Hedmarken
Landschaft in Innlandet, Norwegen
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Hedmarken (früher Hedemarken) ist eine Landschaft im norwegischen Fylke (Provinz) Innlandet. Sie liegt zwischen dem Mjøsa-See im Westen und dem Tal der Glomma im Osten und besteht aus den vier Gemeinden Ringsaker, Hamar, Løten und Stange. Fast 100.000 Einwohner bewohnen das seit alters her besiedelte Gebiet mit fruchtbaren Böden. Die intensiv betriebene Landwirtschaft produziert hauptsächlich Getreide, aber auch Gemüse und Vieh. Während der wichtigste und zentral gelegene Ort Hamar auf 130 Meter Seehöhe liegt, steigt die Landschaft im Nordosten, wo sich die Wald- und Moorgebiete der Hedsmarksvidda erstrecken, bis auf 1090 Meter Seehöhe an.
| Hedmarken Hedemarken | |||
|---|---|---|---|
|
| |||
| Basisdaten | |||
| Staat | |||
| Provinz (fylke) | Innlandet | ||
| Gemeinde (kommune): | Ringsaker, Hamar, Løten, Stange | ||
| Koordinaten: | 60° 48′ N, 11° 17′ O | ||
| Einwohner: | 98.974 (2025) | ||
| Fläche: | 2.725 km² | ||
| Bevölkerungsdichte: | 36 Einwohner je km² | ||
| Höhe: | 196 moh. | ||
| Verkehr | |||
| Straße: | Europastraße 6 Riksvei 3 Riksvei 25 | ||
| Bahnanschluss: | Dovrebanen Rørosbanen | ||
Landschaft in Vang, Hedmarken | |||
Geografie

Hedmarken liegt im Süden von Innlandet und grenzt im Nordwesten an Gudbrandsdalen, im Nordosten an Østerdalen, im Südosten an Glåmdalen und im Südwesten an Vestoppland. Im Süden (in der Kommune Stange) besteht eine kurze gemeinsame Grenze zum Fylke Akershus. Die westliche Grenze wird vom Mjøsa-See gebildet, an dessen gegenüberliegenden Ufer Gjøvik liegt. Die östliche Grenze ist die Wasserscheide zum Glommatal, das über eine nach Elverum führende Straße erreicht werden kann. Fünf Kilometer hinter der nördlichen Grenze liegt die Olympiastadt Lillehammer.
Die Gesamtfläche von Hedmarken beträgt 2.725 km², wovon 384 km² landwirtschaftlich genutzt werden.[1] Ein sehr großer Anteil des Landes ist von Wald bedeckt (um 1900 waren es noch mehr als 50 % der Gesamtfläche).[2]
Das Gelände steigt vom Mjøsa-See (123 Meter Seehöhe) nach Nordosten an und erreicht mit dem Tua in der Kommune Ringsaker den höchsten Punkt mit 1090,5 Meter. Die höher gelegenen nordöstlichen Gebiete gehören zur Hedmarksvidda, die mit Nadelwald und Mooren bedeckt ist und ein beliebtes Wandergebiet darstellt.
Die Böden der tieferen Gebiete am Mjøsa bestehen aus lockeren, kalkreichen Gesteinen aus dem Kambrium und dem Silur. Hier befinden sich auf fruchtbarem Moränenboden einige der ertragreichsten landwirtschaftlichen Flächen Norwegens. Dagegen ist der Untergrund der Hedmarksvidda aus härterem Sandstein mit einem hohen Feldspat-Anteil gebildet, dem sogenannten Sparagmit alias Arkose.[1]
Das norwegische Katasteramt Kartverket definiert den geografischen Mittelpunkt der Landschaft Hedmarken als 60° 48′ 4,28″ N und 11° 16′ 50,05″ O in der Kommune Løten.[3] Hier liegt mit der Adresse Kongsvegen 904[4] auf einer Seehöhe von 196,3 Meter der Hof Haugset.[5] Diese Daten wurden der Infobox zu Grunde gelegt.
Einwohner
Hedmarken besteht aus den Gemeinden Ringsaker, Hamar, Løten und Stange (von Nord nach Süd aufgezählt). Es gibt etwa zwanzig Tettsteder, also dicht bebaute Ortschaften, die für statistische Zwecke als städtische Siedlungen angesehen werden. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung leben in diesen Ortschaften, aber in den Agrargebieten entlang des Mjøsa sind auch die ländlichen Gebiete relativ dicht besiedelt.[1]

| Kommunen- nummer |
Karte | Name | Einwohner (1. Januar 2026) |
Fläche (km²) |
Sprach- form |
|---|---|---|---|---|---|
| 3403 | Hamar | 33.817 | 350,93 | neutral | |
| 3411 | Ringsaker | 36.199 | 1.280,09 | Bokmål | |
| 3412 | Løten | 7951 | 369,44 | Bokmål | |
| 3413 | Stange | 21.839 | 724,27 | Bokmål |
| Nummer | Tettsted | Fläche(km²) | Bevölkerung | Kommune(n) |
|---|---|---|---|---|
| 1001 | Hamar | 14,24 | 30.535 | Hamar, Ringsaker, Stange |
| 1021 | Brumunddal | 7,34 | 11.470 | Ringsaker |
| 1058 | Bekkelaget | 3,33 | 7.104 | Stange |
| 1023 | Moelv | 3,98 | 4.614 | Ringsaker |
| 1052 | Stange | 2,36 | 3.547 | Stange |
| 1042 | Løten | 1,88 | 2.996 | Løten |
| 1054 | Ilseng | 1,07 | 998 | Stange, Hamar |
| 1002 | Ingeberg | 0,47 | 962 | Hamar |
| 1043 | Løiten Brænderi | 0,79 | 899 | Løten |
| 1041 | Ådalsbruk | 0,83 | 860 | Løten, Stange |
| 1056 | Romedal | 0,50 | 729 | Stange |
| 1055 | Gata | 0,60 | 531 | Stange |
Zwischen 1951 und 2025 ist die Bevölkerung von Hedmarken um 49,3 % gestiegen, von 66.000 auf 99.000 Einwohner, aber in den einzelnen Kommunen unterschiedlich stark. Hamar, das Sitz der Fylkeskommune von Innlandet und Residenz eines Bischofs ist, erlebte seinen Zuwachs von 83,2 % wohl wegen seiner Anziehungskraft als Metropolregion. Die ländlichen Kommunen wuchsen langsamer; Stange um 41,4 %, Ringsaker um 37,2 %, Løten um 21,9 %. In diesen drei Gemeinden wirkte sich auch der ab 1970 in ganz Norwegen zu beobachtende Rückgang der Geburtenrate stärker aus.

| Jahr | Hamar | Ringsaker | Løten | Stange | Insgesamt |
|---|---|---|---|---|---|
| 1951 | 18.258 | 26.169 | 6.506 | 15.338 | 66.271 |
| 1960 | 20.921 | 27.352 | 6.339 | 16.239 | 70.851 |
| 1970 | 24.053 | 28.717 | 6.252 | 16.801 | 75.823 |
| 1980 | 24.785 | 30.319 | 6.822 | 17.769 | 79.695 |
| 1990 | 25.132 | 31.180 | 7.067 | 17.611 | 80.990 |
| 2000 | 26.545 | 31.622 | 7.188 | 17.928 | 83.283 |
| 2010 | 28.344 | 32.524 | 7.272 | 19.104 | 87.244 |
| 2020 | 31.369 | 34.768 | 7.674 | 21.064 | 94.875 |
| 2025 | 33.441 | 35.911 | 7.931 | 21.691 | 98.974 |
Namen
Hedmarken kommt vom Altnordischen Heiðmǫrk und wurde zusammengesetzt aus heiðnir (oder heinir), was Heide bzw. unbewohntes Land bedeutet und mǫrk aus dem Germanischen *markō, das in der Bedeutung Grenzregion bei der Benennung verschiedenster Territorien mitgewirkt hat.[1]
Die Region wurde schon von Snorri Sturluson in seinem um 1230 entstandenen Heimskringla mehrfach erwähnt, und zwar als Heidmarki.[8] Bis in die Neuzeit waren Hedmark oder Heidmark gängige Varianten. Durch den Einfluss des Dänischen wurde ab dem 17. Jahrhundert in das Wort ein e eingefügt und Hedemarken wurde der gebräuchliche Ausdruck, der mit Hedemarkens amt auch für die größere Provinz namensgebend wurde.
Noch 1996 bestätigte Kartverket Hedemarken als offiziellen Namen. Auf Initiative des Furnes Historiaklubs (Geschichtsverein von Furnes) legte die Gemeinde Ringsaker Widerspruch ein, und 2003 beschloss die Beschwerdekommission für Ortsnamen, der überlieferten lokalen Aussprache zu folgen, und den offiziellen Namen in Hedmarken zu ändern.[9]
Mit der Umwandlung der Ämter in Fylke 1919 wurde Hedemarkens amt zu Hedmark fylke, wohl um die Provinz Hedmark von der Landschaft Hed(e)marken deutlich zu unterscheiden. Ausländische Sprachen, z. B. das Englische oder Schwedische, differenzieren nicht. So führt das Nordisk familjebok in der Ausgabe von 1952 unter dem Lemma Hedmark (förr Hedemarken) beide Bedeutungen an, das Fylke und die Landschaft.[10]
Ein Einwohner der Landschaft Hedmark wird auf Bokmål hedmarking genannt (bzw. in der Mehrzahl hedmarkinger). Das Adjektiv („hedmarkisch“) lautet hedmarksk.[11]
Geschichte

Die Erwähnung von Heidmarki in der Heimskringla macht klar, dass die Region um Hamar bereits im Hochmittelalter als eigenständiges Gemeinwesen wahrgenommen wurde. Etwas später wurde das Gebiet als Heinafylki bezeichnet und umfasste außer dem heutigen Hedmarken auch noch Gjøvik.[12] Es grenzte im Norden an Gudbrandsdalen, im Osten an Østerdalen, im Süden an Raumariki und im Westen an Hadaland. Heinafylki gehörte zum Gerichtsbezirk Eidsivathing mit dem Gerichtsstand in Eidsvoll.
Verwaltungsmäßig gehörte Hedmarken im Mittelalter zum Lehen Hamar. Dieses wurde im 16. Jahrhundert dem Hauptlehen Akershus unterstellt, das ab dem 19. Februar 1662 als Akershus (Christiania) Stiftamt bezeichnet wurde. Die späteren Provinzen Hedmark und Oppland wurden 1687 bis 1694 erstmals als Gudbrandsdalens og Hedemarkens amt ausgegliedert und ab 1757 erneut als Oplandenes amt. Dieses Amt hatte dieselben Grenzen wie das heutige Fylke Innlandet. 1781 wurde davon Hedemarkens amt abgespalten, das spätere Hedmark.[13]
Hedemarkens amt war in fünf Vogteien gegliedert: Hedemarken, Vinger og Odalen, Solør, Søndre Østerdalen, Nordre Østerdalen. Als durch die Formannskapslovene von 1837 die kommunale Selbstverwaltung eingeführt wurde, wurden auf dem Gebiet der Hedemarkens fogderi sechs Gemeinden eingerichtet: Ringsaker, Nes, Vang, Løten, Romedal und Stange. Løten (früher: Løiten) behielt bis heute seine ursprünglichen Grenzen. 1849 entstand – durch Abspaltung von Vang – das im 16. Jahrhundert wüst gewordene Hamar neu als Gemeinde mit Stadtrecht (Kjøpstad). (Einige Jahre später wurde auch ein eigenes Bistum Hamar aus der Diözese Christiania ausgegliedert.) 1891 entstand Furnes, ebenfalls durch Abspaltung von Vang.[13]
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestand Hedmarken aus den sieben Herreder der Hedemarken fogderi sowie der Hamar kjøpstad:
| Kommune | Fläche (km²) | Bevölkerung |
|---|---|---|
| Herreder: | ||
| Ringsaker | 878,39 | 10.549 |
| Nes | 175,21 | 3.403 |
| Furnes | 218,33 | 3.790 |
| Vang | 314,87 | 5.703 |
| Løiten | 349,05 | 5.103 |
| Romedal | 363,41 | 4.593 |
| Stange | 327,38 | 6.668 |
| Hedemarken fogderi | 2.626,64 | 39.809 |
| Hamar kjøpstad | 1,10 | 6.046 |
Während des 20. Jahrhunderts wurde die Anzahl der Gemeinden halbiert. Hamar wurde mehrere Male auf Kosten von Vang und Furnes erweitert. Am 1. Januar 1964 wurden Nes mit 4.184 Einwohnern und Furnes mit 7.288 Einwohnern nach Ringsaker eingemeindet. Am selben Tag wurde Romedal (6.441 Einwohner) zu Stange geschlagen. Und schließlich verschwand am 1. Januar 1992 Vang (9.103 Einwohner) in Hamar.[15]
Die Abschaffung der Hedemarken fogderi kurz nach 1900, die Umbenennung von Hedemarkens amt nach Hedmark fylke 1919 und die Verschmelzung der Fylke Hedmark und Oppland 2020 zum Fylke Innlandet änderten nichts an den Gemeindegrenzen in Hedmarken.
Wirtschaft

Der leicht zu bewirtschaftende Boden führte schon früh zur Besiedelung des Gebiets. In Hedmarken liegen viele der größten Bauernhöfe des Landes und Ringsaker ist unter den norwegischen Gemeinden jene mit der zweitgrößten landwirtschaftlichen Fläche. Von den 384 genutzten km² dienen fast zwei Drittel dem Anbau von Getreide. Dazu kommt ein beträchtlicher Anbau von Kartoffeln, Gemüse und Beerenobst sowie die Viehzucht mit Almwirtschaft. Auch die Waldflächen sind sehr ausgedehnt, vor allem auf den Sparagmit-Böden (Arkose) im Norden und den Grunnfjell-Böden (Plutonit) im Osten.
Die Land- und Forstwirtschaft bildet auch die Grundlage der ansässigen Industrie, die einerseits die angebauten Rohstoffe verarbeitet und andererseits für die Land- und Forstwirte die entsprechende Ausrüstung erzeugt. Die Zwischenprodukte der Sägewerke werden vom Handwerk weiterverarbeitet, z. B. zu Fertighäusern.[1]
Ein Bericht aus dem Jahre 1909 lässt erkennen, dass sich die Schwerpunkte seither vorschoben haben. Damals wurden „nur“ 216 km² landwirtschaftlich genutzt und der Wald bedeckte über die Hälfte der Gesamtfläche Hedmarkens. Weiters hebt der Bericht die Milchproduktion durch 11 Molkereien und die Erzeugung von Spirituosen durch 9 Brennereibetriebe hervor.[2]
Die vier Gemeinden Hedmarkens haben sich zu einer Arbeitsgemeinschaft, dem Regionrådet for Hamarregionen, zusammengeschlossen. Der Rat „konzentriert sich auf die regionale Entwicklung der Gesellschaft in der Region Hamar“,[16] u. a. durch die Unterstützung von Betriebsansiedlungen. Auf seiner Website gibt er nützliche Informationen für Zuwanderer nach Hedmarken,[17] und zwar bewusst auch für Ausländer.[18] Die Zusammenarbeit der Gemeinden wird durch einen mit Gemeindevertretern besetzten „Politischen Rat“ (Hamarregionen IPR) koordiniert.[16]
Verkehr

Entlang des Mjøsa verlaufen die Europastraße 6 und die Dovrebanen. Beide Strecke führen in Nord-Süd-Richtung von Lillehammer über Hamar zum Flughafen Oslo-Gardermoen und zur Hauptstadt. In Hamar besteht Anschluss an den Riksvei 25, den Riksvei 3 und die Rørosbanen, die alle von hier nach Elverum führen – der einzige Übergang nach Østerdalen auf 100 Kilometer (der nächste führt weiter südlich vom Flughafen nach Kongsvinger).[1]
Literatur
- Edda Espeland: En reise rundt Mjøsa. Kom forlag, Oslo 2013, ISBN 978-82-93191-15-5.
- Rolv Dahl, Ole Nashoug, Johan Petter Nystuen (Hrsg.): Mjøsområdet. Geologi og landskap. ‚Norges skjønneste og frugtbareste Ægn.‘ Hedmark geologiforening, Ingeberg 2017, ISBN 978-82-73852-00-7.
Weblinks
- Hamarregionen. Offizielle Website
- Willkommen am Mjøsa-See und in der Hamar-Region. Offizielle Tourismusinformation (deutsch)
- Hamar og Hedemarken Turistforening bei Den Norske Turistforening
- Utforsk Hedmarken og Hedmarksvidda! Tourenvorschläge von Den Norske Turistforening




