Heinrich Telemann

deutscher Pfarrer From Wikipedia, the free encyclopedia

Heinrich Telemann (* 22. März 1646 in Cochstedt; † 26. Januar 1685 in Magdeburg) war ein deutscher Pfarrer und der Vater des Komponisten Georg Philipp Telemann.

Leben

Heinrich Telemann wurde als Sohn des Georg Telemann (* 1605 in Rüxleben; † 30. Dezember 1663), der Pfarrer in Cochstedt war, und der Margaretha Telemann (geb. Thering; 1618–1680), Enkelin des Heinrich Thering (um 1568–1644; Kantor in Halberstadt) geboren. Georg wiederum war der Sohn des Johann(es) Telemann, einem löblichen Bürger, Frei- und Erbsasse des Rittergutes zu Rüxleben in Nordhausen.[1]

Seinen ersten Schulunterricht erhielt er in Cochstedt bei Kantor Kaspar Glaser und Andreas Fieseler. Danach kam er 1658 nach Aschersleben. Dort war er Schüler von Martin Tesselius und Melchior Friccii. Im Jahre 1660 ging er nach Halberstadt in die Martins-Schule und wurde dort von Friedrich Hartgen und Melchior Wurzler unterrichtet. Nach einem Jahr übersiedelte er über Egeln nach Quedlinburg, wo beim Bürgermeister Riemenschneider ein Hospitium erhielt. 1663 ging er aufgrund des Todes Riemenschneiders nach Schöningen, wo er einen Freitisch der Anna Sophia von Braunschweig-Wolfenbüttel (wahrscheinlich in der von ihr begründeten Lateinschule Anna-Sophianeum) bekam. Ab Oktober 1664 studierte er (wahrscheinlich Theologie) an der Universität Helmstedt bis 1668 mit einem Stipendium, welches ihm der Abt von Kloster Riddagshausen Brandanus Daetrius gewährte. Dort promovierte er auch unter den Pastoren Johann Stroher aus Wolmirstedt und Stephan Schirmer aus Unseburg.

Namenszug auf der Telemannglocke

Danach ist er kurzzeitig als Rektor in Hadmersleben (Hoimersleben) und ab Dezember 1668 bis 1676 als Pastor in Hakeborn nachweisbar. Danach war er vom 6. Juli 1676 bis 1683 Diakon an der Heiligen-Geist-Kirche in Magdeburg. In Magdeburg war er Amtskollege von Christian Scriver. Er erwarb 1679 für 200 Taler in Magdeburg das Haus Judengasse 1.[2] Ab 1683 nahm er einen Ruf als Pfarrer in seiner Geburtsstadt Cochstedt an, verstarb kurz danach aber wegen seiner schwachen Konstitution bereits mit knapp 39 Jahren. Er wurde am 2. Februar 1685 in der Heiliggeistkirche in Magdeburg neben dem Taufstein begraben. Die Leichenpredigt hielt Pastor Samuel Laue.[3]

Er heiratete am 1. Mai 1670 in Hakeborn Johanna Maria Haltmeyer (* 14. März 1642; † 15. Dezember 1711 in Wormstedt). Sie war die Tochter des aus Freistadt in Österreich stammenden Pfarrers Johann Haltmeyer in Alvensleben und der Sophie Haltmeyer (geb. Himsel). Mit ihr hatte er sieben Kinder, wovon der Zweitjüngste der spätere Komponist Georg Philipp Telemann war. Bereits in Hakeborn wurden am 7. Juni 1670 Anna Dora (starb im gleichen Jahr), 1671 Johann Georg († 1672), am 25. November 1672 Heinrich Matthias († 1746; Pastor in Wormstedt) und 1675 Anna Margarete († 1699) geboren. In Magdeburg wurde dann Elisabeth (1678–1779) und nach Georg Philipp (1681) noch Johann Gerhard (1682–1685) geboren.[4][5]

Friedrich Gottlieb Kettner berichtet nach dem Tod Heinrichs folgendes:

Kurtz vor seinem Ende träumte ihm, die Caplaney sei eingefallen, und das hat ihm [selbst] gegolten, indem er A. 1685. den 26. Jan. Todes verblichen und dem 2, Febr. Begraben worden, seines Alters fast 39 Jahre. Die Leichenpredigt hielt ihm sein damahliger Coll. M. Laue, und liegt er nach erfolgter Ausbauung der H. Geists-Kirche, wo nicht unter doch wenigstens gleich vor der Cantzel begraben. Seine Wittwe ließ er in großer Armuth und Melancholey zurück, worzu auch der ietzo berühmte Director Musices in Hamburg von seinem 4ten Jahr an gar sehr geneiget war, der fast unaufhörlich Tag und Nachts geschrieen, und von ungeheuren Gesichten geredet hat, daß man nur GOtt über ihn angeruffen einen gnädigen Wechsel mit ihm zu treffen. Aber wie jene durch eine von dem sel. Scriverio angehörte Paßions-Predigt kräfftig gerühret worden, daß sie aus der Kirchen nach Hause geeilet, und ihr freudig Hertz mit Absingung dieser Schönen Lieder: Nun lob meine Seel den Herrn etc. desgl. Weg mein Hertz mit den Gedancken etc. geoffenbahret, auch nachher ihr Leben in 70ten Jahr ihres Alters bey ihrem Hn. Sohn in Wormstedt voller Glaubens beschlossen hat, also hat auch diesem der Herr geholffen, und am Leib und Gemüth mächtig gestärcket, daß er, wie am Tage ist, zur Erhebung des Lobes Gottes, und zur geziemenden Freude seines Nächsten mit seinem Talent fürtrefflich dienen kann.[6]

Grabstein von Maria Telemann in Wormstedt

Er ist namentlich auf der 1683 gegossenen Telemannglocke verewigt.

Seine Frau Maria zog nach dem Tod ihres Mannes zu ihrem Sohn nach Wormstedt und verstarb dort 1711. Ihr Grabstein mit dem Hinweis auf ihren Ehemann Heinrich wurde 2005 wiederentdekt und restauriert. Georg Philipp besuchte am 28. April 1717 Wormstedt und komponierte dort die Kantate zum Sonntag Exaudi Wer will uns scheiden (TVWV 1 : 1613).[7][8]

Literatur

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI