliederten Gemeinde Haubersbronn bildet eine Ortschaft im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem aus 14 Mitgliedern bestehendem Ortschaftsrat.[5]
Der Ortschaftsrat Haubersbronn besteht aus der Wählervereinigung und Wählergemeinschaft Haubersbronn. Ortsvorsteher ist Michael Öttle, seine Stellvertreter sind Sabine Brennenstuhl und Benjamin Brecht.[6]

Bürgermeister und Ortsvorsteher

  • 1916–1945: Eugen Bentel (1886–1969)
  • 1954–1973: Roland Rettenmaier (1926–2016)
  • 1999–2004: Ulrich (Ulli) Mödinger (* 1950)
  • 2004–2014: Adolf Seemüller (1939–2025)
  • 2014–2024: Erich Bühler (* 1946)
  • seit 2024: Michael Öttle (* 1989)

Wappen und Flagge

Ehemaliges Wappen von Haubersbronn

Haubersbronn führte ein eigenes Gemeindewappen sowie eine Hiss- und eine Bannerflagge.

Die Blasonierung des ehemaligen Wappens lautet: In zweigeteiltem Wappenschild rechts auf rotem Grund ein weißer (silberner) Schlüssel, dessen Bart nach links zeigt; links auf weißem (silbernem) Grund eine umgekehrte rote Pflugschar.

Wappenbegründung: Als Erinnerung daran, dass Haubersbronn bis zur Reformation der westlichste Ort des Bistums Augsburg war, riet die Archivdirektion, die Farbkombination des Bistums zu übernehmen – die Wieslauf stellte einst die Grenze zwischen den Bistümern Augsburg und Konstanz dar – und als Unterscheidungsmerkmal zu anderen Gemeindewappen eine Pflugschar einzufügen. Im November 1954 wurde das Wappen vom Gemeinderat angenommen, wobei dieser den Schlüssel als Hinweis auf die Lage des Ortes am Eingang des Wieslauftals verstanden haben wollte. Zugleich erinnert dieses Symbol an die 1470 gestiftete Kaplanei zu Haubersbronn, die den Heiligen Petrus als Patron hatte.

Die Gemeindefarben waren Rot-Weiß.

Mit der Auflösung der Gemeinde Haubersbronn ist das Wappen erloschen. Es kann jedoch zur Traditionspflege von lokalen Vereinen und Privatpersonen verwendet werden, etwa als Autoaufkleber, Abzeichen oder Wimpel.

Verkehr

Haubersbronn liegt an den Landstraßen 1148, die von Schorndorf nach Rudersberg führt, und 1150, die Schorndorf und Welzheim verbindet. Beide Straßen werden auf einer Umgehungsstraße westlich und nördlich am Ortskern vorbeigeführt. An den Öffentlichen Nahverkehr ist Haubersbronn mit der Buslinie 263 (Schorndorf–Welzheim) des Verkehrs- und Tarifverbundes Stuttgart und mit der Wieslauftalbahn (RB 61), die von Schorndorf nach Rudersberg-Oberndorf verkehrt, angeschlossen.

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • Erich Seemüller (1932–2024), Agrarwissenschaftler und ehemals wissenschaftlicher Direktor der Biologischen Bundesanstalt in Dossenheim

Ehrenbürger

  • Eugen Bentel: Eugen Bentel (1886–1969) trat 1916 seine Amtszeit als Bürgermeister von Haubersbronn an. Nach fast 30 Jahren, im Anschluss an die deutsche Kapitulation 1945, schied Eugen Bentel aus dem aktiven Verwaltungsdienst aus. In seine Amtszeit fielen für Haubersbronn wichtige Projekte wie die Wieslauf-Korrektur, die neue Wasserversorgung und die Flurbereinigung. Für sein langjähriges Wirken in Haubersbronn wurde ihm von der damals noch selbstständigen Gemeinde Haubersbronn das Ehrenbürgerrecht verliehen.

Literatur

  • Haubersbronn. In: Rudolf Moser (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Schorndorf (= Die Württembergischen Oberamtsbeschreibungen 1824–1886. Band 29). J. B. Müller, Stuttgart 1851, S. 141–144 (Volltext [Wikisource]).
  • Horst Lässing (Hrsg.): Heimat und Arbeit: Der Rems-Murr-Kreis. Konrad Theiss, Stuttgart 1980, ISBN 3-8062-0243-5, S. 299 f.
  • Thomas Holub (Hrsg.): Haubersbronn. Geschichte – Lebensbilder – Notizen. Hennecke 1996, ISBN 3-927981-50-8.
Commons: Haubersbronn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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