Haus Benjamin

Seit 2021 Synagoge und jüdisches Bildungszentrum in der ehemaligen Bahnhofsgaststätte am Bahnhof Bismarckstraße in Hannover From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Haus Benjamin in Hannover ist die Synagoge sowie das Bildungs- und Kulturzentrum der jüdischen Gemeinde[1] Chabad Lubawitsch in Niedersachsen. Das Gebäude der als eingetragener Verein organisierten Gemeinde am Dietrich-Kittner-Platz 1[2] in der Südstadt von Hannover ist das denkmalgeschützte ehemalige Empfangsgebäude des Bahnhofs Bismarckstraße.[3] Das Haus wird geleitet von der Rebbetzin Shterna Wolff, Witwe des 2020 verstorbenen Rabbiners und Namensgebers des Hauses Benjamin, Benjamin Wolff.[1] Rabbiner der Gemeinde Chabad Lubawitsch Niedersachsen ist Levi Gottlib.[4]

Haus Benjamin in der Südstadt von Hannover, Synagoge der Gemeinde Chabad Lubawitsch in Niedersachsen

Geschichte

Das Empfangsgebäude des Bismarckbahnhofs im Jahr 1910

Das heute als Einzeldenkmal geschützte Gebäude wurde von 1910 bis 1911 auf T-förmigen Grundriss als zweigeschossiger Putzbau unter Mansardwalmdach errichtet. Der Sockel und der Vorbau mit seinem Rundbogen wurde in Sandstein ausgeführt, das darüber errichtete Mansarddach mit Zwerchhaus durch Werkstein gegliedert. Ursprünglich waren zudem Dachgauben für Fledermäuse vorgehalten.[3]

Anfang des 21. Jahrhunderts diente das Gebäude unter anderem bis 2011 teils als „Partylocation“, als „Steaks-and-more-Restaurant“ und von etwa 2016 bis 2018 als „bayerisches Hofbräu-Wirtshaus“.[5]

Nach dem frühen Tod des Rabbiners Benjamin Wolff im April 2020, der mit seiner Ehefrau Shterna ab 2005 ein Chabad-Zentrum in Hannover-Kleefeld aufgebaut hatte, stifteten rund 16.000 Menschen aus aller Welt unter anderem durch Online-Spenden und Auktionen die finanziellen Mittel,[5] mit denen das ehemalige Bahnhofsgebäude noch im Todesjahr des Rabbiners für rund 3,1 Millionen Euro von einem privaten Vorbesitzer durch die Chabad-Gemeinde erworben werden konnten. Damit wurde das dann Haus Benjamin genannte Bauwerk die erste Synagoge in Deutschland nach 1945, die ausschließlich privat und ohne staatliche Gelder finanziert wurde.[5]

Der nach Jerusalem ausgerichtete Toraschrank
Der geöffnete Toraschrank

Nachdem Shterna Wolff als erste Frau in der Geschichte der orthodoxen Chabad-Bewegung nach Entscheidung der verantwortlichen Rabbiner in New York im Jahr 2020 die Leitung des Hauses überantwortet wurde, veranlasste die Rebbetzin die Umnutzung der ehemaligen Bahnhofshalle zur Synagoge, in der der Toraschrank schon „vor dem Einzug der jüdischen Gemeinschaft passgenau nach Jerusalem ausgerichtet“ wurde. Die große Halle wurde sowohl als Gebetsraum als auch als Mehrzweckhalle für unterschiedlichste Veranstaltungen eingerichtet, ergänzt durch verschiedene Räumlichkeiten wie vor allem einen Klassenraum für die Sonntagsschule und eine koschere Küche, die beispielsweise für jüdische Gäste der Hannover-Messe genutzt werden kann. Bei der denkmalgerechten Umnutzung des Bauwerks wurden unter anderem die historischen Fliesen teils wieder freigelegt. Lediglich der Südflügel des Bauwerks wurde weiterhin an das auf anatolischen Speisen spezialisierte Kale-Restaurant vermietet.[5]

Parallel zu den Umgestaltungsarbeiten schuf der Sofer Arie Merkhasin in über einjähriger Arbeit eine eigens für die jüdische Gemeinde Chabad Niedersachsen geschriebene Torarolle, deren letzte Buchstaben in Hannover vor Ort vollendet wurden.[5]

Zur feierlichen Eröffnung des Hauses Benjamin am 13. April 2021 sprachen unter anderem der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Berlin Yehuda Teichtal, der niedersächsische Antisemitismusbeauftragte Rainer Enste und Altbundespräsident Christian Wulff.[1]

Aus den Mitteln weiterer Spenden wurde später auf Initiative der Rebbetzin Shterna Wolff auf dem Außengelände ein Kinderspielplatz eingerichtet, dessen Design auf der Schöpfungsgeschichte der Tora basiert.[6]

Siehe auch

Einzelnachweise

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