Helpershain

Stadtteil von Ulrichstein From Wikipedia, the free encyclopedia

Helpershain ist ein Ortsteil der Stadt Ulrichstein im mittelhessischen Vogelsbergkreis. Das Gewanndorf liegt nordöstlich des Kernorts Ulrichstein im Vogelsberg an der Felda. Im Ort treffen sich die Landesstraßen 3162 und 3163.

Schnelle Fakten Stadt Ulrichstein ...
Helpershain
Koordinaten: 50° 36′ N,  14′ O
Höhe: 451 (449–478) m ü. NHN
Fläche: 8,42 km²[1]
Einwohner: 321 (Mai 2011)[2]
Bevölkerungsdichte: 38 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 35327
Vorwahl: 06645
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Ortsgeschichte

Evangelische Kirche in Helpershain

Mittelalter

Helpershain entstand wahrscheinlich im 12. oder 13. Jahrhundert. Helpershain wurde erstmals im Jahr 1266 als „Helfericheshaghain“ erwähnt, niedergeschrieben in einem Kopialbuch des 14. Jahrhunderts. Das Ort wird hier zusammen mit Köddingen als villa erwähnt: „... bona sua sita in villis videlicet Codinghin et Helfericheshaghain ...“ (seine Güter zu Köddingen und Helpershain).[3] In dieser Form ist das Grundwort verschrieben. Vermutlich 1295 wird der Zehnte in „Helfericheshan“ (... decimam meam in Helfericheshan ...) geführt.[4] In einer Urkunde von 1351 heißt es erneut: „... den Czendin czu Helferichshain ...“.[5] 1592 wird in einem Salbuch der Ortsname erstmals in der nhd. Sprachform schriftlich fixiert.[6] Abgeleitet ist der Ortsname von dem Rufnamen Helfrich.[7]

Neuzeit

Die heutige evangelische Kirche wurde 1908 erbaut, ihre Vorgängerin von 1669 mit Erweiterung 1717[8] zu einer Querkirche wurde 1910 abgebrochen. Kirchlich gehörte Helpershain vor der Reformation zum Kirchspiel Ober-Ohmen. Nach der Reformation gehörte es als Filiale zur Kirchengemeinde Stumpertenrod.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Helpershain:

„Helpershain (L. Bez. Alsfeld) evangel. Filialdorf; liegt im Vogelsberg, 312 St. von Alsfeld, hat 100 Häuser und 523 Einwohner, die außer 1 Katholiken evangelisch sind, so wie 2 Mahlmühlen. Die Einwohner beschäftigen sich auch stark mit der Verarbeitung des Flachses.“[9]

Früher gab es im Ort die heute fast ausgestorbenen Handwerke Nagelschmied und Schindler. Außerdem wurde im Dorf die Handweberei betrieben.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten die bis dahin selbständige Gemeinde Helpershain und weitere Gemeinden zum 31. Dezember 1971 freiwillig mit der Stadt Ulrichstein zur erweiterten Stadt Ulrichstein.[10][11] Für Helpershain wurde ein Ortsbezirk errichtet.[12]

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Helpershain angehört(e):[1][13][14]

Gerichte seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Helpershain das Amt Ulrichstein zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. Helpershain viel in den Gerichtsbezirk des „Landgerichts Alsfeld“. Durch Verfügung des Großherzoglich Hessischen Ministerium des Innern und der Justiz wurde am 1. Dezember 1838 Helpershain an den Bezirk des neu errichteten Landgerichts Ulrichstein abgetreten.[23]

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Ulrichstein“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[24]

1943 verlor das Amtsgericht Ulrichstein seine Selbständigkeit und wurde zur Zweigstelle des Amtsgerichts Schotten.[25] Mit Wirkung zum 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Schotten, und Helpershain kam zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Alsfeld.[26]

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Helpershain 321 Einwohner. Darunter waren 3 (0,9 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 36 Einwohner unter 18 Jahren, 114 zwischen 18 und 49, 87 zwischen 50 und 64 und 81 Einwohner waren älter.[2] Die Einwohner lebten in 132 Haushalten. Davon waren 24 Singlehaushalte, 48 Paare ohne Kinder und 42 Paare mit Kindern, sowie 15 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 30 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 75 Haushaltungen lebten keine Senioren.[2]

Einwohnerentwicklung

 1806:463 Einwohner, 91 Häuser[19]
 1829:523 Einwohner, 100 Häuser[9]
 1867:524 Einwohner, 95 bewohnte Gebäude[27]
 1875:539 Einwohner, 98 bewohnte Gebäude[28]
Helpershain: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2011
Jahr  Einwohner
1791
 
471
1800
 
464
1806
 
463
1829
 
523
1834
 
531
1840
 
524
1846
 
534
1852
 
530
1858
 
505
1864
 
529
1871
 
529
1875
 
539
1885
 
522
1895
 
496
1905
 
522
1910
 
534
1925
 
499
1939
 
457
1946
 
621
1950
 
576
1956
 
483
1961
 
436
1967
 
421
1970
 
427
1980
 
?
1990
 
?
2000
 
?
2011
 
321
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Zensus 2011[2]

Historische Religionszugehörigkeit

 1829:4522 evangelische, ein katholischer Einwohner[9]
 1961:403 evangelische (= 92,43 %), 32 katholische (= 7,34 %) Einwohner[1]

Helpershain gehört heute zum evangelischen Gruppenpfarramt Vogelsberg.

Politik

Für Helpershain besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Helpershain) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 65,88 %. Alle Kandidaten gehörten der „Gemeinschaftsliste Helpershain“ an.[29] Der Ortsbeirat wählte Mario Eifert zum Ortsvorsteher.[12]

Vereine

In Helpershain gibt es einen Schützenverein, einen Jugendarbeitskreis, die VDK Ortsgruppe, einen Angelverein, die Freiwillige Feuerwehr und einen Karnevalsklub.

Kulturdenkmäler

Wirtschaft und Infrastruktur

Auf dem 578 m hohen Goldnen Steinrück zwischen Helpershain, Dirlammen, Engelrod und Meiches befindet sich der größte zusammenhängende Windpark in Hessen mit mehr als 40 Windkraftanlagen (→ Windpark „Goldner Steinrück“).

Persönlichkeiten

Anmerkungen

  1. Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.
  2. Infolge der Rheinbundakte.
  3. Trennung zwischen Justiz (Landgericht Alsfeld) und Verwaltung.
  4. Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied.
  5. Im Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst.
  6. Am 31. Dezember 1971 wurde Helpershain mit anderen Gemeinden zur neu gebildeten Stadtgemeinde Ulrichstein zusammengeschlossen.

Einzelnachweise

Literatur

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