Helmut Protze

deutscher Germanist und Dialektologe From Wikipedia, the free encyclopedia

Helmut Protze (* 6. Januar 1927 in Altendorf/Sebnitz; † 23. Mai 2015 in Leipzig) war ein deutscher Germanist und Dialektologe.[1]

Leben und Wirken

Nach seiner Reifeprüfung 1944 in Frankenberg/Sachsen studierte Helmut Protze von 1947 bis 1951 Germanistik, Geschichte, Philosophie und Pädagogik an der Universität Leipzig. 1952 legte er dort das Staatsexamen für den höheren Schuldienst bzw. das Diplom ab. Im Jahre 1955 promovierte er zum Dr. phil. an der Universität Leipzig bei dem Germanisten Theodor Frings. Nach Tätigkeiten als wissenschaftlicher Assistent bzw. Oberassistent und Lehrbeauftragter für mittelalterliche deutsche Literatur und Sprachinselforschung an der Universität Leipzig und Mitarbeiter der Deutschen Akademie der Wissenschaften Berlin wirkte er seit 1979 als Abteilungsleiter an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig.

Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeit und seiner Veröffentlichungen war vor allem die Areallinguistik, Dialektologie und Sprachinselforschung in Ostdeutschland, Siebenbürgen und in der Zips, sowie mittelalterliche deutschsprachige Autoren und Stadtbücher.[2] So erforschte er grundlegend in Felduntersuchungen die Westlausitzer Mundart und das benachbarte Ost-Meißenische, alle Ortsmundarten des Siebenbürgisch-Sächsischen, ostdeutsche städtische Umgangssprachen, Sprachkontakte zwischen dem Deutschen und dem Sorbischen in der Lausitz, Mundarten des Zipserdeutschen (wobei er nachwies, dass die südlichen Varietäten Mantakisch erst seit dem 15. Jahrhundert durch Zuzug aus dem bayrischen Dialektgebiet bayrisch überformt wurden), die Sprachformen historischer mittelalterlicher Stadtbücher, wie aus Göllnitz/Zips und Zwickau und die Sprache mittelalterlicher Autoren, wie Walther von der Vogelweide und Meier Helmbrecht. Er war ein verantwortlicher Herausgeber mehrerer Bände und revidierter Bände des Siebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuchs.[3]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Das Westlausitzische und Ostmeissnische. Dialektgeographische Untersuchungen zur lausitzisch-obersächsischen Sprach- und Siedlungsgeschichte (= Mitteldeutsche Studien, Band 20). Niemeyer, Halle/S. 1957 (= Dissertation Universität Leipzig).
  • (mit Karl Kurt Klein u. Hellmut Klima): Siebenbürgische Mundarten. Akademie-Verlag, Berlin 1959.
  • Das Wort "Markt" in den mitteldeutschen Mundarten. Mit besonderer Berücksichtigung des Siebenbürgisch-Sächsischen und unter Einbeziehung des Indogermanischen. Akademie-Verlag, Berlin 1961.
  • (Hrsg.): Walther von der Vogelweide: Sprüche und Lieder. Gesamtausgabe. Niemeyer, Halle/S. 1963 (3. Aufl. 1989).
  • (mit Siegfried Michalk): Studien zur sprachlichen Inferenz. Zwei Bände. Domowina-Verlag, Bautzen 1967/1974.
  • (Mithrsg.): Die deutsche Sprache. Kleine Enzyklopädie. Zwei Bände. VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1969/1970.
  • (Hrsg.): Werner der Gärtner: Meier Helmbrecht. Mittelhochdeutsch u. Neuhochdeutsch. Reclam, Leipzig 1972.
  • Wortatlas der städtischen Umgangssprache. Zur territorialen Differenzierung der Sprache in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen (= Mitteldeutsche Forschungen. Band 114). Böhlau, Köln 1997, ISBN 3-412-14296-4.
  • Das älteste Stadtbuch der königlich freien Bergstadt Göllnitz, Gelnica in der Unterzips und seine Sprache (= Germanistische Arbeiten zu Sprache und Kulturgeschichte. Band 41). Lang, Frankfurt/M. 2002, ISBN 3-631-39359-8.
  • (Bearb./Hrsg.): Das älteste Zwickauer Stadtbuch (1375–1481) und seine Sprache. Nach Vorarbeiten von Karl Steinmüller (= Germanistische Arbeiten zu Sprache und Kulturgeschichte. Band 48). Lang, Frankfurt/M. 2008, ISBN 978-3-631-58226-8.

Außerdem zahlreiche Aufsätze in Fachzeitschriften und Sammelbänden.

Einzelnachweise

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