Helga Möbius

ostdeutsche Kunsthistorikerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Helga Maria Möbius, geb. Sehorz (* 1935 in Opava (deutsch Troppau), Okres Opava, Tschechoslowakei) ist eine deutsche Kunsthistorikerin, Hochschullehrerin und Autorin.[Anm 1]

Leben

Helga Möbius studierte Kunstgeschichte an der Universität Jena. Ihre ersten Veröffentlichungen waren Kirchenführer in der Reihe Das christliche Denkmal im Union Verlag Berlin. Sie war die erste Frau des Kunsthistorikers Friedrich Möbius, mit dem sie auch gemeinsam erfolgreiche Bildbände (mit Fotos von Klaus G. Beyer) zu mittelalterlichen Kirchen in der DDR und ihrer Ornamentik veröffentlichte. 1970 wurde sie an der Universität Halle mit einer Dissertation zur romanischen Bauornamamentik in Mitteldeutschland promoviert.

1975 trennte sich das Ehepaar, und Helga Möbius zog nach Berlin. Von Oktober 1975 bis 1979 war sie Sekretärin für Kunstwissenschaften beim Verband Bildender Künstler der DDR. Seit 1979 wirkte sie als wissenschaftliche Oberassistentin an der Berliner Humboldt-Universität, wo sie sich 1988 bei Harald Olbrich mit einer Arbeit über das niederländische Bildnis im 17. Jahrhundert habilitierte. Schon 1982 hatte sie gemeinsam mit Olbrich einen Aufsatz mit dem programmatischen Titel Überlegungen zu einer sozialwissenschaftlichen Kunstgeschichte[1] veröffentlicht, „in dem sie im Rahmen einer marxistischen Kunstwissenschaft eine Neuausrichtung versuchten, die stärker als zuvor das Kunstwerk in den Mittelpunkt der kunstwissenschaftlichen Arbeit stellen sollte“.[2] Sie war 1984 Mitglied der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe zur Vorbereitung der Ausstellung Alltag und Epoche.

1986 konnte sie als Reisekader „mit internationalem Renommee für Mittelalterforschung“ an der von Daniela Hammer-Tugendhat organisierten 3. Kunsthistorikerinnen-Tagung in Wien teilnehmen.[3] Von 1989 bis zum Eintritt in den Ruhestand 1997 lehrte Möbius an der Humboldt-Universität als Hochschuldozentin.[4]

Im Ruhestand lebt sie gemeinsam mit Harald Olbrich in Konz bei Trier.[5]

Helga Möbius forschte und veröffentlichte insbesondere zur mittelalterlichen Kunstgeschichte. In ihrer Zeit in Berlin wandte sie sich der Kulturgeschichte der Frau im Barock zu. In der Zeit der Wende analysierte sie kunsthistorisch aus feministischer Perspektive die Frauenfiguren in städtischen Räumen der DDR.[6]

Werke

  • Stadtkirche St. Marien zu Freyburg/Unstrut. Union, Berlin 1957 (= Das christliche Denkmal, 33).
  • Die Liebfrauenkirche zu Arnstadt. Berlin: Union 1959 (= Das christliche Denkmal, 46).
    • 2. Auflage 1981, Nachdruck: Schnell und Steiner, Regensburg 1995 (= Kleine Kunstführer, Nr. 1997).
  • Der Dom zu Merseburg. Union, Berlin 1960 (= Das christliche Denkmal, 44/45). 2. Auflage 1970
  • mit Friedrich Möbius: Sakrale Baukunst: Mittelalterliche Kirchen in der Deutschen Demokratischen Republik. Union, Berlin 1963.
    • Lizenzausgabe: Sakrale Baukunst: Mittelalterliche Kirchen zwischen Werra und Oder. Zettner, Würzburg/Wien 1964.
    • (engl.) Mediaeval Churches in Germany: Saxony, Thuringia, Brandenburg and Mecklenburg. Edition Leipzig, Leipzig 1964.
    • (frz.) Architecture religieuse en Allemagne: Saxe, Thuringe, Brandebourg, Mecklenbourg. Edition Leipzig, Leipzig 1964.
  • Der Dom zu Magdeburg. 3., überarb. Aufl. Union, Berlin 1969 (= Das christliche Denkmal. 50/51). 4. Auflage 1974
  • Studien zur mittelalterlichen Bauornamentik in Sachsen, Thüringen und der Mark Brandenburg. Phil. Diss. Halle 1970.
  • Die gotischen Kirchen in Heiligenstadt. Union, Berlin 1972 (= Das christliche Denkmal, 87/88).
  • Das Liebfrauenkloster in Magdeburg. Union, Berlin 1972 (= Das christliche Denkmal, 84).
  • Bibliographie zur thüringischen Kunstgeschichte. Akademie-Verlag, Berlin 1974 (= Schriften zur Kunstgeschichte, 16).
  • mit Friedrich Möbius: Ecclesia ornata: Ornament am mittelalterlichen Kirchenbau. Mit Aufnahmen von Klaus G. Beyer. Union, Berlin 1974; 2. Auflage 1978.
    • Lizenzausgabe: Bauornament im Mittelalter: Symbol und Bedeutung. Edition Tusch, Wien 1974, ISBN 978-3-85063-035-1, 2. Auflage 1978.
    • Lizenzausgabe: Ornamentale Kunst an gotischen und romanischen Kirchen. Buchclub Ex Libris, Zürich 1978.
  • Die Stiftskirche zu Gernrode. 3. Aufl. Union, Berlin 1976 (= Das christliche Denkmal. 68).
  • (Hrsg.) 30 Jahre Kunst und Kunstpolitik der DDR: Rostock, 24. - 25. März 1976; gekürztes Protokoll. Verband Bildender Künstler der DDR, Sekt. Kunstwissenschaft, Berlin 1976.
  • Passion und Auferstehung in Kultur und Kunst des Mittelalters. Union-Verlag, Berlin 1978.
  • Die Frau im Barock. Edition Leipzig, Leipzig 1982 (= Das Bild der Frau).
    • Lizenzausgabe: Kohlhammer, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1982, ISBN 978-3-17-007723-2.
    • (engl.) Woman of the baroque age. Edition Leipzig, Leipzig 1983.
    • auch: Allanheld, Osmun, Totowa NJ / Abner Schram, Montclair NJ 1984.
    • (frz.) La femme à l’age baroque. Presses Universitaires de France, Paris 1985.
    • (poln.) Kobieta baroku. Wydawnictwa Artystyczne i Filmow, Warschau 1986, ISBN 83-221-0380-8.
  • (Bearb.) Deutsche Kunstdenkmäler: Bezirke Erfurt, Gera, Suhl. Aufnahmen von Klaus G. Beyer, 2., verbesserte Aufl. Edition Leipzig, Leipzig 1986, ISBN 978-3-361-00072-8.
    • Lizenzausgabe: Deutsche Kunstdenkmäler: Thüringen. [dieser Bd. behandelt d. Bezirke Erfurt, Gera u. Suhl] 2., verb. Aufl. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1986.
    • 3. Auflage: Edition Leipzig, Leipzig 1990, ISBN 978-3-361-00072-8; Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt

1990, ISBN 978-3-534-03120-7.

  • Studien zum holländischen Porträt im 17. Jahrhundert. Diss. B. Humboldt-Univ. Berlin 1988.
  • mit Harald Olbrich: Holländische Malerei des 17. Jahrhunderts. Koehler & Amelang, Leipzig 1990, ISBN 978-3-7338-0059-8.
  • Frauenfiguren in städtischen Räumen der DDR. In: Feministische Studien, 8 (1990), S. 123–128 doi:10.1515/fs-1990-0112
  • Heiligenstadt, St. Marien. Schnell & Steiner, München/Zürich 1992 (= Kleine Kunstführer, Nr. 2002).
  • Heiligenstadt, St. Martin. Kunstverlag Peda, Passau 1994, ISBN 978-3-930102-22-8 (= Peda-Kunstführer. 117).
  • Heiligenstadt, St. Ägidius. Kunstverlag Peda, Passau 1995, ISBN 978-3-930102-70-9 (= Peda-Kunstführer. 313).
  • mit Harald Olbrich: Mit Tugend ist sie wohl geziert: das Barock. (= Frauenleben). Kabel, Hamburg [1994] ISBN 978-3-8225-0291-4

Literatur

  • Angelika Richter: Das Gesetz der Szene: Genderkritik, Performance Art und zweite Öffentlichkeit in der späten DDR. (= Studien zur visuellen Kultur. 26) Bielefeld: transcript 2019, ISBN 978-3-8394-4572-3

Anmerkungen

  1. Sie ist zu unterscheiden von der Kunsthistorikerin Helga Möbius-Sciurie (* 6. März 1940 in Jena), der zweiten Frau von Friedrich Möbius (Kunsthistoriker); durch ihre teilweise überlappenden Forschungsinteressen zur mittelalterlichen Kirchenkunst ist die Abgrenzung mitunter schwierig.

Einzelnachweise

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