Hermann Walser

Geograph, Mittelschullehrer, Hochschullehrer (1870-1919) From Wikipedia, the free encyclopedia

Leben

Hermann Walser war der Sohn des Buchbinders und Kaufmanns Adolf Walser und von Elisa Marti sowie Bruder von Karl Walser und Robert Walser. Nach Studien der Geographie, Geologie, Geschichte und Literatur an den Universität Bern,[1][2] an der Ludwig-Maximilians-Universität in München sowie an der Universität in Leipzig, erhielt er 1892 das Diplom für das höhere Lehramt. 1896 promovierte er bei Eduard Brückner.

Zwischen 1893 und 1894 war er als Sekundarlehrer in Herzogenbuchsee tätig, danach von 1894 bis 1909 als Lehrer am Gymnasium in Bern. 1909 folgte seine Ernennung zum Privatdozenten und ausserordentlichen Professor. Zwei Jahre später wurde er ordentlicher Professor für Anthropogeographie an der Universität Bern.

In seiner wissenschaftlichen Arbeit befasste sich Walser Veränderungen von Kulturlandschaften, mit der Siedlungsgeographie sowie mit den Zusammenhängen zwischen politischen Entwicklungen und geographischen Begebenheiten. Er wirkte ausserdem am Geographischen Lexikon der Schweiz mit.[3][4]

Walser war zweimal, zuerst 1905 und dann von 1915 bis 1919 Präsident der Geographischen Gesellschaft Bern. Von 1895 bis 1919 war er Mitglied der Sektion Bern des Schweizer-Alpen-Club.[5]

Walser starb am 1. Mai 1919 in Bern durch Suizid. In den biographischen Quellen aus der Familie Walser sowie aus literarischen Einträgen wird die Ursache ausdrücklich als Freitod genannt, weitere Details zu den konkreten Umständen sind dort nicht verzeichnet. In Nachrufen und wissenschaftlichen Nekrologen findet sich kein Hinweis auf den Anlass oder die Hintergründe, wohl aber die Erwähnung seines plötzlichen Todes im Jahr 1919. Der letzte Eintrag in seinem Notizbuch zeigt, dass es ihm nicht gutging: „Vom 7. bis 21. April war ich mit Prof. Hugi's in Gersau, Hôtel Seehof. Um Gesundheit zu verbessern u. Krankheit zu vergessen, was aber kaum gelang.“[6.1]

Begraben wurde er am 3. Mai 1919 auf dem Schosshaldenfriedhof in Bern.[6][7]

Literarische Rezeption

Im Werk seines Bruders Robert Walser, vor allem im Roman Geschwister Tanner, spiegeln sich autobiografische Elemente der Familie Walser wider. Die Figur „Klaus“ ist der älteste Bruder der Hauptfigur Simon Tanner und eine zentrale Romanfigur, die den gelehrten und gesellschaftlich etablierten Bruder verkörpert. Literaturwissenschaftliche Forschung, darunter Arbeiten von Bernhard Echte, sieht in Klaus deutliche biografische Anklänge an Hermann Walser, den ältesten Bruder des Schriftstellers. Robert Walsers Darstellung von Klaus reflektiert somit Aspekte der Beziehung zu Hermann Walser und charakterliche Parallelen.

Der literarische Tod von Klaus, der teilweise mit dem Vierwaldstättersee verbunden wird, ist eine Interpretation von Forschern wie Bernhard Echte. Dieser Tod findet sich nicht explizit im Romantext, sondern wird als poetische und symbolische Verarbeitung von Hermann Walsers Lebensweg und seinem tragischen Ende betrachtet.[8]

Darüber hinaus deuten Forschungsergebnisse hin, dass Robert Walser in den „Felix“-Szenen (1925) emotionale und biografische Bezüge zu Hermann Walser verarbeitet hat, insbesondere im Zusammenhang mit dessen tragischem Suizid im Jahr 1919. Diese Szenen reflektieren eine melancholische Auseinandersetzung mit Verlust und Familiengeschichte und sind ein wesentlicher Teil der literarischen Spiegelung von Hermann Walsers Lebensweg.[9]

Hermann Walser, Landeskunde der Schweiz. Zweite, verbesserte Auflage 1914

Schriften (Auswahl)

Bibliografie der Publikationen von Hermann Walser von Gelgia Caviezel, aktualisiert am 22. August 2022.

  • Dörfer und Einzelhöfe zwischen Jura und Alpen im Kanton Bern. Buchdruckerei K. J. Wyss, Bern 1900 (Neujahrs-Blatt der Literarischen Gesellschaft Bern).
  • Die Schweiz. Ein Begleitwort zur eidgenössischen Schulwandkarte. Francke, Bern 1902.
  • Landeskunde der Schweiz. Göschen, Berlin u. Leipzig 1908 (Sammlung Göschen; 398).

Literatur

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI