Hermann Genzken
lübeckischer Lehrer
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Wilhelm Hermann August Genzken (* 16. August 1856 in Schwarzenbek; † 30. April 1932 in Lübeck) war ein deutscher Gymnasiallehrer.

Leben
Herkunft
Hermann Genzken war ein Sohn des Schwarzenbeker Pastors und Konsistorialassessors Ernst Genzken und dessen Frau Maria Louise Wilhelmine, geb. Dahm, einer Schwester von Wilhelm Dahm. Der Ratzeburger Domprobst Carl Genzken war sein Großvater.
Laufbahn
Nachdem Genzken die Lauenburgische Gelehrtenschule in Ratzeburg besuchte, studierte er die Alten Sprachen, Geschichte und Erdkunde an den Universitäten Tübingen, Leipzig und Göttingen. In Göttingen wurde er mit einer in lateinischer Sprache verfassten Dissertation über die Feldzüge von Gnaeus Cornelius Scipio Calvus und Publius Cornelius Scipio auf der Iberischen Halbinsel im Zweiten Punischen Krieg zum Dr. phil. promoviert und machte 1879 sein Staatsexamen.
Zu Ostern 1880 trat Genzken unter Direktor Friedrich Breier als Hilfslehrer ins Lübecker Katharineum ein und wurde im Folgejahr unter Direktor Schubring als Oberlehrer angestellt. 1899 erhielt er den Titel Professor. Als der Direktor Reuter im Ersten Weltkrieg bei Soissons gefallen war, wurde Genken vom Februar 1915 bis Michaelis 1918 kommissarisch die Schulleitung übertragen. In den Kriegsjahren war allein die Aufrechterhaltung des Lehrbetriebes eine schwere Aufgabe. Mit seiner repräsentativen Persönlichkeit, seiner gefälligen Art und Arbeitskraft gelang dies jedoch gut. Auch im Gewinn neuer Lehrkräfte hatte er Glück.
Neben seiner Lehrtätigkeit unterhielt Genzken, wie damals nicht unüblich, eine Pension für auswärtige Schüler. Sie hatte den Ruf in der Stadt, die vornehmste ihrer Art zu sein. Sowohl der Adel der umliegenden Gebiete, für den das Katharineum die traditionelle Bildungsstätte gewesen ist, als auch der überseeische Großkaufmann schickte seine Söhne in Genzkens Haus am Hüxterdamm Nr. 18. Er selbst gab sich als Weltmann[1] und konnte auch bei den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln in einem, was auch in Thomas Manns literarischer Darstellung des Katharineums nicht unbeachtet blieb, über den damaligen Durchschnitt hinausgehenden Stil leben.
Da Genzken weit von schulmeisterlicher Pedanterie entfernt war, ist er von seinen Schülern geliebt worden. In der Schubringschen Ära der Autorität und Grammatokratie[2] schätzten sie den Philologen, der eigentlich kein Philologe war, in ihm. Genzken veröffentlichte eine Reihe von Aufsätzen zur Schulgeschichte. Seine als Beilage zum Schulprogramm 1907 publizierte Aufstellung aller Abiturienten des Katharineums von 1807 bis 1907 ist bis heute ein wichtige Quele geblieben.
Als Vertreter der Schulkammer war Oberstudienrat Genzken ab Herbst 1918 Mitglied der Oberschulbehörde.[3]
Zum 1. Oktober 1921 wurde Genzken nach dem Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand versetzt.
Seine Einäscherung fand am Nachmittag des 3. Mai 1932 im Krematorium auf dem Vorwerker Friedhof statt. Obwohl sein Tod nicht öffentlich angezeigt gewesen war, wohnte dieser eine stattliche Trauergemeinde bei.
Literarisches
Man begegnet Genzken heute noch in Thomas Manns Schlüsselroman Buddenbrooks. Er diente als Vorbild für die Figur des Lehrers Dr. Goldener.[4] „Der feine Oberlehrer“ war ein Lehrer Hannos, stets übertrieben modisch gekleidet und führte in den Pausen eine großzügige Beaufsichtigung (XI, 2., 792) (VIII, 1., 487).[5][6]
Schriften
- De rebus a P. et Cn. Corneliis scipionibus in Hispania gestis: dissertatio inauguralis. Freiberg: Gerlach 1879, zugl. Diss. Göttingen
- Zur Kunde der Bevölkerung. In: Die Freie und Hansestadt Lübeck. Ein Beitrag zur deutschen Landeskunde. Lübeck 1890, S. 108–156
- Die Abiturienten des Katharineums zu Lübeck (Gymnasium und Realgymnasium) von Ostern 1807 bis 1907. Borchers, Lübeck 1907 (Beilage zum Schulprogramm 1907); urn:nbn:de:hbz:061:1-305545
- Das Katharineum zu Lübeck in der Franzosenzeit 1806/1815. Borchers, Lübeck 1914 (Beilage zum Jahresbericht 1914); Digitalisat
- Die Schüler des Katharineums, welche der hanseatischen Legion angehörten.
- (posthum): Aus meiner Jugendzeit: Erinnerungen 1856–1877: Lübeck, den 8. Dezember 1930. Hrsg. von Anke Mührenberg. In: Lauenburgische Heimat. Zeitschrift des Heimatbund und Geschichtsvereins Herzogtum Lauenburg. ZDB-ID 500854-2 206 (2018), S. 10–51
Literatur
- Prof. Dr. Hermann Genzken. In: Vaterstädtische Blätter, Jg. 1921/22, Nr. 4, 20. November 1921, S. 13.
- Richard Zimmermann: Hermann Genzken †. In: Lübeckische Blätter, 74. Jahrgang, Nummer 22, Ausgabe vom 29. Mai 1932, S. 325–326.