Heidschi Bumbeidschi
deutschsprachiges Volkslied
From Wikipedia, the free encyclopedia
Heidschi Bumbeidschi ist ein deutschsprachiges Volkslied in bairischer Mundart, das seit Beginn des 19. Jahrhunderts in Bayern und Österreich überliefert ist. Es wird häufig als Wiegen- und gelegentlich auch – fälschlich – als Weihnachtslied bezeichnet. Allerdings ist der Liedtext mehrdeutig.

Quellen und Überlieferung
Die früheste bekannte Fassung ist das Lied Haidl Bubaidl, dessen Melodie in einer untextierten Lautentabulatur aus den 1730er-Jahren nachweisbar ist.[1][2] Zusammen mit dem Text wurde das Lied in Österreich aufgezeichnet und 1819 veröffentlicht.[3] Die frühesten Belege geben als Herkunftsgegend Niederösterreich und Deutschböhmen an.[4][5] Ein Lied mit dem Textbeginn „Haia Pupaia, mein Kindlein schlåff ein“, das dem Haidl Bubaidl im Versschema völlig gleicht, wurde bereits 1724 bei einer „Wirtschaft“, also einem Faschingsfest, am Wiener Hof gesungen.[6] Die Melodie dieses Liedes ist allerdings nicht überliefert. Das Lied wird bei Kretzschmer/Zuccalmaglio 1840[7] sowie bei Franz Magnus Böhme 1897[8] eindeutig als „Wiegenlied“ charakterisiert. Die in diesen Quellen angegebene Melodie stimmt allerdings nicht mit der heute bekannten überein.
Die heute gesungene Melodie fand zusammen mit dem Text ab 1905 Verbreitung durch ein Liederheft des Deutschen Volkslied-Vereins Wien.[9][10][4][5] Sie wurde von Mila Moherndl in Heuraffl bei Friedberg im Böhmerwald aufgezeichnet.[9][11][10] Der Textanfang lautete in dieser Fassung noch etwas abweichend Åba haidschi mei Büabai schlåf långi; die Herausgeber geben an, die dritte und vierte Strophe nach Ziska/Schottky (1819) ergänzt zu haben, da „die 1. Strophe dartut, daß die beiden Wiegenliedchen nur verschiedene Lesarten eines und desselben Liedes sind“.[9] Die heute verbreitete Textfassung Aber heidschi bumbeidschi ist seit 1926 nachgewiesen.[12] 1943 wurde die Melodie auch vom Volksmusiksammler Wastl Fanderl veröffentlicht.[13] Allerdings wurde in der Kunstmusik des 19. Jahrhunderts mehrfach eine sehr ähnliche Melodie zitiert, so in der Rhapsodie espagnole S. 254 von Franz Liszt (1845) sowie im Posthorn-Solo im 3. Satz der 3. Sinfonie von Gustav Mahler (1892–96).[14][15] Es ist derzeit nicht klar, auf welche Vorlagen diese Melodiezitate zurückgehen könnten.
Ursprung und Bedeutung
Bei der Interpretation des traditionellen Textes, der oftmals verändert wurde, fällt auf, dass anfangs von einer Mutter die Rede ist, die ihr Bübchen allein lässt, in den nächsten Strophen von dessen Fahrt in den Himmel und in der letzten Strophe von einem kleinen Buben, der seiner Mutter weggenommen wurde.
Dazu existieren verschiedene Deutungsmöglichkeiten. Zum einen wird von mehreren Autoren vermutet, dass sich das Lied auf die hohe Säuglingssterblichkeit während der Frühen Neuzeit bezieht und mit „Heidschi Bumbeidschi“ daher der Tod gemeint ist.[16][17]
Andere Quellen beziehen die etymologische Herkunft des Begriffs dagegen auf österreichisch hutschen für „in den Schlaf wiegen“. Der in der älteren Textfassung angeführte „Haid’l-Bubaid’l“ wurde im 19. Jahrhundert in niederösterreichischer Mundart mit „Schlaf“ übersetzt.[18] Franz Magnus Böhme merkte an: „Die sinnlos erscheinenden Anfangssilben sind Varianten von ‚Heia Bubbeia‘. Sie sagen so viel wie ‚Schlaf, Bübchen!‘“[8]
Mitte des 19. Jahrhunderts kam in Wien die These auf, die Wiegenlied-Anfangsworte „Heidschi Bumbeidschi“ oder auch „Eia Popeia“ gingen auf ein griechisches Wiegenlied „Heude mou paidion“ zurück, das griechische Prinzessinnen, besonders Theodora, die Gattin des Babenberger-Herzogs Heinrich II., vom 12. Jahrhundert an aus ihrem Heimatland mitgebracht hätten.[19] Die moderne Forschung betrachtet diese These allerdings als wenig wahrscheinlich.[6][20]
Text
Åber heidschi bumbeidschi, schlåf långe,
es is jå dein Muatter ausgånga;
sie is jå ausgånga und kimmt neamer hoam
und låßt dås kloan Biabele gånz alloan!
Åber heidschi bumbeidschi bum bum,
åber heidschi bumbeidschi bum bum.
Åber heidschi bumbeidschi, schlåf siaße,
die Engelen låssn di griaßn!
Sie låssn di griaßn und låssn di frågn,
ob du in’ Himml spaziern willst fåhrn.
Åber heidschi bumbeidschi ...
Åber heidschi bumbeidschi, in’ Himmel,
då fåhrt di a schneeweißer Schimml,
drauf sitzt a kloans Engei mit oaner Låtern,
drein leicht’ von’ Himml der ållerschenst Stern.
Åber heidschi bumbeidschi ...
Der Heidschi bumbeidschi is kumma
und håt ma mein Biable mitgnumma;
er håt ma’s mitgnumma und håts neamer bråcht,
drum winsch i mein’ Biaberl a recht guate Nåcht!
Åber heidschi bumbeidschi ...[12]
Interpretationen
Heidschi Bumbeidschi wurde von zahlreichen Musikern interpretiert. Die Plattform cover.info listete im Juli 2022 fast 80 Versionen des Liedes.[21]
| Chartplatzierungen Erklärung der Daten | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Singles[22] | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
In Deutschland schafften es die Interpretationen von Peter Alexander (1965), Heintje (1968) und Andrea Berg (1999) in die Charts. Der Text wurde dafür jeweils in abgemilderter oder völlig veränderter Form in die hochdeutsche Sprache übertragen. Die bekannteste und erfolgreichste Interpretation stammt hierbei von Heintje aus dem Jahr 1968, die sich 16 Wochen in den deutschen Top-10 der Charts hielt, davon 8 Wochen auf Platz 1.[23][24] Bergs Version, die auch auf dem Album Dezember Nacht erschien, erreichte in den deutschen Charts Platz 46 und in den österreichischen Charts Platz 65.[25] Naturgemäß trägt keine der drei Fassungen zur Herkunft und Deutung des Lieds bei.
Literatur
- Timon Schlichenmaier, Stephanie Klein: Der Wiegenlieder-Schatz. Timon, Weissach 2004, ISBN 3-938335-00-9, S. 12 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
Weblinks
- Aber heidschi bumbeidschi im Liederprojekt von Carus-Verlag und SWR2
- Xaver Frühbeis: Von Müttern und Engeln. „Heidschi bumbeidschi“. BR-Klassik Mittagsmusik extra: Volkslieder, Sendung vom 30. Dezember 2014.
- Heidschi Bumbeidschi – Codewort: Himmel, Der Freitag, 26. Dezember 2013, mit Link zu einer Interpretation von Esther Ofarim.